Afrika - Angola – Namibia 1.Teil

31.Juli 2015 – 20.August 2015

Wir sind in Namibia…

…doch es blieb spannend bis zum Schluss! Angola macht es uns nicht leicht, schlussendlich hetzen wir in nur neun Tagen durch das riesige Land. Die endlose Fahrerei und die nervliche Anspannung, ohne gültige Visa unterwegs zu sein bringen uns an den Rand unserer Belastbarkeit; wir spüren, Afrika hat uns doch auch ausgelaugt. Und dann sind wir da, in Namibia, dem Ausgangspunkt unserer Weltreisepläne!

 

 Angolanischer Visawirrwarr…

Rückblick: Wir sind auf dem angolanischen Konsulat in Pointe-Noire/Rep. Kongo. „Bom dia, wir hätten gerne Touristenvisa für 30 Tage für Angola und Transitvisa für die Enklave Cabinda.“ – „Ja, also beides zusammen geht nicht. Wir stellen Euch die Transitvisa aus, dann könnt ihr weiterfahren, die Touristenvisa bekommt ihr dann in Matadi in der DRC auf dem Konsulat.“ – „Sicher?“ – „Natürlich, ganz sicher!“ Als wir unsere Pässe abholen, kleben sogar „Double-Entry-Transit-Visa“ darin. Und da dies ein Versehen des Konsulats war, sogar zum Preis von nur einem Transit-Visum. Wir haben also einen „Joker“…

Tage später auf dem angolanischen Konsulat in Matadi/Dem. Rep. Kongo: „Bom Dia, wir hätten gerne Touristenvisa für 30 Tage.“ – „Also, die stellen wir hier nur aus, wenn Ihr ein Schreiben unserer Botschaft in Berlin vorlegt, dass keine Einwände dagegen bestehen.“ – Aber in Pointe-Noire hat man uns gesagt…“ – „Nein, ich kann Euch nur Transitvisa ausstellen.“ – „Die brauchen wir aber nicht, die haben wir doch schon (Joker!).“ – „Na, das ist doch prima, damit könnt Ihr einreisen und nach Luanda in die Hauptstadt fahren. Und dort auf der SME-Immigrationsbehörde stellen sie Euch problemlos 30-Tage-Touristenvisa aus.“ – „Sicher??“ – „Natürlich, ganz sicher!“ Na denn, ab an die Grenze…

Tage später auf der SME-Immigrationsbehörde in Luanda, unsere Transitvisa laufen übrigens heute aus: „Bom dia, wir hätten gerne Touristenvisa für 30 Tage.“ – „Hä?“ – „Naja, unsere Transitvisa laufen heute aus und man hat und gesagt, dass wir hier problemlos…“ – „Also das machen wir hier nicht. Das ist viel zu kompliziert. Und außerdem ist heute Freitag und so viel Betrieb. Die Visa bekommt Ihr nur in Eurem Heimatland. Da müsst Ihr jetzt halt hinfliegen.“ – „Hä?? Geht’s noch? Wir sind mit dem Auto hier! Und ab morgen ohne gültige Visa im Land!“ – „Na, weiß auch nicht, was wir da machen. Wir hier machen jedenfalls nichts…“ Kollektive Ratlosigkeit breitet sich aus. Dann fahren wir eben nach Benguela weiter, sind ja nur schlappe 500 Kilometer, da gibt es auch eine SME-Immigration, vielleicht fällt denen ja was ein. Und einstweilen hoffen wir, keine penible Kontrolle zu erwischen…

Tage später auf der SME-Immigrationsbehörde in Benguela, beim Chef persönlich: „Bom dia Senor, wir hätten gerne Touristenvisa für 30 Tage. In Luanda haben sie uns gesagt, das ginge hier problemlos“ – „Nein, das stimmt nicht. SME-Büros können grundsätzlich keine Touristenvisa ausstellen, das geht nur außerhalb des Landes.“ – „Ja, aber was machen wir denn jetzt? Unsere Transitvisa sind doch inzwischen seit drei Tagen abgelaufen!“ – „Da kann ich jetzt auch nichts machen. Fahrt direkt zur Grenze und erklärt denen Euer Problem, dann lassen sie Euch schon passieren.“ – „Sicher???“ – „Natürlich, ganz sicher!“ Nun gut, spulen wir halt mal eben knappe 1000 Kilometer runter…

Am nächsten Tag abends an der Grenze: „Die Einreisestempel in Euren Pässen sehen aber nicht gut aus…“ – „Ja, das wissen wir, aber wir hatten große Probleme und es war nicht unser Fehler!“ – „Das Gesetz sieht 150 US-Dollar Strafe pro Person für jeden überzogenen Tag vor, macht mal eben 1200 US-Dollar!“ – „Wir respektieren ja Eure Gesetze, aber wir haben doch keinen Fehler gemacht! Im Gegenteil, wir sind doch immer brav von Behörde zu Behörde gezogen…“ – „Also das können wir heute nicht mehr lösen, das muss unser Chef entscheiden. Der ist aber erst morgen früh wieder da. Am besten, Ihr übernachtet jetzt hier bei uns im Hof.“ Auch recht…

Am nächsten Tag morgens an der Grenze, Conny muss alleine ran, ich bin völlig erledigt, liege im Bett: „Also da können wir nichts machen, Ihr müsst die Strafe bezahlen!“ – „Aber wir haben doch keinen  Fehler gemacht, das waren doch Eure Offiziellen!“ – „Das können wir hier nicht entscheiden, da müsst Ihr zurück nach Ondjiva fahren, zum Oberboss, aber vorher drückt Ihr die 1200 US-Dollar ab.“ – „Könnt Ihr vergessen, wir bezahlen hier nichts! Dann müsst Ihr uns eben verhaften und einsperren.“ – „Nein, nein, wir sperren hier niemanden ein. Aber dann bekommt Ihr einen Vermerk in den Pass, und dann dürft Ihr nie wieder nach Angola einreisen!“ – „ Wir wollten zwar Euer schönes Land nochmal ausgiebig besuchen, aber wenn Ihr meint, dann ist es halt so…“ – „ Nein, nein, Ihr bekommt die Ausreisestempel, ab mit Euch!“

Und schon sind wir raus…

 

Etosha Nationalpark

Rund um diese riesige Salzpfanne im kargen Norden Namibias breitet sich eine scheinbar unendliche Steppe aus, in der sich fast der gesamte im südlichen Afrika heimische Wildbestand aufspüren lässt. Und im Gegensatz zu den Nationalparks im Osten Afrikas ist der Aufenthalt hier spottbillig. Also nichts wie rein in die geordnete Wildnis…

Jede Menge natürlicher und künstlich angelegter Wasserlöcher erleichtern das Anpirschen an die scheuen Tiere. Dort tummeln sie sich zu allen erdenklichen Tageszeiten, und so ist der Erfolg garantiert. Leider tummeln sich fast ebenso viele Touristen in ihren Mietwagen und in Bussen um die Wasserstellen, so dass es immer wieder zu fast schon grotesken Szenen um den Platz in der ersten Reihe kommt, der zuweilen sogar aggressiv verteidigt wird. Daran spüren wir, dass der normale Urlauber weit davon entfernt ist, seine teure Reise entspannt zu genießen. Wir versuchen, wenn auch nicht immer erfolgreich, diesen negativen Begleiterscheinungen zu entgehen. Und wir erfreuen uns an den herrlich anzusehenden Tieren, die sich von der Spezies gestresster Zweibeiner meist nicht weiter stören lassen.

Wie immer ist es das ausgelassene Spiel der Elefanten, das uns am meisten Freude bereitet. Erst gemächlich, dann aber schnell ungeduldig, streben sie den erfrischenden Wasserlöchern zu. Und dann, was für ein Übermut, vor allem bei den Kleinsten und den frechen Teenagern! Sie stoßen sich und sie spritzen sich gegenseitig nass, sehr zum Unwillen der Leitkuh, die immer wieder erzieherisch einzugreifen versucht. Währenddessen schützen die erwachsenen Bullen das lustige Treiben mit wachsamen Blicken in die weite Runde.

Ganz anders dagegen die scheuen Giraffen. Nur sehr zögerlich nähern sie sich mit wiegenden Schritten, immer in alle Richtungen äugend. Es dauert lange, bis sie der Situation trauen und sich auf den Vorderbeinen kniend mit ihren langen Hälsen schutzlos dem erfrischenden Wasser entgegenbeugen. Immer wieder schrecken sie auf; kaum ist der ärgste Durst gelöscht, entfernen sie sich auch schon wieder langsam aus der Gefahrenzone.

Die großen Herden der Antilopen, der Gnus und der Zebras dagegen stellen sich geordnet nebeneinander, lassen sich kaum stören beim Saufen, es sei denn, die Elefanten erlauben sich das freche Spiel, sie immer wieder aufzuschrecken und mit lautem Trompeten zu vertreiben. Doch lange hält der Schreck nicht an, schnell sind sie wieder da.

Das alles ist freilich anders, wenn die kraftvollen Löwen nach ihrem Mahl den Durst löschen wollen. Dann halten sich alle Tiere in respektvollem Abstand, immer auf der Hut und bereit, sofort zu flüchten, sobald Bewegung in die Könige der Savanne zu kommen scheint. Zu schnell ist man sonst ein Opfer der natürlichen Nahrungskette.

Ein ganz besonderes Erlebnis ist es, eines der seltenen, urzeitlich wirkenden Nashörner zu entdecken. Behäbig nähern sie sich, suhlen sich im Uferschlamm und, da sie stark kurzsichtig sind, blinzeln sie gelangweilt in die Umgebung. Sie müssen, wie die Elefanten, niemanden fürchten, und so nehmen sie auch von uns nicht wirklich Notiz.

Wir fahren, eine lange, weiße Staubfahne hinter uns herziehend, über die weiten Ebenen. Flinke Strauße, scheinbar unkontrolliert herumhüpfende Springböcke, anmutig am Horizont entlang wiegende Giraffen, große Herden hässlicher Gnus und nervöser Zebras und unzählige Antilopenarten begegnen uns ohne Unterlass. Ab und zu steht sogar ein einzelner Elefantenbulle müßig im Nirgendwo herum. Und mit viel Glück liegen sogar einige Löwen faul im Schatten einer einsamen Akazie…

 

Unser erstes Buch nimmt langsam Formen an!

Die letzte Woche stand ganz im Zeichen unseres ersten Buchprojektes. Gemeinsam mit dem Engelsdorfer Verlag arbeiteten wir intensiv an der Verwirklichung unserer Idee, die Geschichte unserer einjährigen Reise durch den Nahen und Mittleren Osten zu veröffentlichen. Unzählige Stunden verbrachten wir mit der Gestaltung des Layouts, dem Lektorat und dem Feinschliff.

Herausgekommen ist nun ein großformatiger, attraktiver Bildband mit fast 300 Fotos und spannenden Geschichten unserer Erlebnisse und Begegnungen. Wenn alles klappt, dann werden wir im Lauf des Novembers den Startschuss für den Vertrieb geben. Und sobald das erste Originalexemplar von uns freigegeben wird, nehmen wir gerne Eure Bestellwünsche entgegen.

Um eine große Auflage zu realisieren, halten wir den Verkaufspreis unter 25 Euro, denn wir möchten  den gesamten Erlös unserem Projekt „Mantoco hilft den Kindern dieser Welt“ zur Verfügung stellen. Damit finanzieren wir z.B. Fußbälle für die Kinder in den abgelegenen Dörfern unterwegs, Kuscheltiere für die Kleinsten oder auch Malhefte und Buntstifte für die Dorfschulen. Mit jedem verkauften Exemplar bringen wir so mit Eurer Hilfe Kinderaugen zum Leuchten!

 

Elefant auf dem Weg zum Wasser
Elefanten auf dem Weg zum Wasser
Elefantenherde am Wasserloch
Badespass
Giraffe
Kampfadler - ganz schön groß!
Oryx und Springböcke genießen das kühle Nass
Zebraherde
neugierige Zebras
der König im Morgenlicht
stolze Löwin
Nashorn
Elefanten im letzten Abendlicht
...und das wird unser Buch!

Afrika - Namibia 2.Teil

21.August 2015 – 13.September 2015

Die Region zwischen Hoanib und Hoarusib…

…ist eine der spektakulärsten Namibias. Fünf Tage wollen wir hier gemeinsam mit Doro und Marc und mit Anika und Rasso die Natur genießen.

 

Sandige Spuren durch tiefe Täler zu den Wüstenelefanten

Bis heute kannten wir uns nur virtuell – seit vielen Monaten chatten wir miteinander, nun freuen wir uns auf ein persönliches Kennenlernen. Doro und Marc sind unsere Route ein Jahr vor uns gefahren, ihr Landrover parkt jetzt in Windhoek. Dort arbeiten Anika und Rasso an der deutschen Schule, ihren LKW haben sie dabei. Wir treffen uns am deutschen Fort in Sesfontein, spüren sofort: das passt! Eine erster Lagerfeuerabend im Hoanib-Tal, dann ein entspannter Erzähltag, Themen gibt es genug.

Schon der Start ist spektakulär. Ein schmales Seitental, das ausgetrocknete Flussbett schlängelt sich zwischen hohen Wänden hindurch. Der Sand ist tief, unsere Fahrzeuge mahlen sich schwerfällig durch das Gelände. Die Felsen weichen zurück, geben ein weites Tal frei, hohe Dünen an den steilen Bergen begrenzen den Horizont. Erste Giraffen gleiten elegant an uns vorüber. Dann tauchen wir ein in das Haupttal, sind überrascht, wieviel Grün sich noch zeigt. An mancher Stelle führt der Hoanib sogar noch etwas Wasser, genug, um der Natur das Überleben auch in der Trockenzeit zu sichern. Immer wieder kreuzen stattliche Oryx-Antilopen unseren Weg, huschen flinke Springböcke flüchtend vor den Motorengeräuschen in die Büsche.

Nach einer markanten Engstelle, die Felswände bieten keine acht Meter Durchschlupf, sind wir im inneren Hoanib-Tal. Und schon nach wenigen Augenblicken sehen wir sie: Wüstenelefanten! Es ist eine spezielle Art, die sich hier zuhause fühlt. Sie sind kleiner als die Steppenelefanten, haben sich der Umgebung angepasst. Immer mehr entdecken wir auf unserer langsamen Pirschfahrt, bleiben lange stehen und beobachten. Viele Jungtiere sind dabei, fast jede Elefantenkuh hat einen Frischling im Schlepptau. Ausgelassen und unvorsichtig tollen sie herum, sehr zum Leidwesen ihrer Mütter, die uns nicht aus den Augen lassen. Stunde um Stunde verstreicht, erst spät lösen wir uns von den Dickhäutern, wir müssen vor Einbruch der Dunkelheit einen Übernachtungsplatz suchen.

Den finden wir auf dem kahlen Hochplateau gleich nach der Ausfahrt aus dem Hoanib-Tal beim Brunnen von Amspoort. Und was für einen! Ein Panoramaplatz vom Feinsten, vor allem, wenn wir auf einem der umliegenden, niedrigen Hügel sitzen. Marc lässt seine Fotodrohne aufsteigen und bietet uns zusätzliche Einblicke auf diese fantastische Wüstenlandschaft. Viel zu schnell bricht die Nacht herein, in der unser Lagerfeuer noch lange gespenstige Schatten an „Mannis“ Außenwand zaubert.

Beim Frühstück entdecken wir auf der gegenüberliegenden Talseite Fahrspuren im weiten Dünenfeld zwischen den kahlen Bergen. Klar, da müssen wir auch hin. Wenig später ziehen unsere Reifen Spuren durch den jungfräulichen Sand. In herrlichem Auf- und Ab gleiten unsere Laster leichtfüßig um zerbröselnde Berge, treiben hinab in endlose Senken und ackern sich schwer schuftend tiefsandige Anstiege hinauf. Plötzlich versperrt uns eine riesige Taldüne die Weiterfahrt, wir müssen zurück. Doch wir finden ein passierbares Seitental, erreichen wieder die Hauptpiste.

In rascher Fahrt queren wir das öde Plateau am Rand der Berge, die uns zum Hoarusib-Tal geleiten. Im schönsten Nachmittagslicht tauchen wir in das zuführende Seitental ein, es wird immer schmäler und endet schließlich direkt am Hoarusib, der überraschend viel Wasser führt. Wir schlagen unser Lager auf, erklimmen einen der umliegenden Berge und lassen das Szenario auf uns wirken. Ein unglaublich schöner Tag verabschiedet sich in der hereinbrechenden Dunkelheit…

Bei Purros, einem erbärmlichen Nest hier im Nichts, verliert sich das Hoarusib-Tal in der weiten Ebene, bevor es zwischen goldgelben Sanddünen nach Norden hin erneut eine Fortsetzung findet. Starker Wind kommt auf, malträtiert uns mit wilden Böen, feiner Staub und dichter Sand nimmt uns Sicht und Vergnügen. Wir flüchten aus dem Flussbett, finden einen steinigen Einschnitt, der uns leidlich Schutz bietet. Giraffen ziehen an unserem Lager vorbei, dann kommt die Nacht.

Wir verabschieden uns, jeder zieht für die nächsten Wochen wieder seiner Wege. Doch es ist uns allen klar, wir werden uns schon bald wieder treffen, zu schön, zu harmonisch waren diese Tage hier draußen, um ihnen nicht eine Fortsetzung zu gönnen. Und uns...

 

Eine fast schon unglaubliche Erfahrung…

22.Juli, an der angolanischen Grenzstation in der Enklave Cabinda: der Zollchef  Kelson Zinga ist der Meinung, wir müssen eine temporäre Einfuhrgenehmigung für „Manni“ bezahlen, umgerechnet rund 23 Euro teuer. „Das haben wir noch von keinem Reisenden gehört!“ Er wälzt dicke Bücher, ruft in der Hauptstadt an, ist verunsichert ob unseres Protestes. „Doch, das ist schon richtig, das muss jeder bezahlen. Die Österreicher vor Euch haben das auch soeben bezahlt.“ Er findet allerdings die entsprechende Vorschrift nicht, und Luanda ruft nicht zurück. Er gibt auf. „Also gut, ich stemple Euer Carnet ab und lasse Euch fahren.“ Wir sind fast fertig, da klingelt das Telefon, die Hauptzollstelle in Luanda. „Das tut mir jetzt echt leid, aber die sagen, das müsst Ihr bezahlen, da auf Eurem Carnet Angola nicht mit aufgeführt ist.“ – „Aber schau, da sind doch viele afrikanische Länder nicht aufgeführt, aber alle haben es akzeptiert!“ – „Ja, stimmt schon, aber Luanda sagt…“ Grollend und meckernd bezahlen wir schlussendlich die 23 Euro. „Glaube mir“, schimpfe ich, „ich habe Recht, das hat noch nie ein Reisender bei der Einreise nach Angola bezahlen müssen. Ich bin Deutscher, ich bin korrekt, ich sage die Wahrheit! “ „Und ich bin Angolaner“, mahnt er, „und ich bin auch korrekt. Ich gehe der Sache nochmal nach. Wenn Du Recht haben solltest, dann zahle ich Dir Dein Geld wieder zurück!“ – „Wie soll das denn gehen?“ – „Ich habe einen Freund beim Zoll in Santa Clara an der Grenze nach Namibia, und der gibt Dir dann das Geld. Gib mir Deine Email, ich schicke Dir sofort meine Daten.“ Na, wer`s glaubt…

05.August, angolanischer Zoll in Santa Clara: wir zeigen dem Zöllner das Papier und erklären den Sachverhalt. „Ja, das Papier gibt es, aber wir haben es noch nie von einem Touristen verlangt zu bezahlen. Das Carnet genügt uns.“ Wie wir es uns schon dachten, an keiner anderen Grenze zu Angola, bei keiner Kontrolle unterwegs im Land wollte irgendjemand dieses Papier sehen.

13.August, ich schreibe eine Mail an Kelson Zinga und erinnere ihn an sein Versprechen, appelliere an seine „Correctness“. Ich biete ihm an, einem anderen deutschen Reisenden, der in Kürze bei ihm an der Grenze auftauchen wird, das Geld zu geben, da wir jetzt ja schon in Namibia sind und das mit seinem Freund an der Grenze nicht mehr funktionieren würde. „Das glaubst Du doch nicht wirklich, oder?“ lacht Conny mich aus. „Doch“, erwidere ich mit grenzenlosem Optimismus, „das ist jetzt eine Sache der Ehre zwischen uns. Du wirst schon sehen…“

27.August, wir bekommen eine Mail von Hartmut, dem deutschen Reisenden: „Habe Euer Geld bei der Einreise nach Cabinda erhalten.“ Wir sind baff. Total. Ein afrikanischer Zollbeamter hält Wort, verhält sich korrekt. Wir schreiben ihm, bedanken uns für sein Verhalten. Am liebsten würden wir ihn mit dem Geld zum Essen einladen…

 

Veterinär-Checkpoints in Namibia

Quer durch das Land zieht sich eine imaginäre Grenze, die das Farmland vom Buschland trennt. An den Straßen und Pisten, die diese Linie kreuzen, hat der Staat Veterinär-Checkpoints eingerichtet, zum Schutz gegen die Maul- und Klauenseuche. Hier kontrollieren meist korpulente Damen, unterstützt von Polizisten und als solche nicht immer ganz eindeutig zu erkennenden sonstigen Offiziellen, ob der Bordkühlschrank Fleisch und Wurstwaren, gleichgültig ob frisch, eingefroren oder vakuumverpackt beinhaltet. Ist dem so, dann werden diese von den meist korpulenten Damen ersatzlos eingezogen und anschließend vernichtet. (Böse Zungen behaupten allerdings, dass die kontrollierenden Damen nicht ohne Grund meist korpulent sind…).

Bei einem Expeditions-LKW stellt sich diese Kontrolle jedoch als überraschend schwierig heraus: „Morning Sir, Veterinärkontolle. Haben Sie Fleischprodukte im Kühlschrank?“ – „Nee, natürlich nicht, wir waren jetzt zwei Wochen im Busch unterwegs, unser Kühlschrank ist leer.“ (Fleisch und Wurstwaren lassen sich ja spielend in so einem LKW verstecken, wenn man weiß, wann so ein Checkpoint auftaucht…) – „Kann ich den Kühlschrank mal kontrollieren?“ – „Aber natürlich, bitte sehr…“ – Mit behändem Satz erklimme ich „Mannis“ Inneres, die Außentreppe bleibt unbemerkt in ihrem Versteck. Die auch hier etwas korpulente Dame runzelt fast unbemerkt die Stirn. „Wo ist er denn, der Kühlschrank?“ – „Na, hier drinnen, so drei Meter weiter hinten, in der Küche.“ – Sie kapituliert vor der 1,40 Meter hohen Einstiegshürde und weist einen jungen Mitarbeiter an, mir nachzufolgen. Flugs steht er auf dem Fußabtreter. „Bitte Schuhe aus!“ – Meine Anweisung überrascht ihn sichtlich. „Aber ich kann die Schuhe nicht ausziehen! “ (Warum, will ich lieber gar nicht wissen…) Er springt wieder runter, neben seine korpulente Chefin. „Also, so geht das nicht“, blafft nun diese, „unser Gesetz sagt, dass ich den Kühlschrank kontrollieren muss! Mit Schuhen!“ – „Das mag ja alles sein“, erwidere ich seelenruhig, „ aber hier drinnen bin ich das Gesetz, und das sagt, mit Schuhen kein Einlass!“ Sag`s, klettere hinunter, zucke mit den Achseln und schließe die Tür. „Ja, aber…“ – „Have a nice day, Mam…“, spring auf den Bock, fahre los und lass die ganze Veterinärmischpoke einfach stehen…

 

Von Löwen umzingelt

In angespannter Aufmerksamkeit gruppieren sich Giraffen, Strauße, Gnus, Springböcke, Kudus und Zebras mit respektvollem Abstand zum Wasserloch, immer bereit, sofort die Flucht nach hinten anzutreten. Ein sicheres Zeichen für Löwen in der Nähe! Und da sehen wir sie auch schon – vier männliche Junglöwen, die Mähnen erst schüchtern um den massigen Kopf gewachsen, besetzen sie lässig die Ufer des begehrten Nass. Sie fixieren uns, „Mannis“ Größe scheint eine gewisse Ratlosigkeit, aber auch Neugier auszulösen. Langsam erhebt sich einer nach dem andern, bewegt sich elegant federnden Schrittes auf uns zu, um uns herum. Fast könnten wir sie greifen, so nah schleichen sie um „Mannis“ Reifen. Nie lassen sie uns aus den Augen, ducken sich oft, fertig zum Sprung, um sich dann doch wieder zu entspannen. Wir sind buchstäblich umzingelt, könnten nicht aus dem Koffer aussteigen, so nahe sind sie uns. Fasziniert von dieser Begegnung beobachten wir uns gegenseitig, währenddessen die anderen Tiere die Gunst der Stunde nutzen, um ihren Durst zu löschen. Erst nach einer endlos erscheinenden Zeitspanne wenden sie sich wieder von uns ab, trollen sich zurück zum Wasserloch, verscheuchen alle anderen. Was für eine Begegnung!

 

Eine runde Sache!

Kaum zu glauben – seit unserem Re-Start Ende April letzten Jahres sind wir nun genau 500 Tage „on tour“! Und kein bisschen (reise)müde… Nach den intensiven Erlebnissen in West- und Zentralafrika freuen wir uns nun auf das entspannte Reisen hier im Süden. Die kommenden sechs Monate wollen wir ganz gemächlich durch Namibia und Südafrika tingeln, immer der Tierwelt auf der Spur, mal wieder Bergsteigen und Klettern, Freunde am Lagerfeuer treffen, Weinproben auf den bekannten Gütern genießen. Ein guter Plan…

 

überraschend grünes Hoanib-Tal
Engstelle im Hoanib-Tal
Wüstenelefant bei akrobatischer Futterbeschaffung
viele junge Elefanten im Hoanib-Tal
Luftaufnahme von unserem Übernachtungsplatz by Marc Heinzelmann
Nachtlager in der Wüste
unbegrenzte Freiheit...
spannende Pistenfahrt
scheinbar unendliche Weiten...
Übernachtungsplatz im Hoarusib-Tal
Warum???
gemischte Grillplatte im Etosha-Nationalpark
Löwen beobachten aktiv das Geschehen am Wasserloch
Giraffen beim Trinken
Löwe pirscht Manni an
einsamer Elefantenbulle beim Schlammbad
Grrrr....
mantoco 500 Tage on tour!

Afrika - Namibia 3.Teil

14.September 2015 – 07.Oktober 2015

Ganz gemächlich…

…trödeln wir so durchs Land, entdecken immer wieder wunderschöne Plätze zum Verweilen und treffen auf die unterschiedlichsten Menschen. Unaufgeregtes Reisen halt…

 

Die Natur als Baumeister

Schwer wabert der milchige Dunst der Mittagshitze über die ausgedorrte Steinwüste. Vereinzelt trotzt dorniges Buschwerk der sengenden Sonne, plagt sich karges Gras durch die harte Oberfläche. Am Horizont flimmern erste Tafelberge über der Ebene, die steile Abbruchkante eines Plateaus markiert das ausgetrocknete Flussbett.

Jahrmillionen ist es her, als sich der heute nur selten Wasser führende Ugab mit brachialer Gewalt durch das Gestein fräste. In der dann folgenden Trockenperiode füllte sich das riesige Tal wieder mit Kalksteinbrocken, die sich zu mächtigen Bergen formten. Dann wieder Wasser, das nach und nach den Kalkstein aushöhlte und wegspülte. Der Druck der Fluten war so stark, dass nur noch ein paar wenige Fragmente einstiger Plateaus standhielten, Wind und Regen taten ihr Übriges.

Unser Lager ist direkt unter dem markanten und weithin sichtbaren Vingerklip aufgeschlagen, der sich rund 35 Meter hoch senkrecht in den stahlblauen Himmel reckt. Wir erklimmen den bröseligen Sockel dieses steinernen Monuments. Atemlos staunen wir über die sich uns bietende Szenerie – wie an einer unsichtbaren Schnur aufgezogen reihen sich die prähistorischen Reste einstmaliger Bergketten aneinander. Das Spiel der Farben verwandelt diese Naturbühne stündlich in ein neues Bild, die Ähnlichkeit mit dem großen Bruder in Nevada ist unverkennbar.

Wir bleiben noch einen Tag. Und noch einen. Die Stimmung des Tales zieht uns komplett in seinen Bann. Giraffen und Oryx ziehen unter uns durch die Steppe, die untergehende Sonne zaubert ein kleines Paradies in dieses karge Tal. Als wir uns dann doch wieder auf den Weg machen, grüßt der filigrane Vingerklip noch lange hinter uns…

 

Deutschtümmelei in abgeschiedener Lage

Weithin sichtbar steilt sich das mächtige Erongo-Massiv aus der platten Ebene auf. Eine harte Piste führt uns tief hinein mitten ins Herz dieses vulkanischen Gebirges. Mehrere Farmen teilen sich die steinigen Flächen, bei der letzten, ganz hinten im Talschluss, endet der holprige Pfad. Ombu nannten sie die Erschließer, damals 1933, als sie nach beschwerlichen Wochen mit dem Ochsenkarren hier ankamen. Hinterholzer hieß die Sippe, aus Franken emigriert, auf der Suche nach Freiheit und Glück. Doch der Weg dorthin war hart, knüppelhart.

Der alte Fritz, heute 80 Jahre alt, begrüßt uns mit launischen Sprüchen, erzählt die Familiengeschichte. Und er zeigt uns stolz seine Farm, über 11 Hektar groß. 80 Kilometer Zäune, 300 Kilometer Wege, 160 Brunnenlöcher, alles von eigener Hand geschaffen. Krachend und ächzend hoppeln wir mit seinem uralten Landy buchstäblich über Stock und Stein, spüren Giraffen auf, kontrollieren Rinder und Schafe.

Im liebevoll eingerichteten alten Farmhaus spülen wir den Staub hinunter, die beiden Alten schwelgen in Erinnerungen, für uns oft befremdlich verklärt; die dunkelbraune Holzvertäfelung der Hausbar passt perfekt zur geistigen Gesinnung. Wir müssen uns beherrschen, doch unsere Welten sind so weit voneinander entfernt, dass eine Diskussion über die Veränderungen da draußen in der Welt sinnlos erscheint. Der Alkohol und die Erinnerung an das eigene, harte Leben vermischen sich zu bald mit nicht mehr tragbaren Aussprüchen – ich will mir das nicht mehr anhören, muss gehen.

Die Welt scheint hier hinten stehen geblieben zu sein, zumindest in den Gedanken der Alten. Wir sind froh, dass die Jungen offener, realistischer sind. Und so verlassen wir die Farm mit sehr gemischten Gefühlen…

 

Allrad-Lkw-Treffen im Omaruru-Rivier

Auch in Namibia nennen viele Deutschstämmige einen Allrad-Lkw ihr Eigen, und so organisieren sie auch hier jedes Jahr aufs Neue ein Treffen irgendwo da draußen im Land. Natürlich erfahren wir davon, werden eingeladen.

Zwei riesige Akazien beschatten den sandigen Platz im Omaruru-Rivier, irgendwo zwischen Spitzkoppe und Brandberg. Hohe Felswände begrenzen das staubtrockene Flussbett, Schafe und Esel ziehen durch den heißen Sand. Wir richten uns ein, sammeln Feuerholz – und warten. Dann kommen die Ersten. Schon von weitem hören wir das Aufheulen hochtourig drehender Motoren, der tiefe Sand quält. Doch verringerter Reifendruck und konsequentes Gas geben lässt einen nach dem anderen die sandige Hürde nehmen. Jedes Mal  ein großes Hallo, den Neuankömmlingen wir sofort ein eiskaltes Bier in die Hand gedrückt, die Runde wird von Stunde zu Stunde größer.

Am Abend sind wir komplett. Dreizehn Fahrzeuge gruppieren sich locker um die beiden Bäume, ein kräftiges Lagerfeuer lodert in den Vollmondhimmel. Der Tagesumsatz einer mittleren Dorfmetzgerei brutzelt schon bald auf der Glut, hungrig geht hier niemand nach Hause. Für uns Traveller ist dieses Treffen natürlich eine Goldgrube – wir lernen tolle Menschen kennen, werden mit wertvollen Tipps überhäuft und sammeln Einladungen für die nächsten Wochen. Erst spät in der Nacht kehrt Ruhe ein unter dem klaren Sternenhimmel, nur das heruntergebrannte Feuer glimmt noch so leise vor sich hin.

 

Manni an der Vingerklip
unser Traum-Stellplatz direkt unterhalb der Vingerklip
die ersten Sonnenstrahlen über dem Ugab-Tal
herrliche Landschaft zum Entspannen
Bouldern am Vingerklip
das Leben ist einfach schön...
im Herzen des Erogo-Massivs
mit dem alten Fritz auf seiner Farm unterwegs
lustige Runde beim Allrad-Lkw-Treffen
Camp im Omaruru-Rivier

Afrika - Namibia 4.Teil / 1.Fazit

08.Oktober 2015 – 02.November 2015

Ohne Sightseeing-Stress…

… genießen wir die Treffen mit all unseren Freunden. Zeit ist das Zauberwort, denn nichts treibt uns vorwärts. So entdecken wir neben den bekannten Hotspots auch viele kleine Besonderheiten und unscheinbare Plätze, an denen wir früher achtlos vorbeigefahren sind.

 

Auf staubigen Spuren kreuz und quer durch Namibia

Die historischen weißen Wurzeln Namibias, das sind die Farmen. Riesige Weideflächen, eingezäunt von tausenden Kilometern Zäunen, die das Campen in der Natur sehr oft verhindern, parzellieren fast das gesamte Land. Wir besuchen zwei kleine Farmen, sind eingeladen, uns einen Einblick zu verschaffen. Es ist ein hartes Leben, das die Farmer hier führen, Trockenheit und Wasserknappheit sind die größten Feinde. Und doch halten sie alle an ihrer Scholle fest, lieben ihr Leben hier draußen.

Deutscher geht es nun wirklich nicht – Swakopmund ist der Inbegriff deutscher Geschichte hier im südlichen Afrika. Es sind nicht nur die deutschen Namen an den Geschäften und Häusern, auf den Straßenschildern und in den Supermärkten, keine afrikanische Stadt ist sauberer, sortierter, aber auch steriler.

Inmitten karger Ebenen, bretteben bis zum in der heißen Luft flimmernden Horizont, da erhebt sich urplötzlich der von Wind und Wetter zerfressener Hügel von Mirabeb. Unglaubliche Hitze speichern die glatten Steine, mühsam kämpft spärliche Vegetation ums Überleben. Der Blick von den glattgeschliffenen Gipfeln schwingt sich weit über die in der Ferne erkennbaren Dünenketten der Namibwüste, bleibt an vereinzelten Bergen, die verlassen aus der staubtrockenen Ebene erwachsen, hängen.

Zartes Lindgrün liegt über der sanft ansteigenden, sandigen Fläche, goldgelb leuchten endlos erscheinende Dünen zu uns herüber. Die Abendsonne taucht die erodierten Berge hinter uns in ein weiches Licht, krakeligen Silhouetten gleich recken sich die trockenen Äste vereinzelter Köcherbäume in den dunkelblauen Himmel. Nirgendwo sonst als hier am einsamen Rand der Tirasberge treffen Wüste und Gebirge eindrucksvoller aufeinander.

Gigantische Absenkungen, Faltungen, Erosionen, Eiszeiten, und Verwerfungen arbeiten seit zwei Milliarden Jahren an der Entstehung des Fish River Canyons. Das Ergebnis dieser erdgeschichtlichen Entwicklungen kann sich durchaus mit dem großen Bruder in Colorado messen lassen. Auf über 160 Kilometern grub sich schlussendlich der Fish River tief hinein in diese Erdspalte und schuf so einen beeindruckenden Canyon von mehr als 550 Metern Tiefe.

 

Unser Buch ist da!

Mitte Oktober war es endlich soweit – wir halten unser erstes eigenes Buch in den Händen! Anja hat es uns im Flieger mitgebracht, und nun sind wir doch ein wenig stolz, unser Werk endlich live zu sehen. Sofort machen wir uns ans Werk, den Vertrieb anzukurbeln, denn wir wollen ja den gesamten Erlös unserem Hilfsprojekt „Mantoco hilft den Kindern dieser Welt“ zukommen lassen, und damit wir möglichst vielen Kindern eine echte Freude bereiten können, müssen wir natürlich möglichst viele Bücher verkaufen. Und es klappt sehr gut, schon in den ersten zwei Wochen können wir rund 100 (!) Bücher versenden lassen! Damit es schnell noch viel mehr werden, bauen wir doch sehr auf all unsere Freunde, uns hierbei zu unterstützen… >zum Buch<

 

Ein erstes Fazit Namibia

Erreichst Du nach einer Westafrikadurchquerung von Angola kommend die Grenze nach Namibia, dann ist das im ersten Moment so ein bisschen wie nach Hause kommen. Aufgeräumt, sauber, sortiert präsentiert sich das Land, die deutsche Vergangenheit ist allgegenwärtig. Die Straßen sind perfekt, der Verkehr darauf brav und korrekt. Keine Checkpoints nerven, die Supermärkte sind wie sie sein sollen – gut sortiert und preiswert.

Nach ein paar Tagen jedoch fängst Du an, etwas zu vermissen. Wo sind die bunten Märkte, die Gerüche der Straßenküchen, das lauthalse Feilschen der Händler? Alles wirkt auf einmal so anders. Ist das denn überhaupt noch Afrika hier? Und wo sind die Kontakte mit den Schwarzen? Nein, es gibt sie nicht mehr. Nach wir vor prägen Parallelwelten den Alltag der Menschen hier, Berührungspunkte gibt es eigentlich nicht.

Wir tingeln gemütlich durchs Land, doch wir sind immer nur mit Unseresgleichen zusammen, auf Camps, in Lokalen, beim Einkaufen, am Lagerfeuer. Wir genießen die Zeit mit alten und neugewonnen Freunden, schwarze Menschen sind nie dabei. Es ist ein ganz anderes Afrika, auf das wir hier stoßen. Das weiße Afrika. Es funktioniert, es ist uns wohlbekannt, fast heimatlich. Doch es verstört uns auch immer wieder, es ist manchmal zeimlich borniert, engstirnig, uneinsichtig. Und das ist sein ganz großes Problem…

Unbelästigt von den Milliarden zentralafrikanischer Insekten entdecken wir wieder das Outdoorleben, vermissen nicht die feuchte Schwüle der Regenwaldzonen, die jedes Lagerfeuer zu einer Räucherkammer machen und das Atmen erschwert. Wir erfreuen uns an den überraschenden Begegnungen in der freien Natur mit Elefanten und Giraffen, mit Löwen und Schakalen, Oryx und Kudus, Zebras und Affen. Und wir staunen über das selbstverständliche Zusammenprallen von Tradition und Moderne, wenn barbusige Himbafrauen mit Smartphone am Ohr und Plastiktüte  im Supermarkt die Einkaufsliste abstimmen und dabei ihren so typisch ranzigen Geruch von Butterfett in der Luft hinterlassen, der vor einigen Jahren nur in ihren ärmlichen Rundhütten zu vernehmen war.

Dann denken wir oft zurück an die vielen wundervollen und emotionalen Momente in West- und Zentralafrika, an das Lachen und die Musik, an die Farben und Gerüche. Und wir spüren, trotz des herrlich entspannten Reisens und der wie immer aufregenden Begegnungen mit den wilden Tieren und der grandiosen Wüstenlandschaften, die wir durchgleiten – das Herz Afrikas, das ist woanders…

Und trotzdem, nach drei herrlich entspannten Monaten hier in Namibia, die unsere Akkus wieder bis zum Anschlag aufgeladen haben, werden wir nächstes Jahr wieder hierher zurückkommen, zu unseren vielen Freunden und der unverwechselbaren Atmosphäre, die du so nur hier findest…

 

anstrengender Schildkrötensex
Schildkröte
große Flamingokolonie
Pelikane
Mirabeb - Luftaufnahme von Marc Heinzelmann
Mirabeb im Abendlicht
Mirabeb im Abendlicht
gefräßiges Erdhörnchen
Köcherbäume in den Tirasbergen
Sonnenuntergang in den Tirasbergen
im Köcherbaumwald bei Keetmanshoop
im Köcherbaumwald bei Keetmanshoop
Fish-River-Canyon
Fish-River-Canyon
traumhafter Buschcampingplatz bei Aussenkehr

Afrika - Südafrika, 1.Teil

03.November 2015 – 22.November 2015

Zurück in „unserer“ Welt?

Ja, was ist denn da passiert? Hat uns jemand unbemerkt nach Europa zurückgebeamt? Also, mit Afrika hat das hier nicht wirklich was zu tun, zumindest nach unserem Verständnis. Trotzdem, schon nach den ersten Tagen sind wir begeistert…

 

Ein anderes Afrika…

„Welcome in South Africa! Enjoy your stay“. Nach nur wenigen rekordverdächtigen Minuten sind die Einreiseformalitäten erledigt, keine unsinnigen Stempel und nutzlose Statistiken, keine undurchsichtigen Gebühren und nervige Wartezeiten. Afrikanischer Grenzübergang?

Eine perfekte Straße durchschneidet die triste Hochebene, Warnschilder und gut erkennbare Linien auf dem glatten Asphalt leiten den spärlichen Verkehr. Stoppschilder und Zebrastreifen werden respektiert, beim Überholen informiert der Blinker, höfliches Winken hilft dem Ortsfremden. Afrikanischer Straßenverkehr?

Ausgeschilderte Wanderwege führen durch das Gebirge, kein Müll beeinträchtigt die fragile Natur. Ein Jahrespermit erlaubt den kostengünstigen Besuch vieler Parks, perfekte Campingplätze und sichere Bushcamps lassen keine Wünsche offen. Afrikanische Tourismusförderung?

Wie mit dem Lineal gezogene Weinberge bedecken die Berghänge, unendlich weit wiegt sich das reife Korn auf den gelbbraunen Feldern. Saubere Bäche und klare Seen schaffen kleine Paradise, weite Strände laden ein zum Genießen. Afrikanische Landwirtschaft im Einklang mit der Natur?

Afrika also ganz anders als bisher. Aber ist das auch noch Afrika? Was genau ist denn eigentlich Afrika? Wir sind gespannt auf die kommenden drei Monate in diesem vielfältigen Land und ob es uns dann immer noch so begeistert wie schon jetzt nach nur wenigen Tagen.

 

Lebendige Vergangenheit der San in den Cedarbergen

Wie ein großer steinerner Riegel grenzen die zerklüfteten Cedarberge das fruchtbare Wein- und Obstland von den wüstenhaften Weiten der Karoo ab. Viele Wanderwege erschließen die steinigen Hänge, führen uns auf teils abenteuerlichen Pfaden hinauf auf Gipfel und Plateaus. Seit rund einer halben Million Jahre ist dieses schwer zugängliche Gebiet die Heimat der San gewesen, der kleinen Buschleute des südlichen Afrikas. Hier waren sie sicher vor Überfällen und lebten tief mit ihren Traditionen verwurzelt. Doch plötzlich war es vorbei mit der Idylle, vor etwa 300 Jahren entdeckten die ersten weißen Siedler die geschützten Täler und vertrieben die San. Übrig blieben die von ihnen bewohnten Höhlenlabyrinthe und erstaunlich klar erhaltene Felszeichnungen, die uns einen lebendigen Eindruck ihres damaligen Lebens geben. Die San selbst sind inzwischen in die große Karoo-Wüste weitergezogen, wo sie unbehelligt nach ihren überlieferten Traditionen leben.

 

The most southern point of Africa!

Die letzten einhundert Kilometer liegen vor uns. Gemächlich machen wir uns auf den Weg, realisieren noch nicht so richtig, wohin wir uns heute begeben. Erst kurz vor dem Ziel, dem windumtosten Cap L`Agulhas, werden wir ein wenig melancholisch. Eineinhalb Jahre und 41000 Kilometer liegen hinter uns; eine Transafrika-Tour der ganz besonderen Art – emotional und eindrucksvoll, erlebnisreich und authentisch. Still halten wir uns an den Händen, blicken hinaus auf die raue See, die sich von hier aus ungehindert bis in die Antarktis ausdehnt.

Nein, das Cap war nie unser Ziel, aber es ist eine emotionale Etappe, ein Meilenstein auf unserer Lebensreise. Auf eigenen Reifen bis hierher – ein Jugendtraum wurde wahr! Den ganzen Tag sitzen wir meist in Gedanken versunken vor dem gemauerten Sockel mit der wegweisenden Inschrift, beobachten die nicht abreisende Schar der Urlauber, die so gar nicht zu realisieren scheinen, wo sie sich eigentlich befinden. Oder zumindest nicht so empfinden können wie wir…

Von jetzt ab geht es nur noch nordwärts, so wie einst für die portugiesischen Seefahrer, die als erste dieses Cap umsegelten auf ihrem beschwerlichen Weg nach Indien. Auch wir sind bereit für das, was uns auf unserem weiteren Weg durch Afrika noch erwarten wird. Und dann irgendwann dabei unseren nächsten Meilenstein erreichen…

 

Die letzten frei lebenden Pinguine im südlichen Afrika

Vor hundert Jahren waren es noch mehr als eineinhalb Millionen der lustigen Brillenpinguine, die an den Küsten Südafrikas und Namibias herumwatschelten. Intensive Jagd, gezielter Eierdiebstahl, immer stärkerer Bevölkerungsdruck, aber auch die extreme Zunahme der natürlichen Feinde wie Robben, Möwen und jede Menge Nager verringerten den Bestand auf einige wenige tausend Tiere. Dazu kommen havarierte Tanker, in deren Ölpest die fluguntauglichen Pinguine jämmerlich verendeten.

Erst in den letzten dreißig Jahren haben die Regierungen der beiden Länder erkannt, dass ein dringendes Eingreifen nötig geworden ist, um diese bedrohte Spezies zu retten. Und es gelingt; in vielen Buchten wurden künstliche Gehege eingerichtet, bewacht von Naturschützern, die Jagd und der Eierdiebstahl wurden unter Strafe gestellt. Nun können wir uns wieder an der sich erholenden Population dieser drolligen Zeitgenossen erfreuen…

 

Winelands um Stellenbosch

Schon bald nach der Gründung der Siedlung Stel-en-bosch im Jahre 1679 begann der Anbau von Wein in der unmittelbaren Umgebung der Ansiedlung. Nach und nach entstanden die heute so bekannten Weingüter, auf deren Ruf Südafrikas Weintradition gründet.  Nur wenige der so typischen kapholländischen Häuser sind in der Stadt selbst noch erhalten, doch vor allem auf den herrschaftlichen Weingütern, meist seit vielen Generationen in Familienbesitz, wurden die alten Traditionen bewahrt.

Wir besuchen eines der ältesten Weingüter rund um Stellenbosch, Murati, seit 1679 fast durchgängig in Familienbesitz. Hier, in den altehrwürdigen Räumen der uralten Gebäude, warten erlesene Weine zur Verköstigung auf die vor allem am Wochenende zahlreich erscheinende Kundschaft. Uns ist der Trubel ein wenig zu viel, und wir entscheiden, zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu kommen.

 

So, und jetzt endlich geht es nach Kapstadt! Doch davon mehr im nächsten „newsletter“…

 

Impressionen in den Cederbergen
wilde Tiere in den Cederbergen
Stadsaal-Caves, ehemalige Höhlenwohnungen der San
Stadsaal-Caves, ehemalige Höhlenwohnungen der San
Felsmalereien der San
am Bain´s Kloof Pass
Cap L´Agulhas, der südlichste Punkt Afrikas
lustige Brillenpinguine in der Kapregion
lustige Brillenpinguine in der Kapregion
lustige Brillenpinguine in der Kapregion
kapholländische Architektur in Stellenbosch
Panoramawanderung im Jonkershoek Nature Reserve
Sonnenuntergang am Tafelberg
Sonnenaufgang in Kapstadt

Afrika - Südafrika, 2.Teil

23.November 2015 – 16.Dezember 2015

Die Kapregion – das schönste Ende der Welt?

Nein, wir wollen keine Vergleiche mit anderen Regionen dieser Welt anstellen, denn wir würden vielen anderen schönen Plätzen gegenüber ungerecht werden. Doch wir müssen gestehen, diese Ecke hier schafft es locker in die Top Ten…

 

Kapstadt – Cape Town – Kaapstad

Wir nähern uns der Keimzelle des weißen Südafrikas von Norden, entlang der weißen Strände der rauen Westküste. Es ist eindeutig die Schokoladenseite dieser multikulturellen Metropole: die steilen Wände des Tafelberges, flankiert von den kecken Spitzen von Lions Head und Devils Peak bilden den Horizont; davor erstreckt sich das tiefblaue Meer, in dem sich die gläserne Skyline der City spiegelt. Kaum eine Stadt auf dieser Welt kann dieses Bühnenbild toppen, das Arrangement wirkt perfekt.

In einem sanft ansteigenden Halbrund schmiegen sich die edlen Häuser der gut situierten Capetonians an die unteren Hänge des Tafelberges, mischt sich alte kapholländische Architektur und Moderne. Kopfsteingepflasterte Straßen im muslimischen Viertel mit seinen bunten Häusern und Minaretten wechseln sich ab mit dreispurigen Geschäftsstraßen, schmale Gassen in den angesagten Kneipenvierteln gehen nahtlos über in grüne Parkanlagen mit historischen Gebäuden. Und abends, wenn das unverwechselbare Wolkenband träge über die steile Kante des Tagelbergs wabert, trägt die laue Sommerluft die verschiedensten Klänge um die Ecken, schwingt die lockere Atmosphäre sich auf, dich mitzureißen in diesen unverwechselbaren Strudel entspannten Lebens.

Eine Wanderung auf den berühmtesten Berg des südlichen Afrikas eröffnet dir dann endgültig den wahren Zauber dieser Region. Weit, bis ganz hinunter ans sturmumtoste Kap der Guten Hoffnung, einst Grab unzähliger Seeleute auf ihrem beschwerlichen Weg nach Indien, reicht von hier aus der Blick. Er streift die große Bucht unter dir, an deren Rand sich die schneeweißen Strände irgendwo im Dunst der Ferne verlieren, und er macht die lieblich geneigten Hügel rund um die Stadt aus, an deren Hängen in zartem Grün die Reben des nächsten Weinjahrgangs unter der heißen Sonne reifen. Aber er erahnt auch die unendlich erscheinenden Townships, wo in elenden Wellblechverschlägen bar jeglicher Annehmlichkeiten zwei Millionen Menschen auf ein anderes, ein besseres Leben hoffen, freilich ohne jegliche Chance.

Auf der Peninsula südlich der Stadt locken viele Hot Spots mit allerlei Verführungen, die das Leben so zu bieten hat: Eng schmiegen sich noble Orte in die steilen Buchten, angesagte Restaurants bieten perfektes kulinarisches Verwöhnen, traumhaft arrangierte Strände zwischen rundgeschliffenen Felsen offerieren einen entspannten Badetag; das tiefblaue Wasser des Atlantiks allerdings ist schrecklich kalt. Die ältesten Weingüter der gesamten Region laden mit stilvollem Ambiente ein, die edlen Tropfen der heimischen Weinberge zu probieren, und auf rustikalen Wochenmärkten füllen sich schnell Taschen und Körbe mit herrlichen Leckereien.

Mit dem Fahrrad oder auf Schusters Rappen erkunden wir jede Ecke dieser Halbinsel, erfreuen uns an den lustigen Pinguinen, die hier an verschiedenen Stränden ihre Heimat haben und lachen über die putzigen Klippschliefer, die wild durch das Unterholz wirbeln. Fast täglich werden wir von den freundlichen Menschen hier angesprochen und eingeladen, es ergeben sich so viele emotionale Begegnungen. Und immer wieder entdecken wir tolle Übernachtungsplätze, die uns wunderbare Panoramen bieten auf die schroffen Felsen der Umgebung, die lieblich geschwungenen Buchten weit unter uns oder auf die Lichter von Kapstadt.

Nach zwei intensiv gelebten Wochen in und um eine der schönsten Städte der Welt spüren wir, hier haben wir zum ersten Mal auf unserer Lebensreise einen Platz vorgefunden, an dem wir uns eines fernen Tages niederlassen könnten…

 

Cape of Good Hope

1488 erreichte der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Diaz den südwestlichsten Punkt Afrikas. Das von ihm „Kap der Stürme“ genannte Felsenriff wurde erst später in „Kap der Guten Hoffnung“ umbenannt in der Hoffnung, dahinter noch viele reiche Länder entdecken zu können. Die verrosteten Überreste zahlreicher Schiffswracks säumen die zerklüftete Küste, so mancher Kapitän musste sich den Urgewalten dieser Wetterküche beugen. Heute ist dieses Stückchen wildes Land von unzähligen Touristen bevölkert, und es bedarf schon großer Geduld, den Zauber dieser Ecke ausfindig zu machen.

Wir nehmen uns einen ganzen Tag Zeit, um ihn zu entdecken, stellen uns vor, wie einst die zerbrechlichen Karavellen der verwegenen Seefahrer nach monatelangen Entbehrungen endlich dieses gefährliche Kap erreichten und in glücklichen Fällen erfolgreich umrundeten. Und auch für uns ist der Name Programm, denn auch wir hoffen, auch weiterhin viele schöne und spannende Erlebnisse auf unserer weiteren Fahrt genießen zu dürfen…

 

Route 62 – die „längste Weinstraße der Welt“

Montagu – Swellendam – Barrydale – Ladismith – Calitzdorp – Oudtshoorn. Über rund 250 abwechslungsreiche Kilometer schlängelt sich diese einst wichtigste West-Ost-Verbindung entlang der Great-Swartberg-Mountains. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts ließen sich mutige Weinbauern hier nieder, gründeten nach langen und beschwerlichen Reisen die ersten Siedlungen.

Montagu, schön in einem früher nur sehr schwer zugänglichen Talkessel gelegen, ist auch das Tor zur kleinen Karoo, einer trockenen Halbwüste vulkanischen Charakters, der nur schwer fruchtbarer Boden abzugewinnen ist. Stilvoll restaurierte Häuser geben dem Städtchen ein fast schon museales Gesicht, es wirkt allerdings ein wenig steril.

Swellendam liegt fast ein wenig abseits der eigentlichen „62“, doch die Früchte und Weine des Tales messen sich gerne mit denen der anderen Orte. Als drittälteste Stadt Südafrikas galt sie lange als der letzte zivilisierte Außenposten der jungen Kapkolonie und war Sitz des ersten Landgerichts, Drostdy genannt. Der wohlhabende Ort wurde schnell zum wichtigsten Knotenpunkt der Region.

Barrydale schmiegt sich unauffällig in die sanften Hügel der umliegenden Berge und war nach Eröffnung des Tradouw`s Pass der Zugang zu den Märkten des Südens und zum Meer. Das Besondere in diesem Tal ist das Aufeinandertreffen dreier verschiedener Vegetationszonen: die Ausläufer des Knysna Forest sorgen für überraschend dichte Bewaldung an der Ostseite des Tales, gegenüber breiten sich Obst und Wein in den fruchtbaren Niederungen aus, während  sich im Norden die spröde Weite der kleinen Karoo am flimmernden Horizont verliert.

Ladismith liegt am Fuße der Swartberg-Kette, überragt vom 2200 Meter hohen Towerkop mit seinem gespalteten Gipfel. Die unterschiedlichen Baustile der Häuser entlang der Hauptstraße spiegeln die Einflüsse der damaligen Zeiten gut erkennbar wider. Schafe, Ziegen und auch Strauße bilden die wirtschaftliche Basis hier in der kargen Steinlandschaft.

Calitzdorp gilt als die Portwein-Hauptstadt Südafrikas, aber auch fruchtbare Obstgärten geben dem Ort, der gut geschützt in einem weitläufigen Tal liegt, ein gutes Auskommen. Die Umgebung hier ist besonders reizvoll, ein warmer Stausee inmitten grüner Hügel lädt zu längerem Verweilen ein.

Oudtshoorn schließlich ist die Hochburg der Straußenzucht. Waren es im vorletzten Jahrhundert noch vorrangig die edlen Federn der leicht hochnäsig einherstolzierenden Riesenvögel, die für den wirtschaftlichen Aufschwung sorgten, so ist es heute das hervorragende und fettfreie Fleisch, das in die ganze Welt exportiert wird und natürlich auch auf unserem Grill sehr oft einen Platz findet.

Allen Orten gemeinsam ist der Weinanbau; unzählige Güter, zum Teil winzige Familienbetriebe, bewirtschaften jeden nutzbaren Quadratmeter, der mühsam der Little Karoo abgerungen wird. Was sind wir froh, Weingenießer zu sein…

 

Und zum Schluss noch ein Geschenktipp…

Weihnachten steht nun vor der Tür, und wir möchten nochmal gerne auf unser erstes Buch „Mantoco   …und morgen die ganze Welt“ hinweisen. In den vergangenen zwei Monaten konnten wir bereits mehr als 250(!) Exemplare an Euch, liebe Freunde, verschicken. Dafür sagen wir Euch ganz herzlichen Dank! Denn den gesamten Erlös stellen wir unserem Kinderhilfsprojekt „Mantoco hilft den Kindern dieser Welt“ zur Verfügung. Und jedes verkaufte Buch hilft!

Also, wer noch eines vor den Feiertagen seinen Lieben oder sich selbst unter den Weihnachtsbaum legen will – Bestellungen, die uns bis zum 20.Dezember erreichen, können wir noch rechtzeitig liefern!

 

Kapstadt - Blick vom Tafelberg
Wanderung auf dem Tafelberg
Blick vom Lions Head hinunter nach Camps Bay
das berühmte Wolkentischtuch wabert über die Bergkante
Fischerhafen von Houtbay
mit dem Radl auf dem Chapman´s Drive
Chapman´s Bay bei Noordhoek
Pinguinstrand in Simonstown
tausende Pinguine bevölkern den Strand in Simonstown
mit den Pinguinen auf Tuchfühlung
Geschafft! Wir sind am Kap der Guten Hoffnung
Cape Point am Kap der Guten Hoffnung
der Leuchtturm am Cape Point
edle Weingüter rund um Stellenbosch
Swellendam, das alte Landgericht Drostdy

Afrika - Südafrika, 3.Teil / Lesotho

17.Dezember 2015 – 09.Januar 2016

Südafrika und Lesotho – unterschiedlicher geht es wohl nicht…

Nach zwei Monaten in Südafrika fahren wir für einige Tage ins lange Zeit abgeschiedene Königreich von Lesotho. Hier tauchen wir sofort wieder ein ins ursprüngliche Afrika. Doch zuvor erleben wir noch tolle Begegnungen mit hunderten Elefanten!

 

Addo Elephant National Park

Als 1931 dieses Gebiet als Park ausgewiesen wurde, streiften gerade mal noch elf Elefanten durch das dichte Buschwerk. Hunderte mussten den Farmen weichen, wurden gnadenlos abgeschossen, und so wären diese Kapelefanten fast ausgestorben. Doch dank des rigorosen Einsatzes vieler engagierter Menschen konnte die Population inzwischen wieder auf rund 600 Tiere anwachsen. Mehr verträgt die Region nicht.

Wir stehen an einem der sechs angelegten Wasserlöcher, beobachten gespannt die gesamte Umgebung. Und es dauert nicht lange, bis sich die ersten großen Ohren durch das Dickicht schieben. Die erste der großen Herden läuft zielstrebig dem erfrischenden Nass entgegen, die Kleinen rennen schon fast vor Vorfreude. Ausgelassen toben sie im schlammigen Wasser, spritzen sich die kühlende Feuchte über die erhitze Haut. Und schon stoßen die nächsten dazu, rangeln sich mit den anderen um die besten Plätze. Die Kleinsten müssen dabei aufpassen, dass sie nicht buchstäblich untergehen, doch eine auffällige Rücksichtnahme im Herdenverbund lässt keine wirkliche Gefahr aufkommen.

Zwischen den schwerfälligen Giganten der Steppe wuseln ganze Warzenschweinfamilien nervös umher, immer versucht, auch an kostbare Wasser herangelassen zu werden. In sicherer Entfernung, geduldig abwartend, Zebras und Hartebeest; auch ein einsamer Büffel umkreist das Ganze. Doch die Elefanten sind ganz klar die Platzhirsche, da ist es nicht leicht für die Anderen.

Stundenlang erfreuen wir uns am ununterbrochenen Kommen und Gehen der verschiedenen Herden, erkennen die klaren Hierarchien der einzelnen sozialen Verbände. Ganz nahe schreiten sie gemächlich fast auf Armlänge an uns vorbei, beobachten uns genau. Nach zwei Tagen erkennen wir sogar vereinzelte Tiere wieder, fast so wie alte Bekannte. Und genauso ungern verlassen wir sie auch wieder…

 

2015 – Von Djenne/Mali bis in die Drakensberge/Südafrika: das Resümee eines Jahres in Afrika

Genau ein Jahr ist es nun her, das wir in Djenne/Mali vor der größten Lehmmosche der Welt standen. Unglaublich, was wir seither erleben durften! Gerade Mali hatte es uns seinerzeit sehr angetan, fanden wir doch hier eine ganze Menge Kulturelles aus längst vergangenen Epochen und mit der Falaise de Bandiagara auch einen der landschaftlichen Höhepunkte Westafrikas. Burkina Faso überraschte uns mit funktionierender Landwirtschaft, es gab so gut wie alles zu kaufen. Die Menschen erschienen fleißiger und effektiver in ihrem Tun als in den Nachbarländern, alles wirkte ordentlicher und vor allem sauberer. In der Elfenbeinküste dagegen sind die Nachwehen des zehnjährigen Bürgerkrieges noch deutlich zu spüren und zu sehen. Die Infrastruktur ist noch weitgehend zerstört, die Menschen wirkten vielerorts noch traumatisiert. Ghana ist sicher das am weitesten entwickelte Land der Region. Feste Häuser, gute Straßen, gut gekleidete Menschen; zum ersten Mal ist so etwas wie eine Mittelschicht entstanden, die über Kaufkraft verfügt und dadurch dem Land wirtschaftliche Einnahmen bringt. Typisch Afrikanisches suchten wir hier dagegen vergeblich. Togo stagniert in Korruption und Trägheit, das einstige Musterland verkommt unter der unfähigen Führung gieriger Politiker. Nur ganz oben im Norden, bei den Batamariba, da fanden wir wieder Afrika in seiner ursprünglichsten Form. Der Benin überraschte mit einer weitgehend intakten Tierwelt in naturbelassenen Reservaten, überall sonst in Westafrika mussten die Tiere dem Bevölkerungsdruck weichen, wanderten in die Kochtöpfe der unaufhaltsam vorrückenden Menschenmasse. Dies war ganz besonders im krisengeschüttelten Nigeria zu spüren. 180 Millionen Menschen auf der Suche nach einer lebenswerten Zukunft, zerrieben zwischen machtgierigen Präsidenten und den terroristischen Fundamentalisten der Boko Haram. Diese Pulverfass wir eines Tages die gesamte Region verändern. Kamerun war unser persönliches Highlight auf unserer Transafrika-Reise. Eine reichhaltige Kultur gab uns einen tiefen Einblick in Traditionen und das tägliche Leben, wunderbare Begegnungen mit Gorillas und Schimpansen berührten uns, sie erfreuten uns mit ihren Späßen. Die Landschaften zwischen Regenwald und Ozean, trockenen Savannen und grünen Vulkangebirgen begeisterte uns täglich. Der Gabun ist fast menschenleer, nur wenige Straßen und Pisten zerschneiden den undurchdringlichen Regenwald, die Küsten sind nur schwer zu erreichen. Das Land ist reich an Ressourcen, die gnadenlos der Natur entrissen werden, ohne sich über die Zukunft Gedanken zu machen. Die Natur der Republik Kongo wirkt dagegen schon vielerorts zerstört, der flächendeckende Raubbau hat hier große Zerstörungen angerichtet. Der Westen und in den letzten Jahren vor allem China haben hier ganze Arbeit geleistet. Der Transit durch die Demokratische Republik Kongo war nur kurz, zu nervig waren die Abzockermethoden der modernen Straßenräuber, die mit exorbitanten Mautforderungen jegliches Reisen in diesem zerrütteten Land spaßfrei werden lassen. Sehr zu unserem Bedauern, denn gerade hier begegneten wir den freundlichsten und korrektesten Beamten und den herzlichsten Menschen. Den größten Sprung in die Zukunft hatte zweifellos Angola in den letzten Jahren getan. Dank der unermesslichen Ölmilliarden entstand zumindest eine perfekte Infrastruktur, doch die wenigsten Menschen profitieren davon. Nirgendwo sonst war die soziale Schere auffälliger als in diesem fast als Privatunternehmen geführten Land. Als wir schlussendlich die Grenze zu Namibia erreichten, war das ein bisschen wie nach Hause kommen. Viele Freunde erwarteten uns hier, und wir genossen das entspannte Leben zwischen Lagerfeuer und westlichen Strukturen. Und hier konnten wir endlich den Tierreichtum Afrikas hautnah erleben. Und als wir schlussendlich in Südafrika ankamen, da fühlten wir uns schon fast wieder zurück nach Europa versetzt. Nur die grenzenlose Herzlichkeit der Menschen mit ihrer selbstlosen Hilfsbereitschaft und ihrer Lockerheit im täglichen Leben erinnerten uns daran, doch fern der alten Heimat zu sein.

Das Wertvollste jedoch, was wir unterwegs erleben durften, das waren die Begegnungen mit den Menschen. Unendlich viele Gespräche brachten uns Afrika wirklich nahe. Wir lernten all die Probleme, die diese Menschen beschäftigen kennen, konnten auch die Ursachen dafür erkennen. Das jedoch schaffen die Menschen hier leider nicht. Ursachenforschung scheitert an starren Traditionen, Korruption und Standesdünkel verhindern eine gerechte Entwicklung. Die Machtgier einiger Weniger lässt den größten Teil der Bevölkerung in Armut verharren. Die westliche Welt verhindert mit sinnloser Entwicklungshilfe selbstständiges Denken und Handeln, dabei immer darauf bedacht, den eigenen wirtschaftlichen Vorteil nicht aus den Augen zu verlieren. So wird sich Afrika nie aus seinen Fesseln befreien können.

Es ist sehr bedauerlich, dass die Entscheider in Europa und Amerika, die über das Schicksal Afrikas richten, sich nicht dazu herablassen, sich mal ernsthaft mit Menschen, die Afrika intensiv bereisen und erfahren, auszutauschen. Denn Reisende wie wir, die mit hunderten von Afrikanern sprechen, maßen uns schon an, Einblick zu haben in das Alltägliche und dabei gemeinsam mit den Betroffenen doch so manch gute Idee zu entwickeln. Denn wir leben viel intensiver und deutlich länger mit den Menschen vor Ort zusammen als diejenigen, die aus der Ferne meinen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber leider spüren wir immer mehr, dass sich dafür niemand so wirklich interessiert; im Gegenteil, wir bekamen oft das Gefühl nicht los, Nestbeschmutzer zu sein, Störer der Entwicklungshilfeindustrie. Wir lassen uns nicht so leicht einlullen von sinnlosen und teuren Projekten, die meist schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt sind. Und bei dem Begriff Nachhaltigkeit verschließen sich interessanterweise viele Türen und Ohren bei den Verantwortlichen.   Denn das Zusammenspiel machthungriger Potentaten und wirtschaftlicher Ausbeuter funktioniert nur dann ungestört, wenn sich unsereins heraushält und nicht immer versucht, den Mantel des Verdeckens zu lüften…

 

Eine kleine Runde durch das Bergland im Königreich Lesotho

Völlig vom Staatsgebiet Südafrikas umgeben, leben in zum Teil großer Abgeschiedenheit rund zwei Millionen Menschen ihr überaus karges Leben inmitten schroffer Berge, die vielfach die Dreitausendergrenze deutlich überschreiten. Gleich nach der Grenzstation tauchen wir ein in diese lebensfeindliche Welt aus Stein und trockener Erde. Erst auf den zweiten Blick eröffnen sich für uns die spärlichen Lebensbedingungen, mühsamer Ackerbau auf steilen Terrassenfeldern, magere Kühe und kleine Schafe auf der Suche nach den letzten Halmen. Erste Dörfer kommen in unser Blickfeld, sie bestehen aus kleinen, meist strohgedeckten Rundhütten aus groben Steinen und mit Lehm verputzt. Die Menschen grüßen uns freundlich, winken uns zu, es wirkt fast ein wenig idyllisch. Doch der Schein trügt. Die Armut ist fast greifbar, der Hunger steht vielen ins Gesicht geschrieben. Wir sehen fast nur Kinder und alte Menschen. Die Geisel Aids hat ganze Generationen nahezu ausgelöscht, die Überlebenden arbeiten meist in Südafrika, da es hier keine Chancen gibt.

Wir rumpeln langsam über die steinige Piste, rund um uns nur Berge. Aus zehn Kilometer Luftlinie werden schnell vierzig Straßenkilometer, so sehr windet sich der Weg durch die Hänge. In Sehlabathede, einem elenden Nest irgendwo in dieser unwirtlichen Welt, biegen wir ein auf die Auffahrt zu einem namenlosen Pass auf fast 3.000 Meter Höhe. Die grobe Piste wird schnell schlechter, tiefe Rinnen zerfurchen die Oberfläche, zwingen „Manni“ immer wieder in den ersten Gang. Kurz vor der Passhöhe steilt sich der Fels nahezu senkrecht auf. Wie soll hier die Piste rauf führen? Doch es geht, steil zwar, doch nie bedrohlich. Der Blick ist atemberaubend, er reicht weit hinein in Lesothos Bergwelt. Die Abfahrt auf der anderen Seite scheint noch steiler, ist sie dann auch. Nur noch im Kriechgang müht sich unser Großer um die Haarnadelkehren, angestrengt erreichen wir den ersten Talboden, das erste Dorf. Es liegt eingebettet zwischen meterhohen, gelben Agavenblüten, bietet ein herrlich ursprüngliches Bild. Dann wir es doch noch einmal richtig spannend: In einer engen Kurve ist die Piste samt Brücke über den jetzt ausgetrockneten Bach völlig weggerissen, der Weg über die blanken Felsen für „Manni“ zu schräg, der Kurvenradius zu eng. Ein Pickup mit drei Männern hält hinter uns; sie helfen uns, mit Schaufel und Pickel Rampen zu bauen. Und es klappt, „Manni“ flutscht nur so durch die sandige Furt. Die Jungs bereiten uns gleich mal auf eine weitere weggespülte Passage vor, helfen uns dort wieder beim Abtragen der Schräge. Und mit vereinten Kräften schaffen wir auch diese schwierige Stelle.

Unser Übernachtungsplatz ist gut gewählt. Ein grünes Wiesenstück für „Manni“, der erfrischende Bergbach dahinter für uns. Am Morgen schleichen zwei Hirtenjungen schüchtern um uns herum, ihre Schafe und Ziegen laben sich am nahen Wasser. Sie haben die Nacht hier draußen mit den Tieren verbracht, wir schenken ihnen Kekse zum Frühstück, ein Spielzeugauto für jeden sorgt für glänzende Augen. Die Auffahrt aus dem Tal ist adrenalinfördernd steil und schmal, „Manni“ passt soeben auf die Spur, der Abgrund gähnt furchterregend zu uns herauf. Doch der Lohn ist grandios, die Canyonwelt um uns herum wunderschön. Auf rascher Fahrt dank nun guter Piste erreichen wir entspannt den Katse Staudamm.

Eine riesige Staumauer inmitten archaischer Umgebung bringt die Außenwelt eindrucksvoll hierher. Ein ganzer Canyon wurde auf viele Kilometer geflutet, gibt dem armen Land Elektrizität und Wasser. Wir richten uns direkt am Fluss ein, stellen die Stühle unter die weit ausladenden Äste der grünen Weiden. Im Nu sind wir umringt von einem Dutzend lachender Kinder. Die Burschen treiben ihre Kühe, Esel, Schafe, Ziegen und Pferde zu uns unter die Bäume, um uns nahe zu sein; die Neugier ist natürlich groß. Die Mädchen nähern sich erst schüchtern kichernd, schnell aber fröhlich lachend und im kalten Wasser für die Kamera posierend. Hier eröffnet sich für uns ein weiteres großes Problem Lesothos: der Schulbesuch ist sehr schwierig für die meisten Kinder. Oft sind die Schulen meilenweit entfernt von den einsam gelegenen Dörfern, vor allem im Winter bei eisiger Kälte ein großes Hindernis. Die Jungs müssen meist die Tiere hüten, für Schule bleibt da keine Zeit; sie sind dadurch besseren Zukunftschancen schnell beraubt. Bei den Mädchen ist es etwas besser, sie gehen eigentlich alle zumindest die ersten sieben Jahre, lernen gut und sprechen auch leidlich Englisch. Doch das generelle Niveau in der Primary School ist kläglich, viel bleibt nicht hängen. Und ab der Secundary School kostet es Geld, für die Familien in den Dörfern unmöglich zu bezahlen. So bleibt es in der Regel bei sehr rudimentärer Ausbildung.

Erste Diamantenfunde vor einigen Jahren eröffneten dem Staat neue Möglichkeiten. Viele Minen entstehen, zerstören die bislang intakte Natur, die Ausbeute ist eher überschaubar. Wir passieren riesige Abraumhalden, bisher bewirtschaftete Terrassen werden verschüttet. Die Zufahrtsstraßen werden nach und nach geteert, die moderne Welt hält Einzug in die einsamen Regionen. Immer mehr Kinder stehen am Straßenrand und betteln, werfen mit Steinen nach vorbeifahrenden Autos, wenn diese nicht anhalten, niemand gebietet Einhalt. Eine ganz schlechte Entwicklung für den zaghaft sprießenden Tourismus. Chinesische Firmen betreiben groben Raubbau mit den spärlichen Ressourcen, bauen dafür sinnlose Straßenprojekte für eine Handvoll Fahrzeuge, die nun an ärmlichen Hütten vorbeibrausen. Die traditionell gekleideten Hirten auf ihren mageren Pferden wirken darauf wir aus einer längst vergangenen Zeit…

Über den steilen Sani Pass sind wir wieder zurück in Südafrika. Was bleibt von Lesotho? Schmerzhafte Armut und Perspektivlosigkeit, traumhafte und unberührte Bergeinsamkeit, traditionelle Riten und Lebensformen, mehr zerstörende als helfende Moderne, die Menschen dahinraffende Krankheiten und nagender Hunger, fröhlich winkende Dorfbewohner und lachende Kinderaugen. Die Kontraste könnten nicht größer sein…

 

Elefantenherde im Addo Elephant National Park
Elefanten im Addo Elephant National Park
Elefanten im Addo Elephant National Park auf dem Weg zum Wasserloch
junge Elefanten im Addo Elephant National Park
Traum-Übernachtungsplatz in Elliot
Passabfahrt vom Naudes Nek - höchster Pass Südafrikas
Landwirtschaft in den Bergen Lesothos
typisches Rundhüttendorf
Passauffahrt auf fast 3000 Meter Höhe
spannende Abfahrt aus 3000 Meter Höhe
herrlich gelegene Dörfer in den Bergen
unpassierbare Pisten nach starken Regenfällen
...erst passierbar nach Ausbesserungsarbeiten
abwechslungsreiche Pisten durch die Flusstäler
toller Blick über die Canyonlandschaft
Kinder in Lesotho
Canyonwelten
bemalte Hütten am Wegesrand
Panoramafahrt am Canyonrand
Horseshoe Bend
lustige Mädchentruppe
Badespass im kalten Fluss
Abfahrt vom legendären Sani Pass

Afrika - Südafrika, 4.Teil und ein erstes Fazit

10.Januar 2016 – 1.Februar 2016

Südafrikanische Hilfsbereitschaft…

Im Vorfeld unserer Reise durch Südafrika bekamen wir überraschenderweise eine ganze Menge negativer Erlebnisse bei Begegnungen mit Südafrikanern zu hören. Das können wir definitiv nicht bestätigen!

Im Gegenteil, die Begeisterung, mit der man uns gegenüber trat, die Höflichkeit und Freundlichkeit bei allen Begegnungen, das Interesse an dem, was wir tun, und vor allem die Hilfsbereitschaft, die uns entgegen gebracht wurde, war unglaublich. Hier mal ein paar Beispiele aus den vergangenen Tagen:

 

Oranjeville am Vaal Dam: Beim abendlichen Bier mit Roelf und Quintan sprechen wir über unseren Plan, bei MAN in Pretoria die völlig abgearbeiteten Lenkgestänge bei „Manni“ austauschen zu lassen. „Warum wollt ihr das bei MAN machen lassen? Das können wir hier auch bei uns in der Werkstatt machen. Wir besorgen die Originalteile und bauen sie ein.“ „Ja gut, aber was kostet uns der Spaß?“ „Das machen wir euch umsonst, wir freuen uns, dass ihr bei uns seid!“ Roelf telefoniert sich am nächsten Tag die Finger wund und schafft es, dass die Originalteile mit dem Nachtexpress ins sechzig Kilometer entfernte Depot geliefert werden. Dort holt er sie für uns ab. „Was bekommst du für die 120 Kilometer?“ Er winkt ab. „Vergiss es einfach…“ Quintan und sein schwarzer Helfer ersetzen die beiden Gestänge fachmännisch; nach insgesamt vier Stunden Arbeit steht „Manni“ wieder auf seinen Rädern. „Hey Quinz, was bekommst du von mir?“ „Gib dem Schwarzen fünf Euro oder so, das passt dann schon… Ich will nix, hat doch Spaß gemacht, euch zu helfen.“ „Roelf, was kosten die Teile?“ „Hier ist meine Originalrechnung, macht 450 Euro.“ „Aber das ist ja viel billiger als das Angebot von MAN!“ „Sag ich doch…“

Lammermoor bei Johannesburg: Wir sind bei Hendrik auf der Farm, wir hatten ihn im Mai in Kamerun kennengelernt und er hatte uns eingeladen, zu ihm zu kommen, wenn wir in der Gegend sind: „Unglaublich, ich habe nicht gedacht, dass ihr mich wirklich besuchen kommt!“ „Na klar, wenn wir sagen wir kommen, dann kommen wir auch.“ „Fühlt euch wie zuhause, wir haben ein offenes Haus, hier ist die Küche, dort der Pool, ihr habt Internetzugang, und wenn ihr in die Stadt müsst, dann nehmt einfach mein Auto, das ist einfacher, als mit eurem Truck…“

Pretoria: „Manni“ braucht dringend Ersatz für den in Namibia geschrotteten Reifen, doch seine Reifengröße ist hier nahezu unerschwinglich, wenn überhaupt aufzutreiben. Wir sind bei Lionel, einen Autozubehörhändler, den wir im August in Namibia kennengelernt hatten und der unser Reifenproblem kennt. „Hört mal, ich habe einen Reifen für euch, nagelneuer Conti.“ „Super, aber was soll der denn kosten?“ „440 Euro, ich geb euch die Originalrechnung. Die liefern den dann zu mir ins Stadtgeschäft, dort könnt ihr ihn dann übermorgen abholen.“ „Aber das ist ja sogar billiger als bei uns in Deutschland, das gibt es doch gar nicht!“ „Ist ja auch mein Preis… Und wenn ihr noch irgendetwas für euren Truck braucht oder wir etwas für euch tun dürfen, sagt es ruhig. Wir freuen uns, wenn wir euch helfen können!“

Und so geht es die meiste Zeit: Wassertanks auffüllen? Klar doch, hier ist der Anschluss. Habt ihr einen passenden Schlauch? Nehmt so viel ihr braucht. Internetzugang? Hier ist unser Passwort, lasst euch Zeit. Wollt Ihr hier draußen übernachten? Fahrt doch zu uns auf das Grundstück, da steht ihr doch viel besser.

Ein unglaubliches Land…

Die Drakensberge

Wie ein riesiges Hufeisen legt sich die größte Bergkette des südlichen Afrikas um den Zwergstaat Lesotho. Steil fallen die Wände hier ab nach Südafrika, rund 1.000 Höhenmeter trennen die saftigen Weiden von KwaZulu-Natal von den kargen Höhen Lesothos. Über 450 Kilometer erstreckt sich diese Basaltformation mit vielen Dreitausendern als markante Gipfel.

Dieses Wanderparadies begeistert – wenn das Wetter mitspielt. Denn dieses ist unberechenbar und ändert sich meist buchstäblich blitzartig. Dann verdunkelt sich der Himmel und gewaltige Gewitterregen prasseln auf den überraschten Wanderer nieder. Gefährliche Blitze verwandeln die majestätische Bergwelt schnell in lebensgefährliches Terrain und nun sollte man sich schleunigst in eine der zahlreichen Höhlen flüchten – oder möglichst schon wieder zuhause sein…

Bevor die ersten weißen Siedler und auch die Zulus kamen, waren die schroffen Bergwelten ein bevorzugtes Rückzugsgebiet der San, deren Felsmalereien heute bewundert werden können. Rund 35.000 dieser Zeichnungen konnten bislang geortet werden.

Auch uns vereitelte der Wettergott so manche geplante Wanderung – doch wir kommen wieder…

 

Südafrika – ein erstes Fazit nach drei Monaten

Die Zeiten der unseligen Apartheit mit all ihren grausamen und unsinnigen Restriktionen sind seit über zwanzig Jahren Geschichte, vor allem für die jungen Generationen. Doch Nelson Mandelas Traum von einer aufblühenden Regenbogennation ist trotzdem gescheitert. Der ANC, allen voran Präsident Zuma, erweist sich als unfähig und korrupt. Anstatt weißes Knowhow mit schwarzer Lebensart zu verbinden, werden junge, intelligente, weiße Menschen von den guten Jobs ausgeschlossen und so aus dem Land getrieben. Dafür besetzen schlecht oder nicht ausgebildete schwarze Menschen Schlüsselpositionen in Wirtschaft und Verwaltung, werden schwarze Traditionen über weiße Werte gestellt. Das ganze Land verfällt zunehmend in eine lähmende Starre, verarmen Millionen schwarze Menschen, denen vor zwanzig Jahren großspurige Versprechungen gemacht wurden. Gewalt und Hoffnungslosigkeit regieren in den heruntergekommenen Townships, ganze Generationen werden durch Aids ausgelöscht.

Südafrika, einst ein blühendes Land mit besten Voraussetzungen für eine multikulturelle Zukunft ist auf dem besten Weg zurück ins unterentwickelte Afrika…

Von alledem bekommt der Kurzzeiturlauber oder der mediengesteuerte Europäer nicht wirklich etwas mit. Auch wir brauchten viel Zeit und noch mehr Gespräche mit den Menschen vor Ort, um uns ein eigenes Bild machen zu können. Dieses Thema ist aber viel zu komplex, um es in einigen wenigen Sätzen hier abhandeln zu können. Wir stellen uns jedoch gerne allen diesbezüglichen Fragen.

Wir genossen das überaus entspannte Reisen in diesem tollen Land. Keine unsinnigen Checkpoints, keine nervigen Kontrollen, auffallend defensiver und korrekter Straßenverkehr, perfekte Versorgung unterwegs. Das Übernachten außerhalb der Campingplätze erwies sich für uns als völlig unproblematisch, nie hatten wir ein ungutes Gefühl dabei. Und Highlights gibt es ohne Ende: Kapstadt samt Umland, die Drakensberge, der Addo-Elephant-Park, die Cedarberge, die Weinregionen, die Little Karoo, um nur einige zu nennen.

Und dann die Menschen. Selten sind wir so selbstlos eingeladen, verpflegt, umsorgt worden – von der weißen Bevölkerung. In die Parallelwelten der Schwarzen vorzudringen ist schwierig. Sie sind es nicht gewohnt, dass Weiße offen auf sie zugehen, sie leben in einer komplett anderen Welt. Ist der Zugang allerdings erst mal geschafft, ist auch hier die Gastfreundschaft wunderbar.

Die Zerrissenheit der Nation wird uns jedes Mal vor Augen geführt, wenn wir mit den Menschen sprechen und Fragen stellen. Nur ein radikaler politischer Wandel könnte dieses herrliche Land mit seinen tollen Menschen und seinem unglaublichen Potential zurück auf einen positiven Weg führen.

Wir wünschen es den Menschen hier und rufen ihnen zu: „Vergesst nie Nelson Mandelas Visionen!“

 

wunderbarer Standplatz auf der Rainbow Farm
Sonnenaufgang im Garden Castle NP
Morgenstimmung im Garden Castle NP
Bergtour auf den Rhino-Peak
kurz vor dem Gipfel auf 3051 Meter
Hirtenjunge aus Lesotho
Frühstück auf der Rainbow-Farm
Blick in den Giant´s Castle NP
Gewitterstimmung über dem Cathedral Peak
unser Gastgeber Xolani mit seiner Frau
die Jungs mit ihren neuen Spielzeugautos
die Mutter von Xolani
herzliche Gastfreundschaft bei Xolanis Familie
Elefant im Pilanesberg NP
Wasserbock im Pilanesberg NP

Afrika - Botswana, 1. Teil / Namibia, 5. Teil

2. Februar 2016 – 29. Februar 2016

Weite Strecken durch karges Land…

Botswana ist für uns diesmal nur ein Transitland. Und doch nehmen wir uns schlussendlich fast drei Wochen Zeit für diesen ersten Besuch.

 

Tsodilo Hills

Der Ruf eines mystischen Platzes eilt den Tsodilo Hills meilenweit voraus. 4.500 Felszeichnungen der Buschleute, entstanden in den vergangenen Jahrhunderten und versteckt an den meist schwer erreichbaren Felswänden der zersplitterten und überwucherten Berge ziehen auch uns magisch an.  Nur sehr schwer zugänglich über tiefsandige Pisten verbarg sich die Schatzkammer historischer Kunstwerke jahrelang erfolgreich in den Weiten der Buschsavanne. Besucher schwärmten immer wieder von der einzigartigen Atmosphäre dieses geheimnisumwitterten Areals. Diese wollen wir natürlich auch erleben…

Am Abzweiger empfängt uns ein überdimensioniertes Hinweisplakat und preist die Tsodilo Hills weit sichtbar als eines der letzten einsamen Refugien des Landes an. Kein gutes Zeichen… Die ehemals tiefsandige Fahrspur wich inzwischen einer breit aufgeschütteten und perfekt präparierten Piste, die uns die fünfunddreißig Kilometer rasch abspulen lässt. Schon bald zeigen sich die drei einzeln stehenden Berge aus glimmerartigem Quarzitschiefer am Horizont, den sie um rund 300 Meter überragen. Wahrscheinlich damit sie nicht weglaufen, sind sie seit einigen Jahren sicher eingezäunt und mit einem pompösen Eintrittsgate versehen. Uns schwant Schlimmes…

Und so kommt es denn auch: Von wegen mystische Einsamkeit im Schatten spektakulärer Felszeichnungen, keine Spur mehr von Lagerfeuerromantik am Fuße der Sitz der Götter der Buschleute. Die ausgehängte Preisliste katapultiert uns endgültig in die monetäre Gegenwart zurück – will man denn keine ausländischen Besucher hier haben? Aber gut, nun sind wir schon mal da, haben eine mehrere hundert Kilometer lange Schleife in Kauf genommen. Wir berappen den gerade noch akzeptablen Eintrittspreis, der uns allerdings nur das Betreten des Geländes erlaubt, und schleichen über eine knüppelharte Steinpiste den Hügeln entgegen.

Für die verschiedenen Rundgänge zu den verstreut und versteckt liegenden Felszeichnungen ist jeweils ein teurer Guide vorgeschrieben. Um alle zugänglichen Artefakte zu besuchen, wären also rund sechzig Euro(!) fällig. Allerdings ist heute nur ein Guide mit nicht gerade sprühendem Enthusiasmus im Einsatz und wir nutzen die sich bietende Gelegenheit, alleine auf Besichtigungstour zu gehen. War dann auch viel schöner und vor allem viel kostenneutraler. Den abendlichen Anschiss lassen wir deshalb auch gerne über uns ergehen…

Wir treffen überraschend auf Marion und Michael, die wie wir seit fast zwei Jahren im Laster durch Afrika unterwegs sind und mit uns seit langem in Kontakt stehen. Natürlich wollen wir den Abend gemeinsam verbringen. Doch die einstmals romantisch an den Hügeln platzierten Campsites sind inzwischen einem zentralen Campingplatz gewichen, der vor allem mit völlig heruntergekommenen Sanitäranlagen brilliert. Dafür sollen wir nun jeder schlappe fünfundzwanzig Euro berappen! Also entscheiden wir uns, ziemlich unromantisch außerhalb des umzäunten Areals vor dem Gate zu nächtigen, was achselzuckend zur Kenntnis genommen wird, ohne uns einen bezahlbaren Vorschlag zu unterbreiten. Na, denn halt nicht…

So verbringen wir diese und auch die nächste Nacht kostenfrei vor dem Gate, die ansässige Campsite hat keine Einnahmen und die lauernden Guides keine Kundschaft. So leicht kann man also eine ehemals kultige Stätte zu einem „no go“ mutieren lassen. Schade drum…

 

Botswana – nicht gerade ein landschaftliches Highlight…

Gut, wir haben in den vergangenen knapp drei Wochen nicht alles gesehen, vor allem die für uns mit dem Lkw unbezahlbar gewordenen Nationalparks fehlen uns. Aber die dort vorkommenden Tiere sind uns schon vielfach in den Nachbarländern begegnet und die Begeisterung für am fernen Horizont sich verlaufende Ebenen hält sich in überschaubaren Grenzen. Nein, auch der um Goodwill bemühte Reiseführer reist uns nicht aus der kilometerweiten Eintönigkeit, die sich über Tage an unseren Fenstern vorbeiquält. Doch wir bemühen uns trotzdem, dem Land etwas Positives abzuringen.

Die Menschen sind von ausgesprochener Höflichkeit und Zurückhaltung geprägt, kaum jemand interessiert sich für uns. Selbst auf dem Campingplatz in Gaborone müssen wir das fällige Entgelt fast aufdrängen. Das Betteln der Armen ist fast schüchtern zu nennen, es erscheint uns, als wäre es ihnen selbst etwas peinlich. Das gleichgültige Achselzucken bei von uns ablehnend zur Kenntnis genommenen unrealistischen Preisen für touristische Dienstleistungen zeugt von einem hohen Grad Interesselosigkeit gegenüber dem individuellen Gast, auch campen direkt neben den teuren Einrichtungen wird gleichgültig akzeptiert anstatt den wirtschaftlich sinnvolleren Dialog zu suchen.

Das Land erscheint uns ausgesprochen sicher, nie spürten wir eine latent lauernde Gefahr, unangenehm belästigt zu werden. Wir erlebten keinen abzockenden Polizeicheckpoint und auch keine nervigen Veterinärkontrollen, die es auf unsere Fleischprodukte abgesehen hatten. Also alles ganz easy hier…

In einigen Monaten kommen wir nochmal zurück, um die anderen Landesteile zu besuchen. Mal sehen, was uns dann so erwartet.

 

Der schleichende Tod der Buschmannkultur

Als diese friedfertigen, kleinen Menschen von den viehhaltenden Khoi-Khois und den landhungrigen Voortrekkern immer mehr in unzugängliche Gegenden abgedrängt wurden, war ihr Schicksal im Prinzip bereits früh entschieden. Nur ein paar Zehntausend überlebten den Ansturm der Neuankömmlinge, und diese vegetieren mehr denn sie leben in den ihnen zugewiesenen Reservaten vor sich hin, mehrheitlich dem Alkohol verfallen und bar jeglicher Zukunftschancen. Beidseits der Grenze zwischen Botswana und Namibia hausen sie in kleinen Dörfern, notdürftig versorgt von den beiden Staaten. Nur wenige der Jüngeren schaffen den Sprung in die Jetztzeit, besuchen Schulen und bekommen Jobs. Ihre so wertvollen und naturverbundenen Traditionen gehen damit jedoch unwiederbringlich verloren.

Ein Schicksal, das sie mit allen anderen Naturvölkern auf dieser Welt verbindet…

 

 

weiter Blick über die Sowa Pan
Perlkauz - sein typischer Ruf gehört zu den Geräuschen Afrikas
Tsodilo Hills mit dem Rundhüttendorf
Dorf bei den Tsodilo Hills
schöne Hütte mit lackierter Eingangstür
Dorf bei den Tsodilo Hills
Felsmalereien der San an den Tsodilo Hills
Felsmalereien der San an den Tsodilo Hills
Felsmalereien der San an den Tsodilo Hills
Palmenweg im Buschmannland Botswanas

Afrika - Namibia, 6. Teil

1.März 2016 – 4. April 2016

Ein bisschen wie Zuhause…

Es ist wieder einmal fast so wie nach Hause kommen. Namibia ist uns so vertraut, dass unser jetziger Aufenthalt kaum etwas mit Reisen an sich zu tun hat. Aber das macht nichts, wir leben ja auf Tour, und da ist es auch mal gut, sich ein wenig langsamer zu drehen…

 

Der Namib Naukluft Park zwischen Windhoek und Swakopmund

Steil windet sich die steinige Piste vom Boshuapass hinunter, die glatt geschliffenen Granitbuckel der Witwatersberge signalisieren schon von Weitem die Grenze zum Namib Naukluft Park. Fast wie von einem imaginären Lineal gezogen geht das bewirtschaftete Farmland nun in brettebene Steinwüste über. Zwei aufgeschreckte Springböcke versuchen in mörderischem Tempo „Mannis“ sonoren Brummen zu entkommen, ein stolz aufgerichteter Oryx dagegen verlässt deswegen nicht den spärlichen Schatten der einzigen sichtbaren Akazie.

Langsam rumpeln wir über die schmale Spur, vor uns flimmert die heiße Luft über den schwarzen Steinen. Eine kaum merkliche Senke, die Tinkas Flats, markieren eine saisonale Wasserstelle, diesmal selbst jetzt während der eigentlichen Regenzeit ausgetrocknet. Erst an einem filigranen Steinbogen, dem Rock Arch, machen wir halt, bemühen seinen spärlichen Schatten für eine verdiente Mittagsrast. Wir wandern ein wenig zwischen den willkürlich hingewürfelten Steinbrocken umher, doch es ist heiß, zu heiß. Also weiter.

Der rund abgeschliffene Block der Blutkuppe markiert uns die Richtung. Blutrot leuchtet der erodierte Granitberg bei Sonnenuntergang, der Blick vom Gipfelplateau beeindruckend in seiner Weite. Doch zu viele Fliegen vergällen uns den Aufenthalt diesmal, ein abgestürztes, totes Zebra lockt die lästigen Zeitgenossen in Scharen an.

Knorrige Köcherbäume strecken ihre dürren Äste scheinbar hilfesuchend in den stahlblauen Himmel, von dem herab ohne jegliches Erbarmen die glutheiße Sonne ihr mörderisches Spiel treibt. Nur die bodendeckenden Welwitschias trotzen seit tausenden von Jahren diesen unwirtlichen Voraussetzungen. Diese eigenwilligen Gewächse mit ihren flach unter der Oberfläche verlaufenden Wurzeln werden bis zu 1.500 Jahr alt und sind damit eine der ältesten bekannten Pflanzengattungen.

Plötzlich scheinen wir auf dem Mond gelandet zu sein. Bizarre, fast schwarze Verwerfungen füllen das zerklüftete Tal, das der Swakop hier mit Hilfe nicht enden wollender Wüstenstürme in Millionen von Jahren geschaffen hat. Wir gleiten hinunter durch die gespenstig anmutenden Gesteinsformationen und finden zwischen Palmen und Schilfgewächsen im sandigen Revier des Flusses einen wundervollen Platz zum Verweilen.

Viel weiter südlich nutzen wir die goldgelben Sanddünen der Namibwüste als Orientierung. Entlang des nun ausgedörrten Kuisib-Reviers erreichen wir über steinige Ebenen die winzige Ansiedlung von Homeb. Unter weit ausladenden Bäumen beziehen wir Quartier, bald schon flackert ein üppiges Lagerfeuer am versandeten Fluss.

Nach rascher Fahrt über die unwirtliche Zebra Pan, ausgestorben und fast unwirklich öde, erhebt sich die Granitinsel von Mirabeb aus der flimmernden Luft. In ihrem Schatten genießen wir die fast schon schmerzhafte Stille und Reinheit der Wüste. Wir erklimmen die einzelnen Gipfel, unsere Blicke verlieren sich fast in der unendlich erscheinenden Weite.

Kurz vor dem Kuisibpass zeigt sich der Kuisib Canyon von seiner beeindruckendsten Seite. Tief hat sich der Fluss in regenreichen Perioden in das weiche Gestein gegraben, sucht sich immer wieder den Weg des geringsten Widerstandes. Wir bleiben an der nahezu senkrechten Kante, erfreuen uns an den tageszeitlich wechselnden Farbspielen der unbändigen Natur. Und als die Nacht ihr leuchtendes Sternenzelt über uns wölbt, spüren wir wieder einmal, dass es genau diese Momente sind, die wir so lieben…

 

Werkstatterfahrungen in Namibia – „ back to Africa?“

Unsere bisherigen Erfahrungen mit Werkstätten in Afrika waren, nun ja, wenig überzeugend. Wenn Du nicht jeden Handgriff kritisch beäugst und darauf achtest, dass alles schlussendlich wieder richtig zusammengesetzt ist, dann kannst Du sicher sein, dass so manche Schraube übrig bleibt und nach wenigen Kilometern der neue Schaden den eigentlich zu behebenden deutlich übersteigt.

Aber wir sind ja jetzt in Namibia. Deutsche Inhaber ordentlicher Werkstätten bürgen schließlich für gewohnte Qualität, zügiges Arbeiten ausgebildeter Fachkräfte lässt einen nicht den ganzen Tag zwischen Drehbänken und Ölwannen verbringen. Soweit die Theorie…

Öl- und Filterwechsel bei MAN stehen an. Reine Routine, zwei Stunden Arbeit, ratz-fatz und fertig. Denkt der optimistische Kunde. Zwei schwarze Fachleute nehmen sich dem Auftrag an, einer macht, der andere schaut. Stundenlang. Ich helfe mit, doch es beschleunigt die Sache nicht wirklich. Die meiste Zeit geht nämlich für das nach langem Suchen in der Ersatzteilkammer einzelne Antragen der benötigten Teile drauf. Auf der Rechnung stehen dann auch sechs unglaubliche Arbeitsstunden, inklusive Mittagszeit, ausgiebigen Wanderungen zwischen Ersatzteillager und Werkstatt und hingebungsvollem Nasenbohren. Eine sehr bestimmt geführte Diskussion im Chefbüro korrigiert das Ganze dann auf realistische zwei Stunden.

Die Gummibuchsen der vorderen Blattfedern sind durchgescheuert. Keine Gefahr im Verzug, Verschleißteile, ganz normal auf Afrikas Pisten. Die uns empfohlene Werkstatt signalisiert Kompetenz und für vier Stunden Arbeit einen anständigen Preis. Also los. Kurze Erklärung des Auftrags an die schwarze Mechanikertruppe, dann erst mal lange nichts. Fünf Mann hocken mit fragenden Mienen zwischen „Mannis“ Vorderrädern, beratschlagen und palavern. „Sag mal, Dieter“, frage ich den deutschstämmigen Werkstattmeister nach einer angemessenen Wartezeit vorsichtig, „bist Du Dir sicher, dass die Jungs das schon mal gemacht haben?“ „Na klar, das können die normal schon. Aber heute ist Wochenanfang, und da haben die das von letzter Woche sicher gerade vergessen…“ Iss ja beruhigend, denkt da der brave Kunde leicht verstört. Sie fangen an. Aufbocken, Räder runter, Schrauben lösen. Aber doch nicht alle! Rumms, die gesamte Vorderachse fliegt in den Dreck, der mobile Wagenheber schießt unter „Manni“ vor. Betretenes Glotzen der Fachkräfte. „Dieter!!! Das kann`s doch nicht sein, oder?“ Lässig die Kippe im Mundwinkel kauend, kalauert er achselzuckend: „Iss doch nicht schlimm, heben wir eben wieder hoch…“ Spätestens jetzt fängt der verzweifelte Kunde an, leicht böse zu werden. Der Luftfilterbehälter ist im Weg, die Jungs kommen nicht so recht an die Schrauben. Ein knirschendes Geräusch lässt uns zusammenfahren, der Behälter ist weithin sichtbar verdellt, aber er ist raus aus seinem störenden Platz. „Dieter, was machen die da? Das geht doch anders auch, oder?“ Unverständnis. „Aber das sieht doch keiner, das ist doch wurscht.“ Spätestens jetzt sollte der geduldige Kunde vorsichtshalber mit Kabelbindern an eine sichere Hallensäule angebunden werden… Nach einem ausgefüllten Werkstatttag ist alles wieder an seinem Platz, die Jungs haben nichts dazugelernt, der Kunde ist mit den Nerven fertig und Dieter nimmt ohne Murren den Lohn für vier Stunden Facharbeit an sich, natürlich ohne Quittung.

„Mannis“ Auspuffendrohr, immerhin stolze zwei Meter lang und mehrfach gebogen, hat sich mal wieder verabschiedet. Direkt am Topf abvibriert. Das Spiel kennen wir schon, nichts Größeres.  Nachdem uns Dieter signalisierte, dass Schweißen nicht gerade seine Stärke sei, nehmen wir schleunigst Reißaus, suchen eine andere Fachwerkstatt. Schnell werden wir fündig, der Name ist uns bekannt, auch eine Empfehlung. Mutig erklären wir dem deutschen Chef unser Problem und unser Anliegen. „Alles klar, wir schweißen ein Stück flexibles Rohr zwischen Topf und Auspuff, dann vibriert da nix mehr ab. Ist gleich fertig.“ Klingt logisch und klug, wir nicken. Eine Stunde später hat der schwarze Werkstattfachmann die erste Schraube der Halterung gelöst. Ich verkneife mir die Hochrechnung der anfallenden Arbeitsstunden und bleibe betont optimistisch. Schon gegen Mittag kommt der Topf unter „Mannis“ Bauch hervor, das flexible Rohr wird zugeschnitten und angeschweißt. Leider ist der Durchmesser von Flexrohr und Auspuffrohr nicht wirklich kompatibel, im Fundus der Werkhalle nichts Passendes aufzutreiben. Der Schweißer verschwindet im angrenzenden Industriegebiet, kommt eine Stunde später mit einem gebogenen Abflussrohr, plastikummantelt, zurück. Nach drei Schnittversuchen passt das Reststück endlich. Plötzlich geschäftiges Messen und markieren an unserem intakten Auspuffrohr. „Kay, was machen die da?“ „Also, die müssen jetzt da ein Stück herausschneiden, damit das Ganze nach dem Einsetzen des Flexirohrs wieder die richtige Länge hat. Die haben genau gemessen.“ „Aber die dürfen das doch nicht da, wo sie es angezeichnet haben, herausschneiden, das passt doch nie.“ „Keine Angst, die wissen schon was sie tun.“ Kreischend zersägt die Flex unser schönes Auspuffrohr in drei ungleiche Teile. Wildes Schweißen fügt alles wieder zusammen, stolz kriechen die Profis samt Rohr unter „Mannis“ Unterseite. Verdächtig lange wurschteln sie nun mit dem Rohr zwischen Topf, Kardanwelle und Batteriekasten, beratschlagen die wildesten Halterungsmöglichkeiten. „Kay, schau doch mal bitte, das passt doch nie!“ Passt auch nicht, genau um das herausgeflexte Teil zu kurz! Na prima! Statt einer Schwachstelle haben wir jetzt deren vier! „Also, wärst Du damit einverstanden, wenn wir das jetzt so passend machen?“ „Kay, ich glaube, Du solltest ein neues Auspuffrohr bestellen. Geht dann aufs Haus, gell?“ Die Idee mit dem Flexrohr war ja ganz nett, nur ist jetzt sogar noch eine zusätzliche Halterung nötig – wegen der Vibrationen… Resümee: Einmal Auspuffrohr anschweißen lassen, acht Stunden Werkstattaufenthalt, viergeteilter und falsch zusammengeschweißter Auspuff an zusätzlich notwendig gewordener Halterung provisorisch aufgehängt. Zumindest hat sich keiner getraut, uns eine Rechnung zu bringen, bevor wir mit kokelnder weil plastikummantelter Rohrverbindung erschöpft vom Hof rollen…

 

Abfahrt vom Boshuapass
steinige Pisten im Namib Naukluft Park
Köcherbäume bei der Blutkuppe
schier unendliche Weite vom Gipfel der Blutkuppe
Blick von der Blutkuppe
Blick von der Blutkuppe
Welwitschia mirabilis - eine der ältesten Pflanzenarten der Welt
Landschaft im Moon Valley
urweltliche Mondlandschaft
urweltliche Mondlandschaft
urweltliche Mondlandschaft
Fahrt durch die Mondlandschaft
Abendstimmung am Granitfelsen von Mirabeb
Blick über den Kuiseb Canyon
wenig fachgerechte Arbeiten in den Werkstätten...

Afrika - Namibia, 7. Teil / Angola 1.Teil

5. April 2016 – 13. Mai 2016

„Back to Africa…“

Nach einer entspannten Anreise stehen wir mal wieder an der Grenze zu Angola. Doch anstatt einer problemlosen Einreise entwickelt sich ein einwöchiges Drama…

 

Die für uns wohl komplizierteste Grenze Afrikas.

Seit Wochen freuen wir uns auf unseren zweimonatigen Abstecher nach Angola, nachdem wir bei unserer Trans-Afrika-Tour letztes Jahr nur ein Transitvisum ergattern konnten. Das zweiwöchige Prozedere, um in Windhoek die notwendigen und teuren Touristenvisa zu bekommen, nahmen wir dafür gerne in Kauf.

Nun stehen wir also guten Mutes vor der Grenze, ein großes Schild „ Willkommen in Angola“ leitet uns den weiteren Weg. Souverän reiche ich meinen Pass mit dem schmuckvollen 30-Tage-Tourist-Visa über den brusthohen Tresen. Die hübsche Uniformträgerin vor dem Immigration-Computer hackt meine Passdaten in selbigen, stockt plötzlich und entschwindet mit einem entschuldigenden Lächeln im uns vom Vorjahr leidlich bekannten Office. Einige unruhige Minuten später fordert mich ein lässiges Winken in den Glaskasten und der streng blickende Beamte präsentiert mir auf seinem Bildschirm das Problem: Ich bin eine „Persona-non-grata“, und deshalb wird mir trotz gültigem Visa im Pass die Einreise verwehrt! Bei Conny dagegen ist alles in Ordnung…

Wie das? Nun, letztes Jahr hatten wir unsere fünftägigen Transit-Visa um stolze vier Tage überzogen, einerseits wegen Fehlinformationen seitens der angolanischen Behörden, andererseits, weil der Transit durch dieses riesige Land in fünf Tagen mit dem Laster einfach nicht zu schaffen ist. Nach einer stundenlangen Diskussion mit den Zuständigen wurde uns schließlich die Ausreise ohne die geforderte Strafzahlung in Höhe von 1.200 US-Dollar erlaubt, sogar mit der Zusage, auch in Zukunft jederzeit willkommen zu sein. Ist das der Grund?

Von „Willkommen“ ist heute jedoch keine Rede mehr. Entweder wir bezahlen eine noch festzulegende Strafe, oder wir müssen zurück nach Namibia. Interessanterweise sagt der Computer den Anwesenden jedoch nicht, warum und wieviel wir bezahlen sollen. Sie schicken uns zurück in den Zollhof von Namibia, dort dürfen wir uns freundlicherweise häuslich niederlassen. Wir schalten Andrew in der Hauptstadt Luanda ein, der uns schon bei der Beantragung der Visa so selbstlos unterstützt hatte.  In den folgenden Tagen diskutiert er mit Gott und der Welt bei der zuständigen Behörde, geht mit dem Hauptverantwortlichen sogar zum Mittagessen – doch es hilft alles nichts, zahlen oder umkehren bleibt das Ergebnis.

Herablassende Arroganz, augenscheinliches Desinteresse, uns irgendwie zu helfen und eine aufreizende Langsamkeit bei jedem notwendigen Schritt laugt uns aus. Wir sitzen das gesamte Wochenende ab, Tag für Tag vergeht mit sinnlosen Gesprächsversuchen, bis nach einer geschlagenen Woche im Niemandsland endlich die zu bezahlende Strafe feststeht – 600 US-Dollar! Die spinnen doch! Aber wir diskutieren weiter, lassen nicht locker. Der für uns günstige Schwarzmarktkurs und die Dummheit der Behörden, den aktuellen Kurs richtig umzurechnen, gestalten das finanzielle Desaster am Ende erträglich; es bleiben für uns letztlich noch 150 US-Dollar zu bezahlen. Und die sind es uns wert…

Jetzt geht alles plötzlich relativ schnell. Eine wiederholte Minibus-Taxifahrt ins vierzig Kilometer entfernte Ondjiva mit der Einzahlung der geforderten Summe auf das Konto der Immigrationsbehörde bringt uns am achten Tag des geduldigen Ausharrens endlich die begehrten Einreisestempel. Wir brauchen eine ganze Zeitlang, um diesen Spuk zu begreifen…

Doch noch ist „Manni“ nicht durch. Beim Zoll verlangen sie das Bezahlen einer Straßengebühr und den Erwerb eines temporären Permits. Mit meinem inzwischen in halb Afrika berüchtigten „ich-zahl-hier-nix-mehr“-Gesicht bequatsche ich den zuständigen Beamten, fuchtle ihm mit dem Carnet de Passage vor der Nase herum, das er bis dato noch nicht kannte, und erzähle ihm, dass ich als Tourist hier in Angola noch nie etwas bezahlt hätte und das sei wohl neu jetzt und er möge mir doch bitteschön die entsprechende Gesetzesausgabe vorlegen. Völlig verunsichert konsultiert er einen Kollegen und gemeinsam akzeptieren sie meine überzeugend vorgetragenen Einwände mit dem Abstempeln des Carnets und besten Wünschen für unseren Aufenthalt in Angola. Na also, geht doch…

 

Lubango – Christos Rei und die grünen Berge

Wer kennt sie nicht, die riesige Christus-Statue hoch über Rio de Janeiro, Wahrzeichen dieser Wahnsinnsstadt, ja ganz Brasiliens. Da will Lubango nicht nachstehen: mit weit ausgebreiteten Armen wacht „Christos Rei“ über einer Stadt, deren Charme sich durch die Menschen dort erschließt – der Rest ist dem Verfall anheim gegeben: Koloniale Restbauten bröseln so vor sich hin, die Straßen verlangen nach außergewöhnlicher Bodenfreiheit des Fahrzeugs, so tief sind die ununterbrochen aneinandergereihten Krater. Müll jeglichen Couleurs und Geruchs stapelt sich großzügig auf jeder sich bietenden Fläche, die erbärmlichen Hütten der Slums schieben sich unerbittlich in Richtung Zentrum.

Der erste Schock weicht so langsam, die Stadt gewinnt, weil ihre Bewohner so unglaublich freundlich, hilfsbereit, lachend, gleichgültig, opferbereit oder was auch immer sind. Eigenschaften, die uns ab sofort quer durch Angola begleiten werden.

Doch „Christos Rei“ breitet seine gütigen Arme nicht nur über dieser Stadt aus; nein, sein Blick und das Hinweisschild „Tundavala“ weisen uns den Weg hinaus in die grünen Hügel des Umlands. Immer höher schraubt sich die säuberlich gepflasterte Straße, skurrile Felsformationen flankieren unsere Fahrt, der Berg wird zum Plateau. Und dann das Unglaubliche, Unerwartete – eine tausend Meter senkrecht abfallende Kante, dahinter, oder besser darunter, unendliche Bergketten im fahlen Dunst, den Horizont immer weiter verschiebend, so weit, dass die untergehende Sonne sich kaum entscheiden kann, wann jetzt endlich Schluss ist mit diesem Tag. Und Grün überall, soweit das Auge es fassen kann. Einfach ungewöhnlich in diesen Breiten.

Wir staunen. Und bleiben. Einen Tag, noch einen. Wollen uns nicht losreißen. So schön. So schön grün. Über den Leba-Pass, diesen kühn in den Berg getriebenen Abstieg, gleiten wir hinunter ins flimmernd heiße Unterland – aus der Traum, die afrikanische Wirklichkeit lähmt uns wieder…

 

Leuchtende Kinderaugen…

Ein steiniges Plateau, soweit das Auge reicht, dann eine spannend steile Abfahrt über einen schmalen Hohlweg. Das staubtrockene Flusstal weitet sich, erste ärmliche Hütten krallen sich in die unfruchtbaren Hügel. Ein verfallenes Herrenhaus aus längst vergangenen Zeiten taucht auf, baufällige Häuschen ducken sich in seinen Schatten. Dahinter das unendlich scheinende Meer.

Wir rollen zwischen schattenspendenden Bäumen hindurch, bis wir vor einigen verrotteten Fischerbooten stehen bleiben. Eine zu einem zaghaften Gruß erhobene Hand, unsichere Blicke. Was ist denn da gekommen? Wir erwidern die Grüße, gehen auf die Männer zu, schütteln schwielige Hände. Ein Jüngerer kommt auf uns zu, er sei hier der Lehrer, was uns wohl hier her führt? Mit einem schnellen Blick hatten wir erfasst, dass dies hier eine wunderbare Bucht zum Verweilen ist, wir äußern unseren Wunsch, werden willkommen geheißen.

Wir befragen den Lehrer, er kann ungefähr sieben Worte Englisch, wir packen unsere zehn Worte Portugiesisch drauf, die Unterhaltung läuft glänzend. Ja, sie haben hier eine Schule, er unterrichtet die ersten drei Jahrgangsstufen zusammen, zwanzig Schüler insgesamt; nein, sie sind jetzt nicht da, es sind Ferien. Aber ja, er könnte sie zusammentrommeln, das Dorf ist übersichtlich. Morgen früh? Super, alles klar.

Wir quartieren uns im Schutz einer Sandsteinwand direkt am Traumstrand ein, das Wasser ist karibisch, die Menschen unglaublich freundlich, ein jeder winkt und lacht. Am nächsten Morgen fordert die Schulglocke zum Versammeln, es sind doch Ferien? Doch es hat sich schon herumgesprochen, da sind zwei Fremde im Dorf, die mit dem großen Laster da hinten, und die haben was mitgebracht! Nach und nach trudeln die Jungs und Mädels ein, schüchtern, fast lautlos schleichen sie an uns vorbei, ein leises „Bom Dia“, bevor sie sich auf ihre Plätze schieben. Der Lehrer, er heißt Wilson, erklärt kurz wer wir sind und dann packen wir unsere Überraschungen aus.

Es sind einfache Mal- und Spielheftchen sowie ein Zwölferset schöner Buntstifte für jedes der Kinder. Ungläubig kommt eines nach dem anderen vor zum Pult, um sein persönliches Geschenk in Empfang zu nehmen. Was für ein Strahlen, was für eine Freude! Noch nie hat eines dieser Kinder ein solches Präsent erhalten – eigene Stifte! Und ein Heftchen! Ein leises „Obrigado“ huscht über die Lippen, weit aufgerissene Augen blicken uns an – es geht durch und durch…

Als jedes der Kinder wieder andächtig in seiner Bank sitzt, keines sich traut, das Päckchen mit den Buntstiften aufzumachen und Wilson der Lehrer das Heftchen erklärt hat, zaubern wir noch einen richtigen Fußball für die Sportstunde aus der Tüte. Jetzt gibt es kein Halten mehr – so etwas gab es bisher noch nie im Dorf! Jetzt hält die Kleinen nichts mehr auf den Bänken; noch schnell ein Gruppenfoto – und weg sind sie!

Am nächsten Morgen rollen wir langsam aus dem Dorf, Eltern und Kinder winken und lachen und rufen - wie wenig ist nötig, um so viel Freude zu bereiten…

Und ganz herzlichen Dank an Euch alle, die sich für unser Buch entschieden haben – Dank dem Erlös können wir solche kleine Freunden verteilen!

 

Die schönsten Strandbuchten des südwestlichen Afrikas

Die landschaftlichen Kontraste könnten kaum eindrucksvoller sein! Karge Wüste – steinig und staubtrocken, der scharfe Wind schickt Millionen scharfkantiger Sandkörner auf ihre unendliche Reise. Unwirtlich, unbewohnbar die öden Plateaus; nur in den wenigen Flussläufen, die meist ausgetrocknet dem rauen Atlantik zustreben, finden die Menschen genug unterirdische Feuchtigkeit, um ein wenig Gemüse anzubauen.

Steile Abbrüche markieren die Grenze dieser Wüstenei – darunter die grenzenlose Weite des Atlantiks. Doch auch hier wächst meist nichts, die Lebensgrundlage muss in täglichem Kampf dem Ozean abgerungen werden. Marode Schaluppen werden mit anstrengendem Rudern und permanent Wasser aus dem porösen Rumpf schöpfend aufs offene Meer getrieben in der Hoffnung, genügend Fang für das Überleben der Dorfgemeinschaft zu machen.

Die hier um die magere Existenz Ringenden haben keine Muse für die grandiosen Schauspiele, die Mutter Natur unentwegt in Szene setzt. Einsame Buchten reihen sich aneinander, begrenzt von schroffen Bergen, erreichbar nur über abenteuerlich schlechte Wege. Feinster Sand markiert die Linie zwischen Wasser und Land, tausende Krebse flitzen um die Füße der einsamen Wanderer, deren Abdrücke sich in der Unendlichkeit verlieren. Das Spiel der Farben und des Lichts ist wie ein Gemälde, nur dass es fast minütlich wechselt, immer wieder neue Eindrücke hinterlassend.

Das Lachen der Menschen macht nachdenklich – so wenig zum Leben, so hart der Kampf jeden Tag – und doch so fröhlich, fast unbeschwert erscheinend, immer freundlich, nie bettelnd oder fordernd. Kein Gedanke daran, den unermesslich reich erscheinenden Gast beim Fischkauf zu übervorteilen, den eigenen Hunger durch penetrantes Betteln zu stillen versucht. Höflichkeit und Zurückhaltung, ja fast Schüchternheit charakterisiert die Menschen selbst in ihrer nicht zu übersehenden Not. Wir unterstützen mit Kleinigkeiten – Maismehl und Kleidung, Spielzeug für die Kleinsten. Nur notdürftig unterdrücken wir unsere Wut ob der Ungerechtigkeit – Angola ist ein reiches Land, Öl und Diamanten füllen die Taschen einiger Weniger, die älteste Tochter des Präsidenten gilt ganz offiziell als die reichste Frau Afrikas…

Trotzdem, wir genießen jeden Tag, lassen uns verzaubern von der Ursprünglichkeit. Und dort, wo der Mensch noch nicht überhandnimmt, ist der Müll auch noch nicht flächendeckend der Natur überlegen. So quälen wir uns über abenteuerlich schlechte Pisten, malträtieren „Mannis“ Technik bis zum äußersten, stellen uns stoisch den Anforderungen des täglichen Fortkommens. Und doch lohnt jeder erarbeitete Kilometer – menschlich wie landschaftlich…

 

Tundavala - Blick über die Ebene
Tausend Meter tiefe Schlucht von Tundavala
Abendstimmung auf dem Plateau von Tundavala
genialer Übernachtungsplatz auf dem Plateau von Tundavala
der kühn angelegte Leba-Pass bei Lubango
kurvenreiche Abfahrt über den Leba-Pass
Matabele-Siedlung im Südwesten Angolas
Dorfleben bei den Matabele
Felsmalereien aus längst vergangenen Zeiten
herrlich einsame Landschaften im Südwesten Angolas
skurrile Sandsteingebirge um Namibe
perfekter Standplatz am Atlantik in Mucuio
Schulbesuch in Mucuio
glückliche Kinder in der Schule von Mucuio
große Freude über unsere Geschenke
fröhliche Kinder in Mucuio
Tomatenernte in einem der fruchtbaren Flusstäler
Fischer in Lucira
die Fische werden zum Trocknen präpariert
Gestelle für die Fischtrocknung

Afrika - Angola 2.Teil

14. Mai 2016 – 21. Juni 2016

Und irgendwann erwischt es dich dann doch…

Zwei Jahre sind wir nun auf dem afrikanischen Kontinent unterwegs, nie hatten wir ernste gesundheitliche Probleme. Doch hier in Angola war es nun soweit – die Malaria hat zugeschlagen…

 

Wunderbares Angola

Immer wieder stoßen wir bei unserer Rundreise durch dieses riesige Land auf tolle Plätze. Das Cabo Caotinha ist ein solcher: senkrecht ins türkisblaue Meer abfallende Sandsteinfelsen, dazwischen immer wieder herrlich feinsandige Strände in winzigen Buchten. Exponiert unser Übernachtungsplatz – direkt an der Abbruchkante genießen wir den weiten Blick über das Meer und die untergehende Sonne…

Weit zieht sich die gute Piste durch die sanfte Hügellandschaft. Plötzlich öffnet sich eine Traumbucht vor uns: Egito Praia. Von den unermüdlich anrollenden Wellen scharf abgeschnittene Küstenberge, ein von Palmen gesäumter Fluss, der breite Sandstrand bei Flut vollständig überflutet. Wäsche und Geschirr wird gewaschen, kleine Kinder wuseln lachend umher, Jungs fischen im trägen Wasser. Eine unglaubliche Idylle, wir bleiben direkt am Strand stehen…

Fast übergangslos fahren wir in dichte tropische Vegetation, alles um uns herum ist sattgrün, die Gischt des nahen Wasserfalls schon von weitem sichtbar. Tosend stürzen sich die Wassermassen bei Cacheoira in die Tiefe, oben die Reste der im Krieg gesprengten Brücke. Fischer kämpfen im brodelnden und schäumenden Element mit ihren selbstgeflochtenen Fischreusen. Wir sitzen unter schattigen Bäumen, lassen uns mittreiben von der Naturgewalt…

Der ausgewaschene Hohlweg ist kaum befahrbar, Haralds Toyota quält sich in atemberaubender Schräglage durch die ausgewaschenen Furchen. Das Gras sieht meterhoch, alles ist überwuchert. Staubige Dörfer tauchen auf, dann eine Palmenallee zur Kaffeefabrik. Die Kaffeepflanzen stehen dicht an dicht, der Aussichtspunkt über dem Tal ist grandios. Weltabgeschieden…

Mehr als hundert Meter tief donnern die Wassermassen in ein halbrundes Becken, die Gischt zaubert einen grandiosen Regenbogen, ehe die darunterliegende Ebene das Wasser zähmt und der Fluss träge seinen Weg zwischen den fruchtbaren Feldern sucht. Die Wasser der Calandula-Fälle sind Leben spendend für die ganze Region. Auch wir fühlen die unglaubliche Kraft…

Wie zufällig hingewürfelt ragen die Konglomeratfelsen von Pedras Negras aus dem mannshohen Gras, schaffen eine skurrile Landschaft, die sich im wandelnden Licht ständig zu verändern scheint. Unberührt mangels Pfaden träumen die Pfeiler und Wände vor sich hin. Wir sitzen auf einem Granitfelsen, genießen das Kino der Natur…

 

Massangano – alte portugiesisch-angolanische Hauptstadt

Majestätisch gleitet der Cuanza breit und behäbig durch eine herrlich grüne Landschaft dem Atlantik zu. Mangels Straßen hier im weiten Hinterland vor allem in der Regenzeit die einzige Verkehrsader.

Wir sitzen direkt am steilen Uferabbruch hoch über den braunen Wassermassen. Unser Blick schweift weit hinüber ans andere Ufer, über Palmen und Baobabs, wogendes Gras bis zum dunstigen Horizont. Langboote tuckern zielstrebig vorbei, beladen mit allerlei Gütern und natürlich auch Menschen, Fischer staksen mit ihren Einbäumen im Uferbereich. Hinter uns immer wieder helles Lachen und Rufen, Kinder lugen neugierig um die Ecke des alten portugiesischen Forts.

Zwanzig Kilometer teils übel ausgewaschene und oft extrem schmale Piste haben uns hier her gequält, in der Regenzeit sind die Dörfer von der Außenwelt oft tagelang abgeschnitten. Riesige Baobab-Wälder, jetzt im Winter kahl mit ihren skurrilen Ästen inmitten der alles überwuchernden Urwalddichte gen Himmel zeigend, begleiten uns. Dann eine letzte Biegung – wir rollen hinein nach Massangano. Erste Ruinen werden sichtbar, Menschen winken uns zaghaft, fast ungläubig zu. Direkt neben der portugiesischen Festung aus dem späten 16. Jahrhundert finden wir einen tollen Platz oberhalb der weiten Ebene.

Staunend stehen wir vor den wenigen alten portugiesischen Gemäuern, die hier trotz widrigster Umstände erstaunlich gut erhalten sind. Vor allem das alte Fort zeugt noch eindrucksvoll von der damaligen Lebensweise. Denn nur kurz war die eigentliche Periode der Nutzung, zu lebensfeindlich für Europäer die Bedingungen. Es ist das Gesamtensemble, die Mischung aus Historischem in so exponierter Lage und der geduldig ertragenen Lebensbedingungen des heutigen Dorfes, das uns in den Bann zieht.

Die unaufdringlich netten Kinder begleiten uns auf unseren Rundgängen, freundlich werden wir vor jeder Hütte begrüßt und willkommen geheißen. In der Grundschule versucht ein junger Lehrer mit viel Enthusiasmus den dreiundzwanzig Erst- und Zweitklässlern, Grundsätzliches zu vermitteln. Wir beschenken jedes Kind mit Malstiften und einem Spiel- und Malheft, Geschenke, die mit großen Augen und einem strahlenden Lächeln schüchtern entgegengenommen werden. Als wir als Dreingabe noch einen echten Fußball hervorzaubern, brechen alle Dämme. Laut jubelnd und klatschend danken sie uns für diese doch so kleine Gabe, singen uns ein Lied über Afrika.

Unser zurückhaltendes Auftreten und unsere Zuwendungen für die Kinder sprechen sich schnell herum, die Menschen danken uns, winken, strahlen uns an. Und als wir gegen Abend lautes Geschrei von der anderen Seite des Forts vernehmen, sehen wir, dass unser Fußball bereits pausenlos im staubigen Einsatz ist...

 

Malaria

Eine der Geiseln Afrikas wird sie genannt, befällt sie in so manchen Landstrichen beinahe jeden einmal. Konsequent haben wir uns immer geschützt, so und auch mit etwas Glück West- und Zentralafrika letztes Jahr unbeschadet überstanden. Doch irgendwann schafft es eine der Mücken, die infiziert sind, Dich zu stechen. Erst einige Zeit später bricht die Krankheit dann plötzlich über Dich her…

Wir rollen nach Luanda, der chaotischen Hauptstadt. Unser erstes Glück, denn hier gibt es vernünftige medizinische Versorgungsmöglichkeiten. Und wir kommen in der Wohnanlage von Christian, dem Geschäftsführer der Fa. Woermann, den wir vor einiger Zeit in Lobito kennen lernten, unter. Unser zweites, ganz großes Glück!

Anfangs dachte ich, ich seit schlicht erkältet. Ein bisschen schlapp, ein bisschen Fieber, das kommt und geht. Doch als Appetitlosigkeit, Fieber und allgemeines Unwohlsein zunehmen, drängt man mich, ins Krankenhaus zur Untersuchung zu gehen. Und dort bestätigt es sich – Malaria! Im Lauf der Aufnahme klappe ich schon zusammen, muss natürlich gleich dort bleiben und ran an den Tropf. Die Nacht geht gut, auch den ganzen nächsten Tag geht es mir eigentlich prächtig – was soll ich denn hier überhaupt! Aber dann geht es los: Fieberschübe, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindelanfälle. Doch ganz langsam spüre ich auch erste Verbesserungen. Nach fünf Tagen schwanke ich wieder zurück ins Leben da draußen…

An dieser Stelle möchten wir uns ganz, ganz herzlich bei Christian und dem gesamten Team der Fa. Woermann bedanken für ihre selbstlose und umfassende Unterstützung! Conny bekam jeden Tag ein Auto mit Fahrer, damit sie mich besuchen konnte, „Manni“ stand sicher in der Wohnanlage von Christian, wir hatten Stromanschluss und Wasser, bekamen Zugang zu einem leerstehenden Appartement der Firma, um Dusche, Toilette und Waschmaschine benutzen zu dürfen, „Manni“ einen Rundumservice in der firmeneigenen Wertstatt, Chris kümmerte sich um eine weitere Visaverlängerung und Sekretärin Maria fungierte in Krankenhaus und auch sonst immer als perfekte Dolmetscherin.

Nun werde ich liebevoll aufgepäppelt, denn ich fühle mich nach wie vor ziemlich schwach auf den Beinen und „Manni“ braucht ja doch manchmal eine kräftige Hand…

 

Luanda

Teuerste Stadt der Welt, schmutzigste Stadt der Welt, chaotischste Stadt der Welt. Viele Attribute für Luanda, diesem staubigen Zehn-Millionen-Moloch. Doch dank Christian und seiner Freunde und unserem unplanmäßig langen Aufenthalt lernen wir auch andere Seiten dieser Riesenstadt kennen.

Schattenwährung ist der US-Dollar. Ohne den geht hier nichts. Der einheimische Kwanza ist eigentlich das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt ist. Schlimm für die, die keinen Zugang zu den begehrten Dollars haben. Die Mietpreise hier sind horrend – 10.000 US-Dollar Monatsmiete(!) und mehr für ein kleines Haus sind normal. Doch die überwiegende Mehrzahl der Menschen hier lebt in unvorstellbaren Verhältnissen. Aus Abfallprodukten zusammengeschusterte Hütten ohne Wasser und Strom wälzen sich unaufhaltsam in und um die Stadt, täglich werden es unübersichtlich mehr. In der City buhlen glänzende Hochhausfassaden um den Platz an der Sonne, wenn sie es denn mal durch den Dunst schafft. Hochseejachten dümpeln im Schutz der Ilha, der langgezogenen Halbinsel unterhalb der großen Fortaleza aus portugiesischer Zeit, schicke Hochglanzkarossen parken vor noblen Restaurants. Der Schwarzmarkt boomt, erst mit illegal getauschten Dollars ist das Leben hier einigermaßen bezahlbar…

Die Straßen durch die Stadt außerhalb der eigentlichen City sind oft miserabel, meterhoch flankiert von Abfallbergen. Jeder freie Quadratmeter ist zugemüllt, es stinkt latent nach Fäkalien und Essensresten, Millionen Menschen verfügen nicht über eine Toilette. Wie Don Quichotte müht sich die kommunale Müllabfuhr rund um die Uhr, dem Chaos Herr zu werden, doch für jeden Kubikmeter Müll, den sie wegschaffen, kommen drei neue hinzu. Ein aussichtsloser Kampf…

Oft wird Luanda gerügt ob des chaotischen Verkehrs, der chaotischen Lebensbedingungen. Doch dies können wir so eigentlich nicht bestätigen. Sicher mag es für einen mitteleuropäischen Landbewohner eine echte Herausforderung sein, dem innerstädtischen Verkehrsgewühl Stand zu halten, doch wir hatten damit nicht wirklich Probleme. Zu lange sind wir dafür schon in Afrikas Städten unterwegs. Und die chaotischen Lebensbedingungen, nun, sicher ist nirgendwo sonst der Gegensatz zwischen unermesslichem Reichtum und erbärmlicher Armut so spürbar wie hier, wo täglich ein neues Heer Arbeitsuchender in die Stadt einfällt. Doch die Menschen managen sich selbst, die Favelas wirken auf den zweiten Blick durchaus organisiert. Und dringt man dann gemeinsam mit lokal Ansässigen ein in diese morbide Welt, dann wird sie liebenswürdig und spannend, Musik und pralles Leben pulsieren zwischen den Ruinen und Bretterbuden. Und doch ist es gut, sich einer anderen Welt zugehörig zu fühlen…

 

herrliche Steilküste am Cabo Caotinha
Traumstandplatz am Cabo Caotinha
quirliges Treiben auf dem Fischmarkt in Baia Farta
quirliges Treiben auf dem Fischmarkt in Baia Farta
in der Bucht von Egito Praia
Mädchen in Egito Praia
bunte Straßenmärkte im ganzen Land
Schule unter freiem Himmel
fröhliche Kinder am Strand von Quicombo
tropische Vegetation in den Bergen
Wasserfall von Cacheoira mit der alten Portugiesenbrücke
weiter Blick über gebirgige Landschaften
die eindrucksvollen Wasserfälle von Calandula
die Felsen von Pedras Negras
Sonnenuntergang - wundervolles Afrika...
Dorfleben am Cuanza
Waschplatz am Cuanza
Massangano
der Cuanza als wichtige Verkehrsader
am portogiesischen Fort in Massangano aus dem 16. Jh
Conny mit ihrem kleinen Freund André
große Freude bei den Grundschülern von Massangano
große Freude bei den Grundschülern von Massangano
Tommy spendiert eine Runde Eiscreme - für die Kinder eine ganz neue Erfahrung
Tommy mit den Dorfkindern am Cuanza

Afrika - Angola 3.Teil / Namibia 8.Teil

13. Juni 2016 – 21. Juli 2016

Angolas zwei Seiten…

Angola gefällt uns, Angola nervt uns. Kein anderes Land hat uns bisher so viel Geduld abverlangt, kaum ein anderes Land hat uns aber auch ein so entspanntes Reisen geboten. Zwei Herzen schlagen in unserer Brust…

 

Gefangen in Luanda

Die Malaria hat unseren Zeitplan gehörig durcheinander gewirbelt. Nach zehn Tagen in Hospital und Erholung im „Manni“ ist unsere Visaverlängerung von Benguela auch schon wieder fast abgelaufen. Also müssen wir unsere Visa ein weiteres Mal verlängern lassen. Normalerweise keine große Sache…

Am 16. Juni reicht Chris von der Fa. Woermann unsere Verlängerungsanträge bei der SME-Immigration ein, eine Woche später ist Connys Pass wieder da, meiner allerdings nicht. „Wir wissen nicht, was los ist, komm morgen wieder, komm nächste Woche wieder“, heißt es am Schalter. Zuerst kann und will uns niemand sagen warum, erst langsam sickert durch, dass es wieder dasselbe Problem ist wie schon bei der Einreise, obwohl wir damals alles erledigt hatten. Tag für Tag harren wir aus, hoffen auf die gute Nachricht, doch nichts geschieht. Chris hilft uns unermüdlich, steht fast täglich bei der SME auf der Matte, schaltet das Innenministerium ein, dringt bis ins Direktorium der SME vor. Doch nichts geschieht.

Am 3. Juli reicht es uns, wir müssen reagieren. Unsere beantragte Verlängerung gilt nur bis zum 21. Juli, bis dahin müssen wir aus dem Land sein. Nach Rücksprache mit der deutschen Botschaft verlassen wir Luanda letztlich ohne meinen Pass, nur mit der Quittung für die beantragte Verlängerung und dem Zweitpass. Wir machen uns auf den Weg in Richtung Namibia. Mal sehen, ob wir trotzdem ausreisen können…

Zehn Tage später stehen wir mit einer leichten Unruhe im Magen vor dem Grenzposten in Ruacana. Wir sind die einzigen Reisenden, die sich vor dem neuen, viel zu großen Abfertigungsgebäude eingefunden haben. Lässig erklären wir, warum ich hier ohne Pass stehe und auf die andere Seite des Grenzzaunes, nach Namibia, möchte. Und es klappt – nach nur einer Stunde der Erklärungen und Beratschlagungen dürfen wir passieren! Wir sind raus…

 

Afrikanisches Leben…

Das kräftige Blau des Stausees blitzt durch die dürren Äste der kahlen Büsche und Bäume, die der winterlichen Nachtkälte trotzen. Wir finden eine Zufahrt zum Wasser, eine Parkmöglichkeit direkt am Ufer, im Halbschatten einiger Bäume, tut sich auf. Plötzlich Stimmen, Kinderlachen, das Klappern blecherner Schalen. Wir sind nicht alleine, schüchtern schieben sich vier kleine Kinder aus dem Gehölz neben uns, stehen wie die Orgelpfeifen aufgereiht am Waldrand. Die junge Mutter, kaum Mitte Zwanzig, trägt ihr Fünftes auf dem Rücken gebunden, begrüßt uns herzlich, heißt uns willkommen.

Wenig später treffen wir sie alle wieder, als sie mühsam Wasser aus dem Stausee schöpfen und es in Plastikkanistern und Flaschen zu ihrer Hütte schleppen. Selbst die Kleinsten müssen ran, heben die vollen Behälter kaum vom Boden. Wir folgen ihnen, bringen der Kindern eine Tüte voll ausrangierter Spielsachen. Sie sind so schüchtern, dass sie das Lachen vergessen…

Die Hütte der siebenköpfigen Familie hat ungefähr „Mannis“ Grundmaße. Ein Raum. Aus dünnen Baumstämmen grob zusammengefügt. Es wird kalt in den Nächten. Vor der Behausung kokelt ein weiterer Baumstamm müde vor sich hin, ein zerbeulter Kessel liegt daneben im Dreck. Als die Dämmerung der Finsternis weicht, erhellt kein Licht ihr Leben. Es gibt keinen Strom, kein sauberes Wasser, keine Toilette. Die Kinder werden einfach in den angrenzenden Wald geschickt.

Am nächsten Morgen ist der Vater der Kinder da. Müde sitzt er auf einer Matte, neben sich die alte Machete, vor sich das zerschlissene Netz zum Fischen. Die Ausbeute der Nacht ist kaum erwähnenswert, es gibt also wieder nur Maisbrei…

 

Fazit Angola

Drei Monate Angola. Ein Land, das kaum einer kennt. Vom jahrzehntelangen Krieg traumatisiert, von den Herrschenden ausgeplündert. Nur sehr aufwendig ist überhaupt ein Visum zu bekommen, man will eigentlich keine Fremden im Land, die aufdecken könnten, welch widrigen Lebensumstände herrschen.

Dann der überraschende Gegensatz: die Menschen begegnen uns unglaublich offen, ja selbstbewusst. Lachend. Wie passt das zusammen? Sie sind einfach froh, dass endlich Frieden herrscht, das Töten ein Ende hat. Trotz oft unbeschreiblicher Armut.

Luanda, an der Uferpromenade im Schatten der glitzernden Wolkenkratzer, hinter deren verspiegelten Scheiben die Ölmilliarden verteilt werden. Weit weg vom Volk. Reichtum, der fast schmerzt, wird offen zur Schau getragen. Drumherum acht Millionen Menschen in zu oft erbärmlichsten Lebensumständen. Müllberge, Gestank, Ruß. Kaum Luft zum Atmen. Yachten dümpeln an den Gestaden der „Ilha“, der vorgelagerten Halbinsel mit den angesagten Restaurants und Nightclubs. Gegensätze…

Unterwegs im Land, auf Straßen, die jeder Beschreibung spotten. Teerreste krümeln sich um kratertiefe Schlaglöcher. Hauptstraße, Slalomfahren ist angesagt. Die Verbindungspisten zwischen den versteckten Dörfern sind in der Regenzeit unpassierbar, versinken im Morast. Doch die meisten sind eh zu Fuß unterwegs.

In jedem noch so kleinen Nest gibt es ein fast neues Schulgebäude. Löblich. Die Kinder kommen morgens pflichtbewusst angelaufen, zum Teil über zwei Stunden Fußmarsch durch den Busch, über ausgedorrte Staubebenen. Schulmaterialien sind Mangelware, die meisten haben nicht einmal einen Stift, geschweige denn ein Heft oder ein Buch. Und meist nicht mal einen Lehrer. Mangels Gehalt kommt er einfach nicht…

Anders in den städtischen Gebieten. Hier reichen die Räumlichkeiten bei Weitem nicht mehr aus, sitzen die Kinder oft im Freien unter Bäumen, auf selbst mitgebrachten Plastikstühlchen oder auch nur auf Baumstämmen, werden in drei Schichten unterrichtet. Das Ergebnis ist eher ernüchternd…

Das Land steht am Abgrund. Die Menschen wissen es nur noch nicht. Exzessive Bevölkerungsexplosion, offene Korruption, Ölpreisverfall. Die Währung im freien Fall. Noch gibt es zu Essen für alle, wenn auch sehr einseitig, oft nicht genug. Das Land braucht Nahrungsmittelimporte, hat aber kaum mehr Devisen. Die Zukunft ist düster, lauert das Gespenst eines neuerlichen Bürgerkrieges schon…?

Wir lieben dieses Land, seine Menschen, seine Ungezwungenheit. Die Musik, die Fröhlichkeit. Das Reisen und freie Campen ist traumhaft, immer waren wir willkommen, egal, wo wir uns niedergelassen haben. Nie fühlten wir uns unsicher, auch wenn der Wert dessen, was wir besitzen und umherfahren, unfassbar ist für den Großteil. Zurückhaltung, Höflichkeit, kein Betteln. Keine erhöhten Preise auf den Märkten wegen unserer Hautfarbe. Afrika einmal ganz anders…

Gerne kommen wir wieder, wenn die Immigrationsbehörde uns lässt. Denn deren Gebaren ist unglaublich, lässt uns oftmals verzweifeln. Doch sie werden es uns nicht verleiten, Angola in äußerst positiver Erinnerung zu behalten.

 

Immer wieder einfach schön – Namibias Tierwelt…

Wieder einmal liegt die Etosha-Pfanne mit ihrer reichhaltigen Tierwelt auf unserem Weg. Und natürlich nutzen wir die Gelegenheit, dort vorbei zu schauen. Einen ganzen Tag verbringen wir an verschiedenen Wasserlöchern und beobachten das stete Kommen und Gehen der wassersuchenden Tiere.

Ein Höhepunkt ist sicherlich das Lauern dreien junger Löwen, gut getarnt geduckt hinter einigen Felsen. Meter für Meter wagt sich die durstige Zebraherde an das lockende Nass, sich durchaus bewusst, dass die drei Löwen hier irgendwo sein müssen. Als sie sich endlich dem Durstlöschen hingeben, schnellen die drei Junglöwen hervor, sind jedoch zu weit weg, um einen Jagderfolg verbuchen zu können. Aber wahrscheinlich war es eh nur der Spaß, den gestreiften Gesellen einfach einen gehörigen Schrecken einzujagen…

 

traurige Realität in Luanda
Müllberge prägen vielerorts das Stadtbild
Macht und Reichtum im Überfluss
Kontraste - Slums gleich hinter den Glaspalästen
ausrangierte Schiffe rosten vor sich hin
Miradouro da Lua, von Wind und Wetter gestaltet
Kinderreichtum - Afrikas grosses Zukunftsproblem
beschwerliches Wasserholen
ärmliche Wohnverhältnisse
König der Löwen...
junge Löwin gut getarnt in der Morgensonne
Ernstzunehmender Angriff oder nur Spass?
Impalas beim wohlsortierten Genuss
trächtige Fleckenhyäne
Giraffen im Liebestaumel

Afrika - Namibia 9.Teil

23. Juli 2016 – 22. August 2016

Entspanntes Reisen durch gutbekanntes Terrain

Nach den spannenden Wochen in Angola genießen wir nun wieder mal unser vertrautes Namibia. Und trotzdem finden wir noch ein paar Ecken, in denen wir bisher noch nicht gewesen waren.

 

Zwischen Koigab, Huab, Goantagab und Ugab

Staubtrocken sind sie jetzt, die vier Flüsse, zwischen denen wir uns einige Tage herumtreiben werden. Staubtrocken auch der Boden, auf dem die reifenmordenden Steine in der heißen Sonne glühen. Und staubtrocken wirbelt die Luft immer wieder sandige Fontänen auf und trägt sie weit über die toten Ebenen.

Desolation Valley nennt sich das weite Tal, das die Flüsse verbindet, doch ganz so trostlos, wie uns der Name suggerieren will, ist es hier beileibe nicht. Immer wieder kreuzen Tiere unseren Weg, Springböcke, Oryxantilopen, Kudus, Bergzebras, ja sogar einige Giraffen entdecken wir in der flimmernden Hitze. Die nun trockenen Riviere sind dicht bewachsen, sehr zu „Mannis“ Leidwesen, denn knirschend und kratzend bahnt er sich oft seinen Weg durchs dichte Unterholz. Beim queren dieser tief in den sandigen Boden eingegrabenen Flussbette sehen wir uns oft spannenden Momenten gegenüber, so steil sind die Abfahrten, so labil die Auffahrten. Doch mit Geduld und Routine lösen wir die uns gestellten Aufgaben.

Immer wieder begeistern uns die traumhaft schönen Aussichtsplätze, die sich allesamt als Übernachtungsplätze aufdrängen. So kommt es, dass unsere Tagesetappen oft extrem kurz geraten. Doch das ist gut so, denn wir können uns kaum satt sehen an den wechselnden Panoramen, dem Spiel von Licht und Schatten, dem Konzert der Farben der Wüste.

Nach vier Tagen, ohne eine Menschenseele getroffen zu haben, stoppt uns ein aufgeschlitzter Reifen in unserem Tatendrang und wir müssen die Runde vorerst abbrechen, um für Ersatz zu sorgen. Doch wir werden wiederkommen, die Tour fortsetzen…

 

Lüderitz und Kolmannskuppe

„Schau mal Boss, was ich hier gefunden habe!“  Zacharias Lewala, ein Streckenarbeiter der gerade im Bau befindlichen Eisenbahn von Lüderitz nach Aus bringt seinem Chef August Strauch einen glitzernden Stein, den er am sogenannten Grasplatz neben den Gleisen entdeckte.

Wir schreiben das Jahr 1908, seit knapp fünfundzwanzig Jahren weht die Flagge des deutschen Kaiserreiches über der Lüderitzbucht. Den dort lebenden Nama günstigst abgeluchst, weitete der Abgesandte Dr. Vogelsang für den Kaufmann Lüderitz das Gebiet um die vom portugiesischen Seefahrer Bartolomeu Diaz Ende des fünfzehnten Jahrhunderts entdeckte geschützte Bucht immer weiter in das unwirtliche Hinterland aus.

Das Städtchen Lüderitz ist ein Ebenbild der kaiserlichen Heimat: Felsenkirche, Goerke-Haus, die Rheinische Mission, der Bahnhof. Auch Turnhalle, Kegelbahn und Tanzpalast fehlen nicht. Bis in unsere Tage prägen diese im Jugendstil erbauten Häuser das Bild der verschlafenen Stadt. Doch der wirtschaftliche Erfolg stellt sich nicht wie erwartet ein, zu abgelegen ist die Ansiedlung, kein Wasser speist die Reservoirs, es muss per Schiff aus Kapstadt mühsam und teuer herangebracht werden.

Doch dann ändert dieser schicksalsträchtige Tag im Jahre 1908 alles. Ein unbeschreiblicher Run auf die gefundenen Diamanten setzt ein. Die Außenstelle Kolmannskuppe wird gegründet, hier liegen die Diamanten buchstäblich auf dem sandigen Boden, sie müssen nur aufgelesen werden. Die deutschen Kaufleute und Ingenieure schaffen in nur wenigen Jahren Erstaunliches, eine kleine, autarke Stadt entsteht mitten in der Wüste und in nur zehn Monaten Bauzeit legen sie die Eisenbahnschienen über hundertdreißig Kilometer bis nach Aus in den Sand. Diese Leistung begeistert insofern, da das heutige Namibia bereits seit zehn Jahren (!) an derselben Strecke baut um sie wieder zu aktivieren…

Im Jahre 1958 ist der Spuk endgültig vorbei, der Rush Geschichte. Sand und Wind spielen mit den verlassenen Häusern, erobern sie durch offen stehende Fenster und Türen. Inzwischen sind einige der Gebäude feinfühlig restauriert, bieten dem Besucher ein anschauliches Bild der damaligen Zeit. Und so scheint die damalige Zeit fast lebendig durch die versandeten Straßen zu wehen, immer noch auf der Suche nach den letzten Diamanten…

 

 

Und nun also wieder Südafrika! Wir freuen uns viele derer wieder zu besuchen, die wir bei unserem ersten Aufenthalt kennen gelernt hatten. Und natürlich auf die vielen neuen Begegnungen…

 

spröde Stimmung im Desolation Valley
Blick ins Desolation Valley und Huab Rivier
vor der Kulisse des Brandberg Massivs
weiter Blick in die Namib vom Spreetshoogte Pass
Nagetiere unter sich...
Abendstimmung in der Wüste
Jugendstilarchitektur in Lüderitz
Altstadthäuserzeile in Lüderitz
Diamanten-Ghosttown Kolmannskuppe
herrschaftliche Häuser in Kolmannskuppe
Sand und Wind verwehen Historisches
Blick in den Richtersveld Nationalpark

Afrika - Südafrika / 5. Teil

23. August 2016 – 29. September 2016

Der neuerliche Besuch in Südafrika…

…beginnt bald ganz anders als geplant, denn „Manni“ macht uns einen unangenehmen Strich durch unsere Rechnung. Und sorgt selbst für eine Gewaltige. Aber zunächst…

 

…Flower-Power im Namaqualand

Im kargen Nordwesten Südafrikas, zwischen der Lebensader Oranje und dem eiskalten Atlantik, begrenzt von den Wüsten der Karoo und den bröckelnden Cederbergen, erwacht jedes Jahr im Frühjahr ein Wunder der Natur: Der ausgetrocknete Wüstenboden explodiert förmlich nach den ersten Regenfällen der Saison. Millionen winziger Pflanzen und strahlend bunter Blüten überziehen fast über Nacht die mausetot erscheinenden, steinigen Flächen. Über 4000 verschiedene Pflanzenarten erwachen und lassen die gesamte Region in einer nie erwarteten Farbenpracht erstrahlen.

Wie verwandelt präsentieren sich nun ganze Ebenen in Weiß, Gelb und Orange, leuchten Berghänge in Rot und Blau. Was für ein Schauspiel! Die Köpfchen der Blüten wandern tagsüber mit der Sonne, sie recken ihre Stengel immer in Richtung der wärmenden Strahlen. Dieser unglaubliche Blütenteppich gibt der sonst fast trostlosen Landschaft für einige wenige Wochen eine beschwingte Stimmung, wir werden mitgerissen von der Leichtigkeit der Farben. Stundenlang wandern und sitzen wir zwischen dieser tropischen Flora.

Einige Tage später erfahren wir von den Bewohnern, dass dieses Jahr die Blüte sehr viel geringer mangels ausreichendem Regen ausgefallen ist. Wie mag es hier blühen in guten Regenjahren…?

 

Ein kapitaler Getriebeschaden und ein tolles MAN-Team

Es scharrt. Und klingelt immer wieder mal. Irgendetwas schabt aneinander. Ein Check schafft schnell Gewissheit: die Geräusche kommen eindeutig aus dem Getriebegehäuse! Na prima! Noch lassen sich die Gänge problemlos einlegen, nur beim Loslassen der Kupplung und beim Fahren in den unteren Gängen nehmen die Geräusche schnell unangenehm zu.

Wir stehen in Lamberts Bay, rund 300 Kilometer nördlich von Kapstadt in der Pampa. Was also tun? Wir entscheiden uns, entlang der Küste nach Süden zu fahren. Den ganzen Tag hängen unsere Ohren am Getriebe, bzw. an den Geräuschen, die von dort kommen. Am Abend ist klar, wir müssen auf direktem Weg zu MAN, denn in den ersten vier Gängen klingt es, als ob Metall zerrieben wird. Unter Missachtung jeglicher Stoppschilder erreichen wir nahezu permanent im fünften Gang fahrend am nächsten Tag die Werkstatt.

Dort wird schnell klar, da ist wohl eine ganze Menge geschrottet. Das Getriebe wird ausgebaut und zu ZF, dem Getriebehersteller gebracht. Nach deren Meinung könnte eine zu schwache Antriebswelle den Belastungen nicht gewachsen gewesen sein. Wie auch immer, es muss ein neues Getriebe aufgebaut werden, allerdings muss die passende Antriebswelle erst aus Deutschland eingeflogen werden.

Die Mannschaft von MAN, allen voran deren Werkstattchef Asher Williams, bemüht sich wirklich nach Kräften, uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Wir dürfen im Hof in „Manni“ Quartier beziehen, haben Strom, Wasser und Toilette zur Verfügung und bekommen jederzeit ein Auto mit Fahrer angeboten, sollten wir irgendwo hin wollen. Asher schlägt für uns 50% Kulanz für das Getriebe bei MAN heraus, bei einem Fahrzeugalter von vierzehn Jahren beileibe keine Selbstverständlichkeit, und bietet uns zusätzlich an, den gesamten Aus- und Einbau des Getriebes ohne Berechnung zu machen.  Und auch auf die neue Kupplungsscheibe gibt er uns noch einen Rabatt!

Zwei Wochen später rollt „Manni“ wieder! Ein ganz herzliches Dankeschön an das tolle Team von MAN, die sich wirklich alle Mühe gegeben haben. Wir können diese Werkstatt mit bestem Gewissen weiterempfehlen.

 

Whale-Watching

„Schau mal, dort hinten, da ist ein dunkler Schatten im Meer. Da ist einer, nein sogar zwei!“ Nachdem wir uns den dritten Tag hintereinander die Augen aus dem Kopf gucken nach den gewaltigen Meeressäugern, scheint uns nun das Glück doch noch hold zu sein. Eigentlich ist jetzt Hochsaison für die Wale, sie kommen regelmäßig hierher zum Kalben. Doch wo sonst um diese Jahreszeit Dutzende ihr interessantes Spiel mit den Wellen treiben, verirrt sich gerade mal der Ein oder Andere hierher. Und der Eine vor uns ist auch noch ein fauler Sack – kein Springen und Schwanzschlagen ist zu erkennen, lediglich Luft bläst er steil in die Höhe. Ansonsten liegt er träge wie ein Stück Treibholz im rauen Wasser.

Wir sitzen auf den blendend weißen Sanddünen im De Hoop National Reserve. Stürmischer Wind treibt uns die scharfkantigen Sandkörner wie Nadelstiche ins Gesicht. Unten an der Wasserlinie bläst uns der Sturm fast aus den Schuhen, salzige Gischt treibt über den Strand. Drei Stunden harren wir aus, dann ist gut. Nicht mal zu einem Foto hat es gereicht, bei den Verhältnissen ist Materialschonung angesagt, die Kamera bleibt im „Manni“.

Als Ersatz für Euch gibt’s dafür mal wieder ein paar lustige Pinguinbilder aus Simon`s Town und viele bunte Vögel von der „World of Birds“ in Hout Bay.

 

Die letzte Ziehfähre Südafrikas

Behäbig schlängelt sich der Breede River durch sein tief eingegrabenes Bett, oberhalb der steilen Ufer reiht sich Feld an Feld, soweit das Auge reicht. Wie hingewürfelt ducken sich einfache Farmen in den Schatten hoher Bäume, blecherne Windräder drehen sich langsam in der leichten Brise. Eine weit sichtbare Staubfahne kündigt ein einsames Fahrzeug an.

Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein, hier im Hinterland. „Manni“ schiebt sich vorsichtig die steile Abfahrt nach Malgas hinunter, ein verschlafenes Nest unten am Fluss. Doch der Weiler ist immens wichtig für die ganze Region, denn hier ist die einzige Möglichkeit auf hundert Kilometer, den Breede River zu überqueren. Doch keine Brücke ist hier über das friedliche Wasser geschlagen, nein, die letzte Ziehfähre ist es, die uns den Übergang ermöglicht.

Wir sind die einzigen Reisenden am Anleger. Die kleine Fähre liegt gerade am anderen Ufer, die beiden Fährleute sehen uns kommen und machen sich daran, die Fähre über den Fluss zu ziehen. Dazu schlingen sie eine Kette um das Spannseil, das parallel zur Fähre verläuft, hängen sich in den daran befestigten ledernen Schultergurt und ziehen so mit reiner Muskelkraft die Fähre langsam zu uns hinüber. Mal sehen, ob das mit „Mannis“ rund zehn Tonnen dann auch noch so einfach geht…

Sie winken uns an Bord, wiegen bedächtig den Kopf ob „Mannis“ Größe und Gewicht – „…das wird aber teuer…“ – und fordern dann lachend ganze drei Euro von uns. Sie legen sich ins Zeug und ganz langsam kommt Bewegung in die Sache. Einmal in Schwung, geht es nun ganz leicht, und wir gleiten ruhig auf dem Wasser dahin. Die Jungs haben dabei genug Zeit, mit uns einen ausgiebigen Schwatz zu halten.

Viel zu schnell sind wir am anderen Ufer, verabschieden uns lachend von den Beiden und entschwinden in einer Staubfahne…

 

 

oranges Blütenmeer im Namaqualand
bunter Blütenteppich
auch die Tiere genießen den Frühling
Wildblumen in allen Farben
Morgenstimmung in den Cederbergen
Tölpelkolonie in Lambertsbay
Balzzeit bei den Kap-Tölpeln
abwechslungsreiche Bergwelt rund um Kapstadt
Kap-Uhu
Koenigsgeier / Sarcoramphus papa
Affeninvasion - Jagd nach dem Apfel
Pinguine in Simon´s Town
turtelnde Pinguine
die letzte Zugfähre Südafrikas
mit Muskelkraft über den Fluss

Afrika - Südafrika / 6. Teil - Swaziland

30. September 2016 – 29. Oktober 2016

Das erste Mal, seit wir in Afrika unterwegs sind…

… haben wir Besuch! Unsere Freundin Moni reist vier Wochen mit uns, im eigenen Mietwagen und mit Zelt. Wir freuen uns, ihr ein klein wenig „Afrika“ näher bringen zu dürfen.

 

Im Township-Kindergarten in Bethlehem

Wir sind wieder mal bei Brigitte und Bernhard, und sie ermöglichen uns einen Besuch in einem unter der Obhut der Kirche stehenden Township-Kindergarten. Die inzwischen zweiundachtzigjährige und gesundheitlich stark beeinträchtigte Leiterin der Einrichtung gibt uns einen sehr netten Einblick in ihre tägliche Arbeit mit den Kleinen. Wir werden mit kleinen Slapstick-Einlagen und enthusiastisch vorgetragenen Kinderliedern erfreut, die Augen blitzen, die Gesichter lachen. Auch die ganz Kleinen finden hier eine liebevolle Betreuung, lernen mit Bauklötzen und ersten Spielen umzugehen.

Diese Einrichtungen sind enorm wichtig für die Entwicklung der Kleinen, um die sich in der Regel zuhause niemand so richtig bemüht und kümmert. Seit über zwanzig Jahren engagiert sich die alte Dame für ihr Lebenswerk, sammelt Spenden und hält den ganzen Betrieb am Laufen. Doch Ende dieses Jahres ist Schluss – sie kann nicht mehr…

Bisher hat sich niemand gefunden, der diese wichtige Einrichtung unter seine Fittiche nimmt. Die schwarze Kommune hat kein Interesse, der Staat gibt kein Geld, personelle Nachfolge gibt es nicht. Das Ganze wird dann wohl verkommen und einschlafen – wie fast immer in Afrika…

 

Royal Natal – das Herzstück der Drakensberge

Was für eine Wand! Mit über fünf Kilometern Breite beherrscht sie den Horizont, fast tausend Meter fällt sie senkrecht ab ins tief eingeschnittene Tal des Tugela, der sich in der regenstarken Zeit in einem sechshundert Meter hohen Wasserfall in die bodenlose Tiefe stürzt und anschließend durch die verschiedensten Gesteinsschichten sein Bett geschnitten hat. Flankiert von mehreren Dreitausendern bildet dieses Halbrund das Amphitheatre, das markanteste Massiv der Drakensberge.

Auf verschiedenen Wanderungen erkunden wir das Gebiet intensiv, erklimmen die Abbruchkante über das karge Hochplateau, klettern über riesige Brocken durch das Flussbett des Tugela bis unterhalb der gigantischen Mauer, steigen auf exponierte Aussichtsgipfel. Das Wetterglück ist uns hold, malerisch treiben weiße Wölkchen über den blauen Himmel, geben dem Tal eine zauberhafte Atmosphäre.

 

Im Land der Zulus – ein Stück reales Afrika…

Tief hängen die dunklen Wolken, verschlucken die höheren Gipfel der rundum aufragenden Berge, die hier in üppiger Bewachsung ein beeindruckendes Szenario bieten. Viele der steilen Flanken sind mit Feldern bestückt, der fruchtbare, rote Boden trägt Vielerlei, Zuckerrohr vor allem. Es ist gerade Schulschluss, abertausende, in schicken Schuluniformen gekleidete Kinder aller Altersstufen säumen Zuckerrohr kauend die Straße, winken uns zu und staunen über „Manni“. Unzählige kleine Höfe, immer bestückt mit einigen traditionellen Rundhütten, aber auch unschönen gemauerten Zweckbauten sprenkeln die Täler mit ihren bunten Mauern.

Doch der bodenständige Schein trügt gewaltig! Auf der nagelneuen Teerstraße, die sich in endlosen Kurven durch diese ursprüngliche Landschaft schlängelt, ist nahezu kein Fahrzeug unterwegs, untrügliches Zeichen für fehlende wirtschaftliche Stärke. Kaum Männer sind zu sehen, sie verdingen sich in den Großstädten fern der Heimat und hausen dort in unsäglichen Townships. Die Frauen quälen sich unter schweren Bedingungen, dem gebirgigen Boden Essbares abzuringen, um ihre unermessliche Kinderschar durchzufüttern. Diese lärmenden, fröhlichen und sorglosen Massen junger Menschen werden das ganz große Problem der Zukunft werden. Es sind so viele, dass nie die Aussicht auf Arbeit und damit eine vernünftige Zukunft besteht. Doch den Staat kümmert es nicht wirklich, im Gegenteil, für jedes Kind gibt es auch noch eine Prämie! Was für ein Irrsinn!

Wenig später, unten am Indischen Ozean, sitzen wir auf einer gepflegten Rasenfläche unter Palmen und anderen exotischen Bäumen zwischen Golfcourt und National Resort. Hier, im weißen Südafrika, ist nichts zu spüren von diesem hochexplosiven Pulverfass hoch oben in den grünen Bergen unter den sich zusammen brauenden dunklen Wolken. Noch nicht…

 

Im Hluhluwe-Imfozoli Park

Die Informationen waren spärlich, niemand konnte uns bisher seine Erfahrungen über diesen Park mitteilen. Die wenigen Beschreibungen klingen allerdings optimistisch, also los.

Der erste Eindruck – eine unglaublich grüne Hügellandschaft; da wird es wohl schwer werden, Tiere zu entdecken. Doch weit gefehlt, schon nach wenigen Metern stehen wir inmitten einer großen Büffelherde, Zebras und Impalas grasen friedlich neben der schmalen Straße. Und ein stattlicher Elefantenbulle bahnt sich unermüdlich fressend seinen Weg durch das Gestrüpp. Eine ganz andere Stimmung also als in den Steppen- und Savannenparks. Von einer Hügelspitze aus entdecken wir drei Nashörner! Nichts wie runter ins Tal, und wir treffen auf ein Muttertier mit einem Halbwüchsigen und einem ganz Kleinen. Entspannt suhlen sie sich in einer Schlammlache, grunzen und schnauben vor Vergnügen. Immer wieder entdecken wir nun mehr und mehr Nashörner, erkennen mit inzwischen geschultem Auge Nyalas und Wasserböcke zwischen den Farnwäldern und Akazien. In der Abenddämmerung begeistert uns dann noch ein Verbund mehrerer Elefantenherden, die majestätisch durch das dichte Grün zu den Wasserlöchern ziehen.

Schon kurz nach Sonnenaufgang sind wir wieder auf Pirsch. Hinter einer scharfen Kurve blockieren plötzlich mehrere Elefanten die Piste – die Herden vom gestrigen Abend ziehen fast schon kitschig schön unter weit ausladenden Akazien durch das satte Grasland. Afrika wie aus dem Bilderbuch! Schwerfällige Nashörner tummeln sich in Schlammlöchern direkt neben uns, stattliche Büffel fressen sich auf den fruchtbaren Weiden satt. Und immer wieder Elefanten! Aber auch immer wieder stolze Nyala-Böcke, umgeben von schlanken Weibchen, erfreuen uns, Warzenschweine wuseln umher. Nur Löwen entdecken wir keine, das ist hier in dieser üppigen Natur fast unmöglich…

 

Ein Kurzbesuch in Swaziland

Das kleine Königreich der Swazis, eingequetscht zwischen Südafrika und Mozambique, gefällt in erster Linie durch die auffallende Freundlichkeit seiner Menschen. Arm sind sie, doch sie leben in ordentlichen Hütten und Häuschen, es wirkt weit sauberer als bei den großen Nachbarn, die Felder sind gut bestellt. Großflächige Zuckerrohrplantagen, ein paar Minen und großzügige Unterstützung mit EU-Geldern sorgen für ein geordnetes Leben und füllen dem König seinen Beutel. Der wir trotz immensem Reichtums von seinen Untertanen verehrt, schließlich führt seine Familie seit rund dreihundert Jahren ununterbrochen das duldsame Volk und die Regierungsgeschäfte.

Viel gibt es nicht zu sehen auf diesen wenigen Quadratkilometern, viel zu dicht ist das Land besiedelt, und der Bevölkerungszuwachs spiegelt sich in den unglaublichen Kinderscharen wieder, auch wenn  eine 35% Aids-Infektionsrate für eine hohe Sterblichkeit sorgt. Das moderne Wirtschaftszentrum zwischen Mbabane und Manzini steht im krassen Gegensatz zu den Dörfern in den Highvelds und Middelvelds. Und den Rest belegen die endlos erscheinenden Monokulturen Zuckerrohr und Forstwirtschaft.

Trotzdem, ein sehr sympathisches Land, freundlich und sicher, und deshalb werden wir ganz bestimmt mal wieder vorbeischauen…

 

 

Kinder im Township-Kindergarten in Betlehem
Freude am Singen und Spielen
Mädchen im Kindergarten
am Sterkfontein-Damm
Wanderung im Royal Natal National Park
Blick von oben auf das Amphietheatre
erfrischende Gumpen bei der Wanderung entlang des Tugela-Rivers
Elefanten im Hluhluwe National Park
Elefanten im Hluhluwe National Park
Elefanten im Hluhluwe National Park
das Nashorn genießt die Schlammsuhle
überraschend viele Nashörner im Park
Hippo mit Badeenten
Agame
süße Löwenbabys
Löwenbaby
Grrr...
sooo müde...
Wüstenluchs
Elefantenliebe
früh übt sich...
zurück in den Busch...
Nyala-Kühe
Nyala-Böcke

Afrika - Südafrika / 7. Teil

29. Oktober 2016 – 20. November 2016

Phantastische Tierwelten und herzliche Begegnungen, „real Africa“ und modernes Leben…

… - Südafrika begeistert uns wie immer mit seiner unglaublichen Vielfalt. Schade, dass wir nach nur neunzig spannenden Tagen das Land wieder mal verlassen müssen – unsinnige Aufenthaltsbestimmungen hindern uns, länger bleiben zu dürfen. Doch wir versuchen, schon bald wieder zu kommen…

 

Im Krüger Nationalpark

Wer hat noch nie etwas gehört von diesem wohl weltbekanntesten Park ganz im Osten Südafrikas? Auf gigantischen 20.000 qkm(!) tummeln sich 150 Säugetierarten, 120 Reptilien, 35 Amphibien und über 500 verschiedene Vogelarten. Es ist ein Muss, diesem unglaublichen Naturrefugium einen ausführlichen Besuch abzustatten.

Doch wo anfangen? Allein 2000 Straßen- und Pistenkilometer erschließen das Gelände, geben Zugang zu Wasserlöchern, Flussläufen und Camps. Wir entscheiden uns für drei Tage Pirschfahrt im südlichen Teil, ein späterer Besuch soll uns dann weiter in den Norden führen. Schnell erkennen wir die Richtigkeit unserer Entscheidung, denn allein in diesen drei Tagen sind wir fast 500 Kilometer unterwegs.

Seit Jahren schon leidet die Region unter ausbleibenden, ausreichenden Regenfällen. Und so präsentiert sich dieser vielfältige Lebensraum knochentrocken, die meisten Wasserlöcher und Flussläufe sind schon lange ausgetrocknet und geben den umherstreifenden Tieren kaum mehr eine gute Überlebenschance. Langsam fahren wir durch die staubige Savanne, die „Safariaugen“ wachsam in alle Richtungen blickend. Und natürlich werden wir schnell belohnt: erste Elefanten und Nashörner, Giraffen und Zebras, Gnus und jede Menge verschiedenster Antilopenarten streifen durch den mageren Busch. Wir entdecken stolze Kudubullen und scheue Hyänen, mächtige Büffel grasen am Wegesrand.

Doch was ist mit den großen Katzen? Sie auszumachen ist ein besonders schwieriges Unterfangen, wenn Wasserlöcher trocken sind und sie gut getarnt irgendwo den heißen Tag gut getarnt im Schatten verschlafen. Untrügliches Zeichen für die Präsenz der gefährlichen Jäger ist immer eine geballte Ansammlung von Fahrzeugen, die plötzlich kreuz und quer auf der Straße um den besten Logenplatz drängeln, sich mächtige Objektive aus heruntergelassenen Seitenscheiben schieben und die  Guides in den Safariautos ihre abenteuerlichsten Geschichten zum Besten geben.

Als erstes stoßen wir auf einen Leoparden, der sich genüsslich an einem gerissenen Warzenschwein labt. Satt und faul liegt er bald schon unter dem schattenspendenden Baum, bevor er sich dann doch entschließt, sich der voyeuristischen Touristenmasse zu entziehen. Wir spüren einen zweiten dieser grazilen Katzen auf, auch er findet einen gemütlichen Platz für die Mittagsruhe in einiger Entfernung zu uns. Es hat schon etwas ganz Besonderes an sich, diese kraftvollen Tiere in ihrer natürlichen Umgebung so nahe zu erleben.

Die Löwen dagegen machen sich sehr rar. Erst am späten Nachmittag können wir ein erstes Weibchen entdecken, auch sie liegt eher teilnahmslos unter einer Palme am Fluss. Am nächsten Tag ist uns das Pirschglück dann besonders hold, zwei winzige Neugeborene tollen ausgelassen um ihre Mutter und zwei weitere Löwen herum. Leider so weit entfernt, dass wir lediglich mit unserem hochwertigen Jagdfernglas dem Spektakel folgen können. Das war`s dann auch schon.

Blitzschnell taucht plötzlich ein Schatten links neben uns auf, kreuzt in atemberaubender Geschwindigkeit unsere Fahrbahn und verschwindet wie der Blitz im angrenzenden Unterholz. Ein weiterer Leopard? Oder doch gar ein Gepard? Noch nicht einmal die schussbereite Kamera hatte ihn einfangen können, so bleibt das Rätsel also ungelöst.

Nach drei langen Tagen auf Pirsch sind die Augen rot und der Kopf müde, und es bleibt ein etwas zwiespältiger Eindruck: Viel Fahrerei und viel Touristen für verhältnismäßig wenige Tiere, da präsentieren sich andere Parks interessanter; unter der anhaltenden Trockenheit leidet die Attraktivität der Landschaft und vor allem die Tierwelt. Mal sehen, ob wir wiederkommen…

 

Botshabelo

Als die beiden jungen Berliner Missionare Alexander Merensky und Heinrich Grützner nach einigen aufregenden Irrwegen schließlich im Januar 1865 das Gelände nördlich von Middelburg kauften, nannten sie es Botshabelo – Platz der Zuflucht. Schon bald sammelten sich unter ihrem Schutz viele verfolgte Christen und sie entschlossen sich, eine Station der Berliner Missionsgesellschaft zu gründen.

Rasch entstanden Pfarrhaus und Schutzburg, und als die erste Kirche zu klein wurde, errichteten sie bereits 1868 einen großen, noch heute bestehenden Bau. Die über 1300 Bewohner Botshabelos konnten sich selbst versorgen, bewässerte Felder und eine Mühle sorgten für Frisches, ein kleines Ladengeschäft, Schmiede und Buchdruckerei brachten bescheidene Einnahmen. Die erweiterte Schule wurde noch bis 1979 genutzt.

1971 bekamen die lokalen Behörden den Auftrag, sich um den Erhalt der Missionsstation und um die langsam in Vergessenheit geratene Kultur der ansässigen Ndebele zu kümmern. Es entstand ein traditionelles, bewohntes Dorf, in dem anschaulich die verschiedenen Entwicklungsstufen der Ndebele-Kultur dargestellt wurden. Wandmalereien und Herstellung von Kunstgegenständen sorgten für einen authentischen Einblick in das Leben dieser Menschen und die historischen Gebäude der Missionsstation wurden liebevoll gepflegt und genutzt.

Vor ein paar Jahren nun, als die Verantwortlichkeiten in kommunale Hände übergingen, entstanden schon bald Streitigkeiten unter den Zuständigen, wer denn was bekommen und natürlich davon profitieren sollte. Die Berliner Missionsgesellschaft verweigerte daraufhin weitere, unterstützende Zahlungen, solange der Streit nicht beigelegt ist. Niemand kümmerte sich noch um den Erhalt der Mission, Besucher blieben aus, die Ndebele verließen schließlich ihr schönes Dorf und der Verfall setzte ein. Nach nur fünf(!) Jahren sind die historischen Gebäude nahezu unbenutzbar, das Kirchendach der 150 Jahre alten Kirche eingestürzt, das wunderschöne Ndebeledorf halb zerstört, der Campingplatz dem Vandalismus preisgegeben, der Olifantriver verdreckt.

Wieder einmal eine so typisch afrikanische Entwicklung…

Wir sprechen mit zwei der heute Verantwortlichen, sie schwärmen uns von Renovierungen vor, von Werbemaßnahmen, um wieder Besucher anzulocken; ein „Masterplan“ sei bereits ausgearbeitet. Wir bitten um die Zusendung dieses Planes, um bei der Beschaffung der notwendigen Gelder bei der Berliner Missionsgesellschaft behilflich zu sein. Das wolle man gerne tun, schon in den nächsten Tagen sollten wir den Plan in aller Ausführlichkeit erhalten, Hilfe sei schließlich gerne gesehen.

Wir warten heute noch…

Ach Afrika…

 

Bilderbuch-Afrika am Limpopo und Mokolo

Träge dümpelt der Mokolo zwischen schmalen Sandbänken, abgestorbene, schwarze Baumreste zeugen von in der Regenzeit größeren Wasserflächen. Lautlos gleiten einige Krokodile in die braune Brühe, als sie uns bemerken. Die verstreut im Wasser liegenden Felsen fangen an zu grunzen und entpuppen sich als Hippos, die der sengenden Hitze des Tages im kühlenden Nass versuchen zu entkommen.

Wir parken „Manni“ auf einem schmalen Damm etwas oberhalb des Flusses. Unser Panoramarundblick ist grandios, keine zehn Meter unter uns die Hippos, über uns grummelt und blitzt es aus drohenden Gewitterwolken. Die untergehende Sonne hüllt die Szenerie in ein gespenstiges Abendlicht, bevor sich die Schleusen über uns öffnen und der Regen laut prasselnd auf uns niedergeht.

Die Nacht wird kurzweilig. Die Hippos grasen laut grunzend um „Manni“ herum, gigantische Blitze erhellen immer wieder die pechschwarze Nacht – an Schlaf ist kaum zu denken. Aber das ist egal, denn genau deswegen sind wir hier…

Aug in Aug mit einem mächtigen Hippobullen frühstücken wir, sitzen noch lange unter den Uferpalmen und beobachten und lauschen…

 

Grenzenlose Gastfreundschaft und selbstlose Unterstützung…

…prägen unsere Begegnungen mit den Südafrikanern. Immer wieder überraschen sie uns mit feinen Gesten, die wir so nicht erwarten hätten, immer wieder werden wir eingeladen. Die Nachbarin, vor deren Haus wir stehen, stellt uns eine ganze Kiste frisches Obst auf den Tisch und bittet uns zum Tee, die Werkstatt schweißt unsere Tankhalterung und winkt ab, als es um die Bezahlung geht. Der Schlossherr lädt zum original italienischen Cappuccino in gediegener Atmosphäre, die Lodgebetreiberin zum kostenlosen Übernachten auf ihrem Grundstück.

„Thank`s a lot“ – ihr alle seid ein wesentlicher Grund dafür, dass wir immer wieder in euer tolles Land kommen!

 

 

Leopard - ein ganz besonderer Augenblick
unser Wappentier - der ToCo
stolzer Kudu Bulle
lauthals protestierende Rotschopftrappe
Lisbon Falls am Blyde River Canyon
Potholes, Felsauswaschungen am Blyde River
Zusammenfluss von Blyde- und Treur-River
Botshabelo - alte Berliner Missionsstation
eingestürzte Kirche in Botshabelo
verlassenes Dorf der Ndebele
Eingang in ein Ndebele-Gehöft
Innenansicht der Rundhütte
Reparatur der Tankhalterung
typisch afrikanische Flusslandschaft am Mokolo
immer wieder spannend: Hippos vor der Haustüre
viele Hippos in der Nachbarschaft

Afrika - Botswana / 2. Teil

21. November 2016 – 17. Dezember 2016

Botswana, das ist für uns Reisen im wohl „gemütlichsten“ Land Afrikas…

 …denn nirgendwo sonst auf diesem Kontinent bewegen wir uns unbehelligter. Keine Kontrollen nerven, immer ein sicheres Gefühl beim Bushcamp, die Menschen um uns herum zurückhaltend freundlich, ja fast gleichgültig.

 

Verkehrte Welt…

Wir sitzen gemütlich am grünen Ufer des Boteti. Idyllisch ist es hier, unzählige Vögel beleben die Szenerie, Kühe und Ziegen weiden sich durch die kurze Grasnarbe. Ein Reiter auf einem altersschwachen Muli nähert sich uns, der traditionelle Umhang flattert sachte im leichten Wind. Wir heben den Arm zum Gruß, er erwidert gerne. Ein klassisches Fotomotiv also. Gesagt, getan: er zückt sein Handy, fordert Conny zur Pose am Fluss auf und hält den Moment fest. Es hat funktioniert, er reckt seinen Daumen zur Bestätigung, bedankt sich artig, und zieht seines Weges.

War das früher nicht anders herum? Es scheint, die Welt hat sich verändert…

 

Im Kgalagadi Transfrontier Park

Die Kalahari, Synonym für die Weiten Afrikas, hier im trockenen Süden. Goldgelbe Sanddünen, dorniges Buschwerk, ausgetrocknete Salzpfannen, stachelige Akazien. Bis zum Horizont. Und darüber hinaus. Menschenleer, menschenfeindlich. Ein Glutofen im Sommer, eisig kalt in den Winternächten. Gigantische Gewitter entladen sich in der Regenzeit, Blitze so hell wie die gnadenlose Sonne erhellen den nächtlichen Himmel.

Genau dort, mittendrin, stehen wir. Schon seit drei Tagen nun. Was für eine Ruhe, nur der Wind spielt mit den Ästen der knorrigen Bäume. Springböcke in kleineren Herden ziehen umher, auch einzelne Gnus stehen fast apathisch im spärlichen Schatten. Vorsichtig nach allen Seiten äugende Oryxantilopen mit ihrem langen, spitz zulaufenden Gehörn queren die flachen Ebenen, auch Kudus und Elands lassen sich sehen. Und die allgegenwärtigen Fuchsmangusten und Streifenhörnchen wuseln ständig um uns herum.

Plötzlich kommt Bewegung in die Ebene. Aufmerksam verharren die Tiere, manche nehmen Reißaus. Was ist los? Irgendeine Veränderung liegt in der Luft. Da, zwei, nein drei braune Schatten lösen sich aus dem Horizont, kommen auf uns zu. Löwen! Majestätisch schreitet der große Kalahari-Mähnenlöwe voran, zwei Weibchen im Schlepptau. Doch was ist das? Das gibt es doch gar nicht! Drei, vier, fünf höchstens drei Monate alte, kuschelige Babies tapsen noch etwas unbeholfen hintendrein, tollen herum, kugeln über sich selbst, stoben mal hier hin, mal dort hin. Immer näher kommen sie nun, streben das Wasserloch an, an dem wir stehen. Und wie sie durstig sind! Die Zünglein schlecken wie wild das frische Nass, auch die Alten genießen, aufmerksam uns beobachtend. Die Nachhut, ein weiterer Mähnenlöwe, ist nun auch eingetroffen, macht sich über das Wasser her.

Den dringendsten Durst gestillt, liegen sie nun zufrieden im Schatten, nur die fünf Kleinen finden keine Ruhe. Sie purzeln weiterhin übereinander, nerven die Großen, bekommen ab und zu eine gewischt, wenn es denn zu arg wird. Und das alles nur wenige Meter von uns entfernt! Was für eine Show!

Die Sonne zieht höher, wird heißer. Zu heiß für die Löwen, sie rappeln sich auf, gemächlich gleiten sie nun durch das verdorrte Gras nach oben zur Campsite. Das ist hier nichts anderes als ein Plumpsklo, eine Freilichtdusche, ein großes Schattendach und einem Stellplatz für das Auto. Zaun gibt es nicht, erhöht deutlich die Naturverbundenheit, aber auch die Spannung beim Campen! Und genau das große Schattendach, von der Parkverwaltung für den sonnengeplagten Besucher errichtet, ist nun deren Ziel. Müde lassen sich die Großen nun hier nieder, nur die Kleinen, die haben noch Energie. Und der Besucher, nun, der sitzt jetzt in der prallen Sonne in seinem Fahrzeug und hat das Nachsehen…

Irgendwann kippen auch die Kleinen aus den Latschen, eines nach dem anderen fällt um und schläft sofort ein. So, das war es dann erst einmal. Bis zum Abend rührt sich hier nichts mehr…

Wir queren die Kalahari. Eine Fahrspur, sandig und eigentlich zu schmal für „Mannis“ Breite. Einhundertsiebzig lange Kilometer. Ein Klacks, oder? Nicht so hier, in dieser gottverlassenen Einsamkeit. Heiß ist es, die Hitze wabert vor uns über den kleinen Dünen. Immer wieder ist die Piste dicht eingewachsen. So manches Gestrüpp müssen, können wir durch den tiefen Sand umfahren, einfach zu dicht, kein Durchkommen. Dorniges Buschwerk malträtiert „Mannis“ Außenhaut. Tanks, Außenstaukästen, Plastikteile, ja selbst die Gummiflanken der Reifen werden neu gestaltet, vormals glatte Flächen kreischend mit kratzigen Mustern versehen. Über den Leidenspunkt sind wir schon längst drüber, muss eh irgendwann mal alles neu lackiert werden…

Immer wieder unterbrechen überraschend grüne Flächen das triste Gelb. Lokale Regenschauer sorgen für blitzartiges Ausschlagen der Natur. Und natürlich ist dann auch das Wild nicht weit. Gemsböcke in großen Herden, scheue Oryxantilopen und aufgeregte Steinböckchen tauchen unverhofft zwischen den dicht wachsenden Büschen und Bäumen hervor. Und die meisten haben jetzt schon ihre Jungen dabei! So wie die stolzen Straußeneltern mit ihrer wuseligen Kinderschar.

Eine steile Düne stellt sich uns in den Weg. Kerzengerade zieht sich die sandige Piste hinauf, keine Möglichkeit, das natürliche Hindernis zu umgehen. Zwei Anläufe scheitern, der Sand ist zu tief, die Auffahrt zu steil. Also den Reifendruck noch mehr herunter, Getriebeuntersetzung rein und mehr Schwung. Und es funktioniert, „Manni“ keucht, doch er ist oben! Zwei weitere dieser sandigen Berge wollen bezwungen werden, eine können wir umfahren, doch die letzte ist eine ganz harte Nuss. Keine der drei angebotenen Überquerungen schafft unser Laster, also den Druck in den Reifen runter bis zum Anschlag. Und jetzt geht’s doch! Erstaunlich…

Und dann sitzen wir wieder irgendwo in dieser unglaublichen Einsamkeit. Die Stille ist fast mit den Händen greifbar, auch wenn die Geckos lachen, die Zikaden zirpen und die Vögel ihr lustiges Spiel treiben. Und über uns ein nächtlicher Sternenhimmel wie er nur in einer solch ariden Landschaft ohne störende Zivilisationseinwirkung existieren kann.

Afrika pur…

 

 

Abendstimmung am Letsibogo Dam
Sattelstorch
...unser Camp ist schon besetzt!
stolzer Kalaharilöwe
durstige Rasselbande
Pistenblockade, die ganze Familie versammelt
süße Löwenbabys
müder Kuschellöwe
schmusen mit Papi ist nicht immer erwünscht
Nachwuchs bei den Fuchsmangusten
...auch die Erdhörnchen haben Nachwuchs

Afrika - Südafrika / 8. Teil

18. Dezember 2016 – 23. Januar 2017

„Once more back in South Africa“…

...unsere Auswahl an Reisepässen macht es möglich, die Immigrationsbestimmung locker zu umgehen. Und so freuen wir uns ein weiteres Mal auf eines unserer Lieblingsländer…

 

Südafrikanische Gastfreundschaft – immer wieder unglaublich!

Upington. Eine Stadt inmitten der Kalahari. An der Lebensader Oranje. Grüne Oase, außen herum nichts. Zumindest nicht viel.

Wir stehen direkt am Fluss, neben uns ein kleines Hotel – Palmen, Pool, alles Grün und schattig. Der Inhaber, Jasper, hält am nächsten Morgen neben uns an. Jetzt gibt es einen Anschiss, oder? Geht doch nicht, dass wir direkt neben seinem Hotel einfach so kostenlos campen! Aber nein, er lädt uns auf einen Morgenkaffe ein! Klar, wir kommen. Auf der Terrasse werden wir bedient – „Braucht ihr Internet? Kein Problem, hier ist das Passwort“. Passt, wollten heute eh unsere Website aktualisieren. „Fahrt doch Euren Truck hier rein, in den Hof. Und bitte, wenn es Euch zu heiß wird, springt in den Pool“. Brunhilde, seine Frau, kommt: „You`re almost welcome, feel like at home”!

Der Abend naht. Ein kleines Plateauboot liegt vertäut am Steg, eisgekühlte Getränke locken zum Sundowner, der Picknickkorb ist reichhaltig gefüllt. „Kommt, wir cruisen ein wenig auf dem Fluss, der Sonnenuntergang ist wunderbar“. Gemeinsam mit weiteren Gästen schippern wir gemächlich auf und ab, Wein und Bier erfrischen, der erste Hunger wird gestillt. „Kommt nachher in die Gaststube, es gibt ein Buffet, nehmt Euch was ihr wollt. Und nehmt reichlich“!

So geht es drei Tage lang…

Eine E-Mail springt uns entgegen: „Please don`t leave Upington“! Conrad hatte „Manni“ auf dem Supermarktparkplatz gesehen; eigentlich wollten wir heute weiterfahren. Aber bei einer solchen Einladung können wir unmöglich abwinken. Etwas außerhalb von Upington erwarten sie uns, ein alter Unimog steht vor der Tür. Das Gelände ist weitläufig, uralte Bäume beschatten die Wiesen, sie fallen sachte zum Oranje ab. Der Pool hat olympische Dimensionen, der Gärtner bringt Feuerholz, als ob Johannis anstehen würde und das schnellste Internet Afrikas erfreut unsere Skype-Ambitionen. Die Abende mit Hilda und Conrad sind spannend, der Grill glüht, und wir verabreden uns für weitere Meetings in Kapstadt und Lesotho.

Nach weiteren drei Tagen verlassen wir diesen Traumplatz…

Kurz vor Keimoes, direkt an der Brücke über den Oranje, eine Lodge mit Campingangebot. Normal nicht unser Ding, sieht aber zu verlockend aus: Das Wasser plätschert über runde Steine, Palmen wiegen sich nachmittäglichen Wind, Kühe grasen am Ufer. Wir gehen mal fragen, was sie fürs campen haben wollen.

Leider haben sie das Campangebot nicht mehr, die sanitären Anlagen sind abgebaut, sorry. „Wir brauchen nix, nur einen Parkplatz am Fluss, zum pennen. Wir haben alles dabei.“ „Ja, wenn Ihr mit dem Laster da runter kommt, dann stellt Euch da hin. Direkt ans Ufer.“ „Kein Problem, das passt schon (die paar Palmwedel…), da kommen wir locker durch. Und was kostet uns der Spaß dann eigentlich?“ Erwartungsvolles Hoffen… „Nein, ich berechne Euch nichts, sind ja keine Facilities mehr da… Enjoy your stay!“

Unglaublich…

 

2017 – unser sechstes Jahr im Laster…

„Weißt Du eigentlich, dass wir jetzt schon bald fünf Jahre im Laster wohnen?“ Conny nickt leicht, lächelt zu mir herüber. „Und es ist so schön wie am ersten Tag!“

2017 also – ein weiteres Jahr auf Achse, unser drittes in Afrika! Was durften wir nicht alles erleben! Wie viele tolle Menschen lernten wir kennen! Jeder Tag ist aufs Neue spannend, aufregend. Nein, mit Niemandem würden wir tauschen wollen, keine noch so grandiose Villa würde uns reizen, wieder sesshaft zu werden. Lieber ein knappes Budget als ein großzügiges Einkommen, für das wir so viel wertvolle Lebenszeit hintenan stellen müssten, um es zu verdienen. Und wie gerne wechseln wir einen sauschweren LKW-Reifen bei 42° Grad und einer Million Minifliegen in Nasen und Augen statt am nächsten Montag wieder ins Büro zu müssen!

Luxusleben? In gewisser Weise ja. Frei und ungebunden, spontan und entspannt – das ist wirklich Luxus. Aber es gibt auch Schatten: Immer mal wieder Hitze und Staub, Dreck und Armut um uns herum. Finanzielle Einschränkung, jeder Zehner wird umgedreht, sich über jeden gesparten Euro ehrlich freuen. Klamotten auftragen, bis sie wirklich nur noch zum Putzlumpen taugen. Restaurantbesuche? Fehlanzeige – gekocht wird zuhause! Und Campingplatz ist nicht, wir suchen uns einen (kosten)freien Platz da draußen.

Diejenigen die uns um unseren Lebensstil beneiden, auch diejenigen, die uns immer wieder sagen, dass dies auch ihr Traum wäre, erkennen nur eine Seite der Medaille. Wollt Ihr das wirklich, Ihr, die Ihr uns manchmal beneidet? Wollt Ihr wirklich auf all die tollen Annehmlichkeiten verzichten, die Ihr so gerne genießt? Sicher nicht wirklich! Wir gönnen sie Euch, ehrlich, wir finden es toll, dass es Euch so gut geht.

Nein, jeder muss für sich entscheiden, wie er leben möchte. Und wir fühlen uns unglaublich wohl, so, wie es ist. Nun schon im sechsten Jahr auf Achse…

 

Begegnungen mit anderen Reisenden

Eine überraschende Mail, die uns erreicht –„Hey, wir sind ganz in Eurer Nähe!“, ein zufälliges Begegnen auf der Straße – „Das gibt es doch gar nicht, Euch verfolgen wir jetzt schon seit Jahren im Internet!“, ein gezieltes Treffen an einem tollen Platz irgendwo da draußen: eine Begegnung mit anderen Langzeitreisenden ist für uns immer wieder eine willkommenen Abwechslung. So unterschiedlich die Fahrzeuge oder die Reiserouten auch sein mögen, der Austausch des Erlebten und die Informationen über Neuigkeiten in den langen Nächten am Lagerfeuer nehmen einen ganz wichtigen Part in unserem Reiseleben ein. Gleichgesinnte zu treffen ist einfach schön. Und wenn es dann noch Menschen sind, mit denen wir uns auf Anhieb toll verstehen, dann wird eine solche Begegnung sehr schnell zu einem unvergessenen Erlebnis.

Vielen Dank an Euch alle, die wir Euch in den vergangenen 1000 Tagen auf Achse treffen durften, zum Beispiel an Brigitte und Edy, die uns maßgeblich inspiriert hatten, diesen Schritt überhaupt zu tun, an Tina und Klaus, die genauso wie wir für immer im LKW leben, an Vreni und Ernst, denen wir neue Perspektiven für ihr Reiseleben mitgeben konnten, an Matze, mit dem wir immer wieder viele lustige Tage verbringen und an all die anderen, deren Wege wir immer wieder kreuzen. Unter „begegnungen“ könnt Ihr sie alle finden…

schöne Tage mit Hilda und Conrad am Oranje River
Sonnenuntergang am Oranje
Piste im Biedouvallei
Blick auf Llandudno
Wer bist du denn????
Baden mit Pinguinen in Boulders
stürmisches Kap
herrliches Nass - der Korentepoortdam
Stellplatz am Korentepoortdam
Blick vom Swartbergpass
Piste am Swartbergpass
tolle Felsformationen am Swartbergpass

Afrika - Südafrika / 9. Teil - Lesotho / 2. Teil

24. Januar 2017 – 21. Februar 2017

Wilde Küsten und schroffe Berge…

...locken uns diesmal. Kaum bekannt und nicht ganz leicht zu bereisen wartet die Wildcoast auf uns. Sie ist Teil der Transkei, einem der ursprünglichsten Gebiete Südafrikas. Und dann ein weiteres Mal nach Lesotho und in die Drakensberge…

 

Durch die Transkei an die Wildcoast

Die Transkei war das erste Homeland unter der Apartheitsregierung, und die Folgen sind bis heute spürbar. Extreme Überbevölkerung, schlechte Infrastruktur, kaum Chancen auf einen Arbeitsplatz, Überweidung, in der Folge eine immer ärmer werdende Gesellschaft. Wir werden gewarnt, die Sicherheit ist fraglich. Doch wir lassen uns nicht schrecken.

Kaum tauchen wir in die gebirgige Region ein, fallen uns die unzähligen bunten Rundhäuser der hier lebenden Xhosa auf. Auf jedem verfügbaren Platz wird gebaut, ein kleines Feld angeschlossen, ein paar Tiere auf der Weide. Und Kinder ohne Ende! In den größeren Ortschaften fühlen wir uns sofort wieder zurückversetzt nach West- oder Zentralafrika, vom modernen Südafrika ist hier nichts zu spüren. Ärmliche Märkte, die Waren auf dem Boden ausgebreitet, Müll allerorten. Doch immer auch ein Lachen; Winken zeigt die Freude, dass wir uns hierher wagen.

Je näher wir der Küste kommen, umso tropischer die Natur. Undurchdringlicher Urwald breitet sich aus, schwüle Luft erschwert jede Bewegung. Urplötzlich unter uns der Indische Ozean. Die grünen Hügel reichen bis hinunter zum Ufer, wo sich die Brandung zwischen großen Felsen und lieblichen Sandbuchten bricht. Delfine springen lebenslustig aus dem Wasser, listige Haie ziehen ihre gefräßigen Bahnen nicht weit vom Badestrand. Schwimmen ist  hier ein „no-go“!

Weiße Gesichter sind hier Mangelware, keine Villen reicher Südafrikaner verbauen die Wasserlinie, kaum Touristen verirren sich hierher. Gut so, für uns, doch nicht für die Region. Die darbt, hat keine Zukunftsperspektive. Wir finden immer wieder sensationell schöne Plätze zum Verweilen, zum Übernachten. Mangelnde Sicherheit? Kein Thema! Alle sind extrem freundlich, niemand belästigt uns, ein paar Jungs versuchen sich ein paar Münzen zu verdienen, wir kaufen frischen Fisch direkt vom Fischer. Wir fühlen uns wohl!

Die einzelnen Streusiedlungen sind durch Pisten verbunden. Aber was für welche! Manchmal so steil angelegt, dass „Manni“ ganz schön kämpft und Conny leicht verkrampft wirkt. Doch alles passt, wir kommen überall durch. Die Menschen staunen, die Kinder laufen manchmal sogar weg, wenn „Manni“ um die Ecke biegt.  Doch wehe es regnet, dann sind viele Passagen rund um die zahlreichen Flüsse und Bäche schnell unpassierbar, Furten werden zu reißenden Wassermassen.

Nach einer Woche in dieser abgeschiedenen Region ist uns klar, hier lebt noch das richtige Afrika, wie wir es lieben und kennen. Samt seiner unüberwindbaren Probleme…

Die zwei Gesichter Lesothos

Es ist eines der ärmsten Länder der Welt, dieses kleine Königreich inmitten der Dreitausender der Drakensberge und der reichen Farmen des Oranje Free State. Unser zweiter Besuch hier bei diesen so freundlichen Menschen zeigt uns aber auch, dass Lesotho sich regional durchaus gewandelt hat.

In den flacheren Tälern des Nordens scheint die traditionelle Lebensweise der Basotho inzwischen von der Moderne verdrängt zu werden. Stattliche Häuser ersetzen die strohbedeckte Rundhütte, ordentliche Teerstraßen die staubigen uns schlammigen Pisten, Pferd und Esel machen mehr und mehr Platz für Toyota und Co. Ansehnliche Schulprojekte bieten den unzähligen Kindern einen halbwegs guten Start ins Leben und die Landwirtschaft wird hier effektiv mit Traktoren und Mähdreschern betrieben.

Ganz anders dagegen die Hochgebirgsregionen im Osten und Süden. Hier quälen wir uns auf meist grenzwertigen Pisten über immens steile Flanken der grünen Berge, die traditionellen Behausungen trotzen tapfer den widrigen Wetterkapriolen, bei bis zu minus zwanzig Grad im Winter ein elendiges Unterfangen. Die Menschen leiden nicht nur darunter; immerwährender Hunger und das harte Leben mit den wenigen Tieren auf den hohen Bergen zeichnet sie nachhaltig. Schulen und vor allem Lehrer sind hier Mangelware, kaum jemand spricht Englisch. Klapprige Minibusse halten die Versorgung zwischen den abgeschiedenen Dörfern aufrecht, wo auch diese nicht mehr durchkommen, ist der Muli wieder gefragt. Die Hirten hier oben sind oft nur in Lumpen gehüllt, betteln ist an der Tagesordnung…

Aber noch etwas fällt auf – nahezu jeder irgendwie erreichbare Quadratmeter fruchtbarer Boden ist in einem so regenreichen Jahr wie diesem bestellt. Mühselig mit dem altehrwürdigen Ochsengespann oder per Hand am steilen Hang. Extremer Fleiß zeichnet diese einfachen Menschen dann aus, wenn die Natur es gut mit ihnen meint. Und sie lassen uns ihre Freude über die zu erwartende reichhaltige Ernte spüren, denn eine volle Speisekammer ist der Garant für ihr Überleben im nächsten harten Winter. Und das ist ihnen letztlich mindestens so wichtig wie eine Schule…

Wir sprechen mit einer Regierungsbeamtin für Geburtenerfassung: „In den Dörfern sind mindestens vier Kinder üblich, meist allerding bis zu zehn pro Familie. In den Städten beginnt langsam ein Umdenken; zwei, drei Kinder, dann ist es genug. Den Menschen wird bewusst, dass sie mehr Kinder nicht ernähren und auch deren Ausbildung sich nicht leisten können. Doch für solche Entscheidungen ist Bildung nötig, und an der hapert es eben weitgehend.“

Eines haben beide Regionen allerdings gemeinsam – sie sind grandios! Einsamkeit und Stille, Einklang mit der Natur; schier endlose Bergketten reihen sich aneinander, sattes Grün und tiefblaues Wasser erfreuen die Sinne, bunte Blumenwiesen und gurgelnde Bäche spenden Lebensfreude pur. Hinter jeder Biegung lauert eine neue Überraschung - ein sich pittoresk an die Bergflanke klammerndes Dorf, ein über hunderte von Metern sich herabstürzender Wasserlauf, ein Pistenverlauf, der das Abrufen des gesamten fahrerischen Könnens fordert, einsame Reiter, die ihre Waren mühsam über die steilen Pässe transportieren.

Hier finden wir jeden Tag unglaublich schöne Plätz zum Verweilen, zum Übernachten. Und nie fühlen wir uns unsicher, die Menschen sind durchwegs freundlich, winken uns zu, betteln zuweilen, reagieren jedoch nie aggressiv, wenn wir abwinken. So genießen wir dieses kleine Königreich an jedem Tag, an dem wir hier sein können…

 

Entwicklungshilfe mit Herz und Verstand

Unsere Einstellung zu den verschiedensten Auswüchsen sinnlosester Entwicklungshilfeprojekte, bei denen Millionen unserer Steuergelder am Notwendigen völlig vorbei in den Sand gesetzt werden, ist all jenen bekannt, die uns aufmerksam verfolgen. Entsprechend kritisch beobachten wir deshalb jedes von außerhalb Afrikas betriebene Projekt.

Doch es gibt tatsächlich auch einige wenige sinnvoll erscheinender Unterstützungen. Die private Organisation von „Yes we care!“, die finanziell völlig unabhängig in den vergangenen Jahren ein Waisenhaus für AIDS-Waisen und eine dazugehörige Schule aufgebaut hat, eröffnet ein Internatsgebäude für fast fünfzig Burschen. Zu dieser Zeremonie sind wir, gemeinsam mit vielen hundert Gästen, von den Organisatoren Irina und Peter eingeladen.

Mit unglaublichem Engagement bemüht sich vor allem Irina seit Jahren um ihr Herzensprojekt. Und sie kann durchaus stolz auf das Erreichte sein. „Wir können nicht jedem Kind in Afrika eine bessere Zukunft anbieten, doch diejenigen, die bereit sind, sich in unserem Schul- und Internatsbetrieb einzuordnen, werden wir zumindest ein würdevolles Leben bieten können mit der kleinen Chance, letztlich wirklich den Sprung aus der allgegenwärtigen Armut zu schaffen.“

Trotz großer behördlicher und handwerklicher Schwierigkeiten, wie sie in Afrika an der Tagesordnung sind, steht das Gebäude nun endlich, um nun endlich seiner Bestimmung im Rahmen einer festlichen Zeremonie an die Schulleitung übergeben zu werden. Natürlich werden Reden gehalten, doch das Herzstück der Veranstaltung sind die mit viel Engagement einstudierten und für uns sehr emotional vorgetragenen traditionellen Tänze und Beiträge der Kinder und Jugendlichen. Wir spüren förmlich die Freude und Begeisterung, mit der sie bei der Sache sind. Allein diese Erfolge rechtfertigen so manches finanzielle Husarenstück der Organisatoren, belohnen die unermüdlichen Spendenaktionen der Sponsoren.

Nein, man darf natürlich nicht gegenrechnen, ob der finanzielle und körperliche Kraftakt, der hier von Irina und Peter seit vielen Jahren bis zur Grenze der Belastbarkeit ausgeübt wird, sich letztlich auszahlt. Sicher werden die meisten der Kinder aus der traditionellen und gesellschaftlichen Spirale, in der sie oft gefangen sind, trotz dieses Engagements nicht herauskommen. Doch sie alle spüren den Hauch eines anderen Lebens, und einige werden es schaffen…

Unser Respekt für die Arbeit aller, die an diesem Projekt eine echte Aufgabe gefunden haben, ist sehr groß und wir wünschen allen, dass der Erfolg sie in ihrem Engagement bestätigt. Unter www.yeswecare-ev.de könnt Ihr Euch gerne über alle Aktivitäten von Irina und ihrem Team informieren.

 

 

typisches Xhosa-Dorf in der Transkei
die Wildcoast bei Coffee Bay
traumhafter Standplatz bei Coffee Bay
Küstenwanderung an der Wildcoast
der Felsen mit dem Hole in the wall
Xhosa-Dorf in der Transkei
Warentransport auf beschwerlichen Wegen
üppige Blumenwiesen nach erfrischenden Regenfällen
typisches Dorf in den Bergen Lesothos
tolle Canyons in den Bergen Lesothos
tolle Canyons in den Bergen Lesothos
immer wieder nette Begegnungen
der Katse Dam - Wasserreservoir für das ganze Land
Panorama-Frühstücksterasse über dem Katse Dam
der Katse Dam - Wasserreservoir für das ganze Land
Mohair Schafe am Katse Dam
traditionelle Tänze und Darbietungen der Schüler von Pitseng
viel Freude bei den eigenen Darbietungen
viel Freude bei den eigenen Darbietungen
Konzentration vor dem großen Auftritt
viel Freude bei den eigenen Darbietungen

Afrika - Lesotho 3. Teil / Südafrika 10.Teil

22. Februar 2017 – 18.März 2017

Nach zwei weiteren Wochen in Lesotho ist klar,

das kleine Königreich ist eines unserer Lieblingsländer geworden. Trotz vermehrtem Betteln der Hirten und Kinder, trotz Schlamm auf den Pisten. Und dann Überraschendes im Nordwesten Südafrikas – Wüstengebiete, wie wir sie hier nicht erwartet hätten…

 

Wir versenken „Manni“ mal wieder…

Semonkong, mitten in Lesothos Bergwelt. Donnernd schickt der Maletsunyane-Wasserfall seine Wassermassen in den gigantischen Canyon. Zwei Tage genossen wir die beeindruckende Natur um uns herum. Nach einem entspannten Frühstück an der Panoramakante brechen wir auf. Die matschige Fahrspur zurück zur Piste macht uns etwas Sorgen, denn in den letzten beiden Tagen hat es immer wieder mal heftig geregnet; Wasser fließt pausenlos über die Wiesen, andere Fahrzeuge wühlten sich durch den Schlamm und verschlechterten die Bedingungen. Doch wir haben keine Wahl, es ist die einzige Möglichkeit, von hier wieder weg zu kommen. Austrocknen wird der Schlamm frühestens im April!

„Meinst Du, wir schaffen das?“ – „Müsste gehen, die Spurrinnen sind nicht allzu tief, höchstens bis zur Felgenunterkante.“ – Aber der Morast, der ist doch grundlos!“ – „Ja, aber es sind doch nur so um die zwanzig Meter, die wirklich kritisch sind, die schaffen wir schon…“ Die Untersetzung und alle Sperren sind zugeschaltet, die Schlüsselpassage liegt vor uns. Angespannt steht Conny neben dem Schlammloch, ich gebe Gas. „Manni“ mahlt sich durch, der Modder spritzt, er wird langsamer! „Mach, mach, mach!“ Doch nach ungefähr fünfzehn Metern, die Vorderräder versuchen schon, wieder festeren Boden zu greifen, ist Schluss. Wir stehen mitten in der grundlosen Pampe!

Na prima! Hat der Tag doch so schön angefangen! Und jetzt das! Kennen wir ja schon, bei der letzten Schlammaktion in Mali hatte es drei Tage gedauert, „Manni“ wieder frei zu bekommen… Aber alles Lamentieren nützt nichts, wir müssen ran an die Schaufeln. Stunden später, völlig schlammverkrustet und durchgefroren, sind wir nicht wirklich weiter. Pausenlos läuft Wasser durch die Wiesen über uns nach, weicht den Untergrund immer weiter auf. „Das schaffen wir nie, wir brauchen Hilfe!“ – „Ja, ein Traktor wäre sinnvoll…“ Conny läuft ins nächste Dorf, doch niemand spricht Englisch hier, keiner versteht, was wir brauchen. Und all die Hirten, die sich sonst bettelnd bei uns einfinden, sind plötzlich verschwunden, als Arbeit droht…

Aber der Himmel meint es gut mit uns, schickt uns Christian, einen deutschen Lodgebetreiber aus dem nicht weit entfernten Roma. Er fährt sich mit seinem Pickup zwar auch fest, doch er hat die notwendigen Verbindungen. Ein Traktor rattert bald heran, unser Bergegurt kommt zu seinem ersten Einsatz. Doch keine Chance! Der Trekker ist zu schwach, „Manni“ gräbt sich bei der ersten Bergeaktion nur noch tiefer ein. Unsere Stimmung ist auf dem Tiefpunkt…

„Wir brauchen ein paar Jungs zum Schaufeln, alleine schaffen wir das nicht.“ – „Wartet mal, ich kläre das für Euch.“ Christian telefoniert, organisiert. „Morgen früh um halb neun sind zehn Mann mit Schaufeln hier und der Trekker kommt auch noch mal. Dann klappt das schon. Und hier sind noch 2.000 Maloti für Euch, falls Euer Bargeld nicht reicht. Könnt Ihr mir dann zurücküberweisen.“ Und weg ist er...

Die Nacht im schräg stehenden „Manni“ ist unruhig, zu viele Gedanken belasten uns. „ Schaffen wir das? Kommen die Jungs wirklich? Hoffentlich regnet es heute Nacht und morgen nicht!“ Kaum steht die Sonne am Himmel, fangen wir wieder an zu schaufeln, schöpfen Wasser bis zur Erschöpfung. „Wann kommen denn die Jungs endlich?“ – „Wird schon, die kommen schon…“ Laute Musik aus einem Pickup kündigt unseren Hilfstrupp an, immerhin sieben Mann mit fünf Schaufeln, gut gelaunt und willig. Zwei weitere stoßen wenig später noch hinzu. Wir machen einen Plan: „Hier vorne müssen wir den ganzen Modder abtragen, um die Vorderreifen auf festen Untergrund zu bekommen. Hinten muss das Wasser raus, also eine Drainage legen. Und unten müssen das Differenzial und die Achsen freigelegt werden. Und Steine müssen rangeschafft werden, zum Unterfüttern.“

Die Jungs packen an, sind wirklich fleißig und gut drauf. Der Traktor kommt, doch noch sind wir nicht bereit. Ungeduld macht sich breit, ein erster Anschleppversuch scheitert, verschlechtert das bisher Geschaffte. Die Jungs sehen ein, es muss noch mehr geschaufelt werden, so leicht ist das versprochene Geld dann doch nicht verdient.

Eine gute Stunde später, die Arme werden langsam schwerer, versuchen wir es nochmal. Die Vorderreifen stehen auf festem Grund, der Schleppwinkel des Trekkers ist nun besser. Daumendrücken. Es geht los: der Trekker wühlt und rackert, die Jungs feuern „Manni“ an. „Go on, go on!“ Plötzlich ruckelt es etwas. „Er bewegt sich! Weiter, weiter!“ Ganz langsam, der Trekker überschlägt sich fast, arbeitet Manni sich raus, gewinnt Land nach vorne. Und dann ist er frei!

Die Schaufeltruppe jubelt, Conny heult fast vor Erleichterung und „Manni“ sieht aus wie eine Wildsau. Nach eineinhalb Tagen ackern und bangen und um rund 130 Euro leichter stehen wir am sprudelnden Bach und pflegen unsere Wunden. Unnötig, so eine Erfahrung, aber sie wird als Episode unserer Afrikaerlebnisse weiterleben…

 

Mokala National Park

Inmitten des staubtrockenen Grenzlandes zwischen Karoo und Kalahari, da gibt es einen wunderschönen Park, den eigentlich niemand so richtig wahrnimmt. Und gerade jetzt, nach den ergiebigen Regenfällen der letzten Wochen, überrascht er mit sattem Grün. Tiefrote Erde und strahlend blauer Himmel ergänzen die explodierte Natur und geben einen herrlichen Rahmen für die überraschend reichhaltige Tierwelt.

Stolze Rappen- und Pferdeantilopen genießen ungefährdet das üppige Grün, Giraffen und Zebras laben sich an den frischen Sprösslingen. Hardebeest und Gnus blicken wohlgenährt zu uns herüber. Mächtige Büffel verbergen sich im Gebüsch, ab und zu überraschen wir ein Nashorn, manchmal sogar mit seltenem Nachwuchs.

Es sind weniger die spektakulären Tiererlebnisse, die hier begeistern, es ist vielmehr das stimmige, afrikanische Empfinden von Farbe und Ruhe.

 

Der Oranje – Lebensader Südafrikas

Ganz hinten, ganz versteckt unterhalb der windgeplagten Gipfel des Royal Natal National Parks, da irgendwo sprudelt eine frische Quelle zwischen den feuchten Steinen. Sanft plätschert das Bächlein durch üppig grüne Farne und moosbewachsene Bäume. Weiter unten, bei den ersten Hütten, wird er zum ersten Mal zum Lebensspender. Sengu nennen ihn die hier lebenden Basothos, und er begleitet sie quer durch ihr kleines Königreich Lesotho, gräbt sich durch tiefe Schluchten und sorgt für grüne Terrassenfelder.

Die schroffen Berge treten so langsam in den Hintergrund, und hier, im Oranje Free State, da nennen ihn die Buren nun Gariep. Riesige Staumauern speichern seine Energie, bringen den Menschen in diesem trockenen Teil Südafrikas landwirtschaftliche Erträge. Rund fünfzig Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen Südafrikas werden ab hier von diesem gewaltigen Strom versorgt. Träge wälzt er sich nach Nordwesten, schafft Oasen in der spröden Ödnis. Dann endlich Upington, millionenfach reihen sich die Weinreben an seinen sandigen Ufern, sorgen für gute Tropfen und tonnenweise Rosinen. Obstplantagen gedeihen hier in der sonst so unwirtlichen Kalahari, und die Menschen flitzen auf Wasserskiern über das erfrischende Nass.

Tosende Wassermassen kündigen schon von weitem die Augrabies Falls an. Seit Jahrmillionen gräbt sich hier der Oranje sein Bett durch die Granitfelsen, schafft ein spektakuläres Naturelebnis. Und alle Jahre wieder mal, bei besonders ergiebigen Regenfällen irgendwo entlang des über 2.000 Kilometer langes Flusses, dann kochen die Wassermassen hier über und überschwemmen alles, was sich ihnen leichtsinnigerweise in den Weg stellt.

Ab hier bildet der Oranje die natürliche Grenze zwischen Namibia und Südafrika. Grandiose Gebirge, Wüsten von unermesslicher Weite, kaum mal eine Ansammlung wackeliger Hütten; es ist ein Gebiet für Abenteurer und Einsamkeitsliebende. Der Namqwa 4x4-Trail schlängelt sich auf spannende Weise durch diese beeindruckende Natur. Wir folgen ihm für mehrere Tage, entdecken unglaublich schöne Plätze zum Verweilen, einerlei, ob mitten im Nichts oder an den erfrischenden Gestaden des Oranje.

In Vioolsdrift wechseln wir das Ufer, das Land, doch der Fluss bleibt unser Begleiter. Er begrenzt den Richtersveld National Park und lädt seine über tausende von Kilometern mitgeführten Diamanten auch heute noch bei Oranjemund am Strand des Atlantiks ab. Und so endet hier seine lange Reise, die in den feuchtkalten Bergregionen Lesothos so unspektakulär begann…

 

 

Traumplatz gegenüber dem Maletsunyane Wasserfall
Was für ein Naturschauspiel!
erste Bergungsversuche im grundlosen Schlamm
Stunden später, nicht wirklich viel gewonnen
fleißige Helfer am nächsten Tag
der erfolgreiche Bergetrupp
landestypisches Rudhüttendorf
Sonnenaufgang mit Regenbogen über den Drakensbergen
unterwegs im Injasuti NP
tolle Begegnung im Mokala NP
friedliche Naturstimmung im Mokala NP
Gewitterstimmung am Oranje
Wüstenlandschaft mit Köcherbäumen
Köcherbaumwald bei Pella
herrliche Wüstenfahrt oberhalb des Oranje
immer wieder lockern Köcherbäume die steinerne Landschaft auf
einsame Täler auf dem Namaqua 4x4 Trail
bizarre Wüstenlandschaft im Nordwesten Südafrikas

Afrika - Namibia 10. Teil

19. März 2017 – 19. April 2017

„Was macht man denn drei Monate in Namibia?“ -

Wir sind erstaunt über diese Frage, haben wir doch vor, schon das dritte Mal in zwei Jahren für drei Monate nach Namibia zu reisen. Denn wir wissen, um dieses spröde Wüstenland zu verstehen und zu genießen, braucht es Zeit. Und die bringen die meisten Reisenden nicht wirklich mit…

Die Welt ist doch ein Dorf…

Irgendwo am Oranje. „Woher kommst Du denn eigentlich?“ Svenja, mit Anfang Dreißig schon auf großer Afrikatour, stellt mir im Lauf des gemeinsamen Abends die Frage. „In Bad Tölz haben wir die letzten Jahre gelebt, aber aufgewachsen bin ich in Sauerlach, südlich von München.“ – „Das gibt es doch gar nicht, ich auch!“ Wir können es kaum glauben, doch es kommt noch besser: Nachbarstraße, Luftlinie fünfzig Meter, „neben der Familie Teuffel, kennst Du die?“ „Klar, sind Jugendfreunde meiner Eltern!“ „Und mit dem Patrick Imhoff von gegenüber war ich auf der Schule.“ „Dessen Familie hat mein Elternhaus gekauft, da bin ich aufgewachsen!“ Unsere Eltern waren also über zwanzig Jahre Nachbarn - und wir lernen uns buchstäblich „in the middle of nowhere“ kennen…

29. März 2012 bis 2017 - Schon fünf Jahre „auf Achse“!

Liebe Freunde von „Mantoco“ – es kommt uns vor wie ein Traum – heute sind fünf Jahre vergangen, seit wir uns für unser Nomadenleben entschieden hatten. Am 29. März 2012, pünktlich zu Connys rundem Geburtstag, bezogen wir unsere mobilen vier Wände und zogen los, die Welt für uns zu entdecken! Es ist schon ein ganz besonderer Meilenstein für uns…
Dreißig Länder in Asien und Afrika haben wir seither intensiv bereist, dabei rund 100.000 Kilometer heruntergespult. Und unzählige Menschen kennen gelernt, die uns Einblicke gaben in ihr Leben, ihre Traditionen und ihre Kulturen. Viele neue Freundschaften sind dabei entstanden, Kontakte, die bis heute Bestand haben. Und wir trafen viele Reisende, die wie wir, aber oft auch auf ganz unterschiedliche Art und Weise unterwegs sind.
Als wir damals unser bisheriges Leben hinter uns ließen, hatten wir zwar eine theoretische Vorstellung dessen, was uns erwarten könnte. Und wir malten uns so Manches aus, wie es denn sein wird. Die Praxis des Reisealltags erwies sich dann sehr schnell als das Leben, von dem wir immer geträumt hatten – und wir genießen es auch heute nach 1.825 Sonnuntergängen und ebenso vielen Sonnenaufgängen wie am ersten Tag, als wir vom Plätschern eines Tiroler Bergbaches sanft geweckt wurden.
Unser erstes Jahr auf Achse führte uns über Südosteuropa, die Türkei und den Kaukasus in den Iran, wo wir Freunde fürs Leben gewannen, mit denen uns bis heute ein sehr emotionaler Kontakt
verbindet. Auch die weiteren Stationen im Mittleren und Nahen Osten, die Emirates, Oman, Saudi-Arabien, Jordanien und Israel hinterließen bei uns unglaublich viele Eindrücke.
Nach diesem Probejahr unter dem Motto „Wir üben Weltreise“ holte uns die Realität knallhart ein: mein Vater verstarb ganz überraschend und wir nahmen ganz selbstverständlich die Verantwortung gegenüber meiner Mutter wahr, ihr bei ihrem Weg zurück ins normale Leben zur Seite zu stehen. Es war ein langer und beschwerlicher Weg für sie, doch nach einem gemeinsamen Jahr ist sie dort wieder angekommen, selbstständiger denn je, und wir sind sehr stolz auf sie, wie sie ihren neuen Lebensabschnitt meistert. Und wir sind ihr sehr dankbar, dass sie uns wieder ziehen ließ, ohne uns ein schlechtes Gewissen mitzugeben…
Dann unser lang gehegter Traum Transafrika! Große Hürden wollten sich uns immer wieder in den Weg stellen, die Ebola-Epidemie war auf dem Höhepunkt, viele Länder schotteten sich ab, Grenzen waren plötzlich dicht. Auch die grausamen Aktivitäten der islamischen Terrororganisationen Al-Khaida-al Maghreb in Mali und Boko Haram in Nigeria und Kamerun zwangen uns immer wieder zu Geduld und zu Änderungen unserer Reiseroute. Doch letztlich kamen wir durch! Im August 2015 erreichten wir Namibia, waren angekommen im „zivilisierten“ Süden Afrikas.
Diesen Süden genießen wir seither. Es ist für uns eine Zeit des Angekommen seins, entspanntes Reisen zwischen unserer gewohnten Kultur und einem Schuss Afrika. Doch keine Angst, wir werden nicht sesshaft! Nein, wir werden weiter ziehen, Nomaden haben immer Hummeln im Hintern! Begleitet uns auch weiterhin und lasst Euch überraschen…

Sossusvlei

Rückblick: Bei jedem Schritt sinken wir tief ein in den heißen Sand, die Füße kochen in den geschlossenen Schuhen. Mühsam bahnen wir uns den Weg um die niedrigen Dünen herum, weichen scharfkantigen Gräsern aus und achten auf Spuren von Schlangen und Skorpionen. Ein leichter Aufschwung bremst unser Vorwärtskommen zusätzlich, dann stehen wir auf dem Kamm.
Stille. Fast meinem wir, unser Herz klopfen zu hören, von der Anstrengung des Anmarsches fleißig pumpend. Unter uns eine weiß glitzernde Fläche, die heiße Luft flimmert, der Horizont zerfließt. Bizarr recken tote Bäume ihre schwarzen Äste in den stahlblauen Himmel, das steile Dünenrund ragt drohend auf und lässt das Deadvlei wie eine Insel erscheinen. Mäanderartig bahnen sich ausgetrocknete Rinnen ihren Weg über die salzige Pfanne, geben dem weißen Boden eine skurrile Maserung. Lein Laut ist zu hören, kein Vogel singt, kein Rauschen des Windes stört.
Es gibt nur wenige Plätze auf dieser Welt, die in tödlicher Starre derartig faszinieren. Natur wie gemeißelt, unberührt, lebensfeindlich. Fast zaghaft wagen wir uns hinunter. Vorsichtig bewegen wir uns zwischen den Skulpturen gleichenden Bäumen, wollen nichts zerstören mit unserem Eindringen. Staunen, bewundern. Ganz alleine sind wir hier, alleine mit diesem Wunderwerk der Natur.
Das war 2009, also vor acht Jahren. Inzwischen fällt es schwer, dieses Naturwunder so zu erleben. Hunderte Touristen fallen inzwischen täglich hier ein, trampeln gedankenlos über das empfindliche Vlei, krakeelen in der einst mächtigen Stille und verewigen sich auf tausenden von sinnfreien Selfies. Wir haben darauf verzichtet, behalten uns dieses Kleinod so in unserer Erinnerung, wie wir es damals erleben durften. Und trotzdem, wer noch nie dort gewesen ist, sollte dorthin gehen…

Die Invasion der grünen Marzipan-Wanzen

Gelassen versinkt die gelbe Sonne in einem roten Band hinter den Bergen. Das Abendessen war famos, der Rotwein süffig, Entspannung macht sich breit. Einzelne Insekten surren um uns herum, Vögel zwitschern im Abendlicht. Also alles ganz so wie immer hier draußen.
Wir kennen sie schon, die kleinen grünen Wanzen, die so penetrant nach Marzipan riechen, wenn man sie anfasst, um sie aus dem Laster oder von der Kleidung zu schnippen. Harmlos, aber sehr anhänglich, daher lästig. Einige wenige schwirren an uns vorbei, lassen sich auf „Manni´s“ warmer Außenhaut nieder. Dann plötzlich ein unheimliches Rauschen, das schnell näher zu kommen scheint. Es wird lauter, wir wundern uns noch – und dann sind sie da: zu Tausenden fallen sie über uns her, in Sekundenschnelle sind wir von ihnen eingedeckt. Augen, Ohren, Nase, Mund, überall wollen sie rein. Wir springen auf, versuchen uns, die Quälgeister von den Klamotten und aus den Haaren zu schütteln. Im Nu sind unsere Stühle besetzt, die Tischplatte fast nicht mehr als eine solche zu erkennen. Und auf „Manni´s“ Außenhaut ist kaum mehr ein Quadratzentimeter Lack ohne Wanze!
Hochgerechnet locker zehntausend(!) dieser fast fingernagelgroßen Nervwanzen okkupieren uns nun hartnäckig, keine Chance, in den Laster zu gelangen, ohne ein paar hundert dieser grünen Krabbeltiere mit hinein zu nehmen. In sicherem Abstand harren wir aus, denn erst als die Sonne endgültig hinter dem Horizont verschwunden ist und sich die Dunkelheit gnädig über das Fiasko legt, lassen sie langsam von uns ab. Trotzdem gelang es rund hundert von ihnen, sich im Laster nieder zu lassen, doch nach und nach ertränken wir sie alle im Spülbecken…

Sinnfreie Fragen…

…werden uns ja immer wieder mal angetragen. Doch die von Gisela M. (Name von der Redaktion geändert), 21 Jahre, Abgängerin der Deutschen Höheren Privatschule in Windhoek, schoss den Vogel ab:
Gisela M.: „Wie lange habt Ihr denn von München bis Namibia gebraucht? Fünf Tage?“
Mantoco, leicht erstaunt: „Äh – wie? Weißt Du denn, wie viele Kilometer das sind?“
Gisela M. frägt ihr Smartphone: „Na, so 12.000, oder?“
Mantoco stirnrunzelnd: „Bisschen mehr – aber meinst Du nicht, dass das technisch nicht wirklich geht?“
Gisela M, in vollem Ernst: „Also doch eher sechs oder sieben Tage?“
Mantoco fällt gerade nix mehr ein, der Freund von Gisela M. kann die geistige Leere seiner Partnerin nicht fassen: „Mensch, denk doch mal nach, das geht doch nicht!“
Gisela M., leicht entrüstet: „Warum denn nicht? Schau, hier steht`s doch!“ Und zeigt ihm am Smartphone die Strecke quer durch das Zentrum Afrikas.
Freund von Gisela M., ärgerlich: „Wenn Du da durchfährst, bist Du mausetot! Das geht nicht! Und 12.000 Kilometer in einer Woche! Bist Du denn blöd?“
Gisela M., nun etwas weinerlich: „Aber woher soll ich denn das wissen? Ich weiß doch nicht, wie schnell so ein Teil fährt!“
Mantoco leicht genervt: „Denk doch mal logisch! 12.000 Kilometer in fünf Tagen! Weißt Du, was das für ein Tagesschnitt wäre? Der fährt doch keine 380!“
Gisela M: „Aber wir sind doch nur acht Stunden geflogen…“
Mantoco versteht die Welt nicht mehr, Freund von Gisela M. versinkt vor Scham im Boden, zerrt sie weiter. Armes Schwein…

Urzeitliches Getier…

…bevölkert die Wüste mehr als man denkt. Scheu und eher selten zu Gesicht bekommen wir einen Waran, Korngrillen dagegen krabbeln zuhauf um uns herum. Ganz schwer zu entdecken sind die Chamäleons, die perfekt getarnt in der Sonne liegen. Geräuschlos und gefährlich die schwarze Mamba, die sich gerne auch durch das Geäst der Bäume schlängelt. Es sind nicht immer nur die großen Tiere, die es zu entdecken gilt…

 

 

steile Auffahrt zum Brukkaros Krater
mit Svenja und Hannes am Oranje
fünf Jahre Lebensreise - ein Traum geht in Erfüllung!
aride Landschaften in der Namib Wüste
die Wüste blüht, der Regen macht es möglich
Gewitterstimmung über den kargen Bergen
prächtiges Farbenspiel am Horizont
gigantische Dünenlandschaften im Sossusvlei
die Natur schaft skurrile Impressionen im Deathvlei
Land unter auf der Campsite Elisenheim bei Windhoek
der starke Regen sorg für überlaufende Wasserspeicher - ein Segen für Namibia
grüne, stinkende Quälgeister überfallen uns
der Rock Arch im Namib Naukluft NP
vielleicht wird es ein Prinz...?
der Waran - fast wie ein kleiner Dinosaurier
die Sattelschrecke / Dikpens - ein filigranes Rieseninsekt
das Chamäleon - ein kleiner zahnloser Drache

Afrika - Namibia 11. Teil

20. April 2017 – 13. Juni 2017

Unterwegs im Kaokoland, dem Sahnestückchen Namibias

Endlich Regen! Dieses Jahr soll die Regenzeit hier oben im äußersten Nordwesten Namibias mal wieder ergiebiger ausgefallen sein. Und das ist so wichtig für diese knochentrockene Region. Nicht nur für das Überleben der wenigen Menschen, sondern auch für das nun herrlich grüne Landschaftsbild. Unsere Geduld hat sich also ausgezahlt…

Abenteuerland…

Das Kaokoland - ungezähmte Natur, endlose Weite. Fast menschenleere Welt, native Himbakultur. Unterwegs zwischen Kunene, dem Grenzfluss zu Angola im Norden und dem Hoanib im Süden, wollen wir uns für längere Zeit in völliger Abgeschiedenheit bewegen. Der letzte wirkliche Abenteuerspielplatz in Namibia…
„Die direkte Zufahrt ins Hoanib Rivier könnt ihr vergessen, da ist es noch viel zu schlammig nach der guten Regenzeit.“ Die Reiseleiter-App der namibischen Guides leistet uns wertvolle Unterstützung, während wir im Schatten des zum Restaurant umgebauten, ehemaligen deutschen Forts in Sesfontein stehen, dem letzten Außenposten der Zivilisation. Also entscheiden wir uns, über einen der „Seiteneingänge“ dort hinein zu fahren, über das Obias Flussbett.
Eine gute Entscheidung, denn die Zufahrt über die Giribes Plain ist ein Traum: zartgrünes Gras auf rotem Sand, hunderte Springböcke beidseitig der schmalen Fahrspur. Das Tal wird zum Canyon, die Felswände rücken zusammen, weiten sich plötzlich und geben den Blick frei ins Paradies: Sanft abfallendes Gelände, auch hier im linden Grün, karges Gebirge am Horizont, unnahbar und lebensfeindlich, und am Hoanib wiegen sich im lauen Abendwind Palmen und Akazien im Gleichklang. Und sonst nur Stille…
Weiter im Westen verliert sich der Hoanib in der Unendlichkeit des Sandmeeres. Eine einsame Fahrspur lockt zwischen hoch aufragenden Dünen, aus denen verwitterte Felsen wie Inseln ragen. Wir schweben fast, so fest ist der Sand; „Manni“ schnurrt wie ein Kätzchen und nimmt die sandigen Auffahrten im leichten Spiel. Auf einer Anhöhe bleiben wir stehen, das Panorama ist unwirklich schön. Ehrfürchtig saugen wir die Welt um uns herum auf.
„Da, ein Elefant! Und noch einer! Nein, viele!“ Immer mehr Rüssel und wedelnde Ohren tauchen zwischen den dichten Bäumen auf. Ungerührt reißen sie die grünen Zweige herunter, hinterlassen auf ihrer Nahrungsschneise zerstörte Natur. Das Hoarusib Rivier nördlich von Puros bietet den Dickhäutern beste Lebensbedingungen. Wir stellen uns in ihren Weg, doch sie drehen vor uns ab, „Manni“ flößt sogar dem größten Bullen Respekt ein.
Der Jan Joubert Pass teilt die Welt hier oben – sanft in der Morgenluft wiegendes, silbriges Gras über dem palmenbestückten Hoarusib Rivier, fast schon brutal erscheinende Mondlandschaft auf der
anderen Seite. Und mittendrin, im lebensfeindlichen Nichts, karge Hütten der Himbas. Erste Begegnung: ein Souvenirstand am Pistenrand im Nirgendwo – grotesk irgendwie…
Opuwo, Bezirkshauptort hier oben. Das ganze Elend der Himbas wird dort deutlich, manifestiert sich in unendlichen Wellblechhütten am Stadtrand. Hoffnungslosigkeit entwurzelter Menschen ist überall spürbar, Betteln an der Tagesordnung, Alkohol als letzte Zuflucht. Wir flüchten.
Aber oben am Kunene, rund um Swartbooisdrif, der alten Vortrekkerfurt gen Norden, scheint die Welt noch in Ordnung. Himbafrauen sammeln Holz unter sich im Abendwind wiegenden Palmen, Kinder grüßen scheu auf ihrem Weg zum Fluss, um Wasser holen. Wir kommen ins Gespräch mit einem jungen Burschen, überraschend gutes Englisch macht es möglich. Er ist der Einzige der ganzen Großfamilie, der in die Schule geht, die neun Geschwister müssen sich um Ziegen und Rinder kümmern. „Schule passt nicht zu unserer Tradition“, erklärt er, „die Tiere müssen beaufsichtigt werden, das ist wichtiger als Lernen.“ 360 Ziegen und 50 Rinder nennen sie ihr Eigen. „We are so hungry, can you help us?“ Unverständnis in unseren Gesichtern ob dieser Bitte, bei dem Viehbestand…
Die Epupa Falls sind in den letzten Jahren zu einer Touristenattraktion ersten Ranges geworden. Die Szenerie der tausend Stromschnellen ist aber auch wunderschön, vor allem im Abendlicht von einem der umliegenden Hügel aus. Sechs Campingplätze und zwei Lodges buhlen inzwischen um die Gunst der Zahlungswilligen. Wir stellen uns direkt an die Becken bei den Hauptfällen, dem Treffpunkt der Einheimischen. Wäsche waschen mit den Frauen, Baden mit den Kindern, Smalltalk mit den Männern. Irgendwie geht der touristische Geldsegen an ihnen allen vorbei… Wir sind mitten drin, die Touristen um uns herum gaffen, grüßen uns meist nicht mal.
Der Weg ins Kernland der Himbas ist beschwerlich. In Okangwati verabschieden wir uns von der Zivilisation, folgen der schmalen Steinpiste nach Westen. Ziegenherden und einzelne Rinder kündigen die lehmverputzen Hütten der einzelnen Kraale an. Immer wieder passieren wir kleine, im Mopanewald versteckte Ansiedlungen. Riesige Flaschenberge zeugen vom größten Problem der Region, dem Alkohol. Am Brunnen von Okauwa füllen wir ein paar Kanister mit Wasser. Wir werden massiv angebettelt, doch die Menschen sind nicht wirklich arm, das ist ein Trugschluss. Alle wirken wohlgenährt und das Betteln ist wohl eher Freizeitbeschäftigung…
Der kleine Damm von Ovireva hat noch Restwasser von der ergiebigen Regenzeit, ein idealer Platz für uns zum Relaxen. Die Stimmung mit Abendrot und Lagerfeuer ist großartig, und die sich abwechselnden Rinderherden geben uns zumindest einen Ansatz von Fauna. So starten wir ausgeruht in den nächsten Pistentag, der uns alles abverlangen wird. Es wird dermaßen heftig, dass wir immer wieder bewundernd den Kopf schütteln, was unsere Laster zu leisten vermögen. Wir schaffen das unmöglich Scheinende, einen Kilometer pro Stunde, immerhin…
Beim Himbachef von Otjitanda und seiner vielköpfigen Familie - wir zählen ein halbes Dutzend Frauen und noch mehr Kinder – verbringen wir mehrere Stunden. Der Kraal ist traditionell aufgebaut; die Dorneneinfriedung für die Rinder in der Mitte und die lehmverputzten Hütten in genau vorgeschriebener Anordnung rundherum platziert. Die Atmosphäre ist angenehm, niemand fordert etwas von uns, im Gegenteil, wir werden kaum beachtet. So können wir ungestört das Treiben beobachten.
Tage später stehen wir ein weiteres Mal an einem schmutzigen Damm. Plötzlich eine vielköpfige Reiterschar auf Eseln. Die Frauen festlich geschmückt, die Männer eher belanglos gekleidet. Auf den Schößen der jungen Mütter leise jammernde Kleinkinder, Burschen allesamt. Die Gruppe kommt vom Initiationsfest, blutverkrustete Genitalien werden uns entgegengehalten. Wunddesinfektionsspray kommt zum Einsatz, mehr können wir nicht tun. Die Aufforderung an die Mütter darauf zu achten, dass die Jungs nicht im Dreck sitzen sollten, bis alles verheilt ist, wird mit Unverständnis registriert. Wie auch, Dreck ist ja überall…
Wir cruisen entspannt über weite Sandflächen, verwitterte Granitfelsen ragen wie Unterseeboote aus der feinsandigen Landschaft. Die Rundblicke von den Hügeln sind unbeschreiblich, wabernder Küstennebel, flimmernde Hitze, endlose Wüste. Ein wahrhaftig würdiger Abschluss unserer Runde durch das Kaokoland…

Teamgeist…

„Das klang jetzt aber gar nicht gut!“ Connys erschreckter Ausruf begleitete ein metallisch-knirschendes Geräusch irgendwo aus dem Innenleben von „Manni“. Wir halten an, gehen auf Ursachensuche. Und die ist schnell entdeckt: unübersehbar reckt sich eine durchgebrochene Blattfeder gen Himmel. „Ach Du Scheiße, das sieht gar nicht gut aus!“ ruft Matze, der hinter uns seinen Laster zum Stehen brachte, kratzt sich am Kopf und schüttelt selbigen.
Wir sind rund zwanzig Kilometer südlich von Sesfontein, also so ziemlich ab vom Schuss. „Manni“ ist definitiv manövrierunfähig, wir schaffen es gerade mal so ohne Lenken runter von der staubigen Piste hinein in das welke Gras. Schnell spielen wir die uns verbleibenden Möglichkeiten durch. „Lass uns Lars Falkenberg in seiner Werkstatt in Kamanjab anrufen“, ist der erste Gedanke. Handy gezückt – kein Netz! Hm…
Ich fahre mit Matze zurück in Richtung Sesfontein, bis wir Netz haben. „Alles kein Problem“, beruhigt uns Lars im 250 Kilometer entfernten Kamanjab. „Wir kommen hoch und wechseln die Federpakete vor Ort.“ Aber es ist Freitagnachmittag, die zu bestellenden Federpakete können also frühestens am Dienstag in Kamanjab sein. Keine gute Aussichten…
Aber es kommt noch schlimmer! Wir kontakten Tina und Klaus, die beiden sind auf dem Weg von Windhoek nach Kamanjab. Sie eruieren in Windhoek per Telefon von unterwegs, aber es sind keine passenden Federpakete verfügbar! Müssen am Montag in Südafrika bestellt werden! Dauert also mindestens eine Woche, bis sie bei uns sein können. Na prima…
Wir schicken Matze schon mal los nach Kamanjab. Er will am Montag alles in die Wege leiten und wir verbringen einstweilen das Pfingstwochenende am staubigen Straßenrand. Am dritten staubigen Pistenrandtag bringt mich die Polizei ins nächste Dorf mit Handyempfang. Unsere Freunde in Kamanjab hatten beschlossen, dass wir uns mit geschienter Blattfeder langsam auf den Weg machen sollten, da die Organisation neuer Federpakete komplizierter erscheint als angenommen. Sie müssen in Deutschland bestellt werden und per Luftfracht nach Windhoek kommen. Also schleichen wir vorsichtig die rund 250 Kilometer nach Kamanjab, das wir nach eineinhalb langen Fahrtagen müde erreichen.
Und unsere Freunde haben sehr gute Nachrichten für uns: die Federschmiede Henning in Hannover hat unsere passenden Federpakete auf Lager, wir organisieren den Transport und machen uns nach zwei Tagen Pause auf die langwierige Fahrt nach Windhoek. Wohlbehalten trudeln wir dort ein und harren der Luftfracht aus Deutschland. Wie versprochen, steht die Palette mit den Federpaketen am Montag zur Abholung bereit und wir organisieren noch am selben Nachmittag den Einbau bei Kai Gorn in seiner Werkstatt. Und nun rollt „Manni“ wieder, wie er soll.
Es ist ein unglaublich schönes Gefühl zu wissen, dass Du Dich auf gute Freunde hundertprozentig verlassen kannst, wenn Du mitten in der Pampa ganz tief in der Scheiße sitzt! Matze, Tina und Klaus haben uns während all dieser schwierigen Tage immer das gute Gefühl gegeben, dass sie alles menschenmögliche bewegen, um uns zu helfen. Ihr Lieben, ganz herzlichen Dank dafür!!!

 

 

der bekannte Rock Arch an der Spitzkoppe
wunderschöne Campingstellplätze im Gebiet der Spitzkoppe
Übernachtungsplatz im Obias Rivier
sandige Piste durch das Hoanib Rivier
tolle Dünenfahrten oberhalb der Amspoort Gorge
unendliche Wüstenlandschaft zwischen Hoanib und Hoarusib
Wind und Erosion schaffen skurrile Landschaften
immer wieder endecken wir Wüstenelefanten auf unserer Route
üppige Natur an den Epupa Falls
üppige Natur an den Epupa Falls
üppige Natur an den Epupa Falls
vorsichtiges Abtasten der steinigen Pisten
tolle Abendstimmung am Ovireva Dam
Belastungsgrenzen für unsere Laster
zentimetergenaues Einweisen ist nötig
grobes Gestein malträtiert unsere Reifen
eng geht es her im Mopanegestrüpp
junge Himbafrau
...beim Kuhdung sammeln für den Hüttenbau
die Natur gleicht einem Bühnenbild
Wüstenfahrt am Rande des Skeleton Coast National Parks

Afrika - Botswana, 3. Teil / Zimbabwe, 1. Teil

14. Juni 2017 – 12. Juli 2017

Klischeehaftes Afrika an Chobe und Zambesi

Wer kennt sie nicht, die so typischen Bilder afrikanischer Tierwelt in bilderbuchartiger Natur. Hier oben, zwischen dem Okavangodelta und dem Lake Kariba, an den Ufern von Khwai, Chobe und Zambesi, die den Norden von Botswana und Zimbabwe so eindrucksvoll prägen, hier finden wir diese Bilder. Und natürlich die Menschen, herzlich lachend und immer freundlich winkend, die dieser Region ihren ganz speziellen Reiz verleihen.

Zwischen Moremi und Chobe: Wunderbare Tiererlebnisse am Khwai River

Eingezwängt zwischen die weltbekannten Naturparks Moremi und Chobe, die wir mit „Manni“ nicht wirklich befahren können, da die Pisten schlicht zu schmal und die Holzbrücken für seine Gewichtklasse zu windig sind und der Eintrittspreis für unseren Großen einfach viel zu überzogen ist, da windet sich der Khwai River durch die Savanne und schafft so eine herrlich kitschige afrikanische Flusslandschaft. Diese Ecke gilt als Transitstrecke zwischen den beiden Parks und ist somit kostenfrei und ohne Campzwang zu genießen.
Direkt am Fluss schlägt sich die alte, oft unter Wasser stehende Piste durch den dichten Mopanewald und steuert immer wieder herrliche Lichtungen an, auf denen sich das Wild bevorzugt aufhält. Wir stellen uns einfach unter einen großen Baum und warten…
Und schon geht es los: Ununterbrochen ziehen Elefantenherden zum Wasser, stillen ihren Durst, vergnügen sich beim ausgelassenen Bad, wechseln hinüber ans andere Ufer und verschwinden im Dickicht des Moremi National Park. Große Bullen demonstrieren ihre Autorität, indem sie jüngere Nebenbuhler vertreiben, Kühe mit ihren Kleinen tummeln sich in der sicheren Gruppe. Vielköpfige Impalaantilopenherden ziehen achtsam vorüber, vereinzelt tauchen Hippos aus dem sumpfigen Nass auf. Hässliche Marabus und tollpatschige Pelikane schnäbeln um die Wette, stolze Schreiseeadler beobachten die Szenerie aus sicherer Entfernung. Zwei lange Tage versinken wir mal andächtig, mal amüsiert im aufregenden Spiel der Natur, ehe wir uns an die Hauptpiste zu unserem Rastplatz zurückziehen. Doch selbst hier schauen uns drei neugierige Elefanten beim Grillen buchstäblich über die Schulter, schleichen hungrige Hyänen um die übrig gelassenen Knochen, grasen Hippos direkt vor unserem Schlafzimmerfenster. Mehr mittendrein geht nicht!
Auf unserer Transitstrecke durch den Chobe National Park, hoch nach Kasane, spüren wir noch drei junge Löwen auf. Elegant bewegen sie sich zwischen Sträuchern und Bäumen, lassen sich an einem Wasserloch nieder. Sie lassen sich durch unsere Anwesenheit nicht aus der Ruhe bringen, fast bis auf Tuchfühlung dürfen wir ihnen auf den Pelz rücken. Erst als sie sich im jugendlichen Jagdeifer einer aufmerksamen Springbockherde nähern, verdrücken wir uns.

Pirschfahrt mit dem Boot

In Kasane ist es möglich, mit einem Boot auf dem Chobe die Tierwelt vom Wasser aus zu beobachten, eine ganz andere Perspektive als sonst, da die Tiere das Boot weit ruhiger akzeptieren und wir so sehr nahe an sie heran können. Unser Bootsführer hat eine gute Hand und einen professionellen Blick für die richtige Fotografenstellung, so wird der Ausflug ein voller Erfolg. Vor allem gelingen uns tolle Vogelbeobachtungen von seltenen Gefiederten wie dem African Skimmer und dem Malachit Fisher. Natürlich dürfen auch wieder Elefanten, Hippos, Wasserböcke, Büffel und jede Menge furchteinflößende Krokodile nicht fehlen. Das ruhige Dahingleiten auf dem träge fließenden Wasser zwischen all den herrlichen Tieren versetzt uns in eine wunderbar entspannte Stimmung, die wir genüsslich auskosten.

Victoria Falls

„Hast Du die Victoria-Fälle nicht gesehen, dann hast Du Afrika nicht gesehen“. Seit David Livingstone anno 1855 diese gigantische Wasserwand für die weiße Welt entdeckte, gilt dieser Ausspruch als Leitsatz für Generationen von Afrikabegeisterten. Als der schottische Forschungsreisende das Land der Kololo auf seiner ersten, entbehrungsreichen Afrikareise erreichte, benannte er die von den Einheimischen „Mosi-Oa-Tunya“, also „donnernder Rauch“ genannten Fälle nach dem damals herrschenden Zeitgeist zu Ehren seiner Königin um.
Auch für uns ist es also nur logisch, diesen weltweit wohl berühmtesten Wasserfällen einen Besuch abzustatten. So wandeln wir auf Livingstones Spuren entlang dem Zambesi, die heute allerdings längst geteert sind, bis uns die weithin sichtbare Gischt der tosenden Wasser den Weg weisen. Schlappe dreißig US-Dollar pro Person werden am Gate fällig, damit hätte der waghalsige Forscher seinerzeit eine ganze Expedition entlohnen können. Aber was soll`s, Historisches und Naturgewaltiges hat eben seinen Preis.
Und nehmen wir es vorweg – es lohnt sich! Auch jetzt, Ende Juni, nach einer ergiebigen Regenzeit in Angola, woher der Zambesi die Wassermassen anbringt. Obwohl die immer gegenwärtige Gischt uns fast den Atem und meist auch die Sicht nimmt, sind wir gefesselt von den Urgewalten um uns herum: Über einhundert Meter tief stürzen jetzt bis zu 400 Millionen Liter Wasser pro Minute (!) in die enge Schlucht unter uns. Fast zwei Kilometer breit ist die Wasserwand, die sich vor uns aufbaut. Das Getöse, die nassen Böen, die herrlichen Regenbögen – was für ein Schauspiel!
Den ganzen Tag lassen wir uns entlang der oberen Kante treiben, erfassen die gigantische Größe nur langsam. Es ist bereits die achte Abbruchkante, die sich in den vergangenen zwei Millionen Jahren hier gebildet hat. Immer wieder verschieben sich die Fälle nach hinten, werden dabei immer niedriger. Zurück bleiben die tiefen Schluchten, in denen sich der Zambesi nun auf seinem weiteren Weg Richtung Osten durchzwängt. Schon erkennt man die nächste entstehende Abbruchkante, und bereits in vielleicht 20.000 Jahren haben die Victoria Fälle ein ganz anderes Aussehen, ehe sie irgendwann ganz verschwunden sind…

Lake Kariba, der drittgrößte Stausee Afrikas

Auf seiner langen Reise von den Urwäldern Nordsambias, durch die Sumpflandschaften Angolas und den Bergen Zimbabwes bis hin zum Indischen Ozean in Mozambique ist der Zambesi die wichtigste Lebensader dieser Regionen. Nach seinem brausenden Sturz über die scharfe Kante bei den Victoria Falls zwängt er sich in einen beeindruckenden, im Zickzack verlaufenden Canyon, bevor er weiter flussabwärts in ruhigere Bahnen gerät. Hier im überaus fruchtbaren Zambesital zwischen Mlibizi und der Engstelle der Karibaschlucht entschlossen sich in den fünfziger Jahren die englischen Kolonialherren, ein gigantisches Staudammprojekt ins Leben zu rufen, um ihre Kolonien Süd- und Nordrhodesien mit Strom zu versorgen. Auf 300 Kilometer Länge und bis zu dreißig Kilometer Breite entstand so in den darauffolgenden Jahren der mit rund 2000 Kilometer Uferlänge drittgrößte Stausee Afrikas.
Es entwickelte sich ein völlig neues Ökosystem und nach spektakulären Rettungsmaßnahmen für die vor dem Ertrinken bedrohte Tierwelt entwickelte sich eine faszinierende Naturoase, die nur an ganz wenigen Stellen zugänglich ist. Die fehlenden Zugänge über die nun steilen Uferberge waren allerdings auch die Grundlage zur Umsiedlung der hier ansässigen Tonga, die vielerorts eher an gewaltsame Vertreibung erinnerte denn an rücksichtsvolle Neuorientierung. Ihrer angestammten und traditionellen Lebensformen beraubt, vegetierten sie jahrzehntelang in unwirtlicher Savanne weit entfernt vom neu entstandenen See unter erbärmlichen Bedingungen dahin. Erst in den letzten Jahren ist eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen spürbar, von den Segnungen des neuen Stausees, der ihre angestammte Heimat untergehen lies, sind sie jedoch noch meilenweit entfernt…
Ganz am Ostufer des gewaltigen Stausees, zwischen dem nur beschwerlich erreichbaren Matusadona National Park und den sündhaft teuren Edellodges der Nyanyana Wildlife Area, da wissen wir von der Möglichkeit, über eine einsame Piste direkt an die Ufer des Sees zu gelangen. Die Gache Gache Islands, flache, in der Regenzeit zu einem großen Teil überspülte Grasinseln, ragen nun weit in den See hinaus. Eine schmale Fahrspur überbrückt nun diese Inselwelt und wir wagen uns bis ganz hinaus an die äußerste Spitze.
Was für ein Fleckchen Erde! Um uns herum nur noch Wasser, im sumpfigen Uferbereich Dutzende von Hippos in größeren und kleineren Gruppen, vernehmlich schnaubend und fressend. Immer wieder ziehen Herden vorbei, meist sind es Wasserböcke, Impalas oder auch Affen. Ganz nahe kommen sie uns, äugen misstrauisch zu uns herüber, bevor sie vorsichtig äsend vorüber ziehen oder wie wild davonjagen. Hunderte abgestorbener Bäume recken bizarr ihre schwarzen Äste in den strahlend blauen Himmel, am Horizont ragen die Kämme der umliegenden Berge hoch empor.
Einige wenige Fischer sind hier draußen, leben in Zelten oder auch nur unter einer mäßig schützenden Decke. Ihren Fang verkaufen sie auf dem Markt von Kariba, er wird täglich abgeholt. Wir erstehen fangfrischen, noch zuckenden Tigerfisch und Barsch, pro ordentlich großen Fisch gerade mal einen Euro müssen wir ihnen geben. Und abends, untermalt von den Geräuschen der Natur um uns herum, versinkt die Sonne als leuchtend roter Ball im Wasser, während auf der anderen Himmelsseite der helle Vollmond den Himmel in Beschlag nimmt…

 

 

Elefanten am Khwai River
Elefanten am Khwai River
Elefanten am Khwai River
lustige Badespiele im Khwai River
junge Löwin im Chobe NP
entspannter Übernachtungsplatz am Chobe Ufer
grasender Büffel am Chobe Ufer
unzählige Hippos im Chobe River
mächtige Krokodile lauern am Ufer des Chobe
schöne Eisvögel am Uferrand
African Skimmer im Anflug
Nimmersatt Storch
die Victoria Fälle - Regenbogen am Danger Point
man spürt die Gewalt des Wassers...
herrliche Regenbogenspiele in den Victoria-Falls
die Main Falls der Victoria Fälle
die Zambesi-Schlucht direkt nach den Victoria Falls
Sonnenuntergang über dem Lake Kariba
neugierige Kinder
Tonga-Mädchen
Dorf der Tongas
Dorf der Tongas
Dorf der Tongas
Piste im Land der Tonga

Afrika - Zimbabwe, 2. Teil

13. Juli 2017 – 16. August 2017

Überraschendes Zimbabwe

Seit rund zwanzig Jahren bricht Zimbabwe regelrecht zusammen. Unsinnige Landreformen, korrupte Politiker, Vertreibung der weißen Farmer, Hyperinflation, Geldknappheit. Alles verfällt, nichts funktioniert mehr so richtig. Die Infrastruktur ist nur noch ein Schatten früherer Tage. Ist es bei diesen Voraussetzungen eine gute Idee, hierher zu reisen? Mal sehen…

Schulbesuch in Marongora

„Schau, das war sicher mal eine Schule“. Connys Blick durch zerbrochene Scheiben offenbart ein kunterbuntes Durcheinander von Schulutensilien, die wahllos im Dreck und auf wirr stehenden Tischen verteilt liegen. „Aber sieh doch, auf der Tafel steht das gestrige Datum geschrieben, die unterrichten hier noch“. Und es ist tatsächlich so; als plötzlich ein Lehrer auftaucht, bestätigt sich dies. Wir sind gerne eingeladen, morgen früh dem Unterricht beizuwohnen…
Pünktlich um halb acht werden die ersten Schüler mit einem alten Pickup gebracht, wegen der Löwen- und Hyänengefahr im Umkreis des Dorfes lässt man die Kinder ungern früh morgens den weiten Weg laufen. Insgesamt tummeln sich bald 19 von 22 Kindern aus sieben Jahrgangsstufen in den drei Klassenräumen, die von den beiden Lehrern parallel unterrichtet werden. Die Materialien sind in einem erbärmlichen Zustand, es fehlt an allen Ecken und Enden. „Letztes Jahr hatten wir uns beklagt, dass wir so die Lehrpläne nicht umsetzen können. Als Antwort bekamen wir zu hören, wir sollen eben improvisieren!“ Die Schulleiterin ist frustriert, doch sie ist sich ihrer wertvollen Aufgabe bewusst und versucht, das Beste daraus zu machen. Ein Wiener Jagdtourist hatte 1980 diese Schule finanziert und über viele Jahre unterstützt. Doch er verstarb vor acht Jahren, und jetzt sind sie auf sich alleine gestellt. „Der Staat hilft uns nicht, wir bekommen nichts! Es ist kein Geld da, heißt es.“
Die Schüler sind schüchtern, fast ängstlich, doch als wir sie mit Malheften und Buntstiften beschenken, tauen sie merklich auf. Was für ein Glänzen in den großen Kinderaugen! Auch wir freuen uns, ihnen für einen kleinen Augenblick Freude geben zu dürfen, wissen wir doch um die Hoffnungslosigkeit ihrer Zukunft…

Tengenenge Art Centre – „the beginning of the beginning“

Lichter Laubwald, in dessen nun herbstlich gefärbten Blättern sich die Sonnenstrahlen in unendlichen Prismen brechen, einfache Lehmhütten stehen eng zu einem kleinen Dorf gewachsen in loser Anordnung im Schutz der alten Bäume. Kinderlachen schallt uns entgegen, Frauen gehen ihrem Tagwerk nach. Doch noch ein Geräusch erfassen unsere Sinne, ein Geräusch, das so typisch ist für dieses Dorf: „Tack-tack-tack“ klingt es von überall her, fängt sich in den Strohdächern der runden
Hütten, wird weitergetragen vom sanften Lüftchen, das erfrischend durch das hohe Gras eilt. Ein Dutzend Bildhauer und Steinmetze sitzen unter schattenspendenden Dächern und bearbeiten das in der näheren Umgebung gewonnene schwarze und grüne Serpentingestein.
Der Weg war weit und beschwerlich bis hier nach Tengenenge, doch wir werden mit offenen Armen empfangen, ganz im Geiste des inzwischen greisen Gründers Tom Bloemefield, einem südafrikanischen Tabakfarmer und Künstler. Es ist nicht nur ein Kunstzentrum, es ist vor allem auch eine Begegnungsstätte ohne kulturelle und ethnische Grenzen. Seit langem wird uns mal wieder ein „Salaam Aleikum“ entgegengerufen, auch viele islamische Künstler sind hier zuhause. Nicht nur aus Zimbabwe stammen die zurzeit etwa siebzig talentierten Bildhauer, auch aus Malawi, Sambia, Mozambique oder Angola sind sie hier unter ihresgleichen und drücken ihre unterschiedlichen Wurzeln in ihren künstlerischen Arbeiten aus.
Jeder, der sich dazu berufen fühlt, darf sich hier niederlassen. Er bekommt eine Parzelle zugewiesen, auf der er arbeiten und seine Werke ausstellen darf, er kann sich eine Hütte bauen, in der er mit seiner Familie in der Gemeinschaft des Dorfes aufgenommen wird und leben kann. Ein Drittel ihrer Verkaufserlöse müssen sie der Gemeinschaft abgeben, so finanziert sich das Dorf. Teamgeist hilft den Künstlern weiter, sie prüfen und kritisieren ihre Arbeiten gegenseitig, um sich weiter zu entwickeln, um zu lernen. Die Alten der ersten Generation werden fast ehrfürchtig bewundert, so wie Josiah Manzi, Mann der ersten Stunde von 1966 und der einzige, der auch während der Bürgerkriegsjahre in den Siebzigern hier ausharrte, als alle anderen vor den Guerillaschergen geflohen waren. Die Begegnung mit ihm ist für uns wie ein historischer Augenblick.
Wir wandeln durch den sonnendurchfluteten Wald, sind fasziniert von den tausenden und abertausenden Artefakten der verschiedensten Stilrichtungen. Abstraktes neben Traditionellem, Moderne trifft Klassik – nichts fehlt. Geduldig erklären David Mushonga, Edson Seda, Percy Kuta, Betias Chakawa, Jaisi Muhomba, Douglas Shawa und viele andere ihre Arbeiten, die meisten sind schon seit über dreißig Jahren hier. Es ist diese Mischung aus afrikanischer Lebensart und talentierter Kunst, die diese einmalige Atmosphäre von Tengenenge schafft. Wünschen wir diesen liebenswerten Menschen, dass sie auch in Zukunft ihre künstlerische Freiheit umsetzen dürfen und vor allem auch erfolgreich vermarkten können…
Mehr Informationen findet Ihr auf www.tengenengeartcommunity.com

Eastern Highlands – ein fast unwirkliches Landschaftserlebnis!

So könnte er ausgesehen haben, der Garten Eden: Das sich weit hinunter ziehende Honde Valley bietet zwar kein fließendes „Milch und Honig-dejavu“, doch glasklare Riesenwasserfälle segnen die Natur zwischen den bewaldeten Felswänden unaufhörlich mit lebenspendendem Nass. In üppigstem Ausmaße wetteifern Bananen, Papayas, Mangos, Orangen, Tomaten, Avocados, Nüsse und vor allem Teepflanzen um den besten Platz an der Sonne. Im satten Boden gedeihen Süßkartoffeln, Yamswurzeln, Kaffeesträucher, Mais und Hirse. Wackelige Hängebrücken über dem munteren Pungwe verbinden malerische Gehöfte inmitten terrassenartig angelegter Felder. Die Menschen lachen aus vollem Herzen, wenn wir ihnen zuwinken, freuen sich ehrlich über unseren Besuch in ihrem so wundervollen Tal.
Weit im Osten, schon nahe der Grenze zu Mozambique, verliert sich der schmale Weg in unendlichen Teeplantagen. Streng und akkurat beherrschen die immergrünen Pflanzen ganze Hänge, drängen den natürlichen Bewuchs immer weiter zurück. Vereinzelt lockern Macademiaplantagen die Übermacht der harten Teeblätter auf, doch das britische Nationalgetränk beherrscht weithin die Szenerie. Und schafft so dringend ersehnte Arbeitsplätze…
Szenenwechsel: Immer höher schraubt sich das graue Asphaltband, geht irgendwann in klebrig-rote Erde über. Unser Navi fordert die 2.300 Meter heraus. Urplötzlich lichtet sich der Nebel, die Exponiertheit der Abbruchkante lässt uns schaudern. Weit unter uns reihen sich urzeitliche Berggipfel aneinander, trennen Felder und Dörfer. Wir verstummen ob der Eindrücklichkeit der Natur.
Nur kurz ist uns dieses Glück hold. Kalt und nass treibt uns der quer gegen „Manni“ prasselnde Regen ins Trockene, Warme. Undurchdringlich wabert weiße Masse um uns herum. Der Sturm heult und schüttelt unseren Großen spürbar umher. Die Wetterküche Eastern Highland ist in ihrem Element. Nach zwei Tagen an der Kante geben wir uns geschlagen…
Troutbeck Inn, Rhodes Hotel, La Rochelle. Lodernde Kaminfeuer, livrierte Kellner, gediegene Atmosphäre. Koloniales Ambiente lässt die „gute, alte Zeit“ zurückkehren. Doch der altehrwürdige Schein trügt, die oberste Schicht neigt zum Abblättern. Die weiße Bevölkerung ist mehrheitlich längst vertrieben oder umgebracht, kaum Bares ist im Umlauf ob der katastrophalen Politik, Touristen sind Mangelware. So wärmt das seit 1951 ununterbrochen brennende Kaminfeuer im Troutbeck Inn, immerhin mit dem höchstgelegensten Golfplatz Afrika gesegnet, meist niemanden mehr, legt sich feiner Staub über die gelangweilt bewachten Exponate im kleinen Museum des Rhodes Hotel und im Restaurant von La Rochelle, fast ein kleines Schlösschen samt Botanischem Garten, wartet man sehnsüchtig auf den selten erscheinenden Gast. Schade drum…
Gleich oberhalb von Mutare, der Provinzhauptstadt direkt an der Grenze zu Mozambique, bestimmen die dicht bewaldeten Bvumba Mountains den Horizont. Nebelberge werden sie auch genannt, denn sie gehören zu den feuchtesten Gebieten des Landes. Entsprechend üppig präsentiert sich uns die Natur bei unserer Rundfahrt durch die dichten Urwälder. Kaum einmal lassen sie einen Blick zu auf die Ebenen weit unter uns, verstecken die ehedem edlen Landhäuser der rhodesischen Plantagenbesitzer, die längst in den Besitz der heutigen Elite übergegangen sind und nun vor sich hin modern. Erst beim Übergang vom Essex Valley zum Burma Valley lichtet sich die grüne Mauer aus Riesenfarnen, Schlingpflanzen und Urwaldriesen etwas, und sofort wechselt die Vegetation. Bananenplantagen, Kaffee- und Tabakfelder, Mangobäume und andere tropische Früchte bestimmen nun das Landschaftsbild. Es ist eine der fruchtbarsten Gegenden des Landes.
Ist das schön hier! Die steilen Felswände der Chimanimani Mountains riegeln das nach Osten hin abfallende Tal ab, nur ein schmaler Durchschlupf in der Schlucht des Musapa oder ausgesetzte Pfade über die hohen Pässe erlauben den Weiterweg nach Mozambique. Der Ort liegt eingebettet zwischen sanft ansteigenden Hängen, die weit hinauf mühsam bewirtschaftet werden. Eine ausgesprochen lockere Atmosphäre herrscht auf dem kleinen Marktplatz, auf dem die Frauen ihre heimischen Erzeugnisse zu unglaublich günstigen Preisen feilbieten. Jeder Einkauf ist von herzhaftem Lachen und Scherzen begleitet.
Wir wandern entlang der Gehöfte bis ganz hinunter zu Tessa`s Pool. Hier stürzt der Haroni River inmitten tropischer Vegetation über zwanzig Meter tief in ein glasklares Becken, dem wir nicht
wiederstehen können. Ein Traum! Später sitzen wir gemeinsam mit einigen Männern des Dorfes im Schatten von „Manni“ und diskutieren über die alltäglichen Mühen in diesem geschundenen Land.

Fazit Zimbabwe

„Der alte Mann muss weg!“ Bei jedem Gespräch schallt uns diese Forderung entgegen. „Es reicht!“ Siebenunddreißig Jahre unter Präsident Robert M. haben ein Land zerstört, das als Paradies des südlichen Afrikas galt, wenn auch teuer erkauft mit brutaler Apartheit; dies verklärt sich vor allem bei der jüngeren Generation immer mehr. Und doch, die Menschen sehnen sich fast zurück zu den damaligen Zeiten. Immer wieder hören wir den Wunsch: „Kommt zurück, ihr weißen Farmer, wir brauchen Euer Wissen. Besucht unser Land, ihr Touristen, seid willkommen!“ Doch die aktuelle Politik tut nichts dergleichen. Und so darben die Menschen in ihrem tristen Alltag, leiden unter 90% Arbeitslosigkeit, kaum Bargeld ist im Umlauf, die Banken haben nichts zum Auszahlen. Der Schulbesuch ist teuer, die Kinderschar viel zu groß, Klassenstärken von über fünfzig Kindern eher die Regel, wirklich qualifizierte Lehrer gibt es kaum mehr. Keine guten Aussichten für die Zukunft der neuen Generationen…
Umso erstaunlicher erscheint die allgegenwärtige Fröhlichkeit, das herzliche Lachen, das uns immer und überall begleitet. Niemand versucht uns beim Einkauf zu übervorteilen, kein lästiges Betteln oder nerviges Bequatschen. Nein, jeder sucht das Gespräch mit uns, spricht die Misere erstaunlich offen an, will unsere Meinung dazu hören. Und hofft auf Ideen, Hilfe für die Zukunft. Die Menschen in Zimbabwe sind auffallend friedlich, betonen dies auch immer wieder selbst. Wahrscheinlich auch ein Grund, warum es keine ernsthaften Demonstrationen, keinen Aufruhr gibt. „Wir wollen nur in Frieden leben, arbeiten, um unsere Familien versorgen zu können. Aber man lässt uns nicht!“
Für uns ist Zimbabwe ein unglaublich entspanntes Reiseland. Was mussten wir uns im Vorfeld alles für Schauergeschichten anhören: „Abzocke an der Grenze, korrupte Polizisten an unzähligen Roadblocks, schlechte Versorgungsmöglichkeiten zu überhöhten Preisen!“ Kaum jemand ließ ein gutes Haar an diesem Land. Doch nichts von alledem ist uns widerfahren. Die Einreise war entspannt-lustig wie selten, an keinem Roadblock wurden wir belästigt, im Gegenteil, es ergaben sich oft wirklich nette Begegnungen mit den Bemützten und unser Kühlschrank war zu jeder Zeit sehr gut gefüllt. „You are most welcome, feel free!“, schallt es uns von überall her entgegen, wenn wir uns für einen Übernachtungsplatz entscheiden.
Die Natur meint es gut mit Zimbabwe: Allem voran natürlich die Victoria Falls, sicherlich die beeindruckendsten Wasserfälle der Welt. Die Schluchten des Zambesi und seine wildreichen Uferregionen erfüllen spielend jedes afrikanische Klischee. Der riesige Lake Kariba, die von gewaltigen Baobabs gesäumten Pisten der trockenen und heißen Savannen, die wasserreichen und grünen Hochgebirgsregionen der Eastern Highlands. Jede Region für sich begeistert.
Doch am meisten begeistern uns die Menschen! Selten haben wir so wundervolle Kontakte knüpfen können, waren wir immer und überall herzlichst willkommen. In kaum einem anderen Land fühlten wir uns so sicher aufgehoben, gleichgültig, wo wir unser Nachtquartier aufgeschlagen hatten. Im Gegenteil, immer kam jemand vorbei, um besorgt zu fragen, ob alles in Ordnung sei, ob wir etwas benötigen. Und das von Menschen, die selbst buchstäblich so gut wie nichts haben! Freies Campen ist überall völlig problemlos möglich.
Zimbabwe, ein Land zwischen Hoffnungslosigkeit und Zuversicht. Wunderbare Menschen, die wahrlich Besseres verdient hätten als einen altersstarren Präsidenten und seine blutsagende Mischpoke. Zimbabwe, ein Land das es nach wunderbaren sieben Wochen ganz nach oben in unserer persönlichen Beliebtheitsskala geschafft hat! Es war richtig, hierher zu reisen, wir hätten viel versäumt…

 

 

Marongora Primery School: 2 Lehrer, 26 Schüler, 7 Klassenstufen
leuchtende Kinderaugen beim Verteilen kleiner Geschenke
Skulpturen im Künstlerdorf Tengenenge
Steinbildhauer Percy Kuta, seit 2002 in Tengenenge
Steinbildhauer David Mushonga, seit 1987 in Tengenenge
Frauen im Künstlerdorf Tengenenge
Besuch im Kindergarten von Tengenenge
traditionelles Fischen im Staudamm von Shamva
Roadblock in Zimbabwe - es geht auch anders
Schulspeisung in völlig überfüllten Schulen
selbstgebaute afrikanische Wippe
gefählicher Gegenverkehr: völlig überladene Busse
Piste in den Eastern Highlands
wir kaufen frische Zitronen direkt vom Baum
beeindruckender Steilabbruch: World´s View
mühsam angelegte Terrassenfelder im Honde Valley
feuchte Nebelschwaden bei Sonnenaufgang über den Teefeldern
akkurate angelegte Teepflanzungen im Honde Valley
die Menschen in Zimbabwe haben immer ein Lachen im Gesicht
beeindruckende Gebirgsszenerien entlang der Cashel Scenic Route
Piste in den Chimanimani Mountains
Traumplatz vor der Kulisse der Chimanimani Mountains
viel Spass mit den Kindern von Chimanimani
urige Staßenmärkte entlang unserer Routen in Zimbabwe

Afrika - Mozambique

16. August 2017 – 13. September 2017

Der Süden von Mozambique – Traum unter Palmen?

Noch vor ein paar Monaten schreckte uns die Nachricht auf, dass sich die sozialistische Frelimo und die eher terroristisch veranlagte Renamo, die beiden verfeindeten Parteien aus der Zeit der Unabhängigkeitskämpfe, wieder mal in der Wolle haben. Doch inzwischen ist ein labiler Waffenstillstand ausgerufen worden, uns so wagen wir es…

Kaputtes Land und schmerzhafte Armut,

dazwischen Touristen auf abgeschotteten Camps und Lodges. Krasse Gegensätze, die uns sehr nachdenklich machen. Das Land kommt nicht auf die Beine, Korruption ist an der Tagesordnung. Die Menschen leiden sehr darunter, Arbeit gibt es keine, man lebt vom kümmerlichen Ertrag der eigenen Scholle. Am Straßenrand wird versucht, Geld zu verdienen; Feuerholz wird geschlagen, Holzkohle gebrannt, ein wenig Obst und Gemüse feilgeboten. Die meisten Straßen und Pisten sind in einem erbärmlichen Zustand, die Städte heruntergewirtschaftet. Ruinen zeugen vom vergangenen Bürgerkrieg, Verfall ist allgegenwärtig.
Szenenwechsel: Camps und Lodges unter Palmen an einsamen, kilometerweiten Sandstränden, exotisches Ambiente für den zahlungskräftigen weißen Urlauber. Die reale Welt da draußen bleibt ausgesperrt. Fischer versuchen, ihren Fang anzubieten, Souvenirverkäufer betteln fast um ein kleines Geschäft. Kaum eine ruhige Minute bleibt, wenn man das Touristenghetto verlässt. Die Begegnungen sind beschränkt auf die Gelegenheit etwas zu verkaufen, um das Überleben zu sichern. Definitiv nicht unsere Welt…
Die Menschen unterwegs wirken oft verschlossen, scheu. Nur zaghaft wird unser Winken, unser Lächeln erwidert. Das Misstrauen sitzt tief, zu schrecklich war die Vergangenheit, zu hart ist die Gegenwart. Selten begegnen wir Offenheit, die Angst vor der Staatsmacht ist spürbar. Und die lässt ihre Macht spielen, denn fast jeder, der eine Mütze auf hat, nervt und drangsaliert seine Mitmenschen. Uns lässt man in Ruhe, ja, bis wir fast verhaftet werden…

Fast verhaftet…

Irgendwann musste es ja mal passieren! Sind wir bislang mehr als drei Jahre unbehelligt von korrupten Beamten und anderen Halsabschneidern durch Afrika gereist, so hat dies nun ein Ende gefunden:
Wir stehen gemeinsam mit unseren Freunden Alexandra und Martin und deren Kindern nördlich von Maxixe irgendwo am Strand. Auf der nachmittäglichen Suche nach einem schönen Übernachtungsplatz entdecken wir einen holprigen Feldweg, der zwischen vertrockneten
Maisfeldern und einigen kleinen Hütten zum Strand hinunterführt. Unsere Inspektion zu Fuß und das herzliche „no problem“ der Einheimischen lässt uns Quartier beziehen.
Am nächsten Morgen, unsere Freunde hatten sich schon verabschiedet, steht plötzlich die örtliche Polizei mit sechs Mann vor uns. Wir sollen, noch vor dem Frühstück, das wir soeben aufgetischt hatten, zur Wache mitkommen. Auch Martin taucht auf der Ladefläche des Polizeiwagens auf, sie wurden auf der Hauptstraße gestoppt. Im Polizeigebäude von Maxixe werden wir nun eingehend verhört und auch unsere Laster einer peniblen Untersuchung unterzogen. Man wolle wissen, wer wir sind und was wir hier tun und wie wir hierher kommen und so weiter. Alles irgendwie zwar schikanös, aber gut, wenn sie ihrem Kontrollauftrag nachkommen wollen, bitte sehr.
Doch dann kommt es knüppeldick: Wir hätten sehr schwerwiegende Fehler begangen, gegen mehrere Gesetze verstoßen und dies müsse nun bestraft werden, damit wir dies nicht noch einmal tun. Das Fahren auf dem Strand sei verboten, auch dort Feuer machen nicht erlaubt und wir hätten Agrarfläche zerstört und so weiter. Alle unsere Einwände – wir seien harmlose Touristen, die solche Gesetze ja nicht wissen können, und es tut uns schrecklich leid – werden vom Tisch gewischt. Die Stimmung fängt an zu kippen, als wir uns weigern, in Portugiesisch abgefasste Schriftstücke zu unterzeichnen; man droht uns mit Konfiszierung der Laster und unserer Festsetzung und wir könnten ja nach dem anstehenden Wochenende in der Hauptstadt jemanden ausfindig machen, der uns das alles übersetzt.
Wir signalisieren Kooperationsbereitschaft, wollen wissen, wie hoch denn die Strafe wäre. Über 1.000 Euro wären insgesamt zu bezahlen! Wir sind schockiert, überlegen fieberhaft, wie wir aus dieser Nummer wieder herauskommen. Die Diskussionen ziehen sich, Erwin, österreichisches Unikum aus dem Ort, wird hinzugezogen, um zu übersetzen. Wir reduzieren die Strafe auf rund 400 Euro, immer noch ein Wahnsinn, doch ein heimliches Telefonat mit der deutschen Botschaft und auch Erwins Signal, zu bezahlen und abzuhauen, lässt uns letztlich diese Kröte schlucken.
Wir sind unglaublich enttäuscht, verärgert, frustriert. Aber machtlos, zumindest im Moment. Doch wir lassen dieses Verhalten der örtlichen Polizei nicht auf sich beruhen: Der Gouverneur der Region wird in Kenntnis gesetzt, ein Termin mit der Botschaft anberaumt, die ein offizielles Schreiben an das Außenministerium verfasst, ein Besuch beim Tourismusministerium vereinbart. Natürlich werden wir unser Geld nicht wiederbekommen, aber wir sehen es als unsere Verpflichtung an, den Offiziellen in diesem korrupten Land, das sich laut Präsidentenaussage in den nächsten Jahren zur exotischen Touristendestination Nummer eins aufschwingen will, aufzuzeigen, dass dieser Weg nicht zum Erfolg führen wird. Ob`s hilft…?

Bei den Fischern von Maxixe

Mit aufgeblähtem Dreieckssegel, vielfach geflickt und bunt zusammengewürfelt, schießt die hölzerne Dhau hart am Wind auf den Strand zu. Nur wenige Meter vor dem sandigen Ufer nimmt der Skipper den Wind aus den Segeln und augenblicklich steht das tief im Wasser liegende Boot längs der Wasserlinie still. Die Bambusstangen der Rah knarzen, als die Mannschaft die Segel refft.
Mit lautem Geschnatter laufen farbenfroh gekleidete Frauen mit großen Plastikbottichen auf das angekommene Boot zu. Emsig schaufeln die Männer an Bord tausende kleine, silbrige Fische in die ihnen über die Rehling entgegengehaltenen Schüsseln, die anschließend randvoll auf dem Kopf von
den Frauen an Land getragen werden. Und schon schießt die nächste Dhau heran, und die nächste. In rascher Folge kommen sie nun von überall her. Schon bald ist der Strand von hunderten Menschen gesäumt, die sich um die Berge von Fischen tummeln. Kaufen und verkaufen ist nun angesagt, das Ritual bleibt uns allerdings verschlossen.
Das Schauspiel ist atemberaubend authentisch. Farben und Gerüche reißen uns mit, Stimmengewirr und harte Kommandos schallen in unseren Ohren. Wir können uns kaum sattsehen an diesem pulsierenden Leben um uns herum. Niemand beachtet uns, zu sehr sind sie mit ihren Aufgaben beschäftigt. Tief tauchen wir ein in diese afrikanische Welt, werden von ihr aufgesogen, verschwinden im Trubel.

Maputo

Was ist aus dem einst so beliebten Lourenco Marques hier am Indischen Ozean geworden! Unabhängigkeit und Bürgerkrieg, Korruption und Sozialismus machten aus der einst lebendigen und kulturell aufgeschlossenen Stadt ein ziemlich verkommenes, aus den Nähten platzendes Auffangbecken für Menschen, die die Hoffnungslosigkeit ihres Daseins hierher getrieben hat. Glitzernde Fassaden der Skyline über der Delgadobucht täuschen Weltmännisches vor. Die Wirklichkeit im Schatten der modernen Prachtbauten zeichnet allerdings ein gänzlich anderes Bild.
Wir begeben uns auf die Suche nach der mondänen Vergangenheit. Doch schnell wird uns klar, da ist nicht mehr viel zu finden. Gut, ein paar einzelne Gebäude, allen voran der liebevoll restaurierte alte Kopfbahnhof, ragen aus dem bröckelnden, postkommunistischen Einheitsbrei hervor. Auch das früher so hoch gelobte Ambiente zwischen Kunst und Lebensfreude ist irgendwo zwischen Hunger und Elend verlustig gegangen. Ein penetranter Mix aus Fisch, Urin und Abgasen verursacht dagegen bei unseren Sinnen eine leichte Abwehrhaltung.
Schade drum, denn Maputo könnte heute eine prosperierende Metropole sein. Die Lage der Stadt ist einmalig schön, die Nähe zu Südafrika und die umliegenden Strände attraktiv. Doch wie immer liegen zwischen Realität und Möglichkeit in Afrika Welten…

Kurzes Zwischenfazit…

Mozambique hat es uns nicht leicht gemacht. Wirklich wohlgefühlt haben wir uns hier nicht. Mal sehen, ob wir dem Land mit einem Besuch des Nordens nächstes Jahr noch eine zweite Chance geben…

 

 

Strand von Vilanculos
chillen vom Feinsten...
Palmenstrand in Morrungulo
Morgenstimmung in Maxixe
bei den Fischern von Maxixe
die Fische werden in großen Bottichen an Land gebracht
bei den Fischern von Maxixe
großer Sardinenfang
buntes Treiben bei den Fischern von Maxixe
viele Sardinen wurden gefischt
bei den Fischern in Maxixe
Netze werden repariert
stimmungsvolle Palmen- und Mangrovenlandschaften
Sonnenaufgang über dem Indischen Ozean
Whale-Watching am Strand von Xai-Xai

Afrika - Swaziland / 2. Teil – Südafrika / 11. Teil – Lesotho / 4. Teil

14. September 2017 – 16. Oktober 2017

Alltag in Afrika – immer wieder unglaublich…

Kaum zu glauben, aber selbst nach so langer Zeit überrascht uns immer der alltäglich Wahnsinn auf diesem Kontinent! Wilderei in den Nationalparks, Leben im Dreck in den ehemaligen Homelands, schön geredete burische Vergangenheitsbewältigung, grauslich schlechte Reparaturen. Doch lest selbst…

Save the Rhinos!

Noch in den Sechzigerjahren streiften über 100.000 dieser urweltlichen Kolosse durch die Savannen und Steppen des südlichen und östlichen Afrikas. Einige Jahrzehnte später lokalisierte man gerade noch 5.000 von ihnen! Gut überwachte Nationalparks verhinderten ein Aussterben der Nashörner, die jedoch auch heute noch gewissenlosen Wilderern immer wieder zum Opfer fallen.
Irgendwann hat irgendjemand den Chinesen die Mär ins Gehirn gesetzt, dass pulverisiertes Rhinohorn potenzschwachen Herren wieder auf die Sprünge hilft. Und seitdem sind sie regelrecht verrückt nach diesem völlig wirkungslosen „Wundermittel“. Der Kilopreis ist weit höher als der Goldpreis, und so gelingt es den skrupellosen Zwischenhändlern immer wieder, schwarze Mitarbeiter der Nationalparks zu bestechen, damit sie ungehindert dort eindringen und die Rhinos abschlachten können, um an das begehrte Horn zu gelangen. Erst vor einigen Wochen gelang es ihnen wieder, im eigentlich ganz besonders gut bewachten Hluhluwe Nationalpark dreißig(!) dieser herrlichen Tiere zu töten! Die involvierten Ranger, die zum Schutz der Tiere dort ihr Geld verdienen, waren wieder einmal den Verlockungen der Chinesen erlegen.
Solange die Strafen für dieses Vergehen eher belanglos bleiben und sich das Gehirn der für diesen Stoff empfänglichen Chinesen weiterhin eher im Schritt denn im Kopf befindet, wird sich hier nichts ändern. Uns bleibt dabei nur zu hoffen, dass sich die Rhinos weiterhin ebenso verlässlich vermehren wie die Chinesen…

Homelands – die traurige Vergangenheit der Apartheid

Es war die wohl brutalste Machenschaft des südafrikanischen Apartheidsystems – Schaffung der sogenannten Homelands, in denen die schwarze Bevölkerung unmenschlich und ohne Rücksicht auf engstem Raum zusammengepresst wurde, wie in einem riesigen Gefängnis! Nach der politischen Wende vor rund fünfundzwanzig Jahren wurden diese Homelands zwar offiziell aufgelöst, es änderte sich jedoch nicht wirklich etwas an der schlimmen Situation der Menschen, trotz der heeren Versprechungen der ANC. Im Gegenteil, inzwischen hat sich die Bevölkerung verdoppelt!
Die Realität sieht so aus: Arbeitslosigkeit gut 70%! Infrastruktur schlechter denn je! Über die Hälfte der Bevölkerung jünger als fünfzehn Jahre! Flächendeckender Müll und Dreck!
Zukunftsprognose? Wollt ihr nicht wirklich wissen…

Die Schlacht am Bloodriver – Anfang vom Ende der Zuluherrschaft

16. Dezember 1838: träge fließt der Ncome in seinem gewundenen Bett durch die grasige Ebene zwischen den umliegenden Hügeln. Strategisch günstig lässt Andries Pretorius seine 470 Männer eine unüberwindbare Wagenburg aus den rund fünfzig Ochsenwagen aufstellen. Die Voortrecker sind auf Rachefeldzug, wollen den Tod von Piet Retrief und seinen Getreuen rächen, die von Zulukönig Dingane so hinterhältig ermordet wurden. Er steht nun mit über 10.000 seiner Krieger den Buren gegenüber, um diese endgültig aus seinem Stammesgebiet zu vertreiben.
Nach aufmunternden Gesängen stürmen die aufgeputschten Zulus gegen die hinter ihren Wagen gut geschützten Voortrecker an. Salve um Salve mäht die ungestüm anrennenden Zulukrieger nieder, nach drei großen Angriffswellen liegen 3000 von ihnen tot vor den Wagen, färbt ihr Blut das Wasser des Ncome rot. Die Voortrecker beklagen keinen einzigen Gefallenen…
In fast schon peinlicher Glorifizierung gedenken die Buren bis heute diesem Ereignis, das letztlich zur völligen Unterwerfung der Zulus geführt hat. Dabei übersehen sie geflissentlich so manche Fakten der Geschichte und machen zweifelhafte Legenden zur Grundlage ihrer Rechtfertigungen, die zu diesem Feldzug geführt hatten. Gegenüber dem Heldenmuseum der Buren, im nach der Zeit der Apartheid geschaffenen Museum der Zulu, werden viele seltsam anmutende Darstellungen plausibel und historisch beleuchtet.
Es bleibt einem selbst überlassen, sich ein entsprechendes Urteil nach dem Besuch der Gedenkstätte und der beiden Museen zu bilden…

Unfall in Roma (Nein, nicht in Italien, sondern in Lesotho…)

Über fünf unfallfreie Jahre auf Achse, nun hat es uns erwischt! Nach einer bei bestem Sonnenwetter sehr schönen Fahrt über die hohen Pässe Zentrallesothos erreichen wir am frühen Nachmittag Roma. Wir wollen eine Tankstelle auf der von uns aus gesehenen rechten Straßenseite anfahren, was beim hier herrschenden Linksverkehr natürlich das Queren der Straße bedeutet. Also Gegenverkehr passieren lassen, ordnungsgemäß den Blinker gesetzt und – „Achtung, da kommt einer!!!“ Connys Aufschrei kommt um den Bruchteil einer Sekunde zu spät. Schon knirscht Metall auf Metall, zersplittert Glas - ein weißer Pickup wollte uns überholen, taucht rechts neben uns auf.
Mit der Außenkante unserer massiven Stoßstange, die sich dabei völlig verformt und natürlich sämtliche Lichter zersplittert, reißen wir bei dem Pickup die gesamte linke Seite auf. Was für eine Scheiße! Der junge Fahrer ist reichlich verstört, die Menge der Schaulustigen sofort unübersehbar. Ein Zeuge der ganzen Aktion zeigt Ruhe und Übersicht, verständigt die Polizei, bringt mich wieder ins Gleichgewicht. Conny macht Fotos, während die Polizei eintrifft, die ganze Sache ruhig zur Kenntnis nimmt und uns mit auf die Wache nimmt.
Der Halter des Fahrzeugs trifft ein, der polizeiliche Report wird geschrieben, die Schuldfrage steht für alle ohne Zweifel fest. Doch weder der Fahrer noch der Halter des Unfallverursachers ist versichert, eine in Afrika übliche Situation. Wir einigen uns darauf, dass wir morgen nach Maseru fahren, einen Kostenvoranschlag machen lassen. Und dann können wir nur hoffen, dass der Halter des Unfallfahrzeuges über genügend Geld verfügt…
Die Höhe des Kostenvoranschlages lässt den Unfallverursacher verzweifeln, soviel Geld hat er einfach nicht. War ja klar! Nun wollen er und sein Kumpel die Teile billiger besorgen, klappt natürlich nicht. Also reparieren. Inzwischen ist fast eine Woche vergangen, in unserem Stadtviertel kennt uns inzwischen jeder, unser Unfall vom letzten Sonntag ging längst die Runde.
Die „reparierte“ Stoßstange kommt. Was für eine Schrottreparatur! Passt natürlich hinten und vorne nicht! Nehmen sie wieder mit. Wieder ein Tag rum! Nächster Versuch, direkt bei uns am „Manni“: Schweißgerät, Vorschlaghammer, Flex - die üblichen, afrikanischen Feinmechanikwerkzeuge. Wir könne kaum zuschauen, was für eine Stümperei! Die Flex sprüht Funken auf unsere nagelneue Windschutzscheibe, jetzt haben wir drei Dutzend kleiner Schmelzpunkte darin. „Sorry, man…“ Wir könnten kotzen! Nehmen die Stoßstange wieder mit, zum bepinseln…
So, jetzt hängt die Stoßstange wieder dran, „Manni“ schaut zwar aus wie ein einäugiger Pirat so ohne rechen Frontscheinwerfer, aber geht schon. „Ois easy“, wie der Afrikaner so sagt… Haben noch rund 400 Euro bekommen, um Lampen in Südafrika zu kaufen. Alles in allem können wir froh sein, dass es so ausgegangen ist, denn normalerweise bist Du bei einem Unfall in Afrika immer der mit der Arschkarte!

 

 

Bienenfresser
Breitmaulnashörner
Nashörner, vom Aussterben bedroht
Grünmeerkatze
kuschlige Hippo-Familie
Krokodil
schöne Parklandschaft in Swaziland
die Roan Antilopen haben reichlich Nachwuchs
Wasserbock-Familie
große Büffelherde
Wagenburg-Monument am Blood River
Schnee in den Bergen Lesothos
oje! Unfall in Roma
afrikanische Wertarbeit
...mit Gewalt geht alles...

Afrika - Südafrika / 12. Teil

17. Oktober – 20. November 2017

Wendepunkt…

Westliche Drakensberge, ehemaliges Homeland Transkei, einsame Wildcoast, faszinierende Begegnungen im Addo Elephant Park, dichte Wälder im Tsitsikamma National Park, touristische Garden Route – schon viel haben wir darüber berichtet, deshalb lassen wir diesmal hauptsächlich die Bilder für sich sprechen…

Whale Watching

Im August kommen sie den weiten Weg von der Antarktis herauf, die Southern Right Whales, vollgefressen und bis zu fünfundsechzig Tonnen schwer. Hier in den wärmeren Gefilden an der Küste Südafrikas bringen sie nun ihre Jungen zur Welt. Als Säuger sind sie lebend gebärend, das Kleine wiegt bei der Geburt mal locker eine Tonne! 600 Liter Milch saugt es nun über die nächsten Monate täglich, um sich für den gefährlichen Weg zurück in die Antarktis zu stärken.
Jetzt im November ist es bald soweit. Die Jungtiere sind bereits erstaunlich gewachsen und toben oft übermütig herum. Sie kräftigen sich gerne mit spektakulären Sprüngen hoch aus dem Wasser und schlagen laut krachend mit ihrer mächtigen Schwanzflosse und den Seitenflossen auf die Wasseroberfläche, während sich die riesigen Muttertiere energiesparend kaum von der Stelle bewegen, da sie während der ganzen Monate hier in den ruhigen Buchten nahe der Küste fast nichts fressen. Mit letzter Kraft erreichen sie dann im Januar wieder die Antarktis, wo der nährstoffreiche Plankton auf sie wartet.
Vor allem nachts hören wir sie schnauben und brummen, oft fast einem eintönigen Singsang gleich. Dieses Jahr sind besonders viele Wale hier, dies ist nicht immer so. Wir sind sehr froh darüber, dass wir die Giganten der Meere doch noch in einer solchen Fülle und direkt vor unserer Nase erleben dürfen!

Cap L`Agulhas zum Zweiten – ab jetzt zeigt unser Navi endgültig immer nach Norden…

Der Zufall führte wohl Regie – auf den Tag genau vor zwei Jahren standen wir das erste Mal hier, am südlichsten Punkt Afrikas! Wir erinnern uns gerne an diesen für uns so emotionalen Moment, nach unserer „Transafrika“ hier unten sein zu dürfen.
Heute, nach 52.520 Kilometern und genau zwei Jahren, nach wundervollen Erlebnissen in den Ländern des südlichen Afrikas, stehen wir also wieder hier. Ein bisschen Wehmut schwingt schon mit, denn ab jetzt geht es nur noch nach Norden – unsere Zeit im südlichen Afrika neigt sich definitiv dem Ende zu.
Nach der für uns so problemlosen „Transafrika“ und der entspannten Zeit in den Ländern hier unten beginnt nun in Kürze also der dritte Teil unseres „Abenteuer Afrika“ – die Fahrt über Ostafrika hinauf in die arabische Welt. Wir freuen uns schon sehr auf für uns Unbekanntes; hoffen wir mal, dass auch weiterhin alles so gut läuft wie bisher…

 

 

idyllischer Übernachtungsplatz am Tele River
herrliche Bergpässe in den westlichen Drakensbergen
tolles Panorama am Lundean´s Nek Pass
spannende Auffahrt zum Bidstone Pass
grüne Oasen in den westlichen Drakensbergen
Rundumblick aus 3000 Meter Höhe
friedliche Berglandschaft bei Elliot
die Bucht von Mazeppa Bay
Elefanten im Addo Elephant NP
die Kleinen werden liebevoll beshützt
unheimliche Begegnung mit dem Büffel
...verspielt
schaut aus, als wäre er glücklich!
Wal-Beobachtung in der Bucht von De Kelders
der Kopf eines Southern Rigth Wale
gigantisches Erlebnis!
Cap d´Agulhas - ab hier geht es nur noch nördlich

Afrika - Südafrika / 13. Teil

21. November – 19. Dezember 2017

Fazit: Südafrika – wohin führt Dein Weg?

Während der vergangenen zweieinhalb Jahre verbrachten wir vier Mal neunzig Tage, also ein ganzes Jahr, in diesem facettenreichen Land. Wir diskutierten mit unzähligen Menschen über die Alltagsprobleme, besuchten mehrere Einrichtungen von Kirche und Staat und genossen die touristischen Angebote wie Wildparks oder Naturreservate. Können wir uns ein Urteil erlauben? Wir denken ja…
„Wir sind die Regenbogennation! Gemeinsam sind wir stark, gehen einer guten Zukunft entgegen!“ Nelson Mandelas hoffnungsvolle Worte klingen noch heute in den Ohren optimistischer Südafrikakenner nach. Doch was ist davon wirklich geblieben? Nun, nehmen wir es vorweg – eigentlich nichts!
Gut, die große, gewalttätige Abrechnung mit den Weißen, die für jahrzehntelange, unmenschliche Apartheidpolitik verantwortlich waren, ist glücklicherweise ausgeblieben. Doch das war es dann auch schon mit der Habenseite. Vor allem seit der allgegenwärtige und in seinen Grundfesten durch und durch korrupte ANC mit Präsident Zuma an der Spitze das Land auf „Linie“ gebracht hat, geht es fast erdrutschartig bergab mit Wirtschaft und Gesellschaft. Ein Staatsführer, der nach gerade mal vier(!) Grundschuljahren kaum des Lesens und Schreibens mächtig und dessen logisches Denkvermögen lediglich die eigenen Taschen zu füllen imstande ist, eignet sich wohl kaum, das Erbe eines Nelson Mandelas zum Wohle der Gemeinschaft umzusetzen.
Farm- und Firmenenteignungen sollten eigentlich soziale Umverteilung garantieren, der schwarzen Mehrheit endlich einen akzeptablen Anteil am Staatsvermögen garantieren. Doch damit wurden lediglich funktionierende Kreisläufe aus der Bahn geworfen, Schüsselpositionen in unfähige Hände übertragen. Heute, nach einem Vierteljahrhundert schwarzer Regierungsmacht, geht es Südafrika schlechter denn je. Fünfzig Prozent Arbeitslosigkeit bilden den Nährboden für ein unkalkulierbares Gewaltpotential, ein Bevölkerungszuwachs von unglaublichem Ausmaß entzieht jeglichem Reformansatz den Boden unter den Füßen. Die schwarze Elite sicherte sich die Pfründe der weißen Machthaber, ohne sich ernsthaft damit zu beschäftigen, den armen Massen ein Mindestmaß an Lebensqualität zu gönnen.
Anstatt auf der Welle der positiven Begeisterung, die Nelson Mandela vor über fünfundzwanzig Jahren hervorrief, in eine für afrikanische Verhältnisse traumhafte Zukunft zu gleiten, rutscht das Land, das einst europäisches Wirtschaftsniveau zu bieten hatte, in atemberaubender Geschwindigkeit immer mehr auf den Stand seiner Nachbarn ab. Doch noch gäbe es Gelegenheit, das Ruder herumzureißen…
Der gemeine Tourist, der dieses herrliche Land im Rahmen seines Jahresurlaubes oberflächlich bereist, bekommt von alldem nichts mit. Die Metropole Kapstadt mit der prachtvollen Gardenroute,
der tierreiche Krügerpark und historische Weingüter, anspruchsvolle Golfplätze und perfekte Hotelanlagen suggerieren dem durchgebuchten Besucher, in einem märchenhaft schönen Land unterwegs zu sein. Doch der Alltag sieht ganz anders aus!
Das Jahrhundert der Apartheid ist nur oberflächlich verschwunden. In den Köpfen derer, die es gestalteten und die es erleiden mussten, ist sie nach wie vor präsent. Die Gesellschaft ist streng zweigeteilt, obwohl der Staat gemischte Schulen, offene Kirchen, freie Arbeitsplatzwahl und gemischte Partnerschaften ermöglicht. In allen privaten Bereichen herrscht weiterhin eine strenge Trennung von Schwarz und Weiß vor. Kaum jemand scheint in der Lage, den Kopf von der Vergangenheit zu befreien, Befangenheit im Umgang miteinander ist überall spürbar.
Besonders krass fallen die unterschiedlichen Lebensumstände auf. Hier rein weiße, noble Villenviertel, dort erbärmliche Townships. Auf der einen Seite edle Estates, umzäunt wie Hochsicherheitstrakte, andererseits Homelands mit Massenarbeitslosigkeit und einer fassungslos machenden Bevölkerungsdichte. Die weiße Bevölkerung Südafrikas grenzt sich nach wie vor klar ab von der zehnfachen Übermacht der schwarzen Massen. Und sie muss es tun, denn sonst geht sie unter – und mit ihr das ganze Land! Jahrzehntelanges Verhindern notwendiger Schul- und Berufsausbildung schafften ein Heer arbeitsloser und meist auch arbeitsunwilliger schwarzer Menschen. Doch auch die schwarzen Machthaber verschließen heute ihren Brüdern und Schwestern die Möglichkeit einer guten Bildung, denn sie vertrauen darauf, dass ungebildete Massen einfacher zu kontrollieren sind. Da unterscheiden sie sich nicht sehr von ihren weißen Apartheidvorgängern!
Doch genug der erschreckenden Realitäten – wenden wir uns den schönen Dingen zu…
Südafrika begeistert mit unglaublich vielfältigen Landschaften und einer fantastischen Tierwelt. Die Kapregion lockt mit karstigen Gebirgen, bewachsen von einer hauptsächlich endemischen Flora, die faszinierend ihresgleichen sucht. Gigantische Wale tummeln sich im eiskalten Wasser der beiden hier aufeinander prallenden Ozeane, listige Haie lauern auch nahe der Ufer auf ihre Chance, lustig anzuschauende Pinguine watscheln auf Felseninseln umher, immerzu schnatternde Tölpelkolonien bevölkern so manches Eiland. Dahinter verlieren sich die Wüsten der Karoo und der Kalahari in der unendlichen Weite, die sich nach einer kurzen Regenperiode in ein fast unrealistisches Blumenmeer verwandelt. Majestätisch erheben sich die grünen Drakensberge fast senkrecht aus den wogenden Weizenfeldern, gespeist von den ergiebigen Regenfällen der subtropischen Stürme an der Wildcoast. In den vor Wilderern einigermaßen geschützten Naturreservaten locken die interessantesten Wildtiere Afrikas – Elefanten und Nashörner, Löwen und Geparden, Giraffen und Zebras, Leoparden und Hyänen, Büffel und Nilpferde; nicht möglich, sie alle aufzuzählen…
Die Geschichte Südafrikas ist vor allem die Geschichte der hier lebenden Menschen. Und die damit entstandenen Probleme. Elf lokale Ethnien, allen voran die der Zulu, der Xhosa und der Sotho, gepaart mit Millionen Flüchtlingen aus den umliegenden Ländern sowie den weißen Einwanderern, die vor rund 350 Jahren anfingen, das Land in Besitz zu nehmen, prägen die Gesellschaft. Sie alle sind auf der Suche nach einer gemeinsamen Zukunft. Auf der Suche nach der einmaligen Gelegenheit, die von Nelson Mandela heraufbeschworene Regenbogennation zu schaffen.
Sie werden es nicht schaffen…

 

Blumenmeer in Pringle Bay
altehrwürdiges Weingut Vergelegen
Rosengarten im Weingut Vergelegen
Königsprotea im Jonkershoek NR
im Weingut Boschendal
Pinguin am Strand von Boulders
Good bye Kapstadt!
Tölpelkolonie in Lambert´s Bay
Tölpel beim Start

Afrika - Namibia / 12. Teil

20. Dezember 2017 – 17. Januar 2018

Wieder mal ein Jahreswechsel in Afrika – und ab auf Heimatbesuch nach Deutschland!

Namibia im Januar, das heißt Hitze. Bis nahezu fünfzig Grad heiß kann es werden. So verbringen wir die meiste Zeit irgendwo am Wasser. Der Naute Dam im Süden entpuppt sich hier als echter Geheimtipp: Freies campen direkt am See, nur ab und zu ein paar Angler, so gefällt es uns. Und auch die Woche in Swakopmund am Atlantik ist herrlich erfrischend.

Nach fast vier Jahren ununterbrochenem Reisen quer durch Afrika bereiten wir uns auf unseren ersten „Heimaturlaub“ vor. Sechs Wochen lang haben wir Zeit, diverse Behördengänge zu erledigen, Ärzte zu konsultieren und uns von Familie und Freunden durchfüttern zu lassen. Besonders auf letzteres freuen wir uns schon sehr!

Es ist schon ein etwas eigenartiges Gefühl, nach so langer Zeit wieder einmal nach Deutschland zurück zu kehren. Vieles scheint sich nicht geändert zu haben – die Kanzlerin ist immer noch dieselbe und die Bayern sind immer noch Deutscher Meister. Und doch beunruhigt uns so manches: Wie werden wir auf die Hektik, den Verkehr, die Kälte reagieren? Mal sehen…

18. Januar, wir sind gut gelandet. Und sind sofort positiv überrascht: Nach nur sensationellen fünfunddreißig Minuten nach dem Aufsetzen unseres Airbus` sitzen wir schon in der S-Bahn nach Sauerlach! Aussteigen, Passkontrolle, Gepäckband, Zoll, Fahrkartenkauf – das flutscht. Wir stellen unsere Koffer neben die Türe in der S-Bahn, setzen uns zwei Sitzgruppen weiter. Und auch nach zwei Dutzend Stationen ist das Gepäck noch da! Mach das mal in Kapstadt oder so… Fast lautlos gleitet der Triebwagen an den Hütten der Münchner Townships vorbei, die sich in den Schatten der Gleise ducken. Township-Hütten? Bei näherem Hinsehen entpuppen sich die kleinen Siedlungshäuschen jedoch als blitzsaubere Schrebergartensiedlungen. Also alles in Ordnung. Am Ostbahnhof huscht unser fragender Blick unsicher zwischen den herumeilenden Menschen und den vielen Geleisen hin und her. Sofort werden wir von einem freundlichen Münchener angesprochen, ob wir Hilfe benötigen würden. Teil der neuen Willkommenskultur? Oder einfach die alltägliche Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft?

Der erste Eindruck nach vier Jahren ist also ausnahmslos positiv. Schön! Na, dann lass uns das Abenteuer Deutschland mal angehen…

 

 

Happy New Year!
Blick auf den Naute Dam
Abendstimmung am Naute Dam
Blick vom Gipfel der Blutkuppe
neuentdeckte Felszeichnungen an der Blutkuppe
Travellertreffen am Strand von Swakopmund
Weberei in Swakopmund

Deutschlandbesuch!

18. Januar – 28. Februar 2018

Heimatbesuch? Oder doch nur „Urlaub“?

Vor fast vier(!) Jahren haben wir Deutschland das letzte Mal verlassen und sind seitdem durch ganz Afrika gefahren. Nun also beamen wir uns mal eben über Nacht zurück in eine andere Welt. Wie wird es uns dabei ergehen?

Es ist bitterkalt! Schnee bedeckt alles um uns herum, die Sonne ist abgetaucht. Einreise und öffentlicher Nahverkehr flutschen, rasch sind wir in Sauerlach und anschließend in unserer „Leihwohnung“. Wir kaufen ein, Supermarktangebote erdrücken uns fast, wir sind erfreut über die günstigen Preise. Letztlich brauchen wir aber nichts, denn wir werden sechs Wochen lang durchgefüttert von Familie und Freunden.

Zwei sonnige Traumtage lassen uns die Skitourenausrüstung entstauben. Bei Minus fünfzehn laufen wir los, erste Sonnenstrahlen blitzen durch den erstarrten Winterwald. Der Pulver ist federleicht, freudig ziehen wir bergan. Nach drei Stunden schleppen wir uns auf den Gipfel, die gewohnte Kondition scheint irgendwo in Afrika verloren gegangen zu sein. Doch als wir wenig später unsere Zöpfchen in den Pulver zaubern ist die Leichtigkeit wieder da…

Skype und Facebook, Mail und Whats App machten es möglich – als wir unsere Lieben in die Arme schließen, scheint es gar nicht so lange her gewesen sein, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben. Vieles scheint wie immer. Trotzdem, persönlich zusammen zu sein ist halt doch was ganz anderes… Wir genießen die Zeit, die wir mit unseren Familien und vielen unserer Freunde verbringen. Wir werden nach Strich und Faden verwöhnt, erzählen und diskutieren Abende lang und unsere Kehlen werden mit guten Weinen geschmiert. Danke an Alle, die unseren Besuch zu etwas ganz Besonderem gemacht haben!

Was hat sich für uns verändert? Was fällt uns auf? Nun, die Menschen in Deutschland scheinen mehr denn je in ihre Smartphones entrückt zu sein, neun von zehn laufen mit starrem Blick auf die Kommunikationstechnik herum. Die Anzahl fremdländisch aussehender Mitbürger hat spürbar zugenommen. Ergebnis der propagierten Willkommenspolitik? Die Alltagshektik bestimmt das Leben hier, freie Termine für Spontanes sind nahezu unmöglich geworden.

Es war schön, mal wieder im alten Leben vorbei geschaut zu haben. Aber zurück dorthin? Nein, sicher nicht; unser Leben, unsere Sichtweise auf Vieles hat sich doch sehr verändert. Und als wir in Windhoek nach sechs schönen, aber auch anstrengenden Wochen wieder afrikanischen Boden unter den Füßen spüren, da fühlen wir es sofort: wir sind wieder zuhause!

 

Während unseres Deutschlandaufenthaltes konnten wir dem Münchner Merkur ein umfassendes Interview mit dem Thema "Afrika vernichtet sich selbst" geben. Das komplette Interview sowie die zahlreichen, sehr aufschlussreichen Kommentare könnt Ihr im Merkur online nachlesen

 

 

Familientreffen in Sauerlach
lustige Abende mit Connys Familie in Zwickau
Eiskalt und Kaiserwetter - Traumbedingungen für eine Skitour auf die Scheinbergspitze
zweiter Traum-Skitourentag auf die Hochplatte am Achensee
Aufstieg auf die Hochplatte
Pulverschnee-Abfahrt vom Feinsten!

Afrika - Namibia / 13. Teil

09. März – 12. April 2018

Tolle Erlebnisse zum Abschied!

Es ist unsere endgültige Abschiedsrunde durch unser geliebtes Namibia. Wir steuern noch einmal unsere bevorzugten Gegenden an: Spitzkoppe, Brandberg, Desolation Valley, Kaokoveld. Und wir nehmen wieder viel mit…

Wenn das trockene Flussbett zum reißenden Strom wird…

Namibia ist ein extrem trockenes Land. Eigentlich. Aber alle paar Jahre fällt die Regenzeit im Norden intensiver aus als üblich. So wie jetzt gerade. Ein Segen für die Menschen, für die Landwirtschaft. Und für die Natur. Überall sprießt es fast über Nacht, man kann dem Gras buchstäblich beim Wachsen zusehen. Urplötzlich legt sich ein grüner Flaum über die sonst so kargen Ebenen, schlagen die vertrocknet scheinenden Büsche und Bäume aus.

Wenn hier der Regen kommt, dann kommt er wirklich, nicht so ein Kinderkram wie bei uns in Mitteleuropa. Nein, partiell stürzt dann das Wasser buchstäblich vom Himmel, setzt den staubtrockenen Boden mit einer Regenmenge unter Wasser, die er nicht aufnehmen kann. Und so fängt dieses Wasser sofort das Fließen an. Jede Senke wird genutzt, jede abschüssige Fläche wird zum Transporteur.

Du sitzt viele Kilometer weg von diesen Sturzbächen, siehst höchstens am Himmel eine Veränderung. Alles easy, denkst Du, keine Gefahr im Verzug. Das ausgetrocknete Flussbett vor Dir suggeriert Wüstenalltag. Stunden später plötzlich ein heftiges Rauschen. Was ist das denn? Blick nach oben, die Sonne lacht Dich an. Und dann kommt Bewegung in Dein Flussbett vor Dir. Wie aus dem Nichts schießt ein Sturzbach an Dir vorbei, wenn Du Glück hast. Wenn nicht, ist`s ne Flutwelle, leicht einen Meter hoch.

Fassungslos starrst Du in die alles mitreisenden Fluten. Ganze Bäume kommen vorbei, auch mal ein totes Tier. Und Du kapierst, wer hier ansagt. Die Natur ist hier immer noch der Chef…

Dein Reiseplan gerät aus den Fugen, Pisten und Furten sind in minutenschnelle unpassierbar geworden, oft auf Tage hinaus. Du hängst fest, irgendwo zwischen zwei bis vorhin so harmlos erscheinenden, trockenen Flussbetten. Und Du lernst, den Faktor Zeit anders wahrzunehmen, denn Dein Schönwetterplan ist nichts mehr wert.

Ganz Schlaue nutzen die landschaftlich oft herrlich einladenden Flussbette zum Campen. Klasse Idee, ist ja trocken, kein Wölkchen am Himmel. Wie heißt es so schön? In der Wüste ertrinken mehr Menschen als das sie verdursten. Du fängst an, den Sinn dieses Spruches zu verstehen…

Am nächsten Tag ist alles wieder gut, Der Fluss ist durch, das mitgerissene Allerlei weg, und Dein Wagen passiert die anvisierte Furt mit Leichtigkeit. Bis zum nächsten Schauer. Irgendwo im Hinterland…

 

Tabaluga…

Ich steige in die Eisen, „Manni“ knickt vorne ein, kommt fast augenblicklich zum Stehen, Conny küsst fast die Frontscheibe. „Ein Chamäleon!“, rechtfertige ich meine scheinbar hirnlose Vollbremsung. „Hoffentlich bin ich nicht drüber gerollt!“

Wir steigen aus, gemächlich erklimmt es gerade einen dürren Busch am Pistenrand. Die schnellsten sind sie ja nicht gerade. Und eigentlich ganz handsam und friedlich. Der aber nicht, der faucht uns an, schnappt mit seinen winzigen Zähnen nach meiner Hand. Keine Chance, schon sitzt er auf meinem Arm, schaut mit seinen rotierenden Augen aufgeregt in unabhängigen 270 Grad Umdrehungen.

„Komm, wir nehmen ihn mit, da lassen sich bestimmt tolle Fotos beim Insektenfangen machen!“ Conny bastelt aus einem leeren Rotweinkarton geschwind ein Terrarium, und schon fährt er im Fußraum mit. Chamäleons sind nicht ortsgebunden, also spielt es keine Rolle, ob wir ihn später ein paar Kilometer weiter wieder aussetzen.

Wir gestalten eine Fotobühne. Steine, Grünzeugs. Und fangen Insekten. Termiten, Heuschrecken, Spinnentiere. Drapieren sie als zappelnden Köder ins rechte Licht, setzen Tabaluga, wie unser neuer Hausfreund nun heißt, dazu. Und es funktioniert, scheinbar unbeteiligt fixiert er die zappelnden Leckereien mit einem Auge, mit dem anderen lässt er keinen Blick von uns. Blitzschnell schnellt seine klebrige Zunge weit heraus, stülpt sich über das Insekt und Schwupps, ist es auch schon verschlungen. Viel zu schnell für die unsere Kamera. Also nochmal. Und wieder. Aber keine Einstellung kann die Geschwindigkeit, mit der die Zunge hervorschnellt, perfekt einfangen, unglaublich! Aber bis er satt ist, gelingen Conny doch noch ein paar spektakuläre Aufnahmen.

Drei Tage lang füttern wir ihn, doch dann nutzt er einen unbeobachteten Moment und weg ist er…

 

Ist das hier noch auf der Erde?

Rot. Nein, nicht einfach nur rot. Rot in allen nur denkbaren Nuancen. Und Gelb. Auch in allen Schattierungen. Auch Schwarz. Und Braun. Ocker ist auch dabei. Nur Grün, das ist selten. Aber wenn es hervorbricht, von kurzen, aber heftigen Schauern zum Leben erwacht, dann explodiert es.

Tafelberge. Einer am anderen. Andere Berge mit lustigen Häubchen, unbezwingbare Schutthalden bis zum Fuß. Bergketten, im Abenddunst violett bis grau, bis zum Horizont. Unendlich. Dazwischen mal wieder ein Flussbett. Sandig, zerfurcht und übersät mit Treibgut. Riesige Findlinge, knorrige Bäume.

Endlose Ebenen, Steine wie hingekegelt, mal nur einige wenige, dann millionenfach gestreut. Plötzlich Sanddünen, dort wo Stein langsam zerbröselt. Kontraste. Und zwischendurch immer wieder mal ein einsamer Oryx, träge vor sich hin trottend, oder ein paar lustige Springböcke. Auch Bergzebras streichen manchmal umher, auf der Suche nach dem spärlichen Wasser, dem seltenen Grün.

Seit Tagen keine Menschenseele. Kein Geräusch, das nicht hierher gehört. Meist gar keines. Stille, die in den Ohren summt. Nur wir. Und das Nichts.

Wir sitzen auf einem exponierten Hügel, hoch über einem lebensfeindlichen Tal. Unsere Sinne kämpfen mit den Darbietungen der Natur, können sie kaum greifen. Zu fremd ist hier alles, so öde, aber doch voller Kraft. Die Sonne brennt alles Leben aus den Steinen; wenn sie sich hinter den bleichen Hügeln zurückzieht, atmen wir durch. Bevor uns der wohl unglaublichste Sternenhimmel in seinen Bann schlägt…

Es gibt nicht viele solcher Fleckchen auf unserer Erde. Das Desolation Valley gehört dazu…

 

Familienrunde…

Die Idee wurde beim gemeinschaftlichen Abendessen in Zwickau geboren. „Wir kommen Euch besuchen, mieten uns einen Camper mit Dachzelt und fahren zwei Wochen mit Euch durch Euer Namibia. Wir wollen mal sehen, wie Ihr so lebt da unten.“ Connys Bruder Markus samt Tochter Ella sind begeistert, Schwägerin Yvonne will sich den unbekannten Aufgaben (Campingpremiere, wilde Tiere, Buschtoilette, etc.) mutig stellen.

Wir treffen uns in Kamanjab, bisher ist alles glatt gelaufen. Und starten ins gemeinsame Abenteuer. Nie gesehene Landschaften begeistern die Drei, Giraffen und Zebras, Springböcke und Oryxantilopen am Straßenrand lassen sie immer wieder anhalten und staunen. Abends brutzelt das Filet auf dem Grill und der Rotwein geht weg wie nix.

Doch dann der erste Dämpfer! Sintflutartiger Wolkenbruch in der Khowarib-Schlucht! Der Wasserstand im Hoanib steigt und steigt, der im Dachzelt auch. Wir sitzen erst mal fest, breiten das Interieur des Campers in der Sonne aus, Markus versucht mit Silikon, Löcher abzudichten.

Es geht weiter, alles wieder gut. Sesfontein, Obias-Schlucht, Buschcamping mit Donnerbalken und Schakalgeheule. „Genau mein Ding“, schwärmt Markus, als er lässig in einem sandigen Flussbett den Track sucht, den Miet4x4 durchs sperrige Gelände prügelt. Ella navigiert, Yvonne sinniert immer wieder mal, ob es die richtige Entscheidung war, mitzukommen. Doch abends ist alles wieder im Lot, Ella spielt auf der Gitarre, leckeres Essen beruhigt und die Stimmung passt.

Dann Sturm. In den Sanddünen. Sand überall. Alles knirscht. Wohl dem, der im Laster reist. Dachzeltreisen ist eindeutig näher dran an der Natur, stellen die Drei fest. Stimmung ziemlich im Dünental. Arbeitet sich aber wieder hoch, bis zum nächsten Nackenschlag: Dauerregen, mitten in einer der trockensten Gegenden der Erde. Unglaublich, was die Drei alles erleben dürfen…

Wir frühstücken bei uns im Trockenen, passt. Danach cruisen im feuchten Sand, was die Reifen hergeben. Geil! Stimmungshoch! Danach rauf bis zum Gomatum, Purros. Hier trennen sich morgen unsere Wege wieder, die Drei müssen so langsam in Richtung Windhoek aufbrechen, haben noch ein paar Hotspots unterwegs zum Anlaufen. Wetter passt, alles im Takt.

Halb sieben Uhr morgens, mit lautem Rauschen ergießt sich der Gomatum in seinem bis dato trockenen Bett. Land unter. Überall. Die Fahrt über die Hauptpiste ist also dicht. Was tun? Ausweichpiste über die Berge. Doppelte Fahrzeit nach Sesfontein, am Himmel eine pechschwarze Wolkenmauer. Keine Zeit mehr zu verlieren, los geht’s!

Die Fahrt wird zum wahren Abenteuer! Stellenweise ist die Piste nicht mehr erkennbar, alles fließt. „Ich würde mal gerne durchs Wasser fahren“. Markus` Wunsch wird zum Dauerzustand über Stunden. Doch sie schaffen es, zumindest mal bis Sesfontein. Wir sind beruhigt, als wir am Abend Kontakt zu ihnen bekommen. Doch sie sitzen noch einen Tag fest, die Hoanib-Furt ist dicht, es dauert, bis sie sich mit dem Mut der Verzweiflung durch den noch reißenden Fluss wagen.

Jetzt ist alles wieder gut, die Saat ist gesetzt, zumindest bei Markus. Mal sehen, ob der Namibia-Virus erfolgreich eingepflanzt wurde…

 

am Tag, als der große Regen kam...
der Hoanib nach dem ersten Wolkenbruch
nix geht mehr an der Furt, die Natur ist stärker
herrliche Morgenstimmung am fließenden Gomatum Rivier bei Purros
die Gewitter zaubern grandiose Farbenspiele an den Himmel
unser Tabaluga, der kleine Drache
unser Familienbesuch: Markus, Yvonne und Ella
Zufahrt ins Desolation Valley
Abendstimmung oberhalb des Huab
Querung des Huab Flussbettes
Abendstimmung im Desolation Valley
steile Uferböschung am Huab
unwirkliche Stimmungen...
tolle Farbenspiele in der Steinwüste
Traumplatz...
stimmungsvolles Spiel der Natur
Giraffen am Wegesrand

Afrika – Nambia / 14. Teil

13. April – 21. Mai 2018

Quer durch Namibias Norden…

…führt uns unsere letzte Runde in unserem Lieblingsland im südlichen Afrika. Das abgeschiedene Kaokoveld ist unser Hauptziel, danach noch einmal durch den Etosha Nationalpark auf Game Drive und schließlich entlang des Okavango und durch den Caprivi-Strefen mitten hinein in die Flusslandschaften um Kwando, Linyanti und Zambesi. Und dann ist Namibia für uns endgültig erst einmal für lange Zeit Geschichte…

Das Kaokoveld – ein Wunder der Natur

Die letzten Jahre waren eine harte Prüfung für diese Region Namibias, ganz oben im Nordwesten. Kaum Regen, alles war grau und verdorrt. Doch dieses Jahr ist alles anders…

Regen. Täglich. Und richtig viel. Das Regenradar zeigt Land unter im Kaokoveld. Wochenlang. Geduldig harren wir aus, verschieben sogar unsere Reisepläne in Richtung Ostafrika um vier Wochen, denn die diesjährige, sehr heftige und sehr spät einsetzende Regenzeit im Norden Namibias verspricht Außergewöhnliches.

Und es zahlt sich aus. Als die Zufahrtsstrecken in den einsamen Norden passierbar scheinen, wagen wir es. Mit zwei Lastern ziehen wir los, man weiß ja nie, was uns so erwartet. Wir scheinen die ersten zu sein, den fehlenden Spuren nach zu urteilen, die den Weg von Opuwo nach Westen antreten. Letzte Wasserflächen neben unserer Route lassen auf die Ergiebigkeit der Regenfälle schließen, die Fahrspur ist teilweise in erbärmlichem Zustand. Doch wir sehen es schon hier, die Natur explodiert förmlich! Bunte Blumenteppiche breiten sich überall aus, das Gras schießt regelrecht in die Höhe, die saftigen Blätter der Bäume rauschen im leichten Wind.

Dann stehen wir zu ersten Mal am Hoarusib. Die Piste ist senkrecht abgerissen, gute zwei Meter unter uns fließt er nach wie vor rasch durch sein sandiges Bett. Wir pickeln die Kante zur Abfahrt fahrbar, trassieren die wenigen Meter im Wasser mit Steinen. Klar, es funktioniert, wir kommen weiter. Es sollte die einzige, leicht kritische Stelle in den folgenden Tagen bleiben.

Die weiten Ebenen zwischen den Bergen sind unnatürlich grün, selbst die steinigen Flanken der Tafelberge um Orupembe sind von einem zarten Flaum millionenfach sprießender Gräser und Blümchen übersät. Und wohin wir auch blicken entdecken wir Tiere, die sich nun den Bauch vollschlagen dürfen.

Selbst die sonst so lebensfeindliche Sandwüste der Skeletonküste, deren Ausläufer wir westlich des Hartmannstals tangieren, ist wie verwandelt. Fast federleicht umtänzeln unsere schweren Laster hunderte scharfkantiger Sicheldünen, die nun inmitten einer herrlichen Wiesenlandschaft erwachsen. Was für ein Bild!

Der Blick hinüber nach Angola, auf der anderen Seite des Kunene, ist gefangen von Dutzenden steil hintereinander aufragenden Bergketten, die in den verschiedensten Farben brillieren. Der Kontrast heller Dünen inmitten sich im Wind wiegender roter und blauer Blumenfelder ist einzigartig. Und kaum senkt sich die glühend heiße Sonne dem Horizont entgegen, ist die Luft erfüllt von den betörenden Düften der vielfältigen Blüten.

Eine einzelne Fahrspur im roten Sand, links und rechts sattgrüne Weideflächen, nur unterbrochen von skurrilen Feenkreisen, dahinter schroffe Berge, den Horizont scharf abgrenzend. Das Marienflusstal, schön wie nur ganz selten zu erleben. Leichtfüßig tollen Springböcke umher, den Rinderherden der hier ansässigen Himbas geschickt ausweichend. Oben am Kunene ist das ganze Ausmaß der Staudammflutung bei Ruacana noch zu sehen. Schlammmassen überall, Felder und Campingeinrichtungen überflutet, unbrauchbar gemacht. Doch die Menschen arbeiten bereits daran.

Selbst die sonst so grausam kargen Steinebenen zwischen der Rooidrum und Purros leuchten silbrig hell, machen das Passieren erträglich. Wir tauchen nochmal ein in unser Granitfelsental, lassen uns von der Einmaligkeit der Szenerie verzaubern. Stundenlang wandern unsere Blicke über diesen ariden Garten der Natur, entdecken immer wieder Neues.

Und dann sind wir durch. Die Erinnerung an diese beiden Wochen, an die Einmaligkeit, die wir erleben durften, wird lange anhalten. Wahrscheinlich für immer…

 

Hautnah an den Tieren Afrikas

Wir zählen knapp dreißig Giraffen! Verspielt winden sie ihre langen Hälse im Liebesspiel, verknoten sie fast miteinander. Übermütig springen die Jungtiere zwischen den majestätisch dahinschreitenden Müttern umher. Ungelenk und übervorsichtig neigen sie sich dem Wasser zu, immer auf der Hut vor potentiellen Jägern. Doch die sind jetzt mit sich selbst beschäftigt. Sehr intensiv sogar. Und immer wieder. Scheint Spaß zu machen, muss aber auch sehr anstrengend sein, den kurzen Intervallen nach zu urteilen. Und dann sind sie nur noch müde. Zu müde zum Jagen…

Ein Ruck geht durch die Reihen der Giraffen und Zebras, der Kudus und Springböcke. Die Köpfe fahren herum, fixieren etwas am Buschrand. Ein Rhinobulle walzt heran, in einer aufgewirbelten Staubfahne. Respektvoll machen sie alle Platz. Scheint hier der Chef zu sein, hat das Wasserloch jetzt für sich alleine. Stolz reckt er sein Horn in den Nachmittagshimmel, dreht eine Runde im erfrischenden Nass. Dann trollt er sich wieder.

Plötzlich kommt Leben in die Bude: eine ganze Herde Elefanten taucht aus dem Unterholz auf. Mehr als zwanzig Dickhäuter, von der umsichtigen Leitkuh bis hin zum noch kaum laufen könnenden Kleinstrüsselträger, steuern unbeirrt dem Wasser zu. In breiter Front entern sie das Gelände, tauchen ein im Wasserloch, dass es nur so spritzt. Was für ein Spaß! Vor allem die Kleinsten kommen hier auf ihre Kosten. Nach einiger Zeit ist Schluss mit lustig, die Leitkuh drängt unmissverständlich zum Aufbruch. Nur widerwillig verlässt so mancher ohrenwedelnd die Spielwiese, doch die Chefin kennt kein Pardon.

Und zu guter Letzt schleichen noch ein paar listige Hyänen um uns herum…

 

Namibia kann auch ganz anders: üppige Natur, viel Wasser und schöne Begegnungen mit den Locals

Namibia, das ist der Inbegriff von Wüste, Trockenheit und kargem Dasein. Aber hier oben, zwischen Okavango und Zambesi, zwischen Kwando und Linyanti, eingezwängt zwischen Angola und Botswana, im Land der Kavangos und Caprivians, da strotzt die Natur nur so vor Kraft. Die ganzjährig Wasser führenden Flüsse und die von ihnen gespeisten Sümpfe schaffen ein Eldorado für Hippos und Krokodile, für Elefanten und Büffel. Und Roanantilopen, Wasserböcke, Kudus und Impalas. Und Stechmücken…

Wir verbringen Tage an diesen Flussläufen, erfreuen uns an den Herden, die zum Wasser ziehen, lauschen den Geräuschen der Nacht, wenn wir am prasselnden Lagerfeuer sitzen. Abgeschiedenheit und Ruhe, hier finden wir beides im Überfluss. Auch die Menschen hier oben sind anders. Ruhiger, gelassener. Und sehr zurückhaltend, freundlich. Kein Betteln, keine nervigen Kinder, die uns belagern. Wir verbringen Nachmittage und die anschließenden Nächte am Rand der Dörfer, niemand behelligt uns. Selbst in Rundu, der größten Stadt der Region, stehen wir zwei Tage ungestört am Okavango.

Hier ist der Hauch des zentralen Afrikas bereits zu spüren. Der Fluss ist die Lebensader, Feld an Feld säumt zwischen runden, strohgedeckten Hütten die Ufer. Vor den Hütten stampfen die Frauen die Hirse, die Männer sind mit dem Vieh unterwegs. Morgens und abends kommen sie zum Waschen der Wäsche und sich selbst. Mit Hingabe schrubben sie sich von Kopf bis Fuß, einträchtig nebeneinander. Auf der anderen Seite ist bereits Angola, doch die Menschen hier kümmert das wenig. Sie rudern mit ihren Einbäumen, den Mokoros, hin und her, niemanden stört sich daran. Ein Stamm, eine Sprache eint sie, was zählen da Staatsgrenzen.

 

Fazit Namibia

Seit nunmehr fast zwanzig Jahren kennt vor allem Conny dieses Land, gemeinsam verbrachten wir in den letzten drei Jahren mehr als zwölf Monate hier zwischen Kunene und Oranje, zwischen Atlantik und Wüste.

Namibia, Reiseziel für Millionen von Touristen, die jedes Jahr auf zu groß angelegten Rundreisen durch dieses riesige Land hetzen. Dabei ist kaum Raum für wirkliches Erleben. Und so bleiben die meisten Einmalbesucher. Schade, denn Namibia erschließt sich dem Reisenden erst, wenn er Zeit mitbringt. Und Bewusstsein für die Lebensbedingungen der Menschen, die Geschichte des Landes, um die Hintergründe zu verstehen.

Lediglich dreißig Jahre deutsche Präsenz um die vorletzte Jahrhundertwende reichte aus, dem Land einen prägenden Stempel aufzudrücken. Noch heute ist deutsches Leben, deutsche Kultur, deutsche Geschichte auf Schritt und Tritt spürbar. Meist positiv spürbar. Denn ein Großteil der gesamten Wirtschaftsleistung wird von Menschen mit deutschen Wurzeln erbracht. Ob Farmer oder Lodgebetreiber, Supermarktmanager oder Werkstattinhaber, sie sorgen dafür, dass der Laden läuft. Natürlich gemeinsam mit den burischen und englischen Nachbarn. Und mit einer Heerschar schwarzer Mitarbeiter…

Hier ist dann auch eines der ganz großen Probleme des Landes spürbar: obwohl das Land, mehr als zweimal so groß wie ganz Deutschland, nur 2,5 Millionen Einwohner hat, ist es bereits jetzt hoffnungslos überbevölkert. Wüste und Steppe machen einen Großteil des Bodens unbrauchbar,  für die Nutztierhaltung braucht der namibische Farmer zehn Hektar pro Rind! Also ziehen die schwarzen Menschen in die Ballungszentren, allen voran Windhoek. Das platzt inzwischen aus allen Nähten, die Kriminalität nimmt erschreckende Formen an. Es gibt keine Jobs, die Ausbildungen sind mangelhaft, die Schulen heillos überfordert. Soziale Spannungen aufgrund Perspektivlosigkeit – das große Übel Afrikas macht auch vor Namibia nicht Halt.

Der Tourismus ist inzwischen zur wichtigsten Einnahmequelle des Landes geworden. Doch dies hat auch jede Menge negativer Folgen. In den Ferienstoßzeiten drängeln sich bleichgesichtige, in perfektem Safarioutfit kostümierte Urlaubermassen an den wenigen Hotspots. Hauptsächlich werden sie in vielstündigen Höllenritten über staubige Pisten durch das Outback gejagt, um den Terminplan einzuhalten. Kaum einer kennt das Knacken der Zweige im lodernden Lagerfeuer, genießt das eiskalte Bier in den Dünen, erspäht all die Tiere, die sich um ihn herum bewegen.

Für uns ist Namibia zur zweiten Heimat geworden. Die entspannte Lebensart da draußen, weit weg von der Hektik der sich um sich selbst rotierenden Welt, das ist nirgendwo intensiver zu erleben. Die spröde Leere der ariden Landschaft, die doch mit unendlich vielen kleinen Wundern überrascht, die Wüstenflora, die sich schützend versteckt bis die ersten Tropfen fallen, um dann buchstäblich über Nacht zu explodieren in einer nie vorstellbaren Farbenpracht; Tiere, die dem lebensfeindlichen Umfeld auf der immer währenden Suche nach Wasser trotzen. Und die Menschen, die in Knochenarbeit dem kargen Boden ihr Auskommen abtrotzen. Immer liebenswert, manchmal schrullig, oft lässig. Unkompliziert halt.

Die Gesellschaft Namibias ist und bleibt eine Parallelwelt für Schwarz und Weiß. Es gibt nach wie vor kaum Schnittpunkte, zu unterschiedlich sind Tradition und Kultur, sind Lebensziele und das tägliche Leben. Und dies betrifft nicht nur den sozial schwachen Teil der Bevölkerung. Es ist reines Wunschdenken zu hoffen, dass sich dies eines Tages verändern wird. Dazu kann es nicht kommen, da beiden Seiten das wirkliche Interesse und Verständnis füreinander fehlt. Zu tief sind die Gräben…

Letztlich wird sich Namibia dank der weißen Wirtschaftskraft noch einige Zeit recht gut schlagen im sonst hoffnungslosen Zukunftschaos Afrikas. Doch die exorbitante Bevölkerungszunahme bei den Schwarzen und die immer höheren Belastungen der Weißen werden auch hier die entsprechenden Spuren hinterlassen. Namibia wird sich sehr verändern…

 

Palmen am Hoarusib, viel Wasser nach der Regenzeit
Blumenwiesen im sonst so kargen Kaokoveld
fröhliches Kinderlachen...
Manni im Blumenmeer
an der Groendrom
grün umsäumte Sicheldünen
auf dem Weg westlich des Hartmannstals
Dünenmeer...
ein Übernachtungsplatz ist schöner als der andere
Blick im Hartmannstal nach Angola
Morgenstimmung im Hartmannstal
Oryxantilopen - wir sichten viel Wild im Hartmannstal
Granitfelsen im Marienflusstal
Spuren im Sand...
grünes Marienflusstal
der Kunene trennt uns von Angola
Sonnenaufgang im Marienflusstal
der Regen zaubert Blütenmeere...
...Löwenspass
Spitzmaulnashorn
die Elefantenherde drängt zum Wasser
Giraffen beim Liebes-Vorspiel
Tüpfelhyänen
Steppenzebras

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