Unsere Sahara-Expedition geht weiter
Vier Wochen sind wir nun schon unterwegs in diesem unbekannten Land. Und bisher war es eine fantastische und anspruchsvolle Tour. Weitere vier Wochen liegen noch vor uns, es bleibt also spannend!
Mal sehen, wie das neue Jahr sich so anlässt …
Geheimnisvolles Ksar el Barka
Gut versteckt zwischen hoch aufragenden Felswänden und schützenden Dünen, verbergen sich die Ruinen der historischen Handelsstadt. Nur schwer erreichbar über steinige Pisten und durch tiefsandige Oueds, dämmern die alten Mauern vor sich hin.
Nach ihrer Gründung als Karawanserei Ende des 17. Jahrhunderts entwickelte sich die Siedlung rasch zu einem wichtigen Handelszentrum. Am Kreuzungspunkt der bedeutenden Karawanenwege aus Timbuktu, Marokko, Guinea, Ghana und dem Senegal gelegen, führte der wachsende Wohlstadt allmählich dazu, dass sich Ksar el Barka auch zu einem kulturellen Zentrum aufschwang. Bis heute ist die Auslegung des Islam, wie er damals hier gelehrt wurde, maßgeblich für Westafrika.
Doch Wohlstand und politische Bedeutung führten im 19. Jahrhundert vermehrt zu Stammeskriegen und Invasionen durch fremde Mächte. Auch wenn immer wieder der sofortige Wiederaufbau durch die Bewohner erfolgte, so verlor die Stadt an Bedeutung und wurde 1893 endgültig zerstört.
Als die französische Kolonialverwaltung einige Jahre später zustimmte, die Moschee wieder aufzubauen, restaurierten die Bewohner auch viele der ehemaligen Gebäude, um die Stadt wieder zum Leben zu erwecken. Doch die inzwischen verlagerten Handelsrouten verhinderten ein erneutes, dauerhaftes Besiedeln. So verfiel die Stadt ein weiteres Mal und versank im Wüstensand.
Neolithische Siedlungen am Rand eines ehemaligen großen Sees
Vor etwa 2.500 Jahren ermöglichte ein riesiger See zwischen Tichitt und Oualata auf einer Strecke von etwa 250 Kilometern, dass sich Menschen dort niederlassen konnten. Zahlreiche jungsteinzeitliche Siedlungsreste zeugen von reger Besiedelung. Erst in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden diese entdeckt und erforscht.
Die umfangreichste dieser Siedlungen wurde oberhalb der Ortes Akhreijit gefunden. Ordentlich aufgeschichtete Grundmauern markieren ein erstaunlich weitläufiges Areal, Felsgravuren sowie unzählige Fundstücke wie Reibeschalen, Werkzeuge, Pfeilspitzen und Millionen bearbeiteter Tonscherben zeugen von der Handwerkskunst der damaligen Bewohner. Hier findet sich auch der Ursprung des Feldbaus und der Viehzucht in Westafrika.
Als sich die klimatischen Bedingungen veränderten und damit der See austrocknete, wurde den Menschen damit auch die Lebensgrundlage entzogen und sie verließen diese Region, um sich weiter im Süden in der Nähe des Senegal-Flusses niederzulassen. Damit gründeten sie die Stämme der heute dort lebenden Völker.
Elefanten in der Wüste
Nach tagelanger, mühsamer Fahrt durch die abgelegene Region im Südosten Mauretaniens tauchen vor uns plötzlich skurrile Felsformationen auf. Mit dem Näherkommen verstärkt sich der Eindruck, dass sich eine überdimensionale Elefantenherde aus dem Gestein löst. In einiger Entfernung halten wir an und lassen das sich uns darbietende Bild in seiner Gesamtheit auf uns wirken.
Tatsächlich scheinen mehrere Elefanten auf uns zuzukommen. Wind und Sand schufen in Jahrmillionen eine gewaltige Skulptur, die sich je nach Blickwinkel aufs Neue sortiert und präsentiert. Fasziniert schlendern wir um den Felsblock herum, entdecken immer neue Fantasiegestalten, erblicken durch herausgescheuerte Öffnungen neue, kunstvoll modellierte Gebilde.
Der Rocher de Matrouga gehört ganz sicher zu den beeindruckendsten Sandsteinkunstwerken, die je von der Natur geschaffen wurden. Und seine nur sehr aufwändige Erreichbarkeit sorgt für zusätzliche Besonderheit.
Weltkulturerbe Oualata
Schon der Weltreisende Ibn Battuta stellte im 14. Jahrhundert fest, dass hier der „erste Ort der Schwarzen“ sei, damit das Malireich erreicht war. Doch bereits im 15. Jahrhundert verlor die Karawanensiedlung stark an Bedeutung, da die Handelswege sich mehr nach Osten über Timbuktu verschoben, obwohl der Ruhm Oualatas sich hauptsächlich auf die dort ansässige Madrasa begründete. Diese islamische Religionsschule ist bis heute intakt und unterrichtet Schüler aus verschiedenen islamischen Ländern.
Heute zieht es die wenigen Besucher hauptsächlich wegen der symmetrischen Ornamente, mit denen die Eingangsbereiche vieler Gebäude bemalt sind, in diese Weltkulturerbestätte. Die eng stehenden, lehmverputzten Steinhäuser werden von den Frauen der Siedlung verziert, und so bleibt die Jahrhunderte alte Tradition der magischen Bedeutung dieser Ornamentik erhalten. Trotz Verfall und Müll strahlt Oualata so eine geheimnisvolle Atmosphäre aus.
Die letzten Wüstenkrokodile
Das Guelta Matraucha, wunderschöne, zwischen hohen Felsen versteckte Wasserbecken, die dank einer Quelle nie versiegen, sind die Heimat einer der letzten Sahara-Krokodil-Populationen auf der Welt. Die verhältnismäßig kleinen, scheuen Echsen finden hier Schutz und Nahrung, um zu überleben.
Auf unseren Beobachtungstouren entdecken wir letztlich wohl alle zwanzig der hier heimischen Tiere. Meist liegen sie träge in der Sonne, tauchen jedoch blitzschnell ab, sobald sie sich gestört fühlen.
Doch auch sonst ist das Guelta gut belebt. Rund 300 Paviane sorgen für viel Wirbel, wenn sie in Sippenverbänden laut kreischend durch die Felsen turnen, putzige Senegal-Gundis wuseln über die sonnigen Steinplatten, Warane und Agamen huschen umher. Wir genießen, endlich wieder uns wohlbekannte Vogelrufe zu vernehmen und erspähen scheue Grautokos, Senegalracken, Reiher, Kaptäubchen und hunderte Finken.
Das Guelta Matraucha – ein kleines Paradies inmitten der öden Kieswüste …
Rinderwahnsinn am Senegal-Fluss
Die Rinderhaltung ist bei den Fulani und Tuculor, die entlang des Senegal-Flusses ihr halbnomadisches Leben führen, der zentrale Lebensinhalt und entscheidender Teil der traditionellen Kultur. Dies führt jedoch dazu, dass der soziale Stellenwert der einzelnen Sippen an der Anzahl der Rinder festgemacht wird. Überweidung und Zerstörung der Oberflächen in Flussnähe ist die Folge, so dass die gewaltigen Rinderherden in der Trockenzeit immer weniger Futter zum Überleben finden.
Alle Versuche, den Menschen die Notwendigkeit einer kontrollierten Tierhaltung näher zu bringen, scheitern an der verwurzelten Kultur. Sie verstehen nicht, dass sie letztlich ihre eigene Lebensgrundlage mit der übermäßigen Viehhaltung zerstören. Und da auch die Bevölkerung exorbitant wächst, es wuselt nur so vor lauter Kindern, sind immer mehr Rinder nötig, um das Überleben der folgenden Generationen zu sichern. Dass sie dabei allerdings ihren eigenen Lebensraum stark beeinträchtigen, erkennen sie nicht.
So müssen sie immer weiterziehen und kommen dabei natürlich mit der sesshaften Bevölkerung in Konflikt, deren bewirtschaftete Flächen von den Rinderherden bedroht werden. Und so wächst die Gefahr sozialer Unruhen.
Mauretanien – was bleibt?
Zwei Monate Mauretanien? Was macht man denn so lange in diesem öden Wüstenstaat?
Für die meisten Reisenden ist Mauretanien tatsächlich nur ein Transitland auf dem Weg nach Westafrika. Denn um hier tief einzutauchen braucht es ein Allradfahrzeug und die notwendige Erfahrung, in weiter Abgeschiedenheit unterwegs zu sein.
2.500 Kilometer auf einsamen Pisten, durch tiefen Sand und über grobes Gestein, oft waren nicht einmal Spuren zu sehen, denen wir folgen konnten. Das Navigieren erfordert Gefühl und Verständnis für ein Gelände, das sich ständig verändert.
Lediglich umherziehende Nomaden oder einheimische Pickups mit vermummten Wüstenbewohnern begegneten uns, oft sahen wir tagelang niemanden. Nur Kamele waren allgegenwärtig. In den wenigen abgeschiedenen Wüstensiedlungen führen die Menschen ein karges, für uns trostlos erscheinendes Dasein.
Ganz im Süden des Landes, am träge dahingleitenden Senegal-Fluss, da tauchten wir dann ein in das lebendige und bunte Schwarzafrika. Wie anders die Menschen hier sind! Es blitzte die Lebensfreude in den dunklen Augen, hier verzauberte uns das Lachen der Menschen, auch wenn sie meist schwer an ihren Lebensumständen zu knabbern haben.
Für uns war es eine unglaublich intensive Tour mit dem Bewusstsein, ganz weit weg von der Zivilisation und deren Infrastrukturen zu sein. Was für ein Erlebnis!
Noch viel mehr Infos und Bilder findet Ihr wie immer im Tagebuch ab dem 1. Januar 2026 - click hier
Liebe Grüße an Euch alle,
Conny & Tommy




































