Tagebuch unserer Lebensreise - 2019

In wenigen Wochen werden wir den afrikanischen Kontinent verlassen. Als wir vor rund viereinhalb Jahren in Marokko afrikanischen Boden betraten, ahnten wir nicht, dass wir eine solch lange Zeit hier verbringen werden. Aber unser Herz hängt einfach an Afrika!

Gebannt verfolgen wir nun die Nachrichten, ob sich die Unruhen im Sudan zu einer Revolution ausweiten, ob es gar Bürgerkrieg geben wird. Sollte dies der Fall sein, hätten wir ein nicht unerhebliches Problem, denn dann wäre uns der Weg gen Norden erst mal verwehrt. Dies hätte gravierende Planänderungen zur Folge.

Aber bleiben wir mal optimistisch! Nach heutigem Stand der Dinge werden wir nach Saudi-Arabien übersetzen und dann weiter in die uns vertrauten Emirates und in den Oman weiterziehen. Ganz besonders freuen wir uns anschließend auf unsere vielen Freunde im Iran, die uns schon sehnsüchtig erwarten. Wohin es uns dann verschlägt, nun, wir werden sehen…

Begleitet uns auch weiterhin, lasst Euch überraschen, wohin es uns treiben wird. Wir freuen uns, Euch die Welt aus unserer Perspektive näher bringen zu dürfen!

 

01. Januar 2019 - Was für eine tolle Berglandschaft…

Traum-Panoramaplatz!

…entlang der „Chinese Road“! So heißt die einzige Querverbindung im zentralen Bergland, erst in den Siebzigern von den Chinesen entlang und durch die schroffen Canyons getrieben.

Gestern Nachmittag hatten wir Bahir Dar noch verlassen, wir hatten keine Lust mehr auf noch eine Nacht mit den unleidigen Geräuschen einer großen Stadt. Und da der äthiopische Jahreswechsel ja sowieso zu einem anderen Datum stattfindet, war auch nicht mit Silvesteraktivitäten zu rechnen. Dazu unser nerviger Schnupfen, der unser geplantes Silvestermenü platzen ließ; wäre schade drum gewesen, so ganz ohne Geschmacksempfinden. So verschlafen wir unseren Jahresbeginn 2019 ganz unspektakulär in einem kleinen Steinbruch an der Chinese Road…

Unaufhaltsam schraubt sich die Chinesenstraße nun hoch in die Berge. Auf über 3.000 Metern Höhe erreichen wir erst Debre Tabor und dann fruchtbare Hochplateaus, auf denen gerade die gut ausgefallene Ernte eingebracht wurde. Kurz vor Nefas Meewcha reißt der Boden neben uns buchstäblich auf, ein spektakulärer Canyon gestaltet die Landschaft völlig neu. Die Straße windet sich entlang der mehrere hundert Meter tiefen Abbrüche, gibt dabei immer wieder unglaubliche Weitblicke über das Hochland frei. In einer Kehre, direkt an einer der steilen Kanten, plötzlich eine Parkmöglichkeit. Ein sensationeller Rundblick lässt uns ehrfürchtig staunen, wir entscheiden spontan zu bleiben. Einige Männer sitzen herum, begrüßen uns freundlich, weisen die wenigen Kinder in ihre Schranken und wir genießen einen völlig ungestörten Abend und eine herrlich ruhige Nacht.

Amedber – Debre Tabor – Nefas Meewcha -  Debre Zebit  -  120 km  -  1669 Tage / 119480 km

02. Januar 2019 - Auch wir pilgern nach Lalibela!

Pilgerscharen auf dem Weg nach Lalibela

Unser morgendlicher Blick aus dem Schlafzimmerfenster ist kaum zu toppen, die ganze Welt scheint sich unter uns auszubreiten! Langsam kriecht die wärmende Morgensonne über die Kante und taucht den zerfurchten Canyon in ein strahlendes Licht.

Wir frühstücken völlig unbehelligt, auch gegen zehn Uhr ist noch niemand zu uns gekommen, kein bettelndes Kind, kein neugieriger Hirte, nichts! Äthiopien einmal ganz anders! Geht doch…

In Geshena biegen wir ab nach Lalibela. Die ersten Kilometer hinunter in die rund 1.000 Meter tiefer liegenden Gefilde sind grausam schlecht, da hier die Asphaltierung vorbereitet wird. Unten angekommen, schont uns die neue Straße bis hinauf nach Lalibela. Unterwegs treffen wir auf unzählige Pilger, die zu Fuß und in überfüllten Bussen den Weihnachtsfeierlichkeiten in Lalibela zustreben.  Kurz vor der Stadt finden wir einen tollen Aussichtsplatz, den wir für die nächsten Tage zu unserem Basislager bestimmen. Dort lernen wir Melku kennen, Äthiopier mit amerikanischer Staatsbürgerschaft, der jahrelang für die amerikanische Regierung gearbeitet hat und uns stolz seine Shakehand-Fotos mit Barak Obama und Angela Merkel zeigt. Nun möchte er mit seinen verdienten Dollars eine Lodge auf dem uns gegenüber liegenden Aussichtsplateau aufbauen.

Debre Zenit – Geshena – Lalibela/Akotola  -  110 km  -  1670 Tage / 119590 km

03. – 06. Januar 2018 - Äthiopische Weihnachten in Lalibela

Pilger feiern rund um die Georgs-Kirche

Das Timing für unseren Besuch in Lalibela hätte nicht besser sein können – es ist die äthiopische Weihnachtswoche und die Stadt mit den berühmten Felsenkirchen ist der Mittelpunkt der Feierlichkeiten. Wir löhnen die völlig überzogenen 100 US-Dollar Eintrittspreis für uns beide und bewundern  vier Tage lang die historischen Bauwerke, schlendern mit tausenden von Pilgern von einer Kirche zur nächsten, lauschen den Gesängen zu den rhythmischen Trommelwirbeln und versinken in einer archaisch anmutenden Welt. Was für ein Erlebnis!

Wir werden von Melku und einigen Hoteliers der Stadt zum Abendessen eingeladen und erfahren so manch interessante Gegebenheit Lalibelas. Und wir kommen dabei auch in den Genuss einer privaten Einladung zu einem typisch äthiopischen Mittagessen.

Nach den anstrengenden, täglichen Erlebnissen ziehen wir uns dann abends auf unseren herrlichen Panoramaplatz außerhalb der staubigen und nicht zur Ruhe kommenden Stadt zurück, um uns wieder für den nächsten Tag zu wappnen.

Lalibela/Akotola  -  45 km  -  1674 Tage / 119635 km

07. Januar 2019 - Den Höhepunkt der Feierlichkeiten…

Weihnachts-Andacht für die vielen Pilger

…versuchen wir ab sechs Uhr morgens inmitten abertausender Pilger aufzunehmen, doch wir haben keine Chance, einen Blick auf die kirchlichen Würdenträger zu erhaschen. Zu viele, in weiße Umhänge gekleidete Menschen stehen und sitzen wie eine undurchdringliche Mauer um die “Bete Medhane Alem“ Kirche herum, die meisten von ihnen harrten dort bereits die ganze Nacht aus. Trotzdem ist es schön, so hautnah den inbrünstig lauschenden Gläubigen zuzusehen. Gegen neun Uhr ist das Spektakel endgültig vorbei, und wir verlassen Lalibela nach fünf spannenden Tagen. Die Stadt versinkt in quirlig-staubiger Aufbruchsstimmung, es dauert so seine Zeit, bis ein jeder in die unzähligen altersschwachen Busse und offenen Viehtransporter hineingepfercht ist. Und der Rest macht sich zu Fuß auf den zum Teil mehrtägigen Heimweg.

Unser Abstecher zum nahe gelegenen Yemrehanna Kristos Kloster endet leider abrupt am Kassenhäuschen, denn die inzwischen geforderten fünfundzwanzig Euro Eintrittspreis für uns beide sind uns dann doch zu teuer für das Gebotene. Macht aber nichts, denn die weiter führende Straße durch die Berge ist eine absolute Traumstrecke und inzwischen sogar überwiegend asphaltiert. Vier hohe Pässe gilt es auf achtzig kurvigen Kilometern zu überwinden, die Szenerie ist atemberaubend. Lediglich die immer wieder herumlungernden Kinder, die nur darauf lauern, uns beim Vorbeifahren mit Steinen zu bewerfen, trüben das Ganze etwas. Doch wir haben sie ganz gut im Griff, bremsen sie immer wieder aus und finden schließlich einen von allen Ansiedlungen weit genug entfernten Platz für eine ruhige Übernachtung.

Lalibela/Akotola – Bilbala – Asketama – Debre Tion  -  130 km  -  1675 Tage / 119765 km

08. Januar 2019 - Sieben auf einen Streich

Pässe über 3000 Meter Höhe

Vorweg – die heutige Etappe durch die Bergwelt zwischen Lalibela und Mekele ist eine der schönsten Strecken, die wir je gefahren sind! Als wir am Abend bei Hiwane einen ungestörten Übernachtungsplatz anfahren, haben wir auf satten 200 Tageskilometern sieben Bergpässe um die 3.000er Marke überwunden, den wunderschön gelegenen Kratersee Ashenge bewundert und die Wucht der steil abfallenden Grabenbruchkante zwischen Fast-Viertausendern und der brütend-heißen Danakil-Senke ermessen. Zu gerne hätten wir unterwegs immer wieder mal länger verweilt, hätten gerne die grandiose Bühne der Natur intensiver in uns aufgenommen. Doch sobald wir anhalten, sind wir von Heerscharen bettelnder Kinder umlagert, deren nerviges Geschrei und latentes Steine-werfen-wollen leider jegliche Lust aufs Bleiben verleitet. Ebenso wenig bieten sich auf der gesamten Strecke brauchbare Übernachtungsplätze an, an denen wir die faszinierenden Aussichten hätten in Ruhe  genießen können. Und so bleibt mal wieder ein sehr zwiespältiges Bild von Äthiopien hängen…

Debre Tion – Korem – Lake Ashenge – Maychew – Hiwane  -  200 km  -  1676 Tage / 119965 km

09. Januar 2019 - Ins Land der Tigray

Arbeit am Dreschplatz für die ganze Familie

Nördlich der Berge des zentralen Hochlandes wird es wüstenhafter, es ist rau und trocken, der Einfluss des Sahel wird spürbar. Rasch erreichen wir die Provinzhauptstadt Mekele, wo wir unsere inzwischen arg dezimierten Vorräte aufstocken können. Es fällt auf, dass hier wie auch in den folgenden Städten wie Wukro ein unglaublicher Bauboom vorherrscht, der sich allerdings in meist seelenlosen Betonwürfeln niederschlägt. In Wukro verlassen wir die staubige Ebene und kämpfen uns durch eine lange Baustellenpassage hinauf in die Region Geralta. Das Gebiet ist geprägt von markanten Einzelbergen, die sich aus der sanften Hügellandschaft erheben. In einem von der Natur stimmig geschaffenen, kleinen Hochtal werden wir bei der Stellplatzsuche von einer hier in einfachsten Verhältnissen lebenden Familie gebeten, zu ihnen zu kommen, um in der Nähe ihrer Behausung zu parken. So sitzen wir später gemeinsam am Dreschplatz um das behaglich wärmende Küchenfeuer und probieren das jeweils Gekochte.

Hiwane – Mekele – Wukro – Tal von Abreha We Atsbeha  -  120 km  -  1677 Tage / 120085 km

10. Januar 2019 - Von Geralta ins Grenzgebiet zu Eritrea

Sonnenuntergang an der Grenze zu Eritrea

Leider setzt sich die Baustellenfahrt weiter fort, dadurch verliert die Szenerie viel von ihrer Schönheit, denn der aufgewirbelte Feinstaub hängt wie eine Nebelbank über dem Tal. Auf einigen der markanten Berge verstecken sich Felsenkirchen und Klöster, die auf teils abenteuerlichen Steigen erwandert werden können. Doch Wind und Staub sind einer solchen Aktion nicht sehr zuträglich, so dass wir letztlich darauf verzichten. Über Hawzien und Frewayni erreichen wir nach einer kurvenreichen Fahrt um so manchen Tafelberg Adigrat. Nördlich der Stadt schrauben wir uns auf der guten Piste hoch hinauf in Richtung Westen, dem Kloster von Debre Damo entgegen. Auf der ersten Passhöhe erschlägt uns dann fast das Rundumpanorama! Unsere Blicke erfassen eine schroffe, zerklüftete Canyonlandschaft, weithin sichtbare, markante Monolithen am fernen Horizont und bewirtschaftete Plateaus unter uns. Und dahinter erkennen wir bereits die steinigen Ebenen von Eritrea…

Geralta – Hawzien – Frewayni – Adigrat – Panorama Passhöhe  -  105 km  -  1678 Tage / 120190 km

11. Januar 2019 - Traumstraße entlang der Grenze zu Eritrea

Wildcamp im Felsental

Wir verbringen noch einen völlig ungestörten Vormittag an der Canyonkante, denn kinderfreie Plätze wie diese muss man in Äthiopien einfach ausnutzen. Und wenn sie dann auch noch so außergewöhnlich schön sind, erst recht. Die weiterführende, sehr gute Piste erweist sich als echte Traumstraße. Sie windet sich in Kantennähe um jede Schlucht und gibt dabei immer wieder tolle Ausblicke frei. Wir umrunden den Tafelberg mit dem Kloster Debre Damo, das nur Männern den Zutritt erlaubt, und denen auch nur über ein hochzukletterndes Seil, das die fünfzehn Meter hohe Steilwand überwindet. Brauchen wir gerade nicht…

Wenig später, zurück auf der Asphaltstraße, entdecken wir einen felsigen Taleinschnitt, zu dem ein fahrbarer Weg führt. Und wieder genießen wir einen tollen Platz, ungestört und ruhig. Es gibt sie erfreulicherweise immer wieder, diese Plätze…

Passhöhe – Debre Damo – Felsental vor Siero  -  55 km  -  1679 Tage / 120245 km

12. Januar 2019 - Der antike Stelenpark von Axum

Manni vor dem Stelenpark in Axum

Auch die heutige Strecke durch die nördlichen Berge von Tigray begeistert uns. Besonders die markanten Monolithen entlang dem Tal von Histi, die wir schon die letzten beiden Tage am Horizont bewundern durften, prägen die Landschaft auf pittoreske Weise. Wir passieren Adwa, das seinerzeit deshalb Berühmtheit erlangte, weil hier 1896 das bisher einzige Mal in der afrikanischen Geschichte ein afrikanisches Heer die Armee einer Kolonialmacht vernichtend schlug. In dieser Schlacht besiegelte eine äthiopische Streitmacht den Untergang der Italiener und sicherte sich damit die Unabhängigkeit.

Als wir Axum erreichen, sind wir angetan von den städtischen Bemühungen, ein ansehnliches Gesamtbild rund um den antiken Stelenpark und die berühmten Kathedralen zu schaffen. Die gewaltigen Grabmonumente aus dem 6. Jahrhundert sind dann rasch besichtigt, viel mehr gibt es nicht zu sehen vom längst untergegangenen axumitischen Großreich. Oberhalb der Stadt, auf dem Parkplatz vor den Grabanlagen von König Kaleb und seinem Sohn, verbringen wir anschließend eine ruhige Nacht.

Siero – Adwa – Axum  -  90 km  -  1680 Tage / 120335 km

13. Januar 2019 - Grandiose Fahrt und aggressive Jugend

theoretisch ein Traum-Stellplatz

Der heutige Tag zeigt uns mal wieder die zwei Seiten Äthiopiens. Entlang landschaftlich eher belangloser, landwirtschaftlich genutzter Flächen geht es gen Westen und schließlich nach Süden, wir passieren Shire und erreichen den steilen Abbruch hinunter zum Tekezze, der hier einen tiefen Canyon geschaffen hat. Auf kurzer Entfernung  überwinden wir auf einer perfekten Passstraße zweimal 500 Höhenmeter, erst hinunter und dann wieder steil hinauf. Auf der weiteren Strecke, immer mit fantastischem Panorama auf die näher kommenden Berge des Simien Nationalparks, breiten sich beidseits der Straße großflächig Flüchtlingslager aus. Hier hausen seit vielen Jahren aus Eritrea vertriebene Äthiopier. Mal sehen, ob das diesjährige Ende des Krieges nun ihre Heimkehr ermöglichen wird…

Wenig später entdecken wir einen absoluten Traumplatz mit einer gigantischen Aussicht auf einige markante Felsnadeln. Doch nach und nach entdecken uns auch immer mehr Jugendliche, die trotz freundlichen Anfangsgesprächsversuchen unsererseits immer aufdringlicher werden, sich gegenseitig anstacheln, bis schließlich erste Steine in unsere Richtung fliegen. Es ist einfach unglaublich, mit welch primitiver Hoffnungslosigkeit sich Äthiopien in Zukunft herumschlagen muss. Als unsere Geduld aufgebraucht ist und ich wütend die Meute vertreibe, werde ich dabei einem der Burschen habhaft, da er wohl nicht damit rechnete, dass so ein alter Knochen so schnell laufen kann. Der anschließend umfallende Watschenbaum und die Androhung, ihn mitzunehmen und bei der Polizei abzuliefern beeindruckt wohl, denn die Meute zieht tatsächlich langsam ab, ohne ihrem gefangen genommenen Kameraden zur Hilfe zu eilen. Natürlich lassen wir ihn nach der Lektion schließlich laufen und machen uns dann vorsichtshalber vom Acker, denn mit einer späteren Vergeltungsmaßnahme der Gedemütigten ist zu rechnen. So bringen wir noch einige Kilometer zwischen uns und die rachsüchtige Bagage und nächtigen letztlich entspannt neben einem gut bewachten Telefonmasten.

Axum – Shire – Adi Arkay – Chewber  -  205 km  -  1681 Tage / 120540 km

14. Januar 2019 - Eine spektakuläre Passfahrt hinauf nach Debark

ärmliche Wohnverhältnisse in den Bergen

Wir starten ohne Frühstück, das wollen wir an einem schönen Aussichtsplatz nachholen. Aber zunächst schraubt sich die Straße weit hinunter nach Zarima, einem wirklich elendiglichem Straßenort, wo unglaublich viele Menschen unter ziemlich erbärmlichen Umständen hausen. Doch wenn man auch hier wieder die Massen an Kindern und Jugendlichen sieht, ist es kein Wunder, dass jegliche Weiterentwicklung schon in den Ansätzen scheitert. Hier endet der Asphalt, und wir mühen uns die weiterführende staubige und sehr steinige Piste steil hinauf. Als wir wenige Kilometer später einen ruhigen Panoramaplatz erreichen, bremst uns wieder mal ein kaputter Reifen aus, ein spitzer Stein hat sein Werk getan. Der Wechsel ist rasch erledigt, und wir bleiben bis zum frühen Nachmittag, da uns hier niemand weiter stört.

Immer höher schraubt sich die Piste und wir nähern uns senkrechten Wänden mit einer fast schon tropisch anmutenden Bewaldung. Kaum zu glauben, dass hier eine Straße hochführen soll. Doch sie tut es, in oft schwindelerregenden Haarnadelkurven, immer hart am senkrechten Abgrund. Was für eine Passstrecke! Und was für sensationelle Ausblicke! Als wir den Kamm erreichen, scheint die gesamte Bergwelt Äthiopiens unter uns ausgebreitet. In Debark fahren wir noch bis zum Eingangstor des Simien Nationalparks, in dessen Nähe wir in 3.100 Metern Höhe einen guten Übernachtungsplatz finden.

Chewber – Zarima – Wolkefit-Pass – Debark – Gate Simien NP  -  65 km  -  1682 Tage / 120605 km

15. Januar 2019 - Und noch ein Traumplatz!

Bergpanorama

Nach einem ungestörten Vormittag entscheiden wir uns, nicht in den Simien Nationalpark hochzufahren. Zum einen ist es so diesig, dass wir Mühe haben, die Landschaft um uns herum überhaupt genießen zu können, zum anderen ist es zu dieser Jahreszeit in diesen Höhen nachts einfach frostig kalt. Und die Verpflichtung, einen bewaffneten Scout im Laster mitnehmen zu müssen, dessen verlauster Deckenumhang uns sicherlich unzählige Haustiere bescheren wird, ist auch nicht gerade anheimelnd. Platz für einen solch intensiv ausdünsteten Mitmenschen hätten wir eh nur sehr bedingt.

Also machen wir uns auf den Weg in Richtung Gondar. Doch als wir erneut die Abbruchkante des Hochlandes erreichen und dort auch noch einen perfekten Platz mit zwar trübem, aber trotzdem faszinierendem Rundumblick entdecken, entscheiden wir spontan, dort zu verweilen. Wir parken „Manni“ auf einer grünen Wiesenfläche zwischen knorrigen Bäumen und vielen kleinen Felsen, direkt neben einem umfriedeten Gehöft, deren Bewohner uns freundlich willkommen heißen. Besser geht es kaum…

Gate Simien NP – Debark – Amba Georgis – Digna Overlook  -  85 km  -  1683 Tage / 120690 km

16. Januar 2018 - Gondar / Debre Berhan Selassie Kirche

tolle Wandmalereien in der Debre Berhan Selassi - Kirche

Bevor wir uns wieder auf den Weg machen, flicken wir erst mal unseren vor zwei Tagen demolierten Reifen. Mal sehen, ob es hält. Bis zur alten Kaiserstadt Gondar ist es nun nicht mehr weit und wir erreichen die quirlige Stadt gegen Mittag. Unsere erste Besichtigungsstation ist die wegen ihrer Malereien berühmte Debre Berhan Selassie Kirche. Sie liegt wie eine ruhige Insel auf einem Hügel inmitten der Stadt und wir verbringen den ganzen Nachmittag in und um die Kirche. Gegen Abend entscheiden wir, einfach unter dem ausladenden Baum vor der Kirche über Nacht stehen zu bleiben, was auch niemanden weiter stört. Nur uns stören dann immer wieder ankommende Tuk-Tuks, die hier rund um den großen Baum und somit auch rund um „Manni“ über Nacht geparkt werden. War also nicht wirklich eine ruhige Nacht…

Digna Overlook – Gondar – Debre Berhan Selassie Kirche  -  35 km  -  1684 Tage / 120725 km

17. Januar 2019 - Gondar / Palastbezirk Gemp

Hochzeit in traditioneller Tracht im Palastbezirk

Den ganzen Tag verbringen wir im eindrucksvollen Palastbezirk von Gondar, lassen das Ensemble der  über 300 Jahre alten Bauwerke auf uns wirken. Auch Hochzeitsgesellschaften nutzen die tolle Atmosphäre, um die entsprechenden Erinnerungsfotos zu machen. Zwischendurch schlendern wir über den sehr muslimisch angehauchten Markt an der Großen Moschee, um unsere Vorräte mal wieder auf Vordermann zu bringen. Auf der Suche nach einem ruhigeren Übernachtungsplatz als gestern bleiben wir später einfach auf dem Parkplatz vor dem historischen Bad von König Fasilidas stehen.

Gondar Stadt  -  10 km  -  1685 Tage / 120735 km

18. Januar 2019 - Das Timkat-Fest in Gondar

Timkat - Einzug der Würdenträger

Die Feierlichkeiten zum Timkat-Fest finden in Gondar rund um das historische Bad von König Fasilidas statt. Wir schaffen es, uns direkt an der alten Steinbrücke, dem einzigen Zugang zum Schlösschen strategisch günstig zu platzieren. Als sich dann die hohen Würdenträger der äthiopischen Kirche unter lauten Gesängen, rhythmischen Trommelwirbeln und vernebelnden Weihrauchschwaden den Weg durch die Menge bahnen, sind wir fast auf Tuchfühlung mit ihnen. Näher geht`s nicht mehr!

Gondar / Bath of Fasilidas  -  5 km  -  1686 Tage / 120740 km

19. Januar 2019 - Der Höhepunkt des Timkat-Festes…

Heilige Timkat-Messe und Wasserweihe im Bad des Fasilidas

…findet heute früh statt. Wir übernachten wieder direkt vor den historischen Gemäuern, in denen die ganze Nacht gesungen wird. Als wir uns gegen sieben Uhr hinein begeben, ist der gesamte Innenhof schon weiß von den Gewändern tausender Gläubiger. Keine Chance, auch nur in die Nähe der ersten Reihe zu kommen! Für Touristen ist eine kleine Tribüne aufgebaut, jetzt natürlich schon prall gefüllt und von Soldaten abgeriegelt. Doch Conny schafft das Unmöglich scheinende, ohne Legitimation und Guide, einen der Wachhabenden so lange zu bequatschen, bis er sie passieren lässt, und sie somit einen perfekten Platz zum Fotografieren ergattert. Als sich im Lauf des Vormittags die ganze Zeremonie dann langsam auflöst, machen wir uns auf den Weg zum Lake Tana.

Gondar – Gorgora – Lake Tana/Kim`s Village  -  70 km  -  1687 Tage / 120810 km

20. – 22. Januar 2019 - In Kim`s Village am Lake Tana…

Fischer im traditionellen Papyrusboot auf dem Lake Tana

…finden wir eine herrliche Oase der Ruhe, um die uns fast erschlagenden Erlebnisse der letzten Wochen zu verarbeiten und uns mental so langsam von Äthiopien zu verabschieden. Wir nutzen die Zeit auch, um mal wieder alles auf Vordermann zu bringen und treffen doch tatsächlich drei junge Travellerpärchen aus Schweden und der Schweiz, denen wir viele dankbar angenommene Tipps für ihren weiteren Weg durch Afrika geben können. Nach drei Tagen am See sind wir wieder aufnahmebereit für Neues und fahren zurück nach Gondar, um uns startklar für den Sudan zu machen.

Lake Tana/Kim`s Village – Gorgora – Gondar  -  75 km  -  1690 Tage / 120885 km

23. Januar 2019 - Willkommen in der arabischen Welt!

äthiopische Männer

Auf den 200 Kilometern zur Grenze verlassen wir das äthiopische Hochland und rollen langsam hinunter in die heiße Ebene zum Sudan, die wir 1.500 Höhenmeter später erreichen. Die Vegetation erinnert an die Sahelzone Westafrikas, ebenso wie die ärmlichen Hütten, von denen viele in den letzten Tagen bei ethnischen Konflikten niedergebrannt und die Bewohner vertrieben wurden. Wir haben Glück, dass die Straße nach tagelangen Blockaden und Konvoipflicht überhaupt wieder offen ist.

Die Grenzformalitäten auf äthiopischer Seite sind trotz etwas Wichtigtuerei des Carnetbeauftragten und Ausfall des Passscanners rasch erledigt, und unter hoffentlich letzten Yu-Yu-Yu-Rufen und einer abschließend ausgestreckten Bettelhand verlassen wir Äthiopien.

Auf sudanesischer Seite plötzlich ein vollkommen anderes Bild: Ein Mitarbeiter der Passkontrolle lädt uns zum Imbiss ein, im Zolloffice bekommen wir frischen Minztee serviert, um die Wartezeit zu versüßen. Ein jeder begrüßt uns mit einem herzlichen „Welcome to Sudan!“ Niemand nervt rum, keiner bettelt. Als während der schleppenden Bearbeitung des Carnets die Dämmerung hereinbricht, da man den Chef für die finale Unterschrift nicht finden kann, bietet man uns an, im Zollhof zu übernachten, Wasser und Toiletten inclusive. Wir sind spürbar in einer anderen Welt angekommen!

Gondar – Grenze Äthiopien/Sudan – Zollhof Matema  -  205 km  -  1691 Tage / 121090 km

24. Januar 2019 - Frühstück im Freien!

lange Schlangen an allen Tankstellen

Was in Äthiopien meist unmöglich war, hier genießen wir wieder ungehindertes Aufhalten im Freien! Egal, ob Frühstücken, Pinkeln oder einfach mal Pause machen, niemand stört. Wenn wir Kinder am Straßenrand bemerken, beobachten wir sie immer noch genau, ob sie Steine aufheben. Nun, sie drehen sich nicht einmal um zu uns! Na so was…

Die Fahrt auf dem grottenschlechten Restasphalt ist anstrengend, und als wir endlich Qadarif erreichen, sind wir geschafft. Bei einem wohlhabender erscheinenden Toyota-Fahrer wechseln wir zu einem guten Schwarzmarktkurs Dollar gegen Sudanesische Pfund und reihen uns wenig später am Ende einer mehrere hundert Meter langen Schlange an einer noch Diesel anbietenden Tanke ein. Auf unser zerknirschtes Gesicht hin werden wir an die Zapfsäule vorgebeten, vorbei an bestimmt fünfhundert Wartenden! Die Tanke ist von Militärs mit vorgehaltener Waffe gesichert, um die angefressene Kundschaft im Zaum zu halten. Wir fühlen uns nicht wohl dabei, so vorrangig bedient zu werden, doch alles ist gut, die meisten haben dafür Verständnis, wollen nicht, dass wir hier zwei Tage warten müssen. Wir bekommen einen Tank vollgemacht, der Liter für umgerechnet etwa sieben(!) Eurocent. Leider hatten wir vorsichtshalber in Äthiopien noch etwas aufgestockt, da die Informationen, überhaupt Diesel zu bekommen, sehr unterschiedlich waren. Hätten wir uns sparen können, mal eben hundert Euro verschenkt…

Zollhof Matema – Qadarif – Checkpoint nach Qadarif  -  185 km  -  1692 Tage / 121275 km

25. – 26. Januar 2019 - Wieder am Blauen Nil

wir sitzen mal wieder am Nil

Weiter geht es entlang unendlich erscheinender, abgeernteter Felder. Die Landschaft ist flach und eintönig, die Straße wellig, so dass wir nur langsam vorankommen. Ungeachtet dessen knallen die großen Überlandbusse mit guten 100 Stundenkilometern haarscharf und stark schwankend an uns vorbei, immer wieder ein spannender Moment. Bei Wad Madani queren wir wieder den Blauen Nil und finden kurz darauf einen netten Platz am steilen Ufer mit herrlichem Blick über den träge dahinfließenden Strom, an dessen Ufern unzählige Ziegelbrennereien kokeln und Dieselpumpen zur Bewässerung tuckern.

Die Nacht war ruhig und es hat angenehm abgekühlt, knapp unter die dreißig-Grad-Marke. Auf unserem heutigen Weg schaffen wir es erfreulicherweise, ein Gasdepot anzutreffen, das tatsächlich auch Gas anzubieten hat. Alle bisherigen waren leer. Jetzt kann also weiter fleißig gekocht werden. Auch unsere Brauchwasserkanister können wir wieder an einer Moschee auffüllen. Diesel-, Gas- und Wasserversorgung ist im Sudan zu einem ganz großen Problem geworden. Ansonsten gleicht die Fahrt entlang dem Blauen Nil hoch nach Khartoum einer Tour durch eine endlose Müllkippe. Noch nie haben wir ein Land bereist, das so im Dreck versinkt! Auch die Wohnverhältnisse neben der Hauptachse gen Norden sind überwiegend sehr ärmlich, das Land ist vollkommen abgewirtschaftet. In Khartoum schließlich finden wir erst einen sehr gut sortierten Supermarkt, wie wir ihn schon lange nicht mehr hatten und dann am Nordufer des Blauen Nils einen gut gesicherten Übernachtungsplatz inmitten großer Villen und einigen Botschaften.

Checkpoint nach Qadarif – Wad Madani – Khartoum  -  425 km  -  1694 Tage / 121700 km

27. – 28. Januar 2019 - Khartoum

Haus und Umgebung unseres Gastgebers

Unser erster Versuch, das Transitvisum für Saudi-Arabien zu bekommen, scheitert nach mehreren Stunden Wartezeit an der Abwesenheit des Botschafters. Na prima! Es wird uns eröffnet, dass vor Mittwoch eigentlich gar nichts geht, also in drei Tagen. Aber wir sollen trotzdem morgen Mittag mal vorbei schauen. Mal sehen, wie wir einstweilen die Zeit totschlagen in dieser grottenhässlichen, staubigen und heißen Stadt.

Als wir für einen weiteren Supermarktbesuch parken, spricht uns Jalal an. Er ist mit einer Deutschen verheiratet, die jedoch gerade in Hamburg weilt. Aber er lädt uns zu sich ein, bietet uns ein Gästezimmer und Dusche und Stromanschluss und Wassertank auffüllen und Essen kochen an. Wir stellen uns also vor sein Mehrparteienmietshaus, das er während der vergangenen achtzehn Jahre so nach und nach gebaut hat, versinken im Staub der neben uns kickenden Jungs, schließen den Strom an und bereiten das Abendessen, um den Strohwitwer zu bekochen. Leider gibt es gerade mal wieder keinen Strom, also nix mit Batterien aufladen, Wasser bunkern, Duschen und Kochen in der Wohnung. Findet alles bei uns im Laster statt, nur Essen ist dann bei ihm auf der Terrasse.

Im Lauf der Nacht stürmt es so heftig, dass alles um uns herum im Staub versinkt, wir müssen alle Fenster geschlossen halten, was dem erholsamen Schlafen nicht gerade zuträglich ist. Aber ist halt so. Nach einem deutsch angehauchten Frühstück mit aufgebackenen Brötchen und Bierschinken machen wir uns ein weiteres Mal auf zur Saudi-Botschaft. Diesmal schaffen wir es immerhin bis zum Vorzimmer des Botschafters, unterhalten uns sehr nett mit einem Mitarbeiter und dürfen morgen Mittag wieder kommen, wenn der Chef selbst dann da ist. Wir nähern uns den Visa anscheinend langsam an…

Der Nachmittag beschert uns dann noch einen vollen Dieseltank ohne große Wartezeit und einen überaus freundlichen Empfang bei MAN, wo man uns auf Kosten des Hauses die lose vibrierten Keilriemen nachspannt und „Manni“ auch gleich noch abschmiert. Herzlichen Dank dafür!

Khartoum  -  45 km  -  1696 Tage / 121745 km

29 – 30. Januar 2019 - Die Saudi-Visa sind im Pass!

Einladung zum reichhaltigen sudanesieschen Menü bei Jalals Verwandschaft

Ab zwölf Uhr mittags sitzen wir in der Saudi-Botschaft rum, erst draußen vor der Tür, dann im eiskalt klimatisierten Wartezimmer. Am späten Nachmittag kommt dann endlich Bewegung in die Sache, ist ihnen wohl selbst langsam peinlich, dass wir immer noch hartnäckig hier die Stellung halten. Kurz vor Feierabend geht es dann plötzlich schnell voran, unser Antrag wird genehmigt und wir dürfen die Visa morgen beim Visaservice von Waleed abholen. Geht doch! Erleichtert machen wir uns auf den Heimweg zu Jalal.

Den ganzen Tag verbringen wir in „unserem“ Wohnviertel, Jalal zeigt uns die familieneigenen Felder und Ziegeleien am Nil und am Nachmittag sind wir bei einem Teil der Familie zum Essen eingeladen. Die Frauen haben mächtig aufgekocht, die Tischplatte ist übervoll mit leckeren, sudanesischen Gerichten. Und als wir später mit runden Bäuchen durch die staubigen Gassen schlendern, grüßen uns bereits eine Vielzahl der Anwohner wie alte Bekannte.

Khartoum  -  15 km  -  1698 Tage / 121760 km

31. Januar – 01. Februar 2019 - So langsam…

Conny ist willkommen bei den Mädels

…fühlen wir uns fast schon ein wenig heimisch in Khartoum. Als wir unsere heute anstehenden Erledigungen abarbeiten, bewegen wir uns bereits ohne Navi durch die Metropole. Wir nehmen unsere Visa für Saudi-Arabien in Empfang, wechseln auf dem Schwarzmarkt Geld für die Fährtickets, buchen die Fähre hinüber nach Jeddah, ersetzen bei MAN die vor drei Tagen nachgespannten Keilriemen, die uns in Windhoek anstatt der Originale untergejubelt wurden und deren Material deutliche Ermüdungserscheinungen zeigen, lassen unser Moskitonetz an der Eingangstür erneuern und entspannen abends gemeinsam mit Jalal beim Pizzaessen. Ein ganz normaler Großstadttag eben…

Auch wenn uns Jalal und seine Verwandtschaft nicht gehen lassen wollen, nach einer Woche Khartoum ist es gut. Nach einem letzten Rundgang im Viertel, einer Sightseeingtour rund um den Zusammenfluss von Weißem und Blauen Nil zum eigentlichen Nil und einem abschließenden, gemeinsamen Mittagsimbiss lassen wir Jalal mit sichtbaren Tränen in den Augenwinkeln winkend zurück. Die Stadt zieht sich noch ewig gen Norden, der Verkehr ist heftig und die Luft staubig. Also nichts wie raus aufs Land. Als die öde und zersiedelte Landschaft allmählich in flache Steinwüste übergeht und sich einige markante Granithügel am Horizont nähern, biegen wir auf einer neu geschobenen Piste ab zum Nil. Hier, am sogenannten Sechsten Katarakt, also kleinen Stromschnellen, tobt noch der freitägliche Wochenendbär, doch wir dürfen uns fern der aufgekratzten Gesellschaften am Rand einer neu erbauten Ferienanlage direkt an den träge dahinfließenden Nil stellen und genießen die absolute Ruhe der Natur nach einer Woche Großstadtgeräuschen.

Khartoum – Al Miseiktab/6. Katarakt  -  180 km  -  1700 Tage / 121940 km

02. Februar 2019 - Ein Unfall bringt unsere Pläne durcheinander

unser Unfallverursacher...

Wir cruisen so dahin, ein riesiges Schlagloch mittig im Asphalt vor uns zwingt uns zum Verringern unserer Geschwindigkeit. Als wir darum herum sind, hören wir einen dumpfen Schlag hinter uns. „Das gibt`s doch nicht, da ist uns jetzt einer hinten rein gefahren!“ Im Rückspiegel ein PKW mit erheblichem Frontschaden, wir halten an. Die junge Familie steht ziemlich schockiert um das Malheur herum, natürlich spricht keiner von ihnen Englisch. Wir stoppen einen gebildet aussehenden Fahrer, er ist des Englischen mächtig, nimmt die Sache in die Hand. „Macht Euch keine Sorgen, er ist Euch hinten rein gefahren, er ist also klar schuld.“ Der Schaden bei „Manni“ beschränkt sich auf die total demolierte Heckbox, in denen die Klappräder verstaut sind und eine zerbrochene Lichterleiste. Also keine Beeinträchtigung beim Fahren. Schon mal wichtig. Wir fotografieren seine Ausweise und seine Versicherungspolice und stoppen wenig später eine vorbeifahrende Polizeistreife. Natürlich auch hier wieder niemand mit Englischkenntnissen. Macht aber nichts, die Polizei ist äußerst korrekt, nimmt seinen und meinen Ausweis zu sich und bittet uns ins 70 Kilometer entfernte Shendi auf das Revier.

Dort beruhigt man uns auch sofort, alles wird korrekt ablaufen, nur eben heute nicht, da Wochenende. Auch wieder kein Englisch. Die Jungs von der Polizei kennen aber einen jungen Apotheker, zu dem gehen wir und Mohamed hilft uns mit tadellosen Englischkenntnissen und viel Engagement. Bereitwillig übersetzt er den Unfallbericht ins Arabische und telefoniert mit einer für eine andere Versicherungsgesellschaft arbeitenden Bekannten, um festzustellen, um welche Art Versicherung es sich handelt. Und wir verschicken Mails an Actionmobil mit der Bitte um einen Kostenvoranschlag für eine neue Heckbox und an MAN in Khartoum mit der Frage, ob die Lichterleiste auf Lager ist. Mehr können wir heute nicht tun, und wir ziehen uns einstweilen auf einen ruhigen Platz direkt am Nil zurück.

Al Miseiktab/6. Katarakt – Shendi  -  110 km  -  1701 Tage / 122050 km

03. – 06. Februar 2019 - Zurück nach Khartoum

wir genießen Tee und Kaffee im einfachen Caféhaus

Mit heftigem Nachdruck halten wir gegen Mittag endlich das offizielle, vielfach gestempelte, polizeiliche Unfallprotokoll in der Hand. Aber wir müssen zurück nach Khartoum, zum Hauptsitz der Versicherung. Jalal ist freudig überrascht, als wir am Abend wieder vor seiner Tür stehen und er wird uns natürlich tatkräftig unterstützen bei unseren Bemühungen, Geld herauszuschinden.

Unser erster Auftritt bei der Versicherungsgesellschaft lässt sich positiv an. Man ist über den Fall bereits informiert, nimmt alle erforderlichen Papiere entgegen, ein Gutachter macht Fotos vom Schaden und verspricht eine rasche Bearbeitung. Einigermaßen ermutigt ziehen wir wieder ab, buchen unsere Fährpassage nach Saudi-Arabien auf den 19. Februar kostenlos um und treffen dabei auf Ruth und Walter aus der Schweiz, mit denen wir uns lose verabredet hatten.

Wir verbringen den Tag im Blue Nile Sailing Club gemeinsam mit Ruth und Walter, mit Dan, mit dem wir seit Addis Abeba Mailkontakt haben und treffen auch noch überraschend auf ein australisches Paar, die wir schon seit Namibia kennen. Leider passiert in Sachen Versicherung heute nichts weiter. Den Abend verbringen wir dann auf Einladung eines unserer Nachbarn mit seiner Familie in einem netten Fischrestaurant.

Als bis zum Mittag bei der Versicherung immer noch nichts vorwärts geht, fahren wir dorthin und machen mal eben ein Fass auf. Und plötzlich kommt Bewegung in die Sache. Der von uns aufgescheuchte Manager macht die Herrschaften ein wenig rund und verspricht für morgen früh die endgültige Bearbeitung und Entscheidung. Mal sehen…

Shendi – Khartoum  -  265 km  -  1705 Tage / 122315 km

07. – 08. Februar 2019 - Tatsächlich - der Rubel rollt!

Abschied von Jalal

Pünktlich um neun Uhr morgens machen wir durch unsere Präsenz Druck, unser Fall wird zwar bearbeitet, aber niemand will letztlich eine Entscheidung treffen. Die angebotenen 200 Euro weisen wir lachend zurück und werden daraufhin zur Geschäftsleitung gebeten. Dort wird dann zumindest mal ein brauchbares Angebot unterbreitet, ein Scheck über 75% der Summe wird nach längerem Palaver offeriert. Lehnen wir jedoch abermals ab, da die Banken kein Geld haben und einen  Scheck niemals ausbezahlen könnten. Hm. Wir sollen in drei Stunden wiederkommen, dann wird man sehen. Wir geben zu verstehen, dass wir uns hier keinen Meter wegbewegen, packen Bücher und Brotzeit aus und halten penetrant die Stellung. Als sie merken, dass sie uns nicht vom Hof bekommen, kommt wiederum Bewegung in die Sache. Zwei Stunden später ist plötzlich alles geklärt, wir werden zur Auszahlung gebeten. Noch ein wenig Diskussion über die Art der Auszahlung ist nötig, doch dann halten wir plötzlich sensationelle 1.700 echte US-Dollar in Händen! Gar nicht selbstverständlich in Afrika, dass eine Versicherung so viel, geschweige denn überhaupt etwas herausrückt! Unsere Hartnäckigkeit hat sich also ausgezahlt! Damit können wir den Unfallschaden irgendwann professionell beheben lassen. Grinsend ziehen wir von dannen…

Bei MAN erhalten wir die bereits bestellte Abdeckung der Lichterleiste, und als wir von unseren tagelangen Diskussionen bei der Versicherung erzählen, ist dies dem dortigen Geschäftsführer dermaßen peinlich, dass er uns das Ersatzteil als Wiedergutmachung für das Verhalten seiner Landsleute einfach schenkt! Unglaublich! Als wir auf der Fahrt zurück zu Jalal dann auch noch eine Dieseltankstelle ohne Warteschlange entdecken, ist unser Tag endgültig perfekt verlaufen! Abends werden Jalals selbstgefangene Nilwelse von seiner Cousine lecker zubereitet und krönen damit unseren ungeplant langen Aufenthalt in Khartoum.

Gegen zehn Uhr vormittags verabschieden wir uns zum zweiten Mal von Jalal. Er hat uns sein Khartoum wunderbar näher gebracht, und wir haben es in vollen Zügen genossen. Die Fahrt zurück nach Shendi spulen wir dann ereignislos herunter und beziehen dort den uns bereits bekannten Übernachtungsplatz am Nil.

Khartoum – Shendi  -  220 km  -  1707 Tage / 122535 km

09. – 10. Februar 2019 - Bei den Pyramiden von Meroe

die Pyramiden von Meroe

Fast den ganzen Vormittag verquatschen wir bei Mohamed in der Apotheke, bedanken uns nochmal für seine tolle Unterstützung bei der Polizei. Die Strecke zu den Pyramiden von Meroe ist dann rasch geschafft, schon von Weitem grüßen sie den Reisenden von ihren sandigen Dünen herab. Leider ist es extrem windig und damit auch sehr trüb, da die Luft voll herumwirbelndem Sand ist. Wir verzichten deshalb erst mal auf einen Besuch im Areal, genießen statt dessen den tollen Blick über das gesamte Ensemble von einer gegenüberliegenden Düne, bis schließlich die Sonne unspektakulär im Dunst verschwindet.

Kurz nach Sonnenaufgang sitzen wir bereits auf unserer Aussichtsdüne, während die Phalanx der Pyramiden von der Morgensonne angestrahlt wird. Aber auch heute ist es so windig und milchig trüb, dass wir es dabei belassen und uns den teuren Eintritt sparen. Nach einem späten Frühstück und einer oft vom Sandsturm in der Sicht behinderten Fahrt erreichen wir Atbara, wo wir uns vom Nil verabschieden, der uns seit Uganda immer wieder mal begleitet hatte. Auf dem völlig verdreckten Markt decken wir uns anschließend noch mit so exotischen Leckereien wie echten Brotzeitradieserl und frischem Rucola ein. Da uns der Sandsturm das Verweilen am Nil verleitet, entscheiden wir uns, schon heute in Richtung Rotem Meer aufzubrechen. Die Straße ist so gut, dass wir viel Strecke machen, dazu ist die Landschaft so was von öde und flach, dass jegliche Lust auf eine kurze Tagesetappe im Keim erstickt wird. Erst als sich so langsam Hügel und Berge aus dem fahlen Dunst erheben und die Sonne sich anschickt, ihr Tagwerk zu beenden, schlagen wir uns in die (nicht vorhandenen) Büsche.

Shendi – Meroe – Atbara – Bushcamp Rtg. Swakin  -  395 km  -  1709 Tage / 122930 km

11. – 12. Februar 2019 - Das Rote Meer ist erreicht!

im Fischerhafen von Swakin

Nach dem langen Fahrtag gestern lassen wir es erst mal sehr gemächlich angehen. Erst gegen Mittag reihen wir uns wieder zwischen all die Laster und Fernbusse ein, die zwischen Khartoum und Port Sudan verkehren. Dank wiederum guter Straße sind wir auch heute schnell unterwegs. Vorbei an den wenig anheimelnden Wüstenorten Haiya und Sinkat erreichen wir schließlich das Küstengebirge, das die Wüste vom Roten Meer trennt. Hier ist der Asphalt, der sich durch die schuttigen Berge windet, von den Sturzfluten der Regenzeiten oftmals zerstört. In einem Seitental finden wir in einem trockenen Flussbett dann einen ordentlichen Platz zum Übernachten.

Wir rollen die letzten Kilometer hinab zum Roten Meer, während das Küstengebirge so langsam hinter uns zurück bleibt. Deutlich feuchtere Luft wabert uns entgegen, als wir in den Ruinen der alten Stadt Swakin halt machen. Hier geht unsere Fähre hinüber nach Jeddah in Saudi-Arabien ab, für uns allerdings erst in einer Woche. Wir wollen uns langsam von Afrika verabschieden…

Bushcamp Rtg. Swakin – Haiya – Sinkat – Swakin  -  230 km  -  1711 Tage / 123160 km

13. – 14. Februar 2019 - Ausflug nach Port Sudan

im Hafen von Port Sudan

Das Tor zur übrigen Welt ist für den Sudan der Tiefseehafen von Port Sudan. Nur eine knappe Stunde entfernt bietet sich die Stadt für einen Ausflug an. Doch außer dem geschäftigen Containerhafen und einigen ganz netten Straßen in der Innenstadt hat die zweitgrößte Stadt des Sudan nichts zu bieten. Also verbringen wir den Tag am Computer, da wir in einem Hotel einen Internetzugang bekommen und übernachten schließlich am Hafenbecken mit Blick auf die Verladekräne.

Da die Stadt bar jeglicher Attraktivität ist, entscheiden wir, nach Swakin zurückzufahren und dort unsere Fähre nach Saudi-Arabien wieder umzubuchen. So neigt sich unsere Zeit in Afrika doch schneller ihrem Ende zu als gedacht…

Swakin – Port Sudan – Swakin  -  160 km  -  1713 Tage / 123320 km

15. – 16. Februar 2019 - Good bye Africa!

Good bye Africa!

Nach einem gemütlichen Vormittag am Wasser checken wir im Hafen ein. Der Papierkram zieht sich etwas, und bis alle Stempel auf den notwendigen Papieren sind, ist der Tag auch schon rum. Und bis die etwa 1.000 Sudanesen an Bord sind und wir endlich ablegen können, ist es bald schon Mitternacht. So entschwindet die afrikanische Küste schließlich unspektakulär im Dunkel…

Die Überfahrt ist ein wenig unruhig, die See aufgewühlt vom starken Wind. So dauert es ganz schön lange, bis sich die ausrangierte Griechenlandfähre gen Jeddah bemüht hat. Am frühen Nachmittag dürfen wir endlich von Bord, nachdem „Manni“ bereits in den Zollhof gefahren wurde. Und wieder ist Geduld gefragt, erst am Abend ist alles erledigt und wir können los. Jeddah empfängt uns mit vielspurigem Verkehr, Hochhäusern, McDonalds- und Starbucks-Filialen - Willkommen in der modernen Welt! Auf dem Areal eines Yachtclubs samt Restaurantmeile dürfen wir dann freundlicherweise zum Übernachten parken.

Swakin – Jeddah  -  20 km  -  1715 Tage / 123340 km

17. – 19. Februar 2019 - Kilometerschrubben durch Saudi-Arabien

Mekka müssen wir weiträumig umfahren

Das Spiel hier kennen wir ja schon von unserem letzten Transit durch das saudische Königsreich: drei Tage Transitvisum für diesmal „nur“ 1.600 Kilometer! Da bleibt kaum Spielraum für Unternehmungen abseits der Fahrerei. Trotzdem gehen wir es gemütlich an, frühstücken erst mal im Yachthafen, bevor wir auf der Suche nach der Passbehörde ein wenig durch Jeddah irren, um eventuell eine Visaverlängerung zu bekommen. Die wäre dann sogar möglich gewesen, doch die für weitere sieben Tage verlangten 150 Dollar waren uns dann die Sache doch nicht wert. Und so verlassen wir denn Jeddah erst am späteren Vormittag. Auf fünfspuriger Schnellstraße nähern wir uns dem religiösen Zentrum des Islam. Nach Mekka dürfen wir allerdings nicht hinein, dies ist Moslems vorbehalten. So folgen wir den roten Hinweisschildern „For Non Muslims“ rund um die Stadt, und schwenken dann in Richtung der sich gewaltig aufbauenden Berge vor uns. Bis auf fast 2.000 Meter Höhe schraubt sich die Schnellstraße hoch, der Blick hinunter ist leider sehr getrübt. In Taif geht es dann auf die Autobahn Richtung Riyad, die nun durch unendlich öde Landschaft gen Osten führt. Erst als die Sonne hinter uns im Dunst untergeht, beenden wir den langen ersten Transitfahrtag im Windschatten eines netten Granitberges.

Die Ödnis entlang der Autobahn setzt sich fort, erst als wir uns so langsam Riyad nähern wird es hügeliger. Riyad selbst empfängt uns mit hektischem, mehrspurigem Verkehr und die Sinne überfordernden Supermärkten. Hier gibt es wirklich alles! Wir wussten gar nicht mehr, was uns zum Glücklich sein so alles gefehlt hat. Kurz bevor die Rushhour den verkehrstechnischen Kollaps über die Stadt stülpt, verlassen wir sie in Richtung Kharj, hinter dessen Stadtrand wir uns im Windschatten einer Tankstelle zur Ruhe begeben.

Nahezu schnurgerade teilt die Straße nun endlose Dünenketten, wir zählen nur noch die Kilometer herab. Am frühen Nachmittag haben wir es dann geschafft, die Grenze ist erreicht, die letzte Rials zu zwölf Eurocent der Liter in Diesel umgesetzt. Die Ausreise bei den Saudis wäre eine Minutenangelegenheit gewesen, hätte uns nicht einer der Zöllner nach sechs Jahren wiedererkannt und zu einer ausgiebigen Teerunde eingeladen. Nachdem wir uns bei jedem Epaulettenträger per Handschlag verabschiedet hatten, ist auch die Einreise bei den Emiratis rasch, freundlich und kostenneutral erledigt.

Im ersten Ort nach der Grenze stellen wir uns bei einer neu angelegten Picknickarea direkt ans Meer. Kaum haben wir uns eingerichtet, werden wir auch schon zum Abendessen eingeladen. Das lässt sich ja super an!

Jeddah – Taif – Riyad – Kharj – Grenze KSA/UAE – Sila  -  1595 km  -  1718 Tage / 124935 km

20. – 23. Februar 2019 - Erholungstage am Strand

unser Erholungsplatz in Al Sila

Schon in den letzten Tagen im Sudan hat ein nerviger Virus an meinem Magen-Darm-Trakt Gefallen gefunden und sich dort hartnäckig eingenistet, was sich mit anhaltender, latenter Übelkeit und kräftezehrendem Durchfall bemerkbar macht. Da Conny immer dasselbe gegessen und getrunken hatte, sind wir etwas ratlos. Dazu habe ich mir auch noch eine starke Erkältung auf der Fähre zugezogen. Kurzum, ich liege flach, leide so vor mich hin, wie Männer dies eben gut können und lasse mich bemuttern. Die neue Picknickarea in Sila eignet sich dafür sehr gut, denn es ist ein ruhiger Platz direkt am Meer. Nach drei Tagen kennt man uns schon, grüßt freundlich und stellt sich zum Smalltalk ein.

Als gesundheitliche Besserung spürbar wird, gleiten wir über eine mehrspurige Autobahn gen Osten bis nach Al Mirfa. Auch das dortige Strandareal ist ein angenehmer Platz zum Ausruhen und wir bleiben weitere zwei Tage, bis ich fast vollständig gesundet bin.

Sila – Al Mirfa  -  200 km  -  1722 Tage / 125135 km

24. – 27. Februar 2019 - Bei Margo und Emil in Abu Dhabi

die Skyline von Abu Dhabi

Als wir uns vor sechs Jahren verabschiedeten, versprachen wir, wieder zu kommen. Und jetzt ist es soweit, wir stehen vor der Tür von Mimi und Emil. Die Freude ist ehrlich, wir sind herzlich willkommen zu bleiben, solange wir wollen. „Manni“ parkt im Innenhof des Mehrparteienanwesens, bestens bewacht von den beiden ungestümen Schäferhunden. Die Kinder, Alisia und Dimo, sind ganz schön groß geworden und es gibt beiderseits eine Menge zu erzählen. Die ersten beiden Abende vergehen dabei wie im Flug…

Wir fahren hinein nach Abu Dhabi, vor an die Corniche und die vorgelagerten Inseln und staunen über die in den letzten Jahren gewachsene Skyline. Abu Dhabi ist eine architektonisch interessante Stadt, abwechslungsreich und bunt. Eine neue Brücke bindet nun die Insel Hodariyat an das Stadtgebiet und wir finden für eine Nacht einen netten Platz mit Blick auf das Lichtermeer der City.

In einem riesigen Einkaufszentrum schlagen wir mal eben ordentlich zu, im Angebot gibt es so Leckereien wie reifen Camembert, kernlose Weintrauben, knackige Schokokekse, schmackhafte Äpfel, frische Schwammerl, exotische arabische Gewürze, und, und, und… Der reine Wahnsinn! Für Euch zuhause normal, für uns nach so langer Zeit in Afrika wie Weihnachten!

Al Mirfa – Abu Dhabi – Al Mafreq  - 250 km  -  1726 Tage / 125390 km

28. Februar – 02. März - Über die Oasenstadt Al Ain in den Oman

auf dem Kamelmarkt in Al Ain

Heute Morgen weckt uns ein eigenartiges Geräusch – es regnet! Naja, es tröpfelt eher, aber auch dies ist hier so ungewohnt, dass es uns in Erstaunen versetzt. Emils Kontakte zur Autobranche sind Gold wert, er vermittelt uns neue Reifen zum Superpreis! Die sind so günstig, dass wir gleich drei neue kaufen, einen davon sofort übernehmen und die beiden anderen in einigen Wochen in Dubai abholen werden. Am Nachmittag machen wir uns dann auf den Weg nach Al Ain, der Grenzstadt zum Oman. Dort können wir uns ungestört auf den riesigen Parkplatz des Zoo stellen und erfreuen uns am nächtlichen Gebrüll der Löwen und dem Lachen der Hyänen. Fast wie in Afrika…

Die Nacht und auch der heutige Tag versinken im Sandsturm. Die Luft ist voller Sand, die Sicht stark eingeschränkt, an einen Aufenthalt im Freien ist nicht zu denken. So verbringen wir den Tag eben am Computer.

Nach einem ausgiebigen Besuch des bekannten Kamelmarktes von Al Ain verlassen wir die Emirate erst mal wieder, um weiter in den Oman zu fahren. Die Ausreise ist rasch erledigt, doch bei den Omanis fühlen wir uns nach Afrika zurückversetzt, denn es dauert geschlagene zwei Stunden, bis sie unser Carnet und den dazugehörigen Computereintrag erledigt haben. Durch das schroffe Küstengebirge gleiten wir schließlich auf neuer Autobahn hinunter an den Indischen Ozean und lassen uns südlich von Sohar am Strand häuslich nieder. Dort werden wir sofort von vier jungen Universitätsprofessoren aus Jordanien, dem Libanon, aus dem Irak und von den Philippinen in Beschlag genommen, die dort ihr Wochenendpicknick zelebrieren.

Al Mafreq – Al Ain – Grenze VAE/Oman – Sohar – Al Uwaynat  -  355 km  -  1729 Tage / 125745 km

03. – 06. März 2019 - Strandurlaub in Ras Al Sawadi

Sonnenuntergang in Ras al Sawadi

Die Fahrt entlang der Küste ist eher belanglos, zersiedelt und dem starken Wind ungeschützt ausgesetzt. So starten wir durch bis zur markanten Landspitze Ras Al Sawadi mit den vorgelagerten Inseln. Hier verbrachten wir schon vor sechs Jahren einige entspannte Tage am Meer. Und so machen wir es auch diesmal. Immer wieder werden wir dort von deutschen Touristen angesprochen, die mit dem Mietwagen den Oman besuchen und es ergeben sich nette Begegnungen und Gespräche.

Nach vier Tagen Seele baumeln lassen sind unsere Akkus wieder voll…

Al Uwaynat – Ras Al Sawadi  -  150 km  -  1733 Tage / 125895 km

07. – 08. März 2019 - Auf der Farm von Wadhah

Farmrundgang

„You are almost welcome! Feel at home…“ Vor sechs Jahren verbrachten wir auf der Familienfarm von Wadhah und seinen Brüdern einen interessanten Tag. Als wir uns vor einigen Wochen ankündigten, dass wir in Kürze wieder im Oman sein werden, da war die Freude, uns wieder zu sehen, groß. Nach und nach trudeln die Herren in ihren blütenweißen Dishdashas zum traditionellen Wochenendtreffen ein und wir verbringen einen sehr unterhaltsamen und vor allem informativen Nachmittag und Abend zusammen.

Ras Al Sawadi – Barka – Barka/Farm  -  40 km  -  1735 Tage / 125935 km

09. – 10. März 2019 - Im Wadi Al Abyadh

Travellertreffen im Wadi Al Abyadh

Heute verlassen wir den Küstenbereich in Richtung Nakhl. Als wir am dortigen, bekannten Fort zur Mittagsrast einlaufen, trifft uns fast der Schlag: mindestens zwanzig Touristenmietwagen, zwei Busse und ein Schweizer Camper balgen sich um die Parkplätze. Vor sechs Jahren waren wir hier noch alleine…  Zumindest die Schweizer, Christina und Martin, erweisen sich als sehr nette Zeitgenossen und wir entscheiden, gemeinsam ins nicht weit entfernte Wadi Al Abyadh zu fahren. Dort finden wir einen netten Platz an einer direkt am Wasser stehenden Palme.

Den ganzen Tag verbringen wir mit dem Austausch interessanter Reiseerlebnisse, da die beiden soeben daher kommen, wohin wir noch wollen, nämlich nach Zentralasien. Das Wadi ist paradiesisch ruhig, die Badegumpen glasklar und die kiesigen Wege laden zum herumwandern ein, so dass der Tag im Nu vergeht.

Barka/Farm – Nakhl – Wadi Al Abyadh  -  65 km  -  1737 Tage / 126000 km

11. – 12. März - Ab in die Berge

1000 Höhenmeter Pistenfahrt zum Sharaf al Alamayn

Christina und Martin fahren nach Muscat und wir hinein ins Wadi Bani Awf. Die ersten Kilometer zwischen den imposant aufragenden Steilwänden sind inzwischen asphaltiert und betoniert. Doch schon bald hat uns die staubige und oft ruppig-steinige Piste wieder, die sich streckenweise abenteuerlich durch das Felsenlabyrinth windet. Da wir diese wirklich schöne Strecke bereits kennen, wissen wir auch, dass oberhalb von Balat Sayt ein toller Panoramaplatz zum Übernachten auf uns wartet. Und dort verbringen wir dann auch einen aussichtsreichen Nachmittag und eine ruhige Nacht.

Die zehn Kilometer hoch zum Sharaf al-Alamayn, dem rund 2.000 Meter hohen Passübergang im Akhdar-Gebirge, haben es in sich. Oft so schmal, dass „Manni“ noch gerade so durch passt, dann wieder so steil, dass trotz Untersetzung die Reifen auf dem gerölligen Untergrund leicht durchdrehen. Doch da wir auch diese Strecke bereits kennen, wissen wir, dass die Auffahrt letztlich ohne Probleme zu bewältigen ist. Oben auf der Passhöhe wandern wir bei überwältigendem Panorama an der Abbruchkante ein wenig umher, bevor uns der scharfe Wind ins Warme flüchten lässt.

Wadi Al Abyadh – Wadi Bani Awf – Balat Sayt – Sharaf al-Alamayn  -  70 km  -  1739 Tage / 126070 km

13. März 2019 - Durch das Wadi Nakhar

Tommy in unserem privaten Badepool

Kalt war es heute Nacht, ganze elf Grad im „Manni“ lassen uns erst spät die Nasenspitzen aus der kuscheligen Decke schälen. Zügig verlassen wir den unwirtlichen Ort und rollen auf bestem Asphalt die endlosen Serpentinen hinunter in wärmere Gefilde. Über Al Hamra erreichen wir rasch das Wadi Ghul und von dort geht es nun tief hinein ins Wadi Nakhar. Und wieder begeistert uns die spannende Fahrt entlang der senkrecht aufragenden Wände, um riesige Felsblöcke herum und durch wasserführende Furten. Ganz hinten im Wadi, bei einigen Gumpen, finden wir eine gute Möglichkeit zum Parken und entscheiden, zu bleiben.

Sharaf al-Alamayn – Al Hamra – Wadi Nakhar –  50 km  -  1740 Tage / 126120 km

14. – 15. März 2019 - Panoramakante am Jebel Shams

Die Zeigen sind frech!!!

Erst gegen Mittag verlassen wir das schmale Wadi, fahren durch das Wadi Ghul hinauf auf das Plateau des Jebel Shams. Dort oben, schon weit über 2.000 Meter Höhe, stellen wir uns wie damals direkt an die Panoramakante oberhalb des Wadi Nakhar, das sich hier rund 1.000 Meter unter uns durch die Felswände schlängelt.

Den ganzen Tag bleiben wir hier oben an der eindrucksvollen Kante des omanischen Grand Canyons, wandern entlang des Abbruchs, genießen die weiten Blicke über das Land unter uns und erwehren uns der frechen Ziegen, die uns das Essen vom Tisch klauen wollen. Am späten Nachmittag ziehen plötzlich dunkle Wolken auf und es fängt doch tatsächlich an zu regnen!

 

Wadi Nakhar – Jebel Shams View  -  40 km  -  1742 Tage / 126160 km

16. – 17. März 2019 - Von einem Wadi zum nächsten…

an unserem Stellplatz im Wadi Muaydin

…hangeln wir uns nun. Das Wetter vertreibt uns aus der Höhe hinunter in die windgeschützten Wadis am Fuß der Al Akhbar Berge. Unser erstes Ziel ist das Wadi Al Hijri, das sich hinter dem zerstörten Lehmdorf Tanouf in die Berge zieht. Schon nach wenigen Augenblicken treffen wir Patrik und Florence aus Frankreich und wir suchen uns gemeinsam einen Platz zum Austauschen von Informationen und Übernachten.

Nach ausführlichen Großeinkäufen in den Malls von Nizwa hoppeln wir in das Wadi Muaydin am Fuß des Sayq-Plateaus. Immer enger wird es zwischen den senkrechten Felswänden, und als die Piste sich im Flussbett verliert, steht da ein Schweizer Landcruiser. Die Begrüßung ist überraschend und persönlich: „Schau an, die Mantocos! Endlich treffen wir Euch mal!“ Peter und Patrizia verfolgen uns schon seit Jahren mittels unserer Homepage-Berichte, sie kommen auch gerade von einer Transafrika-Tour und hatten uns in Khartoum im Sudan knapp verfehlt. Jetzt ist die Freude beiderseits natürlich groß, und es wird eine lange Nacht mit vielen Erzählungen afrikanischer Erlebnisse.

Jebel Shams – Al Hamra – Nizwa – Wadi Muaydin  -  135 km  -  1744 Tage / 126295 km

18. – 19. März 2019 - Ein großer Sprung nach Osten…

Pistenfahrt amJebel Bani Jabir

…in das Al-Hajar ash Sharqijah Gebirge steht uns heute bevor. Wir verlassen das zentrale Al Akhdar Gebirge vorerst und wenden uns dem Küstengebirge zu. Erst kurz vor Mittag verlassen wir den ruhigen Platz im Wadi Muaydin, nachdem auch Peter und Patrizia sich vom Acker machten. Über Izki und Ibra fahren wir hinein in die schroffe, zerklüftete Berglandschaft. Ab dem Nest Sumayyan quält uns dann eine wirklich üble Wellblechpiste und wir geben uns nach wenigen Kilometern für heute geschlagen, nachdem wir einen passablen Platz zum Übernachten entdecken.

Bestimmt drei Dutzend, mit in den einsamen Bergdörfern eingesammelten Schülern vollgestopfte Landcruiser wecken uns etwas unsanft, als sie in dichten Staubwolken auf der in der Nähe verlaufenden Piste gen Schule unterwegs sind.  So schälen wir uns eben aus den gemütlichen Federn und bereiten uns für den heutigen Pistentag hinauf auf das Jebel Bani Jabir Plateau vor. Nachdem wir die etwas öde Wellblechstrecke im Wadi al Khabbah überstanden haben, schraubt sich die besser werdende Piste teilweise sowas von steil empor, dass „Manni“ nur noch im ersten Gang die steinigen Rampen überwinden kann. Selbst oben auf dem Plateau fordern uns immer wieder steilste Auf- und Abfahrten, die erfreulicherweise oftmals betoniert sind, um die Traktion zu erleichtern. Auf fast 2.100 Metern Höhe haben wir den Kamm erreicht und richten uns bald darauf auf einem einsam gelegenen Geröllfeld häuslich ein.

Wadi Muaydin – Izki – Ibra – Sumayyan – Jebel Bani Jabir  -  255 km  -  1746 Tage / 126550 km

20. – 22. März 2019 - Gemütliche Tage am Indischen Ozean

Abdul spendiert leckeren Fisch

Die Abfahrt hinunter ans Meer ist sehr gut zu fahren, nie zu steil oder zu eng. Und wenn es einmal steiler wird, dann ist die Piste wieder betoniert. Nach rund 1.600 Höhenmetern erreichen wir bei Qalhat wieder den Indischen Ozean. Auf der Küstenautobahn passieren wir die beiden sehr gerne von Touristen besuchten Wadis Tiwi und Shab. Erst kurz vor Fins verlassen wir die Autobahn wieder und suchen uns einen ruhigen Platz in einer kleinen Bucht. Den finden wir auch, der Besucherandrang rund um die beliebte „White Beach Area“ hält sich erfreulicherweise in Grenzen, und wir verbringen drei schöne Badetage. Abdullah, omanischer Taxifahrer, besucht uns und bringt für den nächsten Tag frischen Thunfisch und ein ganzes Huhn mit, das wir gemeinsam auf namibischer Akazie grillen und genüsslich verspeisen. Und wir lernen Audrey und Steve aus Kanada kennen, die seit vielen Jahren im Oman arbeiten; es wird eine lange Nacht am Lagerfeuer…

Jebel Bani Jabir – Qalhat – Fins/White Beach Area  -  55 km  -  1749 Tage / 126605 km

23. – 24. März 2019 - Durch das Wadi Arbiyyin nach Quryat

große Wäsche an der Wadi-Gumpe

Drei Badetage sind genug, und wir wecken „Manni“ aus seiner Strandruhe auf. Plötzlich sehen wir einen Firmenwagen der Strabag irgendwo am Ufer stehen, und mit Jaime aus Kolumbien, Brückenbauingenieur mit hervorragenden Deutschkenntnissen, verabreden wir uns für die nächsten Tage in der Zentrale in Muscat. Kurz darauf erreichen wir das Wadi Arbiyyin mit seinen steil aufragenden Wänden und idyllischen, natürlichen Pools. Wir suchen uns die schönsten Becken zum Bleiben aus: tief genug, um richtig zu schwimmen und direkt am senkrechten Fels gelegen. Wenig später scheucht uns Yousuf auf. Er hat seinen Toyota im Wadi versenkt und bittet aufgeregt um Hilfe. Das Malheur ist wirklich heftig, doch für „Manni“ ein Kinderspiel. Zum Dank laden sie uns zu sich nach Hause in Muscat ein.

Als eine nicht abreißen wollende Karawane von Landcruisern, bestückt mit Passagieren diverser Kreuzfahrtschiffe auf Tagesausflug, unseren traumhaft schönen Badeplatz stürmt, ist es mit der Idylle endgültig vorbei. Und als einige der mitfahrenden Chinesen sich ungefragt unserer Stühle bemächtigen und dann auch noch in unser Allerheiligstes vorzudringen versuchen, um sich zum Baden umzuziehen, ist unsere Geduld endgültig überstrapaziert. Ich mache ein mittelgroßes Fass auf, so dass die Schlitzaugen die gelben Ohren anlegen, und die Reiseleiter sie heftig beschimpfend aus der Gefahrenzone ziehen. „Manni“ als Umkleidekabine – geht`s noch?

Wir entscheiden, diesen zwar tollen, aber hochfrequentierten Platz zu verlassen. Nach einem kurzen Besuch des von der Strabag gebauten, riesigen Damms im Wadi Dayqah sind wir rasch in Quryat, wo wir uns den Rest des Tages auf die Promenade zwischen Hafen und Strand stellen und dem abendlichen Treiben zusehen.

Fins – Wadi Arbiyyin – Wadi Dayqah Damm – Quryat  -  105 km  -  1751 Tage / 126710 km

25. – 26. März 2019 - Muscat zum Ersten…

große Moschee in Muscat

Da wir auf Sightseeing in Muscat verzichten können - haben wir bei unserem letzten Besuch ja alles schon abgearbeitet - konzentrieren wir uns auf die uns angebotenen Einladungen und die Beantragung unserer Iran-Visa. Diese können wir in der hiesigen Botschaft völlig problemlos anfordern, ohne Vorlage des sonst üblichen Papierkrams, und morgen früh bereits abholen. Das ist doch mal angenehm! Nach erfolgreicher Stürmung zweier Riesensupermärkte finden wir uns abends bei Audrey und Steve in deren weitläufigen Appartement ein. Sie haben lecker aufgekocht, Gin-Tonic und ein edler Roter runden das Ganze perfekt ab, und so wird es ein sehr lustiger Abend mit den beiden Kanadiern.

Wie mit Jaime verabredet, dürfen wir die Werkstatt der Strabag wieder einmal nutzen, um „Manni“ durchzuchecken; wir lassen ihn abschmieren und füllen unsere restlos leeren Wassertanks. Service des Hauses, kennen wir ja schon… Abends laden wir ihn zu unserem schönen Strandplatz unter Palmen zum Essen ein, er sorgt für eiskaltes Bier und wir erfahren viel aus seinem beruflichen Vagabundenleben.

Quryat – Muscat/Capital Area  -  165 km  -  1753 Tage / 126875 km

27. – 28. März 2019 - …und zum Zweiten.

Palmenoase mit altem Fort

Gegen Mittag holt uns Wadhah ab, um uns zum Lunch auszuführen. Wir genießen omanisches Essen in einem landestypisch aufgebauten Fort inmitten hochrangiger Regierungsmitarbeiter und gutsituierter Städter. Anschließend führt er uns stolz in seinem fast fertiggestellten, neuen Haus herum und wir staunen über die sowohl räumlichen, als auch finanziellen Dimensionen.

Den Abend verbringen wir mit Yousuf und Safiya, den Havaristen aus dem Wadi Arbiyyin. Nahezu der komplette Vorort gehört der Familie, die Mitglieder bewohnen hier teilweise Häuser, die einem orientalischen Märchen entsprungen scheinen. Die halbe Nacht verbringen wir mit den Beiden und tauchen tief in die spannende, omanische Familiengeschichte ein. Großzügig beschenkt fallen wir schließlich erschöpft ins Bett.

Heute heißt es endlich raus aus der Stadt. Über Barka fahren wir wieder hinein in das Wadi Al Abyadh, um an unseren herrlichen Badepools morgen Connys Geburtstag gemütlich zu feiern.

Muscat/Capital Area – Barka – Wadi Al Abyadh  -  150 km  -  1755 Tage  /  127025 km

29. – 30. März 2019 - “Happy Birthday”, liebste Conny!

unser gerrlicher Platz im Wadi Abyadh

Zwei Tage bleiben wir hier an unserem privaten Badepool unter den drei Palmen, genießen die Ruhe im Wadi. Connys Geburtstag gibt unserem für diesen Tag aufbewahrten, eingefrorenen Oryx-Filet aus Kamanjab in Namibia die Gelegenheit, den finalen Gang zum Grill einzuschlagen. Serviert mit einem unserer letzten roten Südafrikaner - was für ein Genuss! Und ein Grund mehr, irgendwann wieder nach Namibia zu fahren…

Ach ja, heute leben wir schon sieben tolle Jahre im Laster!

Wadi Al Abyadh  -  0 km  -  1757 Tage / 127025 km

31. März – 01. April 2019 - Zurück in die Arabischen Emirate

wir übernachten gleich vor dem Fort in Yangul

Trüb ist die Luft, die Fernsicht macht eine Route direkt durch die Berge überflüssig. Wir entscheiden, auf direktem Weg in Richtung Grenze zu fahren. Über Al Rustaq und durch das Wadi Bani Ghafir geht es auf besten Asphaltstraßen hoch nach Yangul. Dort stellen wir uns vor das inmitten eines Palmenhains gelegene Fort.

Besichtigt hatten wir diese weitläufige Anlage ja bereits vor sechs Jahren und sie dabei zu unserem Lieblingsfort erkoren. Von einem weiteren Besuch nehmen wir allerdings Abstand, da inzwischen ein hoher Eintrittspreis gefordert wird. Also starten wir schon bald nach dem Frühstück und stehen mittags an der Grenze. Die beidseitige Abfertigung verläuft hier zügig, und schon sind wir wieder in Al Ain. Gegen Abend quartieren wir uns neben den so schön brüllenden Löwen und Hyänen ein und träumen von Afrika…

Wadi Al Abyadh – Al Rustaq – Yangul – Gr. Oman/VAE – Al Ain  -  345 km  -  1759 Tage / 127370 km

02. – 06. April 2019 - Strandleben in Dubai

nächtliches Lichtermeer an der Al Mamsar Lagune

Ach, wie entspannt ist ein Stadtaufenthalt ohne Sightseeing! Wir quartieren uns am Jumeirah 3 Beach Parking ein, schon bei unserem letzten Besuch hier unser bevorzugter Standplatz. Direkt am Strand mit glasklarem Wasser, inzwischen alles perfekt ausgebaut mit großem Parkplatz, Toiletten, Strandduschen und einem professionellen Jogging-Runway. Und aus dem benachbarten Beach Resort gibt es freien Internetzugang. Die verlangte Gebühr für das 24-Stunden-Parkticket ist lächerlich, und so bleiben wir erst mal ein paar Tage hier stehen, um intensiv an unserem Afrika-Buch zu arbeiten.

So nach und nach kennt uns dann ein Jeder; die Polizeistreife grüßt immer freundlich, die ersten Nachbarn laden uns zum Essen ein, andere versorgen uns mit Getränken und ganz Aufmerksame bieten die Nutzung ihrer Waschmaschine an. Fast wie Vollpension…

Al Ain – Dubai/Jumeirah 3 Beach Parking  -  195 km  -  1764 Tage /  127565 km

07. – 12. April 2019 - Jede Menge Erledigungen…

Dubai City mit Burj Kalifa

…stehen so langsam an: Zuerst fahren wir mal nach hinüber nach Sharjah, um die Fähre in den Iran zu buchen. Danach bleiben wir zwei Tage an der Lagune Al Mamzar mit Blick auf die Skyline von Sharjah-City. Zurück über den Creek in Dubai finden wir auf der neu aufgeschütteten Halbinsel „La Mer“ den ultimativen Dubai-Downtown-Panoramaplatz. Was für eine Ansicht, vor allem im Abendlicht und später dann im Lichterglanz!

Die perfekten Facilities am Jumeirah 3 Beach lassen uns jedoch wieder dorthin zurückkehren, hier gefällt es uns einfach am besten. Bei der Niederlassung von Continental holen wir unsere drei schon vor einigen Wochen bestellten Reifen ab. Einen montieren wir in deren Werkstatt unter den erst belustigten, dann jedoch ob unserer professionellen und vor allem schnellen Montage anerkennenden Blicke der Werkstattmannschaft auf die Felge und packen zwei aufs Dach, so dass „Manni“ nun aussieht wie ein Reifentransporter. Doch die uns von Emil vermittelten Spezialpreise sowie das Wissen um die absehbare Nutzbarkeit unserer beiden Vorderreifen lassen uns auf Vorrat kaufen.

Ganz ungewohnt für Dubai sind die diesjährigen Wetterkapriolen. Immer wieder tröpfelt es aus dicht verhangenem Himmel, dadurch bleiben die Temperaturen ausgesprochen angenehm und wir können unseren Aufenthalt hier sehr genießen.

Dubai  -  120 km  -  1770 Tage / 127685 km

13. – 20. April 2019 - Sarah kommt uns besuchen!

Familienbesuch: Tommy mit seiner Tochter Sarah

Heute gegen Abend regnet es wirklich heftig, als sich ein gewaltiges Gewitter entlädt. Sehr ungewöhnlich für die Region, vor allem zu dieser Jahreszeit.

Vor ein paar Wochen hat sich meine Tochter Sarah zu einem kurzen Besuch angekündigt, und jetzt ist es soweit – heute kommt sie in Dubai an! Die Wiedersehensfreude ist groß und wir haben uns natürlich viel zu erzählen. Das machen wir ausgiebig an den verschiedensten, attraktiven Plätzen in der Stadt.

Als sie uns nach einer ausgefüllten Woche wieder verlässt, bereiten wir uns auf die Überfahrt in den Iran vor. Gemeinsam mit Nik und Elle aus der Schweiz, zu denen wir schon seit einiger Zeit  in Kontakt stehen, machen wir uns auf zum Hafen in Sharjah.

Dubai – 245 km  -  1778 Tage / 127930 km

21. – 22. April 2019 - Welcome to Iran!

warten auf die Fähre

Die Ausreiseformalitäten im Hafen von Sharjah sind ganz entspannt zu bewältigen, alles ist bestens organisiert von der Fährgesellschaft. Am Abend beziehen wir auf der mittlerweile leicht angerosteten Fähre „Hormuz 14“ Quartier in unseren Lastern und verlassen pünktlich die arabische Halbinsel.

Nach einer sehr ruhigen Überfahrt auf dem spiegelglatten Persischen Golf und durch die Straße von Hormuz legen wir am Vormittag im Hafen von Bandar Abbas an. Nun beginnt ein streckenweise grotesk anmutender Hürdenlauf entlang unzähliger Schalter und Schreibstuben. Fünfzehn Stempel und diverse Unterschriften sind nötig, um letztlich mit einem freundlichen „Welcome to Iran“ die finale Schranke zu passieren.

Als erstes versuchen wir nun, Diesel für unsere leeren Tanks zu ergattern. Die Versorgungslage hier im Süden ist traditionell sehr angespannt und nach dem Anfahren der zwei Tankstellen an der Umgehungsautobahn haben wir immerhin 100 Liter bekommen, umgerechnet für sensationelle zwei Eurocent den Liter! Den Rest des Tages und die Nacht verbringen wir dann im weitläufigen Park Ghadir an der Uferpromenade von Bandar Abbas.

Sharjah – Fähre/Grenze VAE/Iran – Bandar Abbas  -  100 km  -  1780 Tage / 128095 km

23. – 24. April 2019 - Temperatursturz!

die alte Lehmburg von Rayen

Hier unten am Persischen Golf ist es unangenehm schwül, hohe Luftfeuchtigkeit und heiße Tagestemperaturen verleiten einen längeren Aufenthalt. Also nix wie weg! Auf unserer Fahrt hinauf ins Hochland gelingt es uns noch, weitere 260 Liter Diesel zu tanken. Dafür müssen wir allerdings den vierfachen Preis bezahlen, hält sich mit acht Eurocent für den Liter aber in überschaubaren Grenzen. Mit nun beruhigender Tankfüllung verlassen wir die vom Sandsturm eingetrübte Küstenregion. Erst hinter Kahnuj beenden wir die heutige Fahrt, als wir oberhalb eines breiten Flussbetts einen ruhigen Übernachtungsplatz entdecken.

Hinter Jiroft gewinnen wir schnell an Höhe, erste Schneereste auf den Bergen um uns zeugen vom gerade vergangenen Winter. Auf der Passhöhe in rund 2.900 Metern Höhe pfeift uns ein ordentlich kalter Wind um die Ohren, doch das Panorama auf der anschließenden Fahrt über die Hochebene ist grandios. In Rayen stellen wir uns in den Schatten der weltgrößten aus Lehmziegeln erbauten Burganlage und genießen die nachmittäglichen Sonnenstrahlen, bevor uns die ungewohnt kalten Temperaturen ins Warme treiben.

Bandar Abbas – Kahnuj – Halil River – Jiroft – Rayen  -  420 km  -  1782 Tage / 128515 km

25. – 26. April 2019 - In die Wüste Lut

Traumübernachtungsplätze in der Lut

Als wir starten wollen, schreckt uns ein lautes Zischen auf: Eine Luftleitung scheint undicht zu sein! Schnell ist der Übeltäter lokalisiert, es ist der Anschluss zum Kompressor. Die Gummidichtung ist zerschlissen, aber in unserer Sammlung Kleinstteile finden wir eine passende und können das Problem rasch beheben. Wir schnorren noch 50 Liter Diesel an der Tanke und machen uns auf den Weg nach Mahan.

Nach einer ruhigen Nacht am Fuß der schneebedeckten Berge erbetteln wir weitere 150 Liter Diesel für ganze drei Euro. Gerüstet für die große Rundfahrt durch die Wüste Lut überwinden wir zunächst den fast 2.700 Meter hohen Pass über den Gebirgszug, auf dessen Ostseite sich diese faszinierende Wüstenlandschaft erstreckt. Höhenmeter um Höhenmeter rollen wir anschließend hinunter in die meist unerträglich heiße Senke, 2.500 Meter tiefer tauchen wir ein in die skurrile Welt der Khaluts. Inmitten dieser markanten Sandsteinformationen stellen wir uns auf ein etwas erhöhtes Plateau und können uns nicht sattsehen vom Dargebotenen.

Rayen – Mahan – Shahdad – Wüste Lut  -  270 km  -  1784 Tage / 128785 km

27. – 29. April 2019 - Die Wüste Lut – ein tolles Arrangement der Natur!

mit Nik und Elle in der Wüste

Als wir nach einer steilen Dünenauffahrt an unserem neuen Standplatz ankommen, rollt plötzlich ein großer Gummipuffer unter „Manni“ hervor und die soeben erklommene Düne hinunter. Es stellt sich heraus, es ist der Abstandspuffer zwischen Blattfederpaket und Rahmen; er ist regelrecht auseinandergebrochen! Mit vereinten Kräften und einer passenden Schraubschelle von Nik gelingt es uns, das kaputte Teil wieder an seinem angestammten Platz zu fixieren.

Leider ist es zurzeit nicht möglich, die geplante, große Wüstenrunde anzugehen, da die für die Anfahrt nötige, zentrale Asphaltstraße durch die Salzpfanne bei den kürzlich aufgetretenen Unwettern auf einer Länge von fünfundzwanzig Kilometern komplett zerstört wurde und auch eine Umfahrung über den Salzsee viel zu gefährlich ist. So verabschieden sich nun Nik und Elle, mit denen wir gemeinsam dieses große Wüstenabenteuer erleben wollten; sie ziehen letztlich weiter in Richtung Pakistan und Indien. Insgesamt drei Tage verbringen wir zwischen den skurrilen Sandsteinformationen, wandern umher oder blicken einfach nur in die Runde. Wir staunen über die Modellierkünste der Natur, die mit viel Wind und Wasser eine unvergleichliche Welt geschaffen hat.

Wüste Lut  -  5 km  -  1787 Tage / 128790 km

30. April – 01. Mai 2019 - Und noch eine unerwartete Panne!

Bazarviertel in Kerman

Bei herrlich klarem Wetter fahren wir gemächlich über den vor einigen Tagen bezwungenen Gebirgszug zurück und weiter nach Kerman. Im Hof des Hotels Akhavan werden wir von den beiden Brüdern Amir und Ascar herzlich begrüßt; sie erinnern sich sofort, dass wir vor mehr als sechs Jahren hier waren! Auf einem abendlichen Rundgang durch den Bazar und die sehr dezent restaurierte Altstadt von Kerman fühlen wir uns auch sogleich wieder sehr wohl.

Als wir heute früh aufbrechen, knallt und scheppert es plötzlich rechts neben uns! Unser erster Gedanke war, dass die dicht neben uns fahrende Iranerin uns touchierte, doch als uns nach dem Stopp ein Passant ein abgebrochenes Blattfederteil aushändigt, wissen wir, dass der Tag etwas anders als geplant verlaufen wird. In einer Verkaufsbude für Blattfedern aller Art wird schnell klar, unsere Größe gibt es dank der Wirtschaftssanktionen nicht im Iran! Also ab in eine der vielen Hinterhofwerkstätten. Und wir haben Glück: die Jungs dort wissen mit dem Schaden umzugehen, und nach ein paar Stunden Schrauben und Schweißen sieht das Resultat ganz gut aus. Kostenpunkt: ganze zehn Euro! Hoffen wir mal, dass es hält, bis wir eine professionelle Lösung haben…

Wüste Lut – Kerman  -  185 km  -  1789 Tage / 128975 km

02. – 03. Mai 2019 - Viel Historisches auf der iranischen Seidenstraße

Karanaq - alte Bogenbrücke und verfallene Altstadt

Die knapp 400 Kilometer von Kerman nach Yazd werden zum Probelauf für die Blattfederreparatur, allerdings ist die Schnellstraße keine große Belastung. So fahren wir denn, vorsichtig nach unerwarteten Geräuschen lauschend, die öde Strecke etwas angespannter als sonst. Erst kurz vor Yazd wird es wieder abwechslungsreicher, als die noch schneebedeckten Viertausender um den Shir Kuh ein eindrucksvolles Bild abgeben. In der historischen Altstadt von Yazd zirkeln wir „Manni“ zentimeterweise um die renovierten Lehmziegelgebäude auf den Parkplatz vor dem Silk Road Hotel, das Travellern kostenloses Parken samt heißen Duschen und Toiletten anbietet. Ein abendlicher Spaziergang rund um die große Moschee und durch den Bazar lässt unsere Erinnerungen an unseren ersten Besuch dieser interessanten Stadt wieder aufleben.

Nicht weit von Yazd entfernt, schon in den Ausläufern der Kavir-Wüste, lockt das historische Städtchen Kharanaq. Seit 4.000 Jahren ist dieser Hügel bereits besiedelt, heute jedoch verlassen und trotz einiger Restaurierungen eher dem Verfall überlassen. So ist denn auch das Gesamtbild aus der Ferne weit attraktiver als der Detaileindruck innerhalb der Mauerreste. Für uns ist die ruhige Atmosphäre zwischen dem satten Grün der umliegenden Felder heute genau das, was wir brauchen, und so bleiben wir…

Kerman – Yazd – Kharanaq  -  450 km  -  1791 Tage / 129425 km

04. – 05. Mai 2019 - Ab in die Berge

unser Basecamp zum Aufstieg auf den Shir Kuh

Auch den heutigen Vormittag verbringen wir noch in Kharanaq, die Umgebung lädt uns zu weiteren Spaziergängen ein. Als wir später in Ardakan wieder die heiße Ebene von Yazd erreichen, ist durch den heftig blasenden Wind so viel Sand in der Luft, dass wir schnell entscheiden, über Taft in das Gebirge um den Shir Kuh durchzustarten. Und dies war gut so, denn hier oben ist die Luft wieder klar und die Temperaturen angenehmer. Auf einem Plateau oberhalb von Taft finden wir einen ruhigen Platz mit tollem Ausblick auf den 4.055 Meter hohen Shir Kuh und seine Trabanten.

Je länger wir die noch teilweise mit Schnee bedeckten Berge vor uns betrachten, umso größer wird der Wunsch, dort auch hinauf zu steigen. Also fahren wir auf dem schmalen Sträßchen hinein in die fruchtbaren Täler rund um die Bergriesen. Ganz hinten im Tal, auf 2.600 Metern Höhe, ist Schluss, und wir errichten zwischen sanft dahinplätschernden Wasserläufen unser Basecamp für die Besteigung des Shir Kuh.

Kharanaq – Ardakan – Yazd – Taft – Basecamp Shir Kuh  -  190 km  -  1793 Tage / 129615 km

06. Mai 2019 - Wir eröffnen die Bergsteigersaison!

auf dem 4055 Meter hohen Shir Kuh Gipfel

„Meinst Du nicht, dass diese Tour als Einstieg ein wenig übertrieben ist? 1.500 Höhenmeter, rauf auf einen Viertausender, und das alles ohne die nötige Kondition?“ Conny zaudert etwas, doch das bisschen Berg schaffen wir schon, oder?

Um sieben Uhr morgens stehen wir in ungewohnten Bergstiefeln und gepackten Rucksäcken vor den steilen Felswänden um uns herum. Und es geht auch gleich richtig zur Sache! Doch wir finden schnell unseren Trott, und schon nach nur vier Stunden teils heftigen Anstiegs und letzten Schneefeldern auf den finalen Metern stehen wir auf dem Gipfel! Der halbe Iran schein uns zu Füssen liegen! Doch der frische Wind lässt uns nicht allzu lange hier oben verweilen, erst weiter unten, nahe geschützter Felswände, genießen wir das Panorama um uns herum. Als wir nach neun Stunden unsere müden Knochen und malträtierten Füße ins kalte Wasser strecken, spüren wir die ungewohnte Anstrengung, auch wenn wir nie mit Konditionsproblemen zu kämpfen hatten. Wir haben`s also doch noch drauf…

Besteigung Shir Kuh  -  0 km  -  1794 Tage / 129615 km

07. – 10. Mai 2019 - Emotionales Wiedersehen in Sahreza!

bei unserer iranischen Familie zu Gast

So langsam nähern wir uns Shahreza und damit der Familie, zu denen wir ein ganz besonders herzliches Verhältnis über all die langen Jahre seit unserem letzten Besuch haben. Wir wählen  Nebenstrecken über eine pittoresk in der Einsamkeit liegende, 500 Jahre alte Karawanserei und entlang eines weitläufigen, in der Morgensonne strahlend weiß glitzernden Salzsees.

Als wir vor dem Haus unserer iranischen Familie ankommen, sind wir sofort umringt von einigen Nachbarn, die uns alle wieder herzlich willkommen heißen. Und als wir schließlich die Eltern von Parvin und Ali in die Arme schließen, ist die Freude über unser Wiedersehen nach sechs langen Jahren unbeschreiblich!

Ali und Tannaz, inzwischen ist unser Freund verheiratet, kommen mit dem Nachtbus aus Teheran, und die Beiden überraschen uns auf eine ganz besondere Weise: sie haben inzwischen Deutsch gelernt! Und wie gut sogar! Gemeinsam mit einigen weiteren Freunden verbringen wir ein sehr intensives Wochenende. Ali und Tannaz müssen wieder zurück nach Teheran, die Arbeit ruft, doch wir werden uns  dort in ein paar Wochen noch einmal treffen.

Shir Kuh – Nadushan – Karawanserei – Varzaneh – Shahreza  -  400 km  -  1798 Tage / 130015 km

11. – 12. Mai 2019 - Blattfederreparatur in Isfahan

ein Federblatt wird getauscht

Im Werkstattviertel von Isfahan hoffen wir, für unsere gebrochene Blattfeder Ersatz zu bekommen. Dank der armenisch-iranischen Brüder Vrezh und Arvin, die dort eine Werkstatt betreiben und als englisch sprechende Vermittler für die anderen dort ansässigen Werkstätten fungieren, gelingt uns dies auch. Leider versuchen sie anschließend, uns preislich über den Tisch zu ziehen, was ihnen letztlich aber nicht gelingt, jedoch einen etwas faden Nachgeschmack hinterlässt. Schade, wäre doch nicht nötig…

Shahreza – Isfahan/Werkstattviertel  -  105 km  -  1800 Tage / 130120 km

13. – 16. Mai 2019 - Isfahan – „die halbe Welt…“

der zentrale Meydan-e Imam bei Nacht

…wird die Stadt am Zayanderud auch genannt. Inmitten der historischen Altstadt um den Meydan-e Imam finden wir in einer ruhigen Anliegergasse einen guten Platz zum Parken und Übernachten, perfekt als Ausgangspunkt für unsere Rundgänge in den nächsten Tagen. Unsere Nachbarn heißen uns herzlich willkommen, bieten uns an, ein leerstehendes Appartement zu benutzen, Toilette, Dusche, Stromanschluss, Internetverbindung, alles zu unserer Verfügung! Und es ist auch hier wieder wie ein bisschen „nach Hause kommen“. Kaum laufen wir durch die Altstadt und begeistern uns an den eindrucksvollen Moscheen und Palästen, treffen wir sofort einige der uns Bekannten: Shanti, Navid und auch den alten Hossein, der seinerzeit einen Narren an Conny gefressen hatte und sich kaum mehr einkriegt vor Freude und Überraschung. Wir können uns kaum retten vor Einladungen, jeder möchte uns zu sich nach Hause bitten. Es fällt uns schwer, freundlich abzulehnen, doch sonst würden wir noch wochenlang in Isfahan hängen bleiben…

So verlassen wir unsere iranische Lieblingsstadt nach drei Tagen mit einem tollen Gefühl und machen uns auf ins Zagrosgebirge. Weit kommen wir allerdings heute nicht mehr, in Mobarakeh nächtigen wir in einer herrlichen Grünanlage direkt am Zayanderud.

Isfahan – Mobarakeh  -  110 km  -  1804 Tage / 130230 km

17. – 18. Mai 2019 - Wanderung in herrlicher Berglandschaft

Gewitterstimmung am Kuh-e Kalar

Über Borujen und Gandoman erreichen wir das Kuh-e Kalar Gebirge. Hier, am Nordrand dieses noch ziemlich schneebedeckten Gebirgszuges, reihen sich ein halbes Dutzend kleiner Stauseen wie Perlen auf einer Kette entlang der steilen Hänge auf. An einem dieser von sattgrünen Feldern und gelben Blumen umgebenen Seen richten wir uns ein, herzlich begrüßt von die Felder bestellenden Bauern.

Unser Plan ist es, den höchsten der steil vor uns aufragenden Dreitausender zu besteigen. Doch als wir nach drei Stunden Aufstieg auf einem der schneelosen Trabanten, immerhin auch schon 3.500 Meter hoch, ankommen, verdunkeln schwarze Wolken den bisher so freundlichen Himmel, und ein gewaltiger Donnerschlag lässt uns entscheiden, den Rückweg anzutreten. Beim raschen Abstieg durch schneegefüllte Rinnen lösen sich dann plötzlich die Sohlen unserer leichten Bergstiefel, der Kleber hat wohl die Hitze der letzten Jahre und nun die intensive Feuchtigkeit nicht vertragen. Und so stolpern wir ziemlich ungelenk zurück zu „Manni“…

Mobarakeh – Borujen – Gandoman – Kuh-e Kalar Gebirge  -  140 km  -  1806 Tage / 130370 km

19. Mai 2019 - Panoramafahrt zum Zard Kuh Gebirge

das Kouhrang-Flusstal mit den Zard Kuh Massiv

Die Weiterfahrt über schmale und kurvenreiche Bergstraßen ist unglaublich abwechslungsreich. Wir überwinden mehrere Gebirgszüge, wechseln von saftig grünen Tälern hinauf auf mit Schneeresten gespickte Pässe, um sogleich wieder steil hinunter zu rollen zu den mit bunten Blumen übersäten Wiesen. Überall begegnen wir den Nomaden der Bachtiari, die nach dem langen Winter nun ihre Sommerlager in den Bergen beziehen. Auf altersschwachen Pickups transportieren sie Hab und Gut, die Tiere werden per Laster angeliefert. Also auch nicht mehr so, wie noch vor einigen Jahren. Oberhalb des Ferienortes Chelgerd entdecken wir dann einen sensationellen Panoramaplatz, das gesamte Gebiet des Zard Kuh mit seinen unzähligen Gipfeln und Tälern breitet sich unter uns aus!

Kuh-e Kalar – Naghan – Ardal – Dashtak – Chelgerd  -  160 km  -  1807 Tage / 130530 km

20. – 21. Mai 2019 - Hochalpine Landschaften im Zard Kuh Gebirge

Der Berg ruft!

Nach einer Rundfahrt durch das Hochtal des Kouhrang, der hier vor der Kulisse der Viertausender das Schmelzwasser zu einem weit entfernten Stausee transportiert, fahren wir auf einer holprigen Bergpiste weit hinein zwischen die winterlich schneebedeckten Hänge. Nach einigen Kilometern ist jedoch Schluss, die Straße ist noch von meterhohen Lawinenabgängen verschüttet und wird gerade freigefräst.

Leider sind die ganz hohen Berge noch nicht zu bezwingen, der Schnee liegt noch zu hoch und die Gefahr von Lawinenabgängen in der Nachmittagssonne ist nicht zu unterschätzen. So bleiben uns lediglich moderate Wanderungen auf inzwischen einigermaßen schneefreie Dreitausender, immerhin jedes Mal mit grandiosen Rundblicken beschenkt.

Chelgerd – Zard Kuh Gebirge  -  40 km  -  1809 Tage / 130570 km

22. Mai 2019 - Winterschäden vereiteln heute unsere geplante Route…

Der Frühling ist da!

…direkt durch die Berge. Unsere Idee, abseits der Hauptstraßen hinüber zum Oshtoran Kuh zu wechseln, wird schnell ab absurdum geführt. Jedes Mal, wenn wir eine der aussichtsreichen Sträßchen wählen, bremsen uns wenige Kilometer weiter ein abgerutschter Hang oder noch nicht vom Schnee befreite Passagen aus. Also müssen wir letztlich doch ganz außen herum um den Gebirgsstock. Über Daran, Aligudarz und Azna erreichen wir denn nach langer Fahrt endlich den Fuß des Oshtoran Kuh…

Zard Kuh – Chelgerd – Daran – Aligudarz – Azna – Tiyan  -  305 km  -  1810 Tage / 130875 km

23. Mai 2019 - Traumbergtour im Oshtoran Kuh Gebirge

auf dem Oshtoran Kuh Gletscher

Als wir am gestrigen Abend so vor der beeindruckenden Kulisse der über 4.000 Meter hohen Schneeflanken des Oshteran Kuh saßen, wurde uns schnell klar, als Tagestour sind die fast 2.500 Höhenmeter durch steile, schneegefüllte Rinnen wohl nicht zu bewältigen. Und auf eine Übernachtung in einer ungemütlich kalten Blechhütte haben wir keine Lust. Also entscheiden wir uns für eine gemütliche Rundwanderung über die grünen Hügel am Fuße der großen Gipfel. Dementsprechend brechen wir auf, es ist bereits halb neun, also viel zu spät für eine wirklich große Tour.

Doch es kommt anders als angedacht: Bereits zweieinhalb Stunden später haben wir unser anvisiertes Tagesziel erreicht, die 1.000 Höhenmeter bis zur Schneegrenze über herrlich grüne Plateaus mit vielen bunten Blumen und großen Schafherden waren super abwechslungsreich und ganz leicht abgelaufen. Also entscheiden wir, weiter zu steigen. Über wirklich steile Schneeflanken und apere Geröllrücken stapfen wir gleichmäßig nach oben. Weitere zwei Stunden später, nach beachtlichen 1.900 Höhenmetern, stehen wir bereits in dem Hochtal auf 3.650 Metern, um das sich das halbe Dutzend Viertausender gruppieren.

Was nun? Nach einer nötig gewordenen Brotzeitpause wägen wir ab: Schaffen wir auch noch den Rest bis ganz nach oben? 500 weitere, teilweise sehr steile und nicht ganz einfache Höhenmeter wären noch zu bewältigen, zwei anstrengende Stunden mindestens. Doch es ist bereits zwei Uhr nachmittags, und runter ins Tal müssen wir dann auch noch. Vor Einbruch der Dunkelheit nicht mehr zu schaffen. Also siegt letztlich die Vernunft, und wir entscheiden uns für den langen Abstieg. Wir trauern ein wenig der vertanen Möglichkeit des Gipfelsturms nach; hätten wir geahnt, dass wir so gut drauf sind, dass selbst 2.400 Höhenmeter als Tagestour unsere konditionellen Möglichkeiten nicht überfordern, wären wir zwei Stunden früher aufgebrochen!

Trotzdem, es war eine absolute Traumtour, bei wolkenlosem Himmel und immer angenehmen Temperaturen. Und wir waren nie am konditionellen Limit! Dieses Wissen macht Lust auf mehr…

Bergtour Oshtoran Kuh  -  0 km  -  1811 Tage / 130875 km

24. – 25. Mai 2019 - Panoramafahrt vom Feinsten!

Passstrasse am Oshtoran Kuh

Wir wollen das gesamte Massiv auf seiner Südseite umrunden, über einen fast 3.000 Meter hohen Pass. Mal sehen, ob diese Strecke bereits passierbar ist. Durch immer schmäler werdende Täler, vorbei an üppigen Feldern und sprudelnden Bächen, passieren wir winzige Dörfer und einsame Weiler. Rasch gewinnen wir an Höhe, meterhohe Schneewechten säumen teilweise noch die Passstraße. Immer wieder begeistern uns die grandiosen Aussichten, hinter jeder Biegung überraschen uns neue Einblicke in die unberührte Hochgebirgswelt. Oben angekommen, genießen wir einen tollen Übernachtungsplatz vor der Steilwand eines strahlend weiß in der Nachmittagssonne glitzernden Bergriesen.

In kühn angelegten Kehren rollen wir anderntags hinunter ins scharf eingeschnittene Tal, queren unzählige Male den rauschenden Gebirgsbach und wechseln so langsam von kalter, aperer Schneelandschaft in lieblich anmutende Frühlingsatmosphäre. Im Flusstal von Dez erschlägt uns dann fast die angestaute Hitze, erst auf einem luftigen Hügel oberhalb des Canyons, den wir als Nachtlager auswählen, wird es wieder angenehmer.

Tiyan – Khan Abad Dam  – Sepiddasht – Tal von Dez  -  190 km  -  1813 Tage / 130065 km

26. – 27. Mai 2019 - Zwischen Polizeistress und Gastfreundschaft

Nomaden beziehen ihre Sommerlager

Unserem Plan, dem Flusstal des Dez nach Norden zu folgen, wird mehrmals abgeraten, die Strecke sei zurzeit nicht sicher passierbar. Also folgen wir weiter der Hauptstrecke hinunter bis nach Khorramabad. Die Stadt zwängt sich zwischen karge Höhenzüge, die abgasgeschwängerte Luft steht spürbar zwischen den grünen Alleen und braunen Häuserfluchten. Und wir spüren schnell, hier ist man den Umgang mit Touristen noch nicht wirklich gewohnt, denn jeder unserer Versuche, einen Übernachtungsplatz zu beziehen, wird mit kurz danach auftauchender Polizeipräsenz unterbunden unter dem Vorwand, hier wäre es nicht sicher für uns. Als Iranreisende mit langjähriger Erfahrung kennen wir diesen Unsinn natürlich, doch als gegen Mitternacht inzwischen acht Mann vor „Manni“ beratschlagen, wie sie mit uns verfahren sollen, geben wir uns endgültig geschlagen und verlassen das Stadtgebiet, um in einem Gewebegebiet ungestört von der Staatsmacht den Rest der Nacht zu verbringen. Selbst eine Schießerei und Keilerei in unmittelbarer Nähe schreckt uns um drei Uhr morgens nicht wirklich, und wir verlassen die Stadt noch vor dem Frühstück…

Ganz anders ergeht es uns dagegen in Borujerd: Als wir auf einem abgeernteten Feld Mittagsrast machen, werden wir eingeladen, Mohamed zu besuchen, der hier ganz in der Nähe weilt. Was für ein Tip! Mohamed hat in Köln studiert und lange in Deutschland gearbeitet, und er kriegt sich kaum ein, dass sich „Landsleute“ in seine „Pampa“ hier verirren! So verbringen wir einen tollen Tag und Abend mit ihm und seiner Familie, sein Köllscher Dialekt ist köstlich und wir erfahren viel interessantes aus dem heutigen Leben im Iran.

Tal von Dez – Khorramabad – Zageh – Borujerd  -  250 km  -  1815 Tage / 130315 km

28. – 30. Mai 2019 - Im Alvand-Gebirge bei Hamedan

der zentrale Platz in Hamedan

Gegen Mittag verlassen wir Borujerd, über Malayer hoppeln wir auf grottenschlechter Überlandstraße gen Alvand-Gebirge. Kurz vor Toyserkan, schon in den Bergen, steuern wir einen kleinen Stausee an. Die Belegschaft der dortigen Verwaltung freut sich, uns begrüßen zu dürfen und natürlich dürfen wir hier übernachten und wenn wir etwas brauchen, bitte melden, und hier wären auch Toiletten und Wasser und… Also wieder Gastfreundschaft pur!

Wir unternehmen eine mehrstündige Wanderung auf die beiden höchsten Gipfel über dem Stausee und genießen die herrlichen Ausblicke auf die sich weit unter uns ausbreitenden Ebenen. Zurück bei „Manni“ beschließen wir, doch noch weiter zu fahren, da wir morgen eine große Bergtour planen und daher den Standort wechseln müssen. Nach Toyserkan, einem Zentrum weitläufiger Walnussplantagen, erklimmen wir einen steilen Pass, der die Walnusstäler von der Großstadt Hamedan trennt, die sich nun weit unter uns ausbreitet. Direkt auf der Passhöhe bietet sich eine ebene Fläche als Übernachtungsplatz an, genau das, was wir mögen.

Kalter Wind, fast schon Sturm, lässt unseren Schweinehund die Oberhand gewinnen, und statt ausgiebiger Bergtour kuscheln wir uns tiefer in die warmen Kissen. Auch recht, ein bewegungsfauler Tag inmitten herrlicher Bergszenerie tut auch gut. Haben ja auch mal wieder viel Büro abzuarbeiten…

Borujerd – Malayer – Toyserkan – Passhöhe vor Hamedan  -  160 km  -  1818 Tage / 130475 km

31. Mai – 01. Juni 2019 - Hamedan…

am Gipfwl des Yakhchal

…und doch noch eine Bergtour! Ein kurzer Stadtbummel begeistert uns nicht gerade, viel hat die Stadt nicht zu bieten. Doch wir bekommen einen freien Internetzugang in einem Hotel, und den nutzen wir ordentlich aus, um mal wieder alles auf Vordermann zu bringen. Da der seit drei Tagen nervende, kalte Wind in den Bergen nachlässt, entscheiden wir uns doch noch, morgen dem höchsten Gipfel in den Alvand-Bergen aufs Dach zu steigen. Eine schmale Dorfstraße in einem Vorort von Hamedan bringt uns hoch zum Ausgangspunkt der Bergtour, wo wir uns einfach mitten ins Dorfleben stellen, um morgen früh zeitig aufbrechen zu können.

Um halb acht starten wir. Der Yakhchal misst zwar „nur“ 3.580 Meter, doch kumulierte 1.700 Höhenmeter und vor allem eine sehr weite Strecke sind bis zu seinem Gipfel zu meistern. Und dazu brauchen wir letztlich gut fünf Stunden, erst durch ein herrlich grünes Tal entlang eines rauschenden Baches, dann weiter über steile Schneeflanken hoch auf den Grat und dort weit hinüber auf den Gipfel. Was für eine tolle Tour! Der Abstieg geht überraschend schnell vonstatten, denn wir rutschen auf unseren Bergstiefeln satte 800 Höhenmeter auf einem riesigen Schneefeld direkt ab. Nach insgesamt acht Stunden haben wir unser Basecamp im Dorf bereits wieder erreicht. Mit Respekt nehmen die Dörfler unsere Runde zur Kenntnis, so schnell ist anscheinend selten jemand unterwegs…

Zum Übernachten wechseln wir hinüber nach Gandjinameh, wo wir uns oberhalb eines rauschenden Baches stellen, der uns nach einem reichhaltigen Abendessen rasch in den wohlverdienten Schlaf hinübergleiten lässt…

Passhöhe vor Hamedan – Hamedan – Gandjinameh  -  55 km  -  1820 Tage / 131530 km

02. – 06. Juni 2019 - Ausgefüllte Tage in Teheran

Besucherrunde bei Ali und Tannaz

Das Ende der Ramadan-Zeit rückt näher, und für dieses lange Wochenende haben wir uns bei unseren Freunden in Teheran angekündigt. Über die mautpflichtige Autobahn, keine drei Euro LKW-Tarif für 400 Kilometer, erreichen wir über Saveh bequem die Riesenmetropole am Rand des Alborz-Gebirges. Unser erstes Ziel ist die MAN-Vertretung, allerdings sind die inzwischen umgezogen, und wir finden dafür eine Renault-Truck Werkstatt vor. Trotzdem dürfen wir auf dem Hof samt Nutzung der Sanitäranlagen übernachten und bekommen sogar Abendessen geliefert! Der MAN Service-Manager kommt extra hier vorbei und wir verabreden einen Termin nach dem Wochenende.

Auf der Botschaft von Turkmenistan beantragen wir unsere Transitvisa, ein etwas umständliches Verfahren, verbunden mit einer Bearbeitungszeit von ca. zehn Tagen! Nun haben wir genug Zeit für unsere Freude. Wir verbringen drei Tage mit Ali und Tannaz, mit Parvin und den extra aus Shahreza angereisten Eltern, sowie Atusa und Omid. Auch mit Mohsen und Elaheh und deren Söhnen verbringen wir schöne Stunden.

Gandjinameh – Hamadan – Saveh – Teheran  -  425 km  -  1825 Tage / 131955 km

07. – 10. Juni 2019 - Wellnessprogramm für „Manni“

unsere Frontscheibe wird getauscht

Wir übernachten in der MAN-Niederlassung außerhalb von Teheran, um wie verabredet unsere „to-do-Liste“ für „Manni“ abzuarbeiten. Dank der deutschsprachigen Unterstützung von Service-Manager Madani gibt es keine Kommunikationsprobleme, und wir können alle anfallenden Arbeiten erledigen. Sogar unsere bei dem Unfall im Sudan schwer beschädigte Heckstaubox wird von einem befreundeten Betrieb sehr ordentlich repariert. Die Arbeiten ziehen sich, oft passiert stundenlang gar nichts, doch wir haben ja Zeit und Geduld, können auf dem Werkstatthof übernachten und bekommen jeden Tag ein reichhaltiges Mittagessen in der Betriebskantine. Und preiswerter haben wir noch nirgendwo auf der Welt Service und Reparaturen machen können!

Als alles erledigt ist, fahren wir zurück nach Teheran, um Ali und seine Familie zu besuchen; ihn hatten wir vor einigen Tagen in Borujerd kennen gelernt.

Teheran – Robat Karim – Teheran  -  160 km  -  1829 Tage / 132115 km

11. – 14. Juni 2019 - Ab in die Berge

große Bergtour auf Burj und Kholeno

So, wir haben genug vom Großstadtrummel, es zieht uns wieder hinaus in die Berge. Wir fahren hinauf nach Laloon, einem kleinen Ort am Fuße des Kholeno, und den haben wir uns samt seines Trabanten Borj als Besteigungsziel ausgesucht. Nach einem Tag Ruhe zwischen den steil aufragenden Bergen sind wir dann bereit für die sehr anspruchsvolle Tour.

Gemeinsam mit Javad und seinen drei Freunden starten wir um halb sechs Uhr morgens, denn die Tour wird eine sehr lange werden. Schon bald haben wir sie abgehängt, und während wir beide Gipfel stürmen und nach zwölf Stunden wieder bei „Manni“ einlaufen, schleppen sich die Vier nach Erreichen des nur ersten Gipfels lange vier Stunden später zu uns zurück.

Heute besucht uns Mohsen samt Familie hier oben in Laloon und wir verbringen gemeinsam einen sehr schönen Tag mit kochen, quatschen und wandern.

Teheran – Fasham – Laloon  -  50 km  -  1833 Tage / 132165 km

15. – 18. Juni 2019 - Geduldiges Warten auf die Turkmenistan-Visa

Picknick in laloon mit Mohsen und seiner Familie

Eigentlich sollten unsere beantragten Turkmenistan-Visa nun, nach zehn Tagen, in den Pässen sein. Doch weit gefehlt! Als wir am Abend dort einlaufen, hängt eine Information an der Tür, dass die Botschaft die kommenden drei Tage wegen einer turkmenischen Feierlichkeit geschlossen bleibt. Na prima! Hätten wir dies gewusst, wären wir natürlich noch in den Bergen geblieben! Aber so ist das eben… Ali und Tannaz besuchen uns zum Abendessen, und wir bekommen Gelegenheit, uns von unseren Freunden verabschieden zu können.

Wir wechseln den Standort, fahren hoch zur Tochal-Seilbahn, auf deren Parkplatz wir vor sieben Jahren schon mehrere Tage verbracht hatten. Leider ist niemand von damals mehr im Management, doch sie gestatten uns auch, das Areal nutzen zu dürfen und wir genießen die frische Luft oberhalb des Molochs Teheran. Als wir wieder unseren Parkplatz nahe der Botschaft beziehen, werden wir von unseren „Nachbarn“ zum Abendessen eingeladen; es wird eine lange Nacht mit sehr interessanten Gesprächen…

Laloon – Fasham – Teheran  -  100 km  -  1837 Tage / 132265 km

19. – 20. Juni 2019 - Rund um den Damavand

Morgenstimmung am Stausee

Heute klappt es endlich mit den Visa und wir können Teheran endgültig verlassen. Im dreispurigen Verkehrstrubel rollen wir aus der Stadt gen Osten, dem höchsten Berg des Iran entgegen. Und als er denn vor uns auftaucht, ist es wie immer seine unglaubliche Präsenz, die den Horizont ausfüllt und begeistert. Zu seinen Füssen finden wir einen tollen Panoramaplatz und wir lassen uns ein wenig animieren, ihn doch noch zu bezwingen. Doch nie ist sein Gipfel frei, immer toben starke Winde um sein weißes Haupt, verdecken Wolkenberge seine 5.671 Meter hohe Spitze. Also lassen wir es dann doch sein, macht so nicht wirklich Spaß…

In Polur decken wir uns noch mit frischen Forellen ein und verlassen den König der iranischen Berge durch das Tal in Richtung Firuskuh. Eine abwechslungsreiche Fahrt über einen fast 3.000 Meter hohen Pass, immer entlang eines rauschenden Gebirgsbaches, erfreut uns. Als am Nachmittag plötzlich ein fast türkisfarbener Stausee vor uns auftaucht, umrahmt von sanften Hügeln und noch restschneebedeckten Gipfeln, entscheiden wir zu bleiben. Oberhalb der glitzernden Wasserfläche finden wir einen Platz, der uns den Blick weit hinein in das heute durchfahrene Tal ermöglicht.

Teheran – Rudehen – Polur – Stausee  -  185 km  -  1839 Tage / 132450 km

21. – 22. Juni 2019 - Badab-e Surt

Badab-e Surt im Morgenlicht

Über Firuskuh fahren wir weit hinunter nach Semnan, an den Rand der Dasht-e Kavir. Doch schnell verlassen wir wieder die unattraktive Gegend, zurück in die Berge, die hier karg und rau das östliche Alborz-Gebirge formen. Über Darjazin und Shahmirzad geht es über baumlose Hochebenen hinüber in die Gegend um Kiyasar. Wir folgen einem herrlich zwischen karstigen Gipfeln eingebetteten Tal, die Straße wird zur Piste, und diese letztlich zum Knüppeldamm. Die beiden finalen Kilometer erinnern eher an ein Bachbett denn an einen Fahrweg, der sich wirklich steil und ausgewaschen den Berghang hinauf windet.

Und dann sind wir da! Mehrere Quellen, unterschiedlich in Temperatur und Mineralgehalt, formten wassergefüllte Terrassen, die sofort an das bekannte Pamukkale in der Westtürkei erinnern. Aufgrund der verschiedenen Mineralien schillern die Becken  in den tollsten Farben. Vor allem in den Morgenstunden zaubert die Sonne wundervolle Bilder. Wir bleiben zwei Tage, immer wieder zieht es uns zu den Becken, bewundern wir das Arrangement der Natur.

Stausee – Firuskuh – Semnan – Shahmirzad – Badab-e Surt  -  225 km  -  1841 Tage / 132675 km

23. Juni 2019 - Über abenteuerliche Pisten durch die Berge…

Manni macht sich ganz dünn

…und hinunter zum Kaspischen Meer, das ist unser Plan. Nach der steilen Abfahrt zurück ins Tal entscheiden wir, die direkte Bergpiste hinüber nach Dibaj zu nehmen. Schmal ist sie, immer oberhalb des Tales am Hang entlang, und manchmal ganz schön steil, wenn sie einen der grasigen Buckel überwindet, doch nie eine ernsthafte Herausforderung. Nach einer halben Stunde Hoppelei erreichen wir die Asphaltstraße, und durch erodiertes Gebirge gleiten wir hinunter nach Dibaj. Wenig später biegen wir wieder ab von der Hauptstraße. Diesmal fordert uns eine extrem steile Serpentinenabfahrt, die in einen schmalen Canyon hineinführt. Unten angekommen passt „Manni“ gerade so zwischen den senkrecht aufragenden Felsen hindurch. Dahinter öffnet sich ein wunderbar fruchtbares Tal. Und als wir zwischen den Feldern plötzlich eine türkis schimmernde Wasserfläche entdecken, haben wir unser Tagesziel auch schon erreicht…

Badab-e Surt – Dibaj – kleiner Stausee  -  70 km  -  1842 Tage / 132745 km

24. Juni 2019 - Vom kargen Hochland in die dichten Wälder Golestans

Übernachtungsplatz am türkisfarbenen Stausee

Nach einem arbeitsreichen Nachmittag am Stausee mit großer Wäsche und Marmelade einkochen genießen wir das herrlich ruhige Tal mit seinen freundlich zurückhaltenden Menschen, die ihrem bäuerlichen Tagwerk nachgehen. Erst spät machen wir uns auf den Weiterweg über den vor uns liegenden Höhenzug. Die Piste wird irgendwann zum Waldweg, und „Manni“ muss ganz schön zirkeln, um sich durch den dichten Urwald zu mogeln. Steil, sehr steil und nicht endend wollend spuckt uns 2.000 Höhenmeter tiefer in Kord Kuy die grüne Hölle wieder aus. Als wir zum Einkaufen aussteigen, haut uns die unglaublich hohe Luftfeuchtigkeit fast um! Schwülheiß ist es hier unten am Kaspischen Meer, kaum zu glauben, wie unterschiedlich die Verhältnisse binnen weniger Kilometer sind. Wir entscheiden, nicht direkt zum Meer, sondern gleich weiter nach Gorgan in die Bergwälder zu fahren, wo wir uns am rauschenden Bach einen annehmbaren Platz für die kommende Nacht suchen.

Kleiner Stausee – Kord Kuy – Gorgan/Naharkhoran Forest  -  110 km -  1843 Tage / 132855 km

25. – 26. Juni - Auf direktem Weg nach Mashhad

ein Laden voller Gewürze, Nüsse und Trockenfrüchte

Genug der Trödelei, wir müssen so langsam gen Osten, die Einreise nach Turkmenistan ist fest datiert. Also gilt es, Strecke zu machen. Das fällt uns nicht weiter schwer, denn die Region hier oben geizt ein wenig mit Attraktivität. Landwirtschaftliche Flächen soweit das Auge reicht, die bewaldeten Berge im Hintergrund im feuchtwarmen Dunst abgetaucht. Einzig die Strecke durch den Golestan Nationalpark ist ein wenig interessanter, doch leider entlang der Straße gnadenlos verdreckt von Picknick machenden Iranern. So erreichen wir gegen Abend Bojnurd, wo wir uns außerhalb der Stadt im Baba Aman Park einen Übernachtungsplatz suchen.

Auch der heutige Fahrtag ist eher langweilig, über Shirvan und Quchan laufen wir am Nachmittag in Mashhad ein. Hier sind wir mit Ali und seiner Familie verabredet, wir hatten uns vor sieben Jahren kennen gelernt. Die Freude über unser Wiedersehen ist groß, und es gibt natürlich beiderseits viel zu berichten.

Gorgan – Bojnurd – Shirvan – Mashhad  -  610 km  -  1845 Tage / 133465 km

27. – 29. Juni 2019 - Mashhad und Umgebung

Picknickausflug nach Kang mit Mitra und Ali

Ali und Mitra nehmen sich drei Tage Zeit, um uns ein wenig ihr Mashhad und die nähere Umgebung zu zeigen. Den Auftakt macht der heilige Bezirk in der City, ein eindrucksvolles Ensemble iranischer Architektur aus den vergangenen Jahrhunderten. Unsere Erwartung, von der dortigen Stimmung eingefangen zu werden, wird leider etwas enttäuscht, dem Erlebten fehlt ein wenig das Emotionale.

Es ist langes Wochenende, und das bedeutet In Iran dasselbe wie in Europa: Alle raus aus der Stadt und hinein in die umliegende Natur. Machen wir sonst ganz bewusst nicht, denn Stau auf der Anfahrt und späteren Heimfahrt, Parkplatznot vor Ort, Menschenmassen beim Picknick und Gänsemarsch auf den Wanderwegen ist nun mal nicht so unser bevorzugtes Wochenendvergnügen. Doch da wir mit zwei iranischen Arbeitnehmern unterwegs sind, bleibt uns nichts anderes übrig.

Und so ist es denn auch wie befürchtet. Sowohl bei den Wasserfällen von Akhlamad als auch im historisch verfallenen Dorf Kang herrscht ein Rummel wie auf einem Volksfest. Super, um die iranische Lebensweise zu studieren, desaströs, um ein ruhiges Naturerlebnis zu erhoffen. Aber da es uns schon vorher klar war, was auf uns zukommt, war es schon in Ordnung…

Mashhad und Umgebung  -  0 km  -  1848 Tage / 133465 km

30. Juni – 02. Juli 2019 - Auf nach Turkmenistan

Erfrischung im kühlen Nass

Während der Nacht hat uns irgendein Idiot den Deckel des Kühlwasserbehälters geklaut! Dummerweise finden wir keinen passenden Ersatz in der Lastermeile, so dass unsere Plastiktütenkonstruktion noch eine Weile herhalten muss. Wir verlassen Mashhad in Richtung Grenze und entdecken auf halber Strecke einen schön gelegenen See, wo wir unseren vorerst letzten Nachmittag und Abend in Iran verbringen.

In der Grenzstadt Sarakhs werden noch die letzten Rials in Obst angelegt, und schon stehen wir an der Grenze. Die Ausreise bei den Iranern ist etwas zäh, vor allem der Heinz von der Geheimpolizei hat es wichtig und will uns massiv ausfragen, was ihm allerdings nicht wirklich gelingt. Nach einer guten Stunde ist alles erledigt und wir sind durch.

Auf der anderen Flussseite holt uns dann der Kontrollwahnsinn ein! Mehrere Posten allein schon bis zum eigentlichen Abfertigungsbereich, doch die Jungs sind ausnahmslos super freundlich, lassen uns an der Röntgenanlage sogar vor und helfen uns bei der Schalterrallye. Der fünftägige Transit ist ein teurer Spaß, insgesamt löhnen wir letztlich 242 US-Dollar an Gebühren! Die abschließende Fahrzeugkontrolle ist dann erfreulicherweise sehr oberflächlich, nachdem wir die Jungs fragten, warum wir eigentlich durch die Röntgenanlage mussten, wenn sie jetzt nochmal alles anschauen wollen. Und nach rund zwei Stunden heißt es endlich: „Welcome to Turkmenistan!“

Die uns erwartende Überlandstraße ist völlig aufgearbeitet von der Hitze und den Lastern; Spurrillen und Wellen ohne Ende. Nur langsam kommen wir voran, und landschaftlich ist es mehr als öde. Nach einer  Nebenstraßenabkürzung bremst uns eine völlig marode Brücke über einen Wasserkanal aus, doch wir finden eine sandige Alternative durch ein Arbeitslager, dessen Wachposten wir überrumpeln, als wir praktisch aus dem Lager heraus zurück zur Hauptstraße das Tor passieren. Wenig später versöhnt uns ein herrlich erfrischender See, an dessen Ufer wir eine ruhige Nacht verbringen und dann entscheiden, gleich noch einen Tag dranzuhängen…

Mashhad – Sarakhs – Gr. Iran/Turkm. – Hanhowuz Reservoir  -  390 km  -  1851 Tage / 133855 km

03. - 04. Juli 2019 - Durch die turkmenische Steppe…

Ruinen der Stadtmauer in Merv

…nach Norden, die Transitstrecke ist ohne jegliche, landschaftliche Höhepunkte. Lediglich die historische Stadt Merv bietet ein wenig Abwechslung. Doch auch diese hält sich in sehr überschaubaren Grenzen, denn der Mongolensturm 1221 und folgende 800 Jahren Wind und Wetter haben nicht mehr viel übrig gelassen, das der Rede wert wäre. Aber wir finden einen ruhigen Übernachtungsplatz inmitten der Ruinen, ist ja auch was…

Die heutige Transitetappe führt auf oft grottenschlechter Straße meist schnurgerade durch niedrige, mit Grünzeug bewachsene Dünen. Stunde um Stunde strapazieren wir „Manni“ über und durch Löcher, Wellen, unzählige Flickstellen und Spurrillen. Als wir am Nachmittag endlich Türkmenabat erreichen, sind wir bedient. Beim Tanken und Einkaufen hellen sich unsere Mienen allerdings schnell wieder auf, denn der Liter Diesel zu acht Eurocent und Marktpreise, die kaum ins Gewicht fallen, machen einfach Spaß. Erholung finden wir dann am Stadtstrand in der Hafenlagune, wo wir gemeinsam mit vielen Badenden das kühle Nass des Amudarja genießen. Und die Verantwortlichen erlauben uns, im eingezäunten Areal gleich für die Nacht stehen zu bleiben…

Hanhowuz – Mary – Merw – Türkmenabat  -  365 km  -  1853 Tage / 134220 km

05. Juli 2019 - Kaum waren wir drinnen…

Chor Bakr im Morgenlicht

…sind wir auch schon wieder draußen aus Turkmenistan. Fünf Tage Transitvisum geben leider keinen Spielraum, um ein Land und seine Menschen kennen zu lernen. Nach einer letzten ausgiebigen Markttour machen wir uns auf zur Grenze. Eine gigantische, neue Brücke bringt uns über den Amudarja; jetzt wissen wir auch, warum wir an der Grenze vierzig US-Dollar Brückenmaut löhnen mussten!

Die Ausreise aus Turkmenistan und auch die Einreise nach Usbekistan verlaufen langsam, aber freundlich. Wir sind die einzigen Reisenden, nicht auszudenken, wenn hier ein paar mehr warten würden! Auf usbekischer Seite sind sowohl die belanglose Landschaft als auch die üblen Straßenverhältnisse identisch mit der turkmenischen Seite. Je mehr wir uns Buchara nähern, umso dichter wird allerdings die Besiedlung. Kurz vor der Stadt finden wir in Chor Bakr im Schatten des mächtigen Mausoleums einen ruhigen Übernachtungsplatz.

Türkmenabat – Grenze Tm/Uz – Chor Bakr  -  130 km  -  1854 Tage / 134350 km

06. Juli 2019 - Buchara

Moschee Chor Minor in Buchara

Einst die mächtigste Handelsmetropole an der Seidenstraße, lockt die heiße und staubige Stadt heute mit einem sehr professionell restaurierten, historischen Zentrum. In der autofreien Altstadt wandeln wir zwischen den beeindruckenden Gebäudekomplexen, immer bemüht, der gnadenlos vom Himmel brennenden Sonne ein Schnippchen zu schlagen. Da dies jedoch nicht wirklich gelingt, verlegen wir unsere Besichtigungen in die Abendstunden und in die hereinbrechende Nacht.

Chor Bakr – Buchara  -  10 km  -  1855 Tage / 134360 km

07. – 08. Juli 2019 - Wir hangeln uns von See zu See

Sonnenuntergang am See

Die unerträgliche Hitze lässt uns aus der Stadt flüchten, der To`dako`l Suv Ombori lockt, ein großer See ganz in der Nähe. Die Anfahrt ist teilweise so schlecht, so dass wir nur im Schritttempo vorankommen. Doch die Mühe lohnt; nachdem wir unsere fünfzig Quadratmeter Seegrundstück vom allgegenwärtigen Müll befreit haben, genießen wir mit einigen weiteren Tagesgästen bei erfrischendem Wind das kühle Nass. Am späten Nachmittag verkrümeln sich unsere ganzen Nachbarn unter Zurücklassung weiteren Mülls und wir haben das gesamte Areal für uns.

Ein langer Fahrtag entlang unendlich erscheinender Felder bringt uns weit nach Osten. Wir passieren die gesichtslose Stadt Qarshi und bei G`usar schwenken wir gen Norden ein. So langsam schält sich die Silhouette der Hissar-Berge aus dem dunstigen Horizont, an deren Fuße wir neben dem  Langar Suv Ombori Staudamm einen netten Platz finden. Leider ist er nicht zum Baden geeignet, doch allein die blaue Wasserfläche in all dem Gelbbraun der Umgebung ist schön anzusehen.

Buchara – To`dako`l Suv Ombori – Qarshi  – Langar Suv Ombori  -  315 km  -  1857 Tage / 134675 km

09. – 10. Juli 2019 - Shahrisabz und das Hissar-Gebirge

Dorut Tilovat Moschee in Shahrisabz

Shahrisabz, die alte Residenz von Timur, hat sich ganz ordentlich herausgeputzt. Zwischen den beeindruckenden Resten seines Palastes und der Dorut Tiovat Moschee promeniert nach Einbruch der Dunkelheit die Bevölkerung der Stadt in einer autofreien Parkanlage, Lokale und Cafes locken zum Verweilen, Springbrunnen und Beleuchtung sorgen für ein wenig Stimmung. Gemütlich und aufgeräumt geht es hier zu, wir genießen die Ruhe im Schatten historischer Monumente.

1.000 Meter höher, im Hissar-Gebirge, entfliehen wir für einige Momente der Hitze. Endlich ist auch die Landschaft wieder ansprechend, die Temperaturen erträglich und die Ruhe fast schon unheimlich. Hier bleiben wir dann erst mal…

Langar Suv Ombori – Shahrisabz – Ming Chinor  -  85 km  -  1859 Tage / 134760 km

11. – 12. Juli 2019 - Samarkand – und ab an die Grenze…

der berühmte Registon Platz in Samarkand

…nach Tajikistan. Doch zuerst bewundern wir die tollen historischen Bauwerke aus der Zeit der Timuriden. Auch die viel gepriesene Lightshow mit usbekischer Musik, die den Registon-Platz illuminiert, sehen wir uns nach Einbruch der Dunkelheit an. Leider überwiegt dabei bonbonfarbener Kitsch, der den wundervollen Bauwerken nicht gerecht werden kann.

Nach einer angenehm ruhigen Nacht im Pinienpark bei den Regionalregierungsgebäuden versuchen wir, Diesel zu bekommen, was sich in Usbekistan oft als schwierig herausstellt. Erst nach mehreren Anläufen finden wir eine Tanke, um randvoll aufzufüllen, damit wir den in Tajikistan teureren Sprit umgehen können. Bei der modernen MAN-Niederlassung von Samarkand bekommen wir endlich unseren in Mashhad geklauten Kühlwassertankdeckel ersetzt, und das freundlicherweise auch noch zum Nulltarif, da der Salesmanager sich freut, seine Deutschkenntnisse anbringen zu können. Ein paar letzte Einkäufe auf einem Straßenmarkt, um die letzten usbekischen Som unters Volk zu bringen, und schon hoppeln wir mit dreißig Stundenkilometern auf der zusammengeflickten Straße in Richtung Grenze. Im Grenzdorf Ravatkhoja, direkt am partiell aufgestauten Zeravshan, stellen wir uns in ein Wäldchen und verbringen einen entspannten Nachmittag mit Blick auf das tosende Wasser.

Ming Chinor – Samarkand – Ravatkhoja  -  140 km  -  1861 Tage / 134900 km

13. – 16. Juli 2019 - Valley of Seven Lakes

Piste im Seven Lakes Valley

Schon wieder eine Grenze! Die Ausreise aus Usbekistan ist rasch und unkompliziert erledigt, also rüber zu den Tadschiken. Die wollen uns erst mal für sieben Euro eine Reifendesinfektion aufs Auge drücken, doch wir verweigern, für diesen „Service“, wie sie es nennen, zu bezahlen. Missmutig lassen sie uns zur eigentlichen Einreise ziehen. Die geht dann zügig vonstatten, dank im Vorfeld elektronisch beantragtem Visum. Lediglich die obligatorische, 100 US-Dollar teure, temporäre Einfuhrgebühr nervt.

In Pandschakent stocken wir unsere Vorräte auf, bevor wir uns ins Gebirge schlagen. Das Tal der Sieben Seen ist unser Ziel, und nach teilweise gerade noch für „Manni“ befahrbarer Piste erreichen wir den dritten dieser Seen, an dessen Ufer wir uns zwischen vielen tadschikischen Wochenendlern niederlassen.

Eine ausgiebige Tageswanderung entlang der wirklich malerisch zwischen den steilen Bergen eingebetteten Seen lässt uns dem Wochenendpicknickwahnsinn entgehen. Doch auch am nächsten Tag sind wir nicht alleine, denn es ist Ferienzeit, und schon gegen sechs Uhr morgens trudeln die ersten Familien ein. Aber es ist schon in Ordnung, denn die Tadschiken sind unglaublich gastfreundlich und füttern uns die Tage am See regelrecht durch.

Ravatkhoja – Grenze Uz/Tj – Pandschakent – Seven Lakes  -  70 km  -  1865 Tage / 134970 km

17. – 18. Juli 2019 - Wandern im Paradies

romantische Stimmung am Kulikalon Lake

Nach vier Tagen an den Seen wechseln wir das Tal. Entlang des Urech schrauben wir uns auf immer schmaler und steiler werdender Piste hinauf auf über 2.100 Meter. Dort oben bietet ein Alpincamp eine einfache Campingmöglichkeit nebst Versorgung für Wanderer und Bergsteiger.

Auf bequemen Steigen wandern wir hoch zum Kulikalon Lake, der mit vielen weiteren kleinen Seen durch leise plätschernde Bäche verbunden ist. Weit über uns, in mehr als 4.000 Meter Höhe, ragen strahlend weiß glitzernde, vergletscherte Steilabbrüche in den stahlblauen Himmel, türkisfarben schimmern die glasklaren Seen um uns herum und locken zum einsamen Baden. Was für ein Szenario! Erst am Nachmittag lösen wir uns von diesem in sich abgeschlossenen Tal und mühen uns über einen immens steilen Pass mit viel grobem Geröll hinunter zum Ziorat Lake und weiter zum malerisch eingebetteten Czukurak Lake. Ein letztes Bad im kalten Wasser, und schon laufen wir wieder bei „Manni“ im Basecamp ein.

Seven Lakes – Shurcha – Artuch Alpincamp  -  100 km  -  1867 Tage / 135070 km

19. – 20. Juli 2019 - Iskandar Kul

Manni muss duchs Wasser, der See ist übergelaufen

Eine abwechslungsreiche Fahrt entlang der tiefen Schluchten von Zeravshan und Yaghnob lässt uns weiter in die Fann Mountains eindringen. Der Iskandar Lake ist unser Ziel, doch er kann mit den vorher besuchten Tälern nicht ganz mithalten. Trotzdem, nach einer abenteuerlichen Anfahrt durch einen halben Meter tiefes Wasser finden wir auf einer markanten Halbinsel hoch über dem See einen exponierten Platz für die nächsten zwei Tage. Leider vermiest uns einer meiner Weisheitszähne ein wenig die Laune, denn eine hartnäckige Nervenentzündung lässt sich nur mit einer geballten Ladung Schmerztabletten ruhig stellen.

Artuch Alpincamp – Ayni – Iskandar Kul  -  150 km  -  1869 Tage / 135220 km

21. – 23. Juli 2019 - Hinunter ins schwül-heiße Dushanbe

Tunnelfahrt überstanden...

Meine Zahnschmerzen verhindern einen geplanten Wanderbesuch im Alaudin-Tal, wir müssen schleunigst in die Hauptstadt. Sehr schade, denn die tiefblauen Seen vor der Gletscherkulisse mehrerer Fünftausender hätte uns schon sehr gereizt. Also verlassen wir die angenehm temperierten Fann Mountains und begeben uns auf die Fahrt ins mehr als eintausend Meter tiefer gelegene Dushanbe.

Nach einer Nacht vor dem berüchtigten „Todestunnel“, ein fünf Kilometer langer, einspuriger Tunnel ohne jegliche Belüftung, Notausgänge, brauchbarer Beleuchtung und Fahrbahnmarkierungen, dafür mit gewagten Überholmanövern und nahezu null Sicht, erreichen wir über die tadjikische Hauptverkehrsachse gegen Mittag die moderne Hauptstadt. Ein Tipp lässt uns eine moderne Zahnarztpraxis finden, in der dank deutscher Zahnarztausbildung und entsprechender Kompetenz meinem altersschwachen Weisheitszahn der Garaus gemacht wird. Jetzt macht das Leben wieder Spaß!

Nach einer unruhigen Nacht ob nerviger Aktivitäten vieler Nachtschwärmer stocken wir unsere Vorräte  für die bevorstehende Pamirrunde auf und verlassen Dushanbe auch schon wieder…

Iskandar Kul – Anzob-Tunnel – Dushanbe  -  145 km  -  1872 Tage / 135365 km

24. Juli 2019 - Zurück in die Berge

Ausblicke in die Vakhsh Schlucht

Gegen Mittag verlassen wir die entspannt wirkende Hauptstadt in Richtung Osten. Ab Vahdat wird es wieder richtig ländlich, das breite Tal ist fruchtbar und grün, die am Straßenrand eimerweise angebotenen Früchte und Gemüse außergewöhnlich preisgünstig. So langsam gewinnen wir an Höhe, das Tal wird schmäler und schmäler, und als wir den Passübergang erreichen, wird das Tal zum Canyon. Entlang dem darin tobenden Fluss schlängelt sich die oft löchrige Straße kühn am Hang entlang, wir passieren ein riesiges Staudammprojekt und quälen uns auf einer grob in den Berg geschlagenen, steinigen Piste hinüber nach Aligalabon. Dieses Nest liegt, wie viele andere auch, auf einem der in mehreren Stufen sich ausbreitenden Plateaus direkt über dem Canyon. Außerhalb des Ortes finden wir einen tollen Panoramaplatz inmitten der Felder, direkt an der Abrisskante hinunter zum Fluss.

Dushanbe – Vahdat – Aligalabon  -  125 km  -  1873 Tage / 135495 km

25. Juli 2019 - Der Pamir-Highway ist erreicht!

unser romantischer Badesee

Nach einer landschaftlich schönen Fahrt erreichen wir den eigentlichen Beginn des berühmten Pamir-Highways. Dieser „Highway“, der in Wirklichkeit über weite Strecken nur noch eine üble Bergpiste ist, wird uns nun für rund 2.000 Kilometer den Weg vorgeben. Der Abschnitt über den 3.252 Meter hohen Khaburabot Pass wird heute eigentlich nicht mehr genutzt, seit es eine neue Straße außen herum gibt. Doch wir wollen den gesamten Pamir-Highway erleben, und so wagen wir uns auch auf diesen Abschnitt. Und der fordert uns von Beginn an so richtig! Tiefe Löcher, harte Querrillen, Asphalt- und Betonreste, steile Auffahrten und schmale Passagen lassen uns nur sehr langsam vorwärts kommen. Doch die Bergwelt um uns herum ist wunderschön. Und als wir nach zwölf harten Kilometern einen tiefblauen, glasklaren und kreisrunden See entdecken, ist unser Fahrtag auch schon wieder zu Ende…

Aligalabon – Darband – Seecamp  -  55 km  - 1874 Tage / 135550 km

26. – 27. Juli 2019 - Über den Khaburabot Pass

Abfahrt vom Khaburabot Pass

Nur schwer lösen wir uns von diesem wirklich idyllischen Platz, doch es hilft nichts, die uns erwartende Bergpiste will bezwungen werden. So geht es denn genauso anstrengend weiter, wie es gestern aufgehört hatte. Und als wir nach vier holprigen Stunden entlang dem reißenden Obikhingou Mittagsrast machen, haben wir gerade mal fünfzig Kilometer hinter uns gebracht.

Wenig später verlassen wir das breiter gewordene Flussbett und schwenken nach Süden ein, dem Pass entgegen. Erfreulicherweise wird die Piste ab hier deutlich besser, so dass wir die herrliche Auffahrt durch das enge Hochtal entspannt genießen können. Als sich das Tal etwas weitet, müssen wir auf eine extrem steile und gerade noch mannibreite Umfahrung einer wahrscheinlich maroden Brücke. Diese Umfahrung zieht sich in mehreren gerölligen Kehren den fast senkrechten Hang empor und wir schaffen es nur dank der Zuschaltung aller Differenzialsperren, diese Passage zu meistern. Ab hier zieht sich die gut zu fahrende Piste in weiten Kehren durch grüne Hänge, unzählige bunte Wiesenblumen sorgen dabei für herrliche Farbtupfer. Und dann sind wir oben! 3.252 Meter misst dieser Übergang, zerschossene Gebäude und verrostete Fahrzeugreste zeugen vom vergangenen Bürgerkrieg. Vorsichtig umfahren wir die überall aufgestellten Minenwarnschilder und stellen uns mit herrlichem Blick auf die uns umgebenen Berge zwischen die Relikte des Krieges.

Die steile Abfahrt vom Pass ist teilweise atemberaubend schön, tiefe Schluchten stürzen neben uns scheinbar ins Bodenlose. Nach 1.800 Höhenmetern und nur dreißig langsam abwärts gerollten Kilometern bremst uns ein herrliches Schattenplätzchen am sprudelnden Obikhumbod gegenüber dem Bergdorf Zev aus – hier bleiben wir!

Seecamp – Tavildara – Khaburabot Pass  -  Zev  -  115 km  -  1876 Tage / 135665 km

28. Juli 2019 - Entlang der afghanischen Grenze…

Fahrkünste über den  Pamir Highway

…zieht sich nun der Pamir Highway. Der Grenzfluss Panj gibt die Richtung vor, schlängelt sich in unendlich scheinenden Kehren gen Südosten. Die Straße, oder das, was von ihr übrig geblieben ist, fordert Mensch und Material aufs Äußerste. Um „Manni“ einigermaßen zu schonen, kommen wir oft nur im Schritttempo voran. Und wir bewundern die tadjikischen Trucker, die ihre Vierzigtonner samt Hänger über diese Strecke bis nach Kashgar in China und zurück prügeln! Afghanistan ist hier nur einen Steinwurf weit entfernt auf der anderen Flussseite, und doch scheinbar eine andere Welt. Keine privaten Fahrzeuge, mal ein Moped, sonst Esel und Muli. Lehmziegelhütten und mühselige Landwirtschaft am steilen Berghang, das Leben in dieser extrem abgeschiedenen Region ist hart. Nach sechs anstrengenden Fahrstunden sind wir neunzig Kilometer weit gekommen. Oberhalb der Siedlung Vanch stellen wir uns auf ein weitläufiges Wiesenplateau mit einem grandiosen Blick hinüber nach Afghanistan und die umliegenden, noch schneebedeckten Gipfel!

Zev – Qalai Khumb – Vanch  -  95 km  -  1877 Tage / 135760 km

29. – 31. Juli 2019 - Das schon lang geplante Treffen…

Treffen mit Anja und Peter

…mit unseren lieben Freunden Anja und Peter ist angesagt, doch zuerst müssen wir uns noch etwas annähern. Erst gegen Mittag verlassen wir unseren tollen Panoramaplatz und begeben uns wieder auf den grottenschlechten Highway. Doch der überrascht uns heute mit längeren ganz passablen Passagen, so dass wir schneller und vor allem bequemer als gedacht vorankommen. Und es bleibt uns mehr Muse, die wild-zerklüftete Bergwelt hier zu bewundern. Plötzlich wird der reißende Panj zum breiten, fast einem See gleichen Gewässer, und an dessen Ufer, in der Ortschaft Vamd, finden wir einen netten Platz, wiederum mit einem tollen Rundumblick in die schroffe Bergwelt.

Und dann ist es soweit: In eine große Staubfahne gehüllt, nähern sich die Beiden in ihrem Laster! Was für eine Freude! Unser Wiedersehen hier in Tadjikistan haben wir schon lange vorher geplant, nur der genaue Platz war noch nicht klar. Und natürlich gibt es nun unendlich viel zu erzählen…

Den ganzen Tag verbringen wir hier am Panj, zwischen hohen Bergen und grünen Feldern, Afghanistan direkt vor uns auf der anderen Flussseite. Gegen Abend stoßen dann noch Lisa und Jonas zu uns, wir hatten uns bereits in Teheran kennen gelernt. Und es wird wieder eine lange Nacht…

Vanch – Vamd  -  70 km  -  1880 Tage / 135830 km

01.- 03. August 2019 - Khorog

afghanischer Wochenmarkt in Khorog

Als die anderen schon längst wieder auf der Straße sind, verlassen auch wir diesen schönen Platz am Panj. Gemächlich hoppeln wir gen Khorog, doch als wir einen schattigen Platz rund zwanzig Kilometer vor der Stadt entdecken, lassen wir es gut sein für heute.

Khorog ist ein nettes Städtchen und bietet alle Versorgungsmöglichkeiten für Mensch und Fahrzeug. Also nichts wie rein in Supermarkt und Bazar, um die Vorräte für die große Pamirrunde aufzustocken. Auch Internet gibt es hier und wir treffen Lisa und Jonas wieder, die so manches am Fahrzeug zu reparieren haben. „Manni“ dagegen läuft erfreulicherweise klaglos trotz grottenschlechter Pisten.

Jeden Freitag findet an der Grenzbrücke zu Afghanistan der „Cross Border Market“ statt, zu dem Afghanen von der gegenüberliegenden Flussseite ohne Formalitäten nach Tadjikistan einreisen dürfen, um Waren anzubieten. Streng bewacht von Grenzsoldaten beider Länder lebt dann hier ein Stückchen Normalität an der sonst hermetisch abgeriegelten Grenze. Natürlich nutzen wir die Gelegenheit, diesen außergewöhnlichen Markt zu besuchen, denn auch für uns ist es ja nicht gerade alltäglich, zwischen Afghanen umher zu wandeln. Gegen Mittag verlassen wir schließlich Khorog und begeben uns wieder auf die in Auflösung begriffene Piste in Richtung dem Wakhan Tal. In einem Seitental, an einem glasklaren, aber eiskalten Gebirgsfluss, verbringen wir später einen ruhigen Abend und die Nacht.

Vamd – Vamar – Sokhcharv – Khorog  -  vor Garmchashma  -  150 km  -  1883 Tage / 135980 km

04. – 07. August 2019 - Durch das Wakhan Valley

wir genießen die Ausblicke in Richtung Afghanistan und Pakistan

Das Wakhan Valley markiert schon seit Jahrhunderten die Grenze zwischen Afghanistan und Tadjikistan. Der Panj ist die Lebensader, beidseitig schmiegen sich Dörfer an die schroffen Berghänge, verbunden durch eine schmale Straße in oft erbärmlichem Zustand. Die landschaftlichen Eindrücke sind außergewöhnlich, über saftig grünen Wiesen spannt sich ein kräftig blauer Himmel, in den sich weiß blitzende Gipfel, oft jenseits der Siebentausender Höhe, recken. Wir lassen uns viel Zeit, dieses herrliche Tal zu erleben, erst nach vier Tagen erreichen wir in Langar den letzten Ort auf tadjikischer Seite. Hier schwenkt das Wakhan Tal gänzlich auf die afghanische Seite, um zwischen mächtigen Bergriesen gen Pakistan zu entschwinden.

v. Garmchashma – Iskachem – Vrang – Langar  -  190 km  -  1887 Tage / 136170 km

08. August 2019 - Ein Besuch bei Marx und Engels

zu Füssen von Marx und Engels

Hoch über Langar wachen zwei mächtige Gipfel über das Tal. In sowjetischen Zeiten wurden sie zu Ehren der deutschen kommunistischen Vordenker Karl Marx und Friedrich Engels umbenannt, an die ursprünglichen Namen erinnert sich heute niemand mehr. Eine anstrengende Wanderung bringt uns auf rund 4.000 Meter zu einem Gletschersee und grünen Hochalmen zum Fuß dieser über 6.500 Meter hohen Massive. Hier ist Schluss für uns, um die von uns in den Himmel ragenden Giganten zu bezwingen, sind wir nicht ausgerüstet. Aber auch so ist es ein eindrucksvoller Besuch…

Zum Übernachten fahren wir auf ein kleines Plateau hoch über Langar und genießen den gigantischen Blick hinunter in die Ebene und auf die glitzernden Eisriesen an der afghanisch-pakistanischen Grenze.

Langar – Langar/Ratm – 5 km -  1888 Tage / 136175 km

09. – 10. August 2019 - Wir verlassen das Wakhan Valley…

am Lake Chukurkul

…und folgen dem Pamir River hinauf auf die Hochfläche des zentralen Pamir. Hinter jeder Biegung der guten Bergpiste überraschen uns aufs Neue tolle Ausblicke auf die glitzernden Eisriesen in Afghanistan und Pakistan. Als wir schließlich einen aussichtsreichen Übernachtungsplatz an der Abbruchkante hoch über dem Grenzfluss beziehen, befinden wir uns immerhin schon auf knapp 3.800 Meter Höhe.

Dichte Wolken verhindern jegliche Fernsicht, als wir einen ersten Blick aus dem Fenster wagen. Schön blöd, schlechtes Wetter für eine Panoramafahrt. Aber gut, ist nicht zu ändern. Also erst mal einen straffen Morningwalk auf 4.000 Meter Höhe, was überraschend gut klappt. Als wir nach dem Frühstück starten, sehen wir auf afghanischer Seite sogar Kamele am Fluss entlang laufen. Der Militärposten Khargush ist nach elendiglicher Wellblechhoppelei rasch erreicht. Ab hier zieht sich die steinige Piste hoch auf den Khargush Pass, immerhin gut 4.300 Meter hoch. Die teilweise steile Abfahrt wird von einem heftigen Regenschauer unterbrochen, doch als wir wenig später den Lake Chukurkul erreichen, scheint schon wieder die Sonne durch die Wolken und zaubert eine tolle Stimmung in das ruhige Tal. Natürlich bleiben wir hier…

Langar/Ratm – Khargush – Lake Chukurkul  -  85 km  -  1890 Tage / 136260 km

11. – 12. August - Zwei weitere Seen…

Nachmittagsstimmung am Lake Yaschikul

…stehen auf unserem Programm. Über grausamste Wellblechpisten hoppeln wir nach Norden, erreichen den Pamir Highway, gleiten darauf ein paar Kilometer auf Asphalt und schwenken wieder auf eine holprige Piste ein. Als wir das schmale Tal verlassen, breitet sich vor uns in der Ebene eine in den verschiedensten Farben schillernde Bergflanke aus. Diese spiegeln sich in einem in der Nachmittagssonne glitzernden See, dem Lake Bulunkul. An dessen Ufer richten wir uns auf einem erhöhten Plateau ein und können uns kaum satt sehen von der schon künstlerisch gestalteten Natur um uns herum.

Auf der anderen Seite der bunten Bergkette schmiegt sich der Lake Yaschikul zwischen hohe Berge, die teilweise sogar vergletschert sind. Was für ein Bild! Spontan möchten wir bleiben. Doch zunächst wollen wir noch ein wenig in das sich anschließende Tal vordringen, hier gibt es einen ständig heißes Wasser in die Luft ausstoßenden Geysir. Die Piste dorthin führt uns durch ein wunderschön modelliertes Tal. Ein grünes Band flankiert einen tiefblauen Bach, und die Flanken der Berge sind von Wind und Wasser zu interessanten Formen umgestaltet worden. Wir finden den kleinen Geysir, nichts wirklich besonderes, doch er passt in diese Urlandschaft und wir verbringen einige Zeit mit der Beobachtung der immer wieder in die Luft spritzenden Wasserfontänen. Als wir genug von diesem Schauspiel haben, fahren wir das kurze Stück zurück zum Lake Yaschikul, stellen uns an die Abrisskante oberhalb seines Abflusses und genießen die Stimmung um uns herum.

Lake Chukurkul – Lake Bulunkul – Lake Yaschikul  -  60 km  -  1892 Tage / 136320 km

13. August 2019 - Über den Khargush Pass zurück an die afghanische Grenze

scheue Murmeltiere überall

Erst spät verlassen wir diesen tollen Platz am Lake Yaschikul, denn die vor uns liegende Strecke kennen wir ja bereits. Und so fahren wir denn zurück zum Pamir Highway und biegen dort auf die nervige Wellblechpiste in Richtung Khargush Pass ab. Vorbei am Lake Chukurkul geht es wieder hoch auf gut 4.300 Meter. Ab hier füllen die afghanischen Sechstausender den Horizont und wir hoppeln noch ein wenig hinab, ehe wir uns auf einer grünen Wiese inmitten leise plätschernder Bäche und scheuer Murmeltiere einrichten.

Lake Yaschikul – Khargush Pass – vor Khargush  -  55 km  -  1893 Tage / 136375 km

14. August 2019 - Zum Zorkul Nature Reserve

einsame Stellplätze vor Traumkulisse

Das vor einigen Tagen in Khorog erstandene Permit erlaubt es uns, entlang der afghanischen Grenze dem Pamir River zu folgen. Auf einer insgesamt passablen, schmalen Piste dringen wir in ein extrem einsames Gebiet vor, immer an der Nordseite des Hindukusch mit seinen eisgepanzerten Sechstausendern. Afghanistan ist oft nur einen Steinwurf entfernt, in diesem Teil des Wakhan-Korridors nahezu unbewohnt, ebenso wie die tadjikische Seite.  Eine grandiose Landschaft fesselt uns immer wieder, auch deshalb kommen wir nur sehr langsam voran. Nach einer mit großen Felsbrocken gespickten Furt beenden wir unsere heutige Fahrt und stellen uns auf ein Uferplateau mit einem unglaublich schönen Panoramablick hinüber auf den afghanischen Hindukusch, über dem wenig später der Vollmond eindrucksvoll aufgeht.

Khargush – Utsai-Furt  -  45 km  -  1894 Tage / 136420 km

15. August 2019 - Entlang dem Lake Zorkul

Nomadenfamilien in harten Lebensbedingungen

Steil und grob ist die Piste in die Bergflanke geschlagen, doch auf dem Plateau über dem See ist sie wieder einigermaßen gut zu befahren. Doch dieses Vergnügen hält nicht lange vor, schon bald mühen wir uns im Schritttempo über kopfgroße Steine und durch glitschige Furten. An einer ärmlichen Lehmziegelhütte winkt uns die vierköpfige Familie freundlich hinterher; wir entscheiden, ihr hartes Dasein etwas aufzuhellen und beschenken sie mit etwas Kleidung für die kalten Tage und Spielzeug für den Kleinen. Was für eine ehrliche, überschwängliche Freude schlägt uns entgegen!

Der Lake Zorkul mit den hinter ihm aufragenden Gletscherflanken der afghanischen Berge ist wirklich eindrucksvoll. Leider quält uns heftiger Rückenwind, der ohne Unterlass den von uns aufgewirbelten Feinstaub aufnimmt und uns buchstäblich um die Ohren bläst. So ist „Mannis“ Windschutzscheibe binnen Minuten so dicht, dass wir kaum mehr etwas sehen können. Alle paar Kilometer versuchen wir, den Staub zu entfernen, doch es hilft kaum. Fünf anstrengende Stunden und vierzig Kilometer später erreichen wir auf der knüppelharten Piste den Lake Kuli Kukjigit, einen wunderschön zwischen den Bergen eingebetteten, glasklaren Bergsee.

Utsai-Furt – Lake Zorkul – Lake Kuli Kukjigit  -  40 km  -  1895 Tage / 136460 km

16. August 2019 - Über den Yangidavan Pass nach Norden

einsame Pistenfahrt mit Blick in den Hindukusch

Die Morgenstimmung hier oben ist umwerfend schön, die Sonne sorgt für Traumwetter, die beiden Seen leuchten dunkelblau inmitten der kargen Szenerie. Immer wieder halten wir an, um diese Momente einzufangen. Die Piste wird etwas besser als gestern, und wir nähern uns langsam dem Yangidavan Pass. Zwischen zwei unbedeutenden Fünftausendern erreichen wir auf einer Hochebene die Passhöhe auf immerhin 4.438 Meter! Doch wir halten uns nicht lange auf, denn hinter uns braut sich eine Schlechtwetterfront zusammen, und als wir wenig später das anschließende Tal erreichen, regnet und graupelt es schon ein wenig. Doch der Spuk ist rasch vorbei, und wir setzen unsere Fahrt nach Norden fort. Leider reißen die dichten Wolken nicht mehr auf, so dass sich uns die herrliche Bergwelt um uns herum nur im nichtssagenden Grau präsentiert. Also fahren wir lediglich noch auf einen namenlosen Pass hoch, immerhin auch 4.240 Meter hoch, und lassen es gut sein für heute.

Kuli Kukjigit – Yangidavan Pass – Jarty Gumbuz – Nameless Pass  -  50 km  -  1896 Tage / 136510 km

17. August 2019 - 60 Jahre – und kein bisschen (reise)müde!

60 Jahre jung!

Nun ist es bereits zehn Jahre her, dass ich die Weichen für unser heutiges Leben stellte. Was waren das für zehn aufregende und erlebnisreiche Jahre! Die Entscheidung damals war goldrichtig, seitdem setzen wir unseren Lebenstraum unvermindert begeistert um.

Mein schönstes Geburtstagsgeschenk ist meine liebste Conny; ohne sie wären diese Jahre nicht möglich gewesen! So genießen wir jeden gemeinsamen Tag, als wäre es ein runder Geburtstag.

Meine Gedanken gelten auch meinen beiden Töchtern Steffi und Sarah, die ihren Weg gefunden haben und ihr Leben, jede auf die ihr eigene Art, bravourös meistern.

Als wir heute früh aus dem Fenster schauen, sehen wir, dass es dort, wo wir gestern noch unterwegs waren, in der Nacht ordentlich geschneit hat. Und kalt ist es geworden, es fehlt nicht mehr viel zur ersten Frostnacht. Also sehen wir zu, dass wir in tiefere Regionen kommen. „Manni“ springt das erste Mal nur missmutig an, Höhe und Kälte machen auch ihm zu schaffen. Doch sobald die Sonne ihre wärmenden Strahlen über die schroffen Bergkämme schickt, geht es uns allen wieder richtig gut. Das schlechte Wetter verzieht sich mehr und mehr, wir fahren durch ein uns spontan an Namibia erinnerndes Tal, erklimmen den nächsten Pass mit mehr als 4.300 Metern Höhe samt grandiosem Panorama und verlassen danach endgültig die abgelegene Region entlang der afghanischen Grenze, als wir den Pamir Highway samt welligem Asphalt erreichen. Wenig später lassen wir uns an einem herrlichen Platz direkt an einem leise vor sich hin murmelnden Bach nieder.

Doch statt faul den Geburtstag zu genießen, steht jede Menge Arbeit an: Nach zwei Wochen in der Abgeschiedenheit des Pamirs sieht „Manni“ aus wie ein Schwein und der Wäscheberg nimmt inzwischen Hochgebirgsdimensionen an. Also nichts wie ran an den Bach…

Nameless Pass – Canyon vor Murgab  -  55 km  -  1897 Tage / 136565 km

18. – 19. August 2019 - Murgab

tanken aus dem Kanister

Erst gegen Mittag verlassen wir unseren schönen Platz am Bach mit wieder vollen Wassertanks, klettern vorsichtig die gerade mal mannibreite Rampe hoch zur Hauptstraße und sind auch schon in Murgab. Unser Vorhaben, eine Internetverbindung zu bekommen, scheitert am stadtweiten Stromausfall, nichts funktioniert. Tanken funktioniert aber, denn der Diesel kommt direkt aus Kanistern. Und das überraschend gute Angebot auf dem Basar erfreut unseren gähnend leeren Kühlschrank, endlich wieder frisches Gemüse! Ansonsten ist Murgab der wichtigste Ort im östlichen Pamir, wo wirklich jeder durchkommt. Und entsprechend lebendig geht es zu.

„Sag mal, wie ist denn das mit dem Diesel hier?“ Die Frage kommt von Anja und  Henrik, einem Berliner Paar, das mit ihrem Kastenwagen für ein Jahr unterwegs ist. Aus der Frage entwickelt sich rasch ein lebendiges Gespräch, in dessen Verlauf wir zusammen entscheiden, den Tag gemeinsam zu verbringen. Und so hoppeln wir wieder hinunter zu unserem Übernachtungsplatz hinter der kleinen Moschee. Später gesellt sich dann noch Johannes aus dem Chiemgau zu uns, der trampenderweise nach Indien unterwegs ist. Als es nach Sonnenuntergang beißend kalt wird, verziehen wir uns alle in „Mannis“ warme Stube und schlagen uns die Bäuche voll.

Canyon vor Murgab – Murgab  -  20 km  -  1899 Tage / 136585 km

20. – 21. August 2019 - Über den höchsten Straßenpass in Tadjikistan

Manni unser Gipfelstürmer

Zunächst verbringen wir gemeinsam mit Anja und Henrik den Vormittag damit, bei grottenschlechtem Internet unsere beiden „Carnet de Passage“ beim ADAC in München auf den Weg zu bringen. Als nach stundenlangen Versuchen endlich alles erledigt ist, verabschieden wir uns von diesem sympathischen Paar mit dem Versprechen, dass wir uns in einigen Wochen in Kirgisistan wieder treffen werden. Wir fahren noch ein Stück gen Norden, dem höchsten Straßenpass Tadjikistans entgegen, doch bevor es so richtig nach oben geht, finden wir ein nettes Plätzchen am Ufer des uns begleitenden Baches.

Es ist der Akbaytal Pass, der mit seinen 4.655 Metern Höhe zu den höchsten Straßenpässen weltweit gehört. Als wir oben ankommen, hat „Manni“ seinen Höhenrekord verbessert. Aber wir wollen noch einen drauf setzen und steigen auf die Aussichtsgipfel über dem Pass. Bei 4.935 Metern haben wir den unspektakulären Gipfel erreicht, knapp vor der Fünftausendergrenze! Zurück bei unserem Höhenrekord-Laster starten wir auf der guten Bergpiste hinunter ins Tal. Dort erwartet uns eine grausam ausgefahrene Wellblechpiste, auf der wir nur mühsam vorankommen. Von wegen Highway… Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir welligen Asphalt mit Löchern, eine Wohltat nach all dem Gerüttel. Im breiten Flusstal des Kyzyl-Dzhiik ist wenig später Schluss für heute, und wir erfreuen uns am herrlichen Abendlicht.

Murgab – Akbaytal Pass – Kyzyl-Dzhiik Flussbett  -  115 km  -  1901 Tage / 136700 km

22. August 2019 - Blattfeder, die Dritte!

Morgenstimmung mit bestem Wetter am Lake Karakul

Kalt muss es heute Nacht gewesen sein, die Bächlein um uns herum sind teilweise zugefroren. Doch die wärmende Sonne macht dem Spuk rasch ein Ende und wir starten auf der überraschend guten Straße in Richtung dem Lake Karakul. Plötzlich schreckt uns ein schon wohlbekanntes, metallisches Geräusch auf: „Klingt ganz nach gebrochener Blattfeder!“ Wir sehen uns an, steigen aus, und da liegt das gute Stück auch schon mitten auf der Straße. Na prima! Diesmal ist es allerdings die untere Feder von der linken Seite. Nun denn, wir sammeln die Bruchstücke ein und fahren langsam weiter, unsere Erfahrungen mit diesem Problem sagen uns, dass ein Bruch der unteren Stabilisationsfeder nicht ganz so dramatisch ist wie ein Bruch der oberen Führungsfeder. Trotzdem, eine blöde Situation, denn die nächste Möglichkeit, reagieren zu können, ist in Osh in Kirgisistan, und das sind noch rund 250 Kilometer von hier! Aber jetzt stellen wir uns erst mal ans Ufer des wunderschön zwischen den eisgepanzerten Bergriesen gebetteten Lake Karakul und genießen das tolle Panorama.

Kyzyl-Dzhiik Flussbett – Lake Karakul  -  30 km  -  1902 Tage / 136730 km

23. August 2019 - Ein Aussichtsberg der Extraklasse!

genialer Rundumblick!

Als wir einen ersten Blick aus dem Fenster riskieren, uns strahlend blauer und wolkenloser Himmel blendet, grüßen uns die schneebedeckten Sechs- und Siebentausender um uns herum. Was für ein Bild! Aber es kommt heute noch viel besser: Am Nordende des Lake Karakul, auf der Höhe des Uy-Buloq Passes, starten wir zu einer kleinen Wanderung. Als wir den Gipfel des 4.656 Meter hohen Aussichtsberges erreichen, sind wir fast erschlagen von der Präsenz der Natur! Der Lake Karakul breitet sich in seiner ganzen Pracht samt Inselwelten unter uns aus, im Halbkreis eingerahmt von den chinesischen Grenzbergen, dem 7.134 Meter hohen Pik Lenin und seinen Trabanten und dem am Horizont hervorlugenden Hindukusch in Afghanistan. Kaum noch zu toppen, dieser Panoramablick! Stundenlang sitzen wir hier oben im scharfen Wind, staunen wie die Kinder. Als wir am Nachmittag wieder unten bei „Manni“ sind, fahren wir noch bis kurz vor die tadjikisch-kirgisische Grenze, wo wir uns abermals inmitten grandioser Bergwelten befinden.

Lake Karakul – Uy-Buloq Pass – vor der Grenzstation Tjk  -  55 km  -  1903 Tage / 136785 km

24. August 2019 - Ab nach Kirgisistan!

Farbenspiele in den kargen Bergen

Reger Verkehr in Richtung Grenze verwundert uns während unseres Morningwalks und dem anschließenden Frühstück, mindestens zwanzig mit Touristen besetzte Fahrzeuge, Mongolia-Rallye-Kleinwagen und sogar zwei Traveller, die jedoch nicht anhalten, passieren uns. So lassen wir uns Zeit, um den unvermeidlichen Grenzstau zu umgehen. Diese Entscheidung erweist sich als richtig, denn als wir bei den Tadjiken zur Ausreise ankommen, sind gerade noch zwei Fahrzeuge vor uns. Vom ungewohnten, morgendlichen Massenansturm sind die Grenzorgane allerdings so erschöpft, dass sie erst mal eine ausgiebige Frühstückspause einlegen müssen und uns solange warten lassen. Aber egal, wir haben ja Zeit.

Nach dem Kizil-Art Pass geht es dann endgültig hinein nach Kirgisistan. Vorbei an den gigantischen Gletscherwänden der Gruppe um den Pik Lenin schleichen wir wegen der gebrochenen Blattfeder äußerst vorsichtig die steile und steinige Piste hinunter. Unterwegs treffen wir dann tatsächlich mal Traveller mit einem Laster, es sind Bianca und Andreas aus Steyr in Österreich, natürlich mit einem Steyr. Schnell sind zwei Stunden verratscht, und als wir weiter unten im Tal die kirgisische Grenzabfertigung passiert haben, entdecken wir einen sensationell schönen Panoramaplatz, auf dem wir natürlich sofort den heutigen Fahrtag wieder beenden.

Vor der Grenzstation Tjk – Kizil-Art Pass –   nach Grenzstation Kgt  -  25 km  -  1904 Tage / 136810 km

25. August 2019 - Ran an den Pik Lenin

auf dem Weg zum Base Camp des Pik Lenin

Kaum sattsehen können wir uns nach dem Aufwachen an der Kulisse vor unserem Schlafzimmerfenster! Wolkenloser Himmel spannt sich über Dutzende schneebedeckter Berge, grüne Weiden in sanfter Hügellandschaft um uns herum, Jurten inmitten großer Herden von Pferden, Yaks und Schafen. Eine völlig andere Welt auf dieser Seite der Berge.

Entspannt rollen wir hinunter nach Sary-Tash, einem kleinen Nest in traumhafter Panoramalage. Wir ergänzen unsere Vorräte und gönnen auch „Manni“ ein paar Liter kirgisischen Diesel, bevor wir uns aufmachen zum Basecamp am Pik Lenin. Nach wochenlangen Straßenfragmenten schweben wir buchstäblich auf der perfekten Landstraße dahin, bis wir in Sary-Moghol den Abzweiger zum Pik Lenin erreichen. Die Piste dorthin ist gut, doch da wir mit nur noch einer intakten Blattfeder vorne links unterwegs sind, schleichen wir sehr vorsichtig über Steine und Wellen. Je näher wir der riesigen Wand aus Eis und Schnee kommen, umso höher baut sie sich vor uns auf. Als wir schließlich die Seenlandschaft am Fuße des mächtigen Siebentausenders erreichen, sind wir geplättet von der Schönheit der Umgebung! Ein toller Platz zwischen den spiegelnden Seen soll für die nächsten Tage unser Basecamp sein…

Grenzstation Kys – Sary-Tash – Sary Moghol – Pik Lenin  -  85 km  -  1905 Tage / 136895 km

26. – 28. August 2019 - Was für ein Berg!

traumhafte Seenlandschaft mit Pik Lenin im Hintergrund

Von unserem Basecamp aus unternehmen wir kleine Wanderungen in Richtung Pik Lenin und rund um die vielen kleinen Seen inmitten der grünen Hügelwelt. Leider bleibt es nicht mehr wolkenlos, im Tagesverlauf verdichtet es sich teilweise dermaßen, dass die Eisriesen manchmal gänzlich verschwunden sind. Trotzdem, die Wucht der Präsenz der 3.500 Meter steil aufragenden Eis- und Schneeflanken ist unglaublich eindrucksvoll. Und realistisch erkannt für uns inzwischen eine Nummer zu groß…

Pik Lenin Basecamp – Sary Moghol  -  20 km  -  1908 Tage / 136915 km

29. – 30. August 2019 - Wir verabschieden uns endgültig…

schöner Bergsee

…von der Pamirregion und fahren zurück nach Sary Tash und dann über den Taldyk Pass weiter hinein nach Kirgisistan. Entlang dem Gülchö River, der viel Landwirtschaft ermöglicht, erreichen wir nach drei Wochen erstmals wieder Höhen unter 3.000 Meter. Als die Bergformationen immer dolomitischer und bunter werden, stellen wir uns zwischen abgeerntete Felder auf die Abbruchkante über dem Fluss und lassen es gut sein für heute.

Unser Frühstück zwischen Pferden und Kühen hat etwas von Urlaub auf dem Bauernhof. Die Hirten winken, die Luft ist deutlich wärmer als oben im Hochgebirge, die ganze Atmosphäre ist plötzlich anders. Der Gülchö River hat ein tiefes Tal geschaffen, die Berge um uns erstarren in interessanten Erosionsstufen, insgesamt erfreut uns eine herrlich abwechslungsreiche Fahrt gen Norden. Doch bereits nach wenigen Kilometern biegen wir ab in diese spannende Bergwelt. Eine anfangs gute, dann immer steiler und ausgewaschen werdende Piste bringt uns hinauf zu zwei wundervoll gelegenen Bergseen. Und genau zwischen diesen beiden in der Sonne glitzernden Wasserflächen stellen wir uns auf eine Anhöhe, um dort den Tag zu verbringen. Wandern und Baden ist angesagt, und es ist der ideale Platz, um meinen Geburtstag endlich auch kulinarisch zu begehen mit selbstgebackenem Zwetschgendatschi am Nachmittag und omanischem Rinderfilet samt südafrikanischem Roten am Abend! Na denn…

Sary Moghol – Sary Tash – Taldyk Pass – Ozero Chonkel View  -  110 km  -  1910 Tage / 137025 km

31. August – 01. September 2019 - Auf nach Osh

Käufer und Verkäufer sind sichtlich zufrieden...

Auf dem Weg zum morgendlichen Bad im See treffen wir Johanna und Tom, die auf dem Weg von Australien nach München sind. Natürlich ist der Vormittag schnell verratscht, und wir verlassen diesen herrlichen Platz erst am frühen Nachmittag. Nach einer vorsichtigen Abfahrt zurück zur Hauptstraße genießen wir die holperfreie Fahrt durch die Schlucht des Gülchö Rivers bis hinunter nach Gülchö. Ein letzter Pass mit für uns inzwischen lächerlichen knapp 2.400 Metern Höhe wird überwunden, und dann geht es durch dicht besiedeltes Agrarland entlang des Taddyk Rivers, der sich schließlich irgendwo unterwegs in seinem breiten Kiesbett verliert. Kurz vor Osh schlagen wir uns am Rand einer Siedlung mit weitem Blick über die nun abgeernteten und herbstlich gelben Felder in die Büsche.

Schon sehr früh sind wir auf den Beinen, ohne Frühstück fahren wir zum sonntäglichen Viehmarkt von Osh, denn der beginnt schon ab sieben Uhr morgens. Und es erwartet uns auch schon dicht gedrängtes Gewusel im aufgewirbelten Staub. Rinder und Pferde, Schafe und Ziegen werden fachmännisch unter die Lupe genommen, und unter viel Show und Tamtam werden schließlich die Geschäfte abgeschlossen. Trotzdem, wir haben schon traditionellere Viehmärkte gesehen, und so verkrümeln wir uns schon bald wieder und fahren weiter nach Osh.

Ozero Chonkel View – Gülchö – Karatay – Osh/Viehmarkt - Osh  -  140 km  -  1912 Tage / 137165 km

02. – 04. September 2019 - Das Blattfederproblem ist erstmal gelöst…

Hinterhof-Container-Werkstatt: improvisieren ist Alles!

…denn wir finden nach geduldigem Suchen tatsächlich einen kompetenten Spezialisten und der sogar eine gebrauchte Parabelfeder, die er erfinderisch auf Maß kürzt und erhitzt, um sie zurecht zu formen. Beruhigt ob der guten Zwischenlösung und einer gut gefüllten Kühltruhe können wir uns also wieder auf die Weiterfahrt begeben.

Die Fahrt nach Uzgen ist nicht weiter spannend, viel Landwirtschaft und Viehherden rund um die Dörfer entlang der Straße. In Uzgen wählen wir die schmale Piste durch die Felder, bis wir den Yassu River erreichen und an seinem Ufer einen netten Platz finden.

In Dschalalabat schwenken wir ein nach Nordosten, dem Kaldama Pass entgegen. In zwei Jahren soll die Untertunnelung des Passes fertig sein, und auf der nagelneuen Straße bis kurz vor der Tunnelbaustelle kommen wir herrlich voran. Aber auch die steinige Piste hoch auf den Kaldama Pass ist gut zu fahren, vor allem mit intakten Battfedern… Unsere Idee, auf dem 3.000 Meter hohen Pass zu übernachten, wird von heftigem Sturm vereitelt, wir bekommen kaum die Türen auf! Also fahren wir auf der anderen Seite noch ein Stückchen hinunter und entdecken doch noch einen tollen Panoramaplatz mit nicht ganz so viel Wind. Der ruhige Schein trügt jedoch, denn wenig später erreicht uns auch hier der Sturm samt heftigen Regenfällen…

Osh – Uzgen – Dschalalabat – Kaldama Passstraße  -  240 km  -  1915 Tage / 137405 km

05. – 06. September 2019 - In das Naryn-Tal

Lecker! Zwetschgendatschi-Zeit

Leider reißt der Himmel heute früh nicht wirklich auf, die Sonne schafft es nicht, die schweren Wolken zu verjagen. Immer wieder tröpfelt es, doch zumindest hat der Sturm sich verflüchtigt. Aber es ist richtig kalt geworden. Auch „Manni“ gefällt das nicht so sehr, der in Osh getankte Diesel scheint nicht wintertauglich zu sein. Stotternd und rußend gibt er sich widerborstig, doch nach ein paar Kilometern talwärts läuft er wieder rund. In endlosen Kehren und Biegungen schlängelt sich die trotz des nächtlichen Regens sehr ordentliche Piste um Bergrücken und durch Canyons, bis wir schließlich die Naryn Hochebene erreichen. Hier empfangen uns wieder angenehme Temperaturen und sogar Sonnenschein, so dass wir entscheiden, oberhalb des sich tief in den kiesigen Untergrund gegrabenen Kek-Art Rivers den Tag zu verbringen.

Dunkle Wolken hängen tief, verbergen die um uns aufragenden Berge. Immer wieder tröpfelt es leicht vor sich hin, also kein Tag zum Weiterfahren. Macht nichts, das Tal ist schön auch bei schlechterem Wetter, und wir haben so manch Schriftliches zu erledigen. Und selbstgebackener Zwetschgendatschi versöhnt. Also bleiben wir heute hier…

Kaldama Passstraße – Kekerim/Kek-Art River  -  45 km  -  1917 Tage / 137450 km

07. – 08. September 2019 - Bei perfektem Wetter…

Übernachtungsplatz mit Panoramablick oberhalb des Naryn-Tals

…starten wir zur aussichtsreichen Fahrt durch das Naryn-Tal. Erst geht es entlang des Naryn Rivers, eingerahmt von den dank des gestrig schlechten Wetters mit weißen Gipfeln versehenen Bergen, wenig später schraubt sich die gute Piste immer höher hinauf, durch enge Canyons und über stürmische Hochebenen. Als wir den 2.800 Meter hohen Ak-Taldo Pass erreichen, sind wir fast erschlagen vom traumhaften Panorama, das sich uns hier zeigt. Wie eine surreale Mondlandschaft breitet sich das Naryn-Tal unter uns aus. Was für ein Bild! Rasch finden wir einen zwar windumtosten, aber unschlagbar schönen Aussichtsplatz, von wo aus wir uns kaum satt sehen können.

Weit kommen wir heute nicht, denn für sechzehn Kilometer Luftlinie benötigen wir letztlich satte 60 Straßenkilometer! Erst schraubt sich die Passstraße in  abenteuerlichen Kehren auf kürzester Distanz über 1.000 Höhenmeter ins Tal hinunter, dann verbringen wir eine gefühlte Ewigkeit mit dem Auffüllen unserer Wassertanks, die praktisch leer sind. Und das dauert, bis über 400 Liter bei mäßigem Wasserdruck von der Dorfpumpe in Kok-Djar in „Mannis“ Innerem verschwunden sind. Die Weiterfahrt über holpriges Wellblech ist auch nur langsam zu bewältigen, und so bleiben wir schon bald am Ufer des mäandernden Naryn Rivers, als wir einen netten Platz mit Aussicht entdecken.

Kekerim – Ak-Taldo Pass – Kok-Djar – Ugut/Naryn River  -  160 km  -  1919 Tage / 137610 km

09. September 2019 - Über den Bötülü Ashuu Pass…

eiskalt, leichter Schnee und glasklare Luft - herrlich!

…zur historischen Karawanserei Tash Rabat ist nun unser Plan. Entlang von Wind und Wetter skurril geformter Hügelketten gewinnen wir langsam an Höhe. Doch erst nach der Kleinstadt Baetov, als sich die schmale Asphaltstraße in eine steinig-staubige Piste verwandelt, tauchen wir so richtig in die Bergwelt ein. Wir passieren einsam gelegene Gehöfte und schon vor langer Zeit aufgegebene Lehmziegelgebäude, bis wir vor der finalen Bergflanke stehen, durch die sich nun in geschickt angelegten Kehren die überraschend gute Piste konsequent nach oben schraubt. Mit jedem Höhenmeter wird der Blick nach unten atemberaubender, und als wir schließlich auf 3.100 Meter Höhe am steil abfallenden Wiesengrund Quartier beziehen, sind wir gefangen von der Modellierkunst der Natur.

Ügüt/Naryn River – Baetov – Bötülü Ashuu Pass  -  66 km  -  1920 Tage / 137665 km

10. – 11. September 2019 - Ab in wärmere Gefielde!

die Hirten hoffen noch auf einen Aufschub des Winters

Über Nacht hat sich der Sommer endgültig verabschiedet und scheint sich übergangslos dem nahenden Winter ergeben zu haben. Dichte Wolken bescherten uns eine erste Neuschneeauflage auf den Wiesen um uns herum und die Hochnebel wabern zäh um die um uns herum aufragenden Gipfel. Auch „Manni“ tut sich wieder schwer, in die Gänge zu kommen; immer noch das Dieselproblem. Langsam ruckeln wir auf den noch vor uns liegenden, fast 3.400 Meter hohen Pass. Als wir das darunter liegende Hochtal erreichen, läuft er aber wieder normal. Es gilt, einen weiteren 3.400 Meter hohen Pass zu überwinden, bevor wir an der Abzweigung zur alten Karawanserei eine ausgiebige Mittagsrast einlegen. Da wir beobachten, wie in der Zwischenzeit vier vollbesetzte Touristenkleinbusse in das Tal fahren, in den sich hartnäckig wenig fotogene, graue Wolken tummeln, entscheiden wir uns gegen einen Besuch der vom Touristenrummel in Beschlag genommenen, letztlich nicht sonderlich attraktiven Karawanserei.

Da wir unser Dieselproblem mangels Tankstelle immer noch nicht im Griff haben, entscheiden wir uns, nochmals tausend Höhenmeter tiefer zu fahren. Am At Bashi River finden wir dann auch ein sehr nettes Plätzchen. Allerdings hat uns auch hier unten die eisige Kaltfront über Nacht erwischt. „Manni“ ist mit einer dicken Eisschicht dekoriert, und wir warten auf die wärmende Sonne, damit er wieder zum Leben erwacht. Doch in der Zwischenzeit entscheiden wir, den Tag hier zu verbringen, denn es steht mal wieder große Wäsche an, und der kleine Bach, an dem wir stehen, ist dafür geradezu prädestiniert…

Bötülü Ashuu Pass – Kyzyl Tuu – At Bashi River  -  100 km  -  1922 Tage / 137765 km

12. – 14. September 2019 - Über Naryn zum Song-Köl

steil windet sich der Terskey Torkop Pass zum Song Köl hinauf

Die Temperaturen sind spürbar in die Höhe gegangen, sogar Frühstück im Freien ist wieder möglich. Am späten Vormittag brechen wir auf, um in Naryn mal wieder online zu gehen und ordentlich einzukaufen. Leider gibt es dort auch noch keinen Winterdiesel, also hoffen wir mal, dass die Kälte sich noch etwas zurückhält.

Unser nächstes Ziel ist der hoch liegende See Song-Köl nordwestlich von Naryn. Auf perfektem Asphalt rollen wir gen Norden, bis uns der schlaglochgespickte Abzweiger wieder in die Realität zurückruft. Nach ein paar Kilometern ist es genug, wir heben uns den See für morgen auf und stellen uns auf ein grasiges Plateau mit weitem Rundumpanorama. 

Auch heute zeigt sich das Wetter von seiner besten Seite. Die Piste ist oft löchrig, doch insgesamt gut zu befahren, und so genießen wir die schöne Fahrt durch die Bergwelt. Plötzlich endet das Tal vor steil aufragenden Wänden. In kühn angelegten Kehren klettert die schmale Piste nun dem Terskey-Torkop Pass entgegen, der sich scheinbar direkt über uns befindet. Auf kürzester Distanz überwinden wir 600 Höhenmeter, nie wirklich schwierig, doch spannend angelegt. Oben angekommen öffnet sich das weite Hochtal mit dem Song-Köl, der nun umrahmt wird von schneebedeckten Gipfeln. Auf grauslich nerviger Wellblechpiste zuckeln wir um den halben See herum, bis wir direkt am nördlichen Ufer einen schönen Platz ausmachen. Um uns herum tausende Pferde, Kühe und Schafe, die hier oben bis zum nahenden Winter das Weideparadies genießen.

At Bashi River – Naryn – Terskey-Torkop Pass – Song-Köl  -  175 km  -  1925 Tage / 137940 km

15. – 17. September 2019 - Dem Wintereinbruch entkommen

am Song Köl

Der Vormittag ist noch ganz brauchbar, wir laufen entlang dem Ufer und genießen die Weite und Ruhe hier oben am See. Doch als sich so langsam immer schwärzere Wolken über die Bergketten nähern, machen wir uns lieber vom Acker. Und das war gut so, denn schon bei der Abfahrt vom 3.450 Meter hohen Kalmar-Ashuu Pass fängt es an, leicht zu regnen. Am Dorfrand von Ken-Suu, schon ganz unten im Tal, finden wir einen netten Platz am Fluss, wo uns später Claudia und Simon aus Nürnberg noch Gesellschaft leisten. Als wir nach einem langen Abend in die Betten kriechen, schüttet es teilweise wie aus Kübeln.

Der Morgen empfängt uns mit schneeweißen Gipfeln und Hängen um uns herum, es hat also dort oben ordentlich geschneit in der Nacht. Immer wieder türmen sich dichte Wolken um uns herum auf, und wir starten erst gegen Mittag hinunter nach Kochkor. Unseren Plan, über den spannenden und 3.900 Meter hohen Tosor Pass zum Ysyk-Köl zu fahren, müssen wir verwerfen, denn der ist seit heute Nacht eingeschneit. Nach den nötigen Marktbesuchen verlassen wir die Kleinstadt und fahren letztlich doch noch bis zum Ysyk-Köl, da wir unterwegs keinen Platz finden, der uns spontan zusagt. Erst in Ottuk finden wir eine Möglichkeit direkt am Strand.

Und hier ist es so angenehm, dass wir beschließen, noch einen Tag zu bleiben, auch um das regnerische Wetter auszusitzen, denn ab morgen soll es die ganze Woche strahlenden Sonnenschein geben!

Song-Köl – Kochkor – Ottuk  -  160 km  -  1928 Tage / 138100 km

18. – 20. September 2019 - Entlang dem Ysyk-Köl…

erfrischendes Bad im glasklaren Ysyk Köl

…bis zum Shaska-Canyon fahren wir heute bei wie versprochen bestem Wetter! Die Szenerie um uns herum ist berauschend schön, der riesige See glitzert in der Sonne, über uns die frisch verschneiten Berggipfel. Auch von der anderen Seeseite grüßt die Phalanx der winterlich gekleideten Hänge. Über Bokonbaevo erreichen wir den Canyon von Shaska mit seinen von Wind und Wasser modellierten Formen. Doch wir sind spät dran, verschieben den Besuch auf morgen. Ganz in der Nähe der Zufahrt biegen wir ab ans Seeufer. Ein toller Platz erwartet uns hier: kilometerlanger Sandstrand und glasklares Wasser, ideal zum Schwimmen, da noch nicht zu kalt. Aber auch wieder unendlich viel verstreut liegender Müll…

Leider ist heute der Himmel viel zu bewölkt für optimale Lichtverhältnisse im Canyon, also verschieben wir den Besuch halt noch um einen Tag. Läuft ja nix weg. Und verbringen einen entspannten Strandtag…

Kaiserwetter! Wir nutzen unseren obligatorischen Morningwalk, um dem Canyon einen Besuch abzustatten. Gut, die morgendlichen Lichtverhältnisse sind nicht die besten, doch auch der Canyon hält nicht ganz, was er versprochen hatte. Gegen Mittag verlassen wir dann diesen schönen Strandplatz und hoppeln ob der zusammengeflickten Straße langsam gen Osten. Als wir endlich in Karakol ankommen, ist es schon Nachmittag, und auch der vergeht wie im Flug mit Einkaufen und Internet. So erreichen wir unseren anvisierten Platz am See erst bei Sonnenuntergang.

Ottuk – Bokonbaevo – Shaska-Canyon  – Karakol  -  Yssyk-Kul  -  245 km  -  1931 Tage / 138345 km

21. – 22. September 2019 - Panorama-chillen am Ysyk-Köl

Traumplatz mit Panorama zu den hohen Bergen im Süden des Ysyk Köl

Der Platz ist ein Traum! Gut, er ist nicht direkt am Seeufer, aber das stört uns nicht wirklich, denn Baden hat jetzt im Herbst nicht mehr oberste Priorität. Aber der Ausblick ist sensationell! Glitzernder See, grüne Wiesen, verschneite Viertausender. Hier lässt es sich aushalten…

Yssyk-Kul Panoramaplatz  -  35 km  -  1933 Tage / 138380 km

23. – 25. September 2019 - Im Djeti-Oguz Tal

herrlicher Platz am Fluss

Nach so viel Nichtstun steht mal wieder eine Bergtour auf dem Programm. Zwei Tage lang bewunderten wir die Gipfel vor uns, jetzt wollen wir auf einen der noch nicht Eingeschneiten hinauf. Doch zunächst steht noch ein weiterer Einkaufs- und Internetstopp in Karakol an, so dass wir erst am späten Nachmittag das Djeti-Oguz Tal erreichen. Auf einem Plateau genau gegenüber der von der Abendsonne glühend rot angestrahlten „Seven Bulls“, einer erodierten Felsenkette, finden wir einen tollen Übernachtungsplatz.

Schon früh fahren wir die restlichen fünf Kilometer entlang dem Djeti-Oguz River ins Tal hinein. Wir entscheiden uns für einen weit über uns in der Morgensonne blitzenden, felsigen Gipfel, der ein umfassendes Panorama verspricht. Die Tour führt über herrlich grüne Weiden bis hinauf an die felsigen Vorbauten, die teilweise noch mit Schnee von letzter Woche bedeckt sind. Doch über den breiten Grat erreichen wir problemlos, nach dreieinhalb Stunden Aufstieg, den 3.650 Meter hohen Gipfel. Die Rundumsicht ist wirklich wundervoll, denn von über fünftausend Meter hohen Gletschern über skurril erodierte Bergflanken in verschiedensten Farbtönen bis hin zum schemenhaft im Dunst erkennbaren Ysyk-Köl ist alles geboten.

Den ganzen Vormittag vertrödeln wir gemächlich an unserem herrlich gelegenen Platz am Fluss, genießen die heimische Atmosphäre zwischen Herbstwald und Almwiesen. Doch irgendwann müssen wir los, wollen wir doch morgen das Abenteuer Tosor Pass angehen, solange das Wetter noch gut gemeldet ist. Also hoppeln wir über die wellige Uferstraße entlang dem Ysyk-Köl bis zurück zu unserem schönen Strandplatz von vor ein paar Tagen. Dort treffen wir später ein junges polnisches Travellerpaar, die soeben vom Tosor Pass kommen und uns wertvolle Informationen geben können. Das Wichtigste: der Pass ist wieder schneefrei!

Yssik-Kul – Karakol – Djeti-Oguz Tal – Strand Shaska Canyon  -  180 km  -  1936 Tage / 138560 km

26. September 2019 - Das Abenteuer Tosor Pass…

steinige Auffahrt zum Tosor Pass

…steht uns nun bevor. Erst gegen 11.00 Uhr klart es soweit auf, dass sich die Fahrt überhaupt lohnt. Die ersten zehn Kilometer entlang dem Tosor River lassen es gemächlich angehen, die Piste ist überwiegend gut, die Landschaft schön anzusehen. Nach dem Queren eines weiten Hochtales allerdings wird es so richtig ruppig, den unzähligen Steinen auf dem Fahrweg lässt sich meist nicht mehr ausweichen und dazu wird es wird allmählich steiler. Zwischendurch erfreuen uns aber immer  wieder gute Passagen und wir kommen gut voran. Erst als wir die Altschneegrenze und die Gletscherregionen erreichen, geht es nur noch im ersten untersetzten Gang schrittweise bergauf. Nach vier Stunden und siebenunddreißig Kilometern erreichen wir die Passhöhe auf 3.882 Metern Höhe, wo uns immer wieder heftige Graupelschauer ins Warme treiben. Wir entscheiden, erst mal nicht mehr weiter zu fahren.

Strand Shaska Canyon – Tosor Pass  -  40 km  -  1937 Tage / 138600 km

27. September 2019 - Und auf der anderen Seite wieder runter

herrliches Jil-Suu Tal nach dem Tosor Pass

Bestes Wetter geleitet uns heute vom Tosor Pass hinunter durch das von hohen Bergen flankierte Jil-Suu Tal. Die Piste ist überraschend gut, nachdem wir den ruppigen Passbereich hinter uns gelassen haben. Nur drei etwas heikle, jedoch letztlich unproblematische Stellen müssen wir vorsichtig passieren, das war es dann. Warum alle Welt diese Passüberfahrt als besonders herausfordernd beschreibt, erschließt sich uns nicht. Aber schön ist die Fahrt. Kurz bevor wir das Kichi-Naryn Tal erreichen, stellen wir uns im breit gewordenen Tal an den Bolgart River und genießen die herrliche Umgebung.

Tosor Pass – Jil Suu Tal – Bolgart River  -  65 km  -  1938 Tage / 138665 km

28. – 30. September 2019 - Durch das Kichi-Naryn Tal

wir begeistern uns an der traumhaften Ladschaft

Schon die Anfahrt durch die von Wasser und Wetter zerrissenen Berge und Schluchten ist außergewöhnlich schön. Und erst das Tal selbst! Hoch über dem in engen Windungen sich durch die Schlucht seinen Weg suchenden Kleinen Naryn River schmiegt sich die gute Piste an die steilen Berghänge und gibt immer wieder tolle Einblicke in die enge Schlucht frei. Schon nach wenigen Kilometern entdecken wir einen perfekten Platz am Wasser und verbringen einen ruhigen Tag in toller Natur.

Die attraktive Fahrt setzt sich heute fort, und wir genießen jeden Kilometer hinaus nach Tash-Bashat. Von dort ist es eine oft nervige Wellblechpistenhoppelei bis hinunter nach Naryn. Hier verbringen wir auch noch den nächsten Tag, da wir auf Anja und Henrik warten, die unser neues Carnet de Passage dabei haben.

Bolgart River – Kichi-Naryn Tal – Tash-Bashat – Naryn  -  130 km  -  1941 Tage / 138795 km

01.– 03. Oktober 2019 - Abstecher nach Bishkek

der Burana Tower

Da wir schon vor einigen Wochen entschieden haben, nicht um das Kaspische Meer herum durch Kasachstan und Russland nach Georgien zu fahren, sondern über Turkmenistan wieder zurück in Iran, müssen wir eine Schleife über die Hauptstadt Bishkek drehen, um dort die entsprechenden Visa zu besorgen. Über den 3.038 Meter hohen Dolon Pass geht es hinüber nach Kochkor und anschließend durch einen langen Canyon weit hinunter in die Ebene von Bishkek. Bei Tokmok biegen wir ab zum Burana Tower, einem alten, abgebrochenen Minarett, das heute eines der Wahrzeichen Kirgisistans ist. Nun, das alte Stück ist nicht wirklich attraktiv, aber es gibt einen unter großen Bäumen angelegten Parkplatz, den wir nach dem langen Fahrtag zum Übernachten nutzen.

Nach dem tristen Nebel- und Nieseltag gestern scheint nun wieder die Sonne und die frisch verschneiten Viertausender lachen zu uns herab. Durch endlos viele Dörfer und Vororte hoppeln wir auf meist schlechten Straßen nun gen Bishkek. Dort gilt unser erster Besuch der iranischen Botschaft, wo wir unsere Visa beantragen. Anschließend plündern wir noch einen großen Supermarkt, bevor wir uns einen ruhigen Platz für den Nachmittag und die Nacht suchen.

Gleich am Morgen bekommen wir unsere Iran-Visa ausgehändigt, und der überaus freundliche Konsul bewilligt uns sogar die erbetenen neunzig Tage, anstatt der üblichen dreißig Tage! Das war ja mal ein gelungener Start! Also auf zu den Turkmenen. Dort beantragen wir die erforderlichen Transitvisa, die wir in etwa zwei Wochen dann auf der turkmenischen Botschaft im usbekischen Taschkent abholen wollen. Hoffen wir mal, dass das alles so klappt wie gedacht. So, nachdem der Papierkram erledigt ist, fahren wir hinauf in das Ala-Archa Naturreservat, ein weit in die herrliche Bergwelt hinter Bishkek reichendes Tal.

Naryn – Kochtor – Tokmok – Bishkek – Ala-Archa Tal  -  410 km  -  1944 Tage / 139205 km

04. – 06. Oktober 2019 - Bergsteigen im Ala-Archa Valley

traumhafte Bergtour vom Herbstwald in den Winter

Rund um unseren Standplatz steilen sich attraktive Berge ohne Ende auf! Das wollen wir natürlich für Bergtouren nutzen. Heute ist das Wetter allerdings noch etwas bedeckt, so dass erst mal ein Waschtag ansteht. Gegen Abend gesellen sich dann Rebecca und Sebastian mit ihren drei Kindern zu uns.

Nervige Darmkrämpfe lassen mich kaum schlafen und vereiteln natürlich eine geplante, größere Bergtour. Also entscheiden wir, lediglich eine kleine Wanderung zu machen. Doch schon nach kurzer Wegstrecke geht es mir wieder gut und wir laufen in rekordverdächtiger Zeit 1.300 Höhenmeter hoch hinauf an den Rand der Gletscherregionen, wo eine Schutzhütte auf Gäste wartet. Rasch sind wir auch wieder unten bei „Manni“, und nach dieser Generalprobe steht einer großen Tour morgen nichts mehr im Weg.

Entgegen unseren sonstigen Gepflogenheiten vor einer geplanten Bergtour trödeln wir ziemlich herum und kommen erst um neun Uhr los. Das rächt sich, denn nach einem sechsstündigen, abwechslungsreichen, aber auch sehr anstrengenden, weil meist weglosem und steilem Anstieg müssen wir nach 1.900 Höhenmetern erkennen, dass der von uns anvisierte Gipfel noch weitere 300 Höhenmeter durch steiles und verschneites Blockgestein und der anschließende, lange Abstieg ins Tal nicht vor Einbruch der Dunkelheit zu schaffen sein wird. Schweren Herzens, aber geleitet von Vernunft und Erfahrung, machen wir uns an den Weg hinunter. Und die Entscheidung, auf den Gipfel zu verzichten, war richtig, denn wir erreichen erst kurz vor Sonnenuntergang unser Basecamp. Doch auch ohne Gipfel war es eine gigantisch schöne Tour!

Ala-Archa Tal  -  0 km  -  1947 Tage / 139205 km

07. – 09. Oktober 2019 - Auf bekannten Wegen zurück ins Hochland um Kochkor

Waschplatz am rauschenden Bach

Erst gegen Mittag verlassen wir das herrliche Bergtal und lassen „Manni“ hinunterrollen Richtung Bishkek. Doch schon weit vor der Stadt biegen wir auf schmale Nebenstrecken ab, die erstaunlicherweise besser in Schuss sind als so manche Hauptstraße. Immer entlang der Bergkette und durch viele nette Dörfer erreichen wir schon nach kurzer Zeit einen sehr schönen Platz direkt am Issyk Ata River, am Eingang des gleichnamigen Tales. Doch anstatt zu relaxen steht mal wieder so manche Arbeit an: die Bergklamotten müssen gewaschen werden und „Manni“ sieht nach einigen Sprühregenfahrten aus wie ein Schwein. Zur Belohnung genießen wir dann abends ein sensationell zartes Rinderfilet mit Broccoli!

Auch der heutige Vormittag ist noch mit Servicearbeiten rund um „Manni“ ausgefüllt. So ist es schon wieder Mittagszeit, als wir endlich vom Acker kommen. Rasch erreichen wir auf der abwechslungsreichen Strecke Tokmok und es geht weiter auf der Schnellstraße zurück durch den schon vor einigen Tagen gefahrenen Canyon und über den sich anschließenden Pass. Kurz vor Kochkor schlagen wir uns in die Büsche, gerade rechtzeitig, bevor ein gigantisches Gewitter aufzieht, das allerdings kurz vor uns abdreht und nur auf den Bergen um uns herum neuen Schnee ablädt.

Der nächtliche Regen hielt sich in Grenzen, doch die Berge um uns herum erstrahlen in frischem Weiß. Wir fahren das kurze Stück nach Kochkor, wo wir den ganzen Tag am Computer verbringen, muss auch mal sein. Erst am späten Nachmittag quälen wir uns noch ein Stück gen Westen auf einer grauenvoll zusammengeflickten Straße. Bei einem markant auf einem Hügel stehenden Mausoleum finden wir schließlich einen tollen 360°- Panoramaplatz.

Ala-Archa Tal – Tokmok – Kemin – Kochkor – Ak-Uchuk  -  275 km  -  1950 Tage / 139480 km

10. – 12. Oktober 2019 - Durch das Suusamyr Tal…

herrlicher Herbst in Kirgisistan

…und über den Ala-Bel Pass zum Lake Toktogul führt uns nun unser Weg. Die Straße bleibt grottenschlecht, wird dann zur Dauerbaustelle und quält uns stundenlang, über den Kyzart Pass und auf der anderen Seite wieder hinunter. Dazu kommen Dutzende von Kohlelastwagen, die aus zwei Minen Kohlevorräte für den Winter heranschaffen, und mit teilweise abartiger Geschwindigkeit und dichten Staubfahnen das Ganze zu einem gefährlichen Ritt werden lassen. Erst kurz vor dem Nest Aral, wo sich die Straße teilt, können wir aufatmen, im wahrsten Sinne des Wortes…

Gestern haben wir auf einem Plateau über dem Tal einen Traumplatz auserkoren. Ein sensationell schöner Rundumblick und absolute Ruhe versöhnen uns wieder mit der Gegend und lassen uns einen ganzen Tag hierbleiben und genießen…

Entlang dem Kekemeren River, der sich durch das immer enger werdende Tal schlängelt, holpern wir um und durch Millionen von Schlaglöchern oder lassen uns von nervigem Wellblech durchschütteln. Doch das Tal ist schön, und so stört es uns nicht wirklich, dass wir so langsam vorankommen. Als wir schließlich die weite Hochebene um Suusamyr erreichen, begeistert uns ein Rundumpanorama von schneebedeckten Bergen. Kurz darauf erreichen wir die asphaltierte Hauptverbindung, die von Bishkek hinunter nach Osh führt. Hier kommen wir nun bequem voran und erklimmen problemlos den 3.175 Meter hohen Ala-Bel Pass inmitten einer tollen Schneelandschaft. Zum Übernachten ist es hier oben schlicht zu kalt, also rollen wir gemächlich noch die 2.200 Höhenmeter hinunter bis fast zum Lake Toktogul.

Ak-Ushuk – Aral – Suusamyr – Ala-Bel Pass – Bala-Chychkan  -  330 km  -  1953 Tage / 139810 km

13. Oktober 2019 - Freud und Leid…

Manni steckt fest

…hängen oft sehr nah beieinander, wie wir wieder mal feststellen müssen. Als wir nach dem Besuch des Bazars und dem Auffüllen unserer Wassertanks zum Lake Toktogul hinunterfahren, um dort eine entspannte Zeit zu verbringen, müssen wir natürlich bis vor zur Wasserlinie fahren. Auch wenn dort ein Fahrweg ist, dauert es nicht lange, und wir versinken etwas im weichen Untergrund. Doch selbst sofortiges Stoppen, Steine unterlegen, ordentlich Luft ablassen und zuschalten aller technischen Möglichkeiten verhindern nicht, dass wir rechts hinten bis zur Felgenoberkante im lehmigen Morast untergehen und „Manni“ in eine sehr bedenkliche Schräglage abkippt. Nach einigen Versuchen mit Spitzhacke und Schaufel erkennen wir schnell, dass wir hier keinerlei Chance haben, uns selbst zu befreien. Wir bitten ein paar Angler, doch jemanden anzurufen, der einen starken Traktor oder ähnliches hat. Die wittern natürlich sofort die Chance des Monats, das große Los zu ziehen mit den blöden Reisenden, die hier im Uferbereich ihren Laster versenken. Sie organisieren einen dreiachsigen, ehemaligen russischen Militärlaster mit Seilwinde, und nach zwei Versuchen gelingt es uns tatsächlich, „Manni“ langsam durch sechzehn Meter Morast aus seiner prekären Lage zu befreien. Der ganze Spaß kostet uns letztlich rund 90 Euro und jede Menge Nerven. Selber schuld…

Bala-Chychkan – Toktogul – Lake Toktogul  -  15 km  -  1954 Tage / 139825 km

14. – 17. Oktober 2019 - Zurück nach Osh

der toktogul Stausee

So schön es einerseits hier am See ist, das Wasser noch angenehm warm zum Schwimmen, selbst am Sonntag keine Menschenseele weit und breit, zieht es uns gegen Mittag weiter. Wir umfahren den Lake Toktogul und finden genau gegenüber, bevor sich die Straße in die Berge verabschiedet, wieder einen ruhigen und sauberen Platz direkt am Ufer, diesmal sogar mit einer spektakulären Panoramarundumsicht.

In der Nacht schüttet es zeitweise wie aus Kübeln, als ein heftiges Gewitter über uns hinweg zieht. Als die Sonne wieder vom Himmel lacht sehen wir, dass die Berge um uns herum wieder ordentlich Neuschnee abbekommen haben. Es wird also langsam Zeit, in tiefere und damit auch wärmere Gefilde zu ziehen. Die kirgisische Haupttangente zeigt sich dabei von ihrer attraktivsten Seite, denn sie folgt immer dem Naryn River, der sich nun durch eine enge Schlucht gen Süden kämpft. Als die Berge schließlich in den Hintergrund treten, haben wir das Fergana-Tal und auch das Grenzgebiet zu Usbekistan erreicht. Gegenüber der usbekischen Kleinstadt Izboskan finden wir einen netten Platz direkt an einem kleinen Fluss und verbringen dort den Rest des Tages.

Die Fahrt nach Osh nervt erst mal ganz schön, denn die sogenannte Hauptachse durch Kirgisistan ist hier in einem dermaßen grottigen Zustand, dass wir selten mit mehr als dreißig Stundenkilometern vorankommen. Und so zieht sich das Ganze, bis wir über Dschalalabad und Uzgen am Nachmittag endlich Osh erreichen.

Wir entscheiden, noch einen Tag hier zu bleiben, um uns ein wenig von der Fahrerei zu erholen, das gute Internet zu nutzen und nochmal ordentlich Einzukaufen.

Lake Toktogul – Tashkumyr – Dschalalabad – Osh  -  425 km  -  1958 Tage / 140245 km

18. – 19. Oktober 2019 - Wieder nach Usbekistan

bunter Basar in Margilon

Nach fast acht tollen Wochen verabschieden wir uns endgültig von Kirgisistan und stürzen uns in den Grenzübergangtrubel. Es ist ordentlich was los, doch wir holen uns die Erlaubnis, an all den Wartenden vorbeifahren zu dürfen. Als Touristen ist dies möglich und wird von den lokalen Grenzgängern auch ohne Murren akzeptiert, denn niemand will uns zumuten, den ganzen Tag hier verbringen zu müssen. Aus- und Einreise sind so relativ rasch erledigt, die Kontrollen sehr oberflächlich, und schon sind wir wieder in Usbekistan. Wir spüren schnell, dass das Fergana-Tal unglaublich dicht besiedelt ist, denn der Verkehr ist so dicht wie nirgendwo sonst in der Region. Und natürlich quälen und auch hier die grauslich schlechten Straßen. So zuckeln wir mehr denn wir fahren so dahin, bis wir schließlich, vorbei an Andijon, in Margilon ankommen.

Hier in Margilon ist es vor allem die Seidenfabrik, die anlockt. Und auch wir lassen uns die Seidenfertigung vom Kokon bis hin zum gewebten Seidentuch oder geknüpften Teppich erklären. Auch der hiesige Bazar ist einen Besuch wert, die angebotenen Waren sind liebevoll präsentiert, das Auge genießt. Die anschließende Fahrt nach Kokand über eine recht gute Nebenstrecke ist wesentlich angenehmer als das Geholper über die Hauptachse, so dass wir dort rasch das dortige Zentrum erreichen und uns sogar noch die historischen Gemäuer ansehen.

Osh – Grenze KGZ/ZU  -  Margilon – Kokand  -  220 km  -  1960 Tage / 140470 km

20. – 21. Oktober 2019 - Tashkent

Moschee in Tashkent

Es ist eine lange Fahrt über die Berge, heraus aus dem Fergana-Tal und hinunter in die diesige Ebene rund um die Hauptstadt Usbekistans. Aber wir wollen morgen unsere Turkmenistan-Visa auf der dortigen Botschaft abholen und entscheiden uns deshalb, in einem Rutsch durchzufahren.

Tashkent überrascht mit viel Grün im Zentrum, doch die historischen Komplexe wirken seelenlos, sind praktisch totrestauriert. Kein Leben spielt sich dort mehr ab, nur einige Touristengruppen tingeln umher. Auf der turkmenischen Botschaft bestätigt man uns, dass wir unsere Visa auch direkt an der Grenze ausgehändigt bekommen können, ohne uns zeitlich auf den Tag genau festlegen zu müssen. Und genau so werden wir das jetzt machen…

Kokand – Angren – Tashkent  -  255 km  -  1962 Tage / 140725 km

22. – 24. Oktober 2019 - Durch den Zomin Nationalpark

der Zomin Stausee

Da die Fahrerei über die usbekischen Hauptstraßen ziemlich nervig ist, entscheiden wir uns, die Strecke über die Berge durch den Zomin Nationalpark zu nehmen. Und als wir den Stausee oberhalb von Zomin erreichen, sehen wir uns bestätigt in unserer Entscheidung, so schön ist die Landschaft hier anzusehen.

Doch der Nationalpark selbst ist eine einzige Enttäuschung! Anfänglich windet sich die einigermaßen gute Bergstraße entlang einem klaren Flüsschen und durch unzählige Dörfer bergan, bis wir den ersten Pass auf rund 2.450 Metern Höhe erreichen. Hier beginnt nun ein militärisches Sperrgebiet bis zur Grenze zu Tajikistan mit der Maßgabe, dass hier oben in den Hochtälern inmitten der schneebedeckten Dreitausender nichts erlaubt ist, außer mal eben durchzufahren. Also kein Wandern, kein Bergsteigen, geschweige denn Campen! Als wir nach dem zweiten Pass das Naturschutzgebiet wieder verlassen, quält uns eine wirklich grauslig schlechte Straße weit hinunter bis ins Tal. Erst bei Sonnenuntergang erreichen wir einen kleinen Stausee abseits der inzwischen wieder erreichten Hauptstraße, müde und enttäuscht von dieser anstrengenden Runde durch den Zomin Nationalpark…

Zur Erholung bleiben wir hier gleich mal noch einen Tag…

Tashkent – Gulistan – Zomin – Zomin NP – Karaultepinskoje  -  395 km  -  1965 Tage / 141120 km

25. – 26. Oktober 2019 - Noch einmal in Samarkand…

wunderschöner Registon Platz in Samarkand

…denn unser erster Besuch im Juli war aufgrund der unerträglichen Hitze nicht wirklich erquickend. Als wir den allgemein beliebten Übernachtungsplatz im Stadtzentrum anlaufen, stehen wir mit vier Fahrzeugen unter den schattenspendenden Bäumen, also ein richtiges, kleines Traveller-Treffen, wo wir nun zwei Tage lang Stunde um Stunde verquatschen. Und bei angenehmen Herbsttemperaturen macht es diesmal auch Spaß, die historischen Meisterleistungen mittelalterlicher Architektur zu bewundern.

Karaultepinskoje – Bulungur – Samarkand  -  65 km  -  1967 Tage / 141185 km

27. – 29. Oktober 2019 - …und in Buchara

stimmungsvolles Buchara

Für die Fahrt nach Buchara nehmen wir uns zwei Tage Zeit, was natürlich wieder mal dem Straßenzustand geschuldet ist, denn die von Landwirtschaft geprägte Gegend gibt nicht wirklich viel her. Wir besichtigen noch ein wenig Historisches auf dem Weg, doch wenn man Samarkand und Buchara kennt, kann man die anderen Gemäuer getrost links liegen lassen.

In Buchara schlendern wir zu verschiedenen Tageszeiten mehrmals entspannt durch die Altstadt, denn ein wiederholter Besuch befreit immer ein wenig vom Sightseeing-Druck. Schön war es…

Samarkand – Navoiy – Buchara  -  300 km  -  1970 Tage / 141485 km

30. Oktober – 01. November 2019 - Lange Fahrt hinauf nach Khiva

das Minor Minarett - Wahrzeichen von Khiva

Die ersten hundert Kilometer in Richtung Nordwesten sind so grottenschlecht zu fahren, dass wir nur sehr langsam vorankommen. Dazu wird es immer öder, die Steppe geht so langsam in Wüste über, bis zum Horizont absolut nichts Spannendes. Doch dann überrascht uns eine neue Autobahn, die uns nun rasch und erholsam vorwärts bringt. Und so schaffen wir einen großen Sprung in Richtung Khiva.

Das Flussgebiet um den Amudarya ist außergewöhnlich fruchtbar, und so reiht sich bald eine Siedlung an die nächste mit dem Ergebnis, dass das Vergnügen Autobahn sich nach 250 Kilometern zwischen den Häusern auflöst und wieder zur klassisch-usbekischen Rumpelstraße wird. In Beruni verlassen wir die Fernstraße und erreichen über das überraschend modern wirkende Urgench schon bald das historische Khiva. Sofort stürzen wir uns in die weitgehend intakte, historische Altstadt und tauchen ein in ein mittelalterliches Szenario mit Andenkenständen und Touristengruppen…

Den ganzen Tag schlendern wir immer wieder durch die schmalen Gassen, erfreulicherweise ist heute kaum etwas los, so dass wir die Stadt wesentlich authentischer wahrnehmen als gestern. Leider ist es über Nacht empfindlich kalt geworden, ein scharfer Nordwind verhindert längeres, gemütliches Verweilen im Freien.

Buchara – Miskin – Beruni – Urgench – Khiva  -  470 km  -  1973 Tage / 141955 km

02. – 03. November 2019 - Zur turkmenischen Grenze

Blick vom Berg der Zoroastrier auf den Amudaria

Auch heute bleibt es ungemütlich, also brechen wir unsere Zelte hier ab und fahren so langsam in Richtung turkmenischer Grenze. Zurück auf der usbekischen Haupttangente rumpeln wir langsam gen Nordwesten, bis wir vor uns einen kleinen, markanten Tafelberg aus der Ebene wachsen sehen. Es ist die alte Begräbnisstätte Chilpiq aus zoroastrischer Zeit, letztlich wenig attraktiv anzusehen, aber nett als Übernachtungskulisse. Also bleiben wir…

Die Strecke bis Nukus, der für uns letzten Stadt in Usbekistan, ist relativ schnell hinter uns gebracht. Auf dem Markt verprassen wir noch unsere letzten Som, bevor wir uns inmitten der von Wind und Wetter übrig gelassenen Restruinen der Zitadelle von Gyaur Qala, schon kurz vor der Grenze, einquartieren. Leider ist der starke Wind auch heute jedem Aufenthalt im Freien abträglich, so dass wir unseren letzten Tag in Usbekistan nur zu gerne im Warmen verbringen.

Khiva – Urgench – Chilpiq – Nukus – Gyaur Qala  -  240 km  -  1975 Tage / 142195 km

04. – 05. November 2019 - Kontrollwahnsinn und ein brennender Gaskrater

brennender Gaskrater

Den Grenzübertritt nehmen wir von der Pole-Position aus in Angriff, denn wir stehen schon vor Grenzöffnung als Erste vor den noch verschlossenen Toren. Als diese mit einiger Verspätung geöffnet werden, stürzen wir uns in den Kontrollwahnsinn postsowjetischer Diktaturen. Bei den Usbeken ist das Prozedere überraschend schnell erledigt, wir reisen ja auch aus. Doch die Turkmenen überschlagen sich mal wieder vor lauter Langsamkeit. Trotz der angenehmen Situation, dass wir an jedem Schalter die Ersten waren und wir nicht warten mussten, bis vor uns jemand abgefertigt wurde, dauert es letztlich geschlagene drei Stunden, bis alle Daten unzählige Male in große Bücher eingetragen, ganze Bündel Papiere abgestempelt sind und schließlich „Manni“ auf seine Unbedenklichkeit hin kontrolliert ist. Nebenbei drücken wir noch gut 300 US-Dollar für Visa und einen Rattenschwanz ominöser Gebühren ab. Den Nachmittag verbringen wir dann ganz in Ruhe in Keneurgench inmitten historischer Gebäudereste…

Das nur fünftätige Transitvisum erlaubt uns keine übermäßige Trödelei, und so schwenken wir nach dem Frühstück auf die Transitstrecke ein. Diese präsentiert sich in einem absolut grauenvollen Zustand, so dass wir für sie ersten achtzig Kilometer vier Stunden benötigen!  Erst danach wird sie besser, doch es zieht sich bis zum Beginn der Dunkelheit, bis wir endlich den bekannten Gas-Krater erreichen. Dieser seit über vierzig Jahren ununterbrochen brennende Krater erinnert ein wenig an vulkanische Tätigkeit, und nun, im Dunklen, ist es besonders eindrucksvoll, wie all die vielen Flammen züngeln.

Gyaur Qala – Grenze UZ/TM  -  Keneurgench -  Gas-Krater  -  315 km  -  1977 Tage / 142510 km

06. – 07. November 2019 - Eine Stadt ganz in Weiß…

eines der Stadien in Ashgabat

Auch heute müssen wir eine längere Etappe hinter uns bringen. Doch die Straße ist wirklich besser als gestern, und so kommen wir einigermaßen zügig voran. Die Außenbezirke von Ashgabat begrüßen uns mit tausenden, uniform in Reih und Glied stehenden, nagelneuen und überwiegend unbewohnten Häusern. Wir tanken  komplett voll für schlappe sechs Eurocent den Liter und staunen auf unserer Fahrt in die Innenstadt über erste pompöse Denkmäler, Stelen und Prachtbauten, alle in strahlendem Weiß! Ein Hotel in der Stadt bietet Travellern eine kostenlose Parkmöglichkeit samt Toilettenbenutzung, Wasseranschluss und Wlan, also beziehen wir dort unser Quartier.

Den ganzen Vormittag laufen wir staunend durch eine Stadt, die auf einem anderen Planeten zu stehen scheint. Völlig skurrile Großbauten beeindrucken uns, doch es fehlen, außer den allgegenwärtigen Polizisten und straßenkehrenden Mädels, die Menschen! Die bewegen sich eigentlich nur in ihren alten Wohnvierteln, die Prachtalleen dagegen sind wie ausgestorben.

Gas-Krater – Ashgabat  -  285 km  -  1979 Tage / 142795 km

08. – 09. November 2019 - Zurück in Iran!

Ashgabat, eine sellenlose Stadt

Auf dem Teke-Markt, dem scheinbar einzigen Platz in der Stadt, an dem so etwas wie normales Leben stattfindet, decken wir uns nochmal zu unvorstellbar günstigen Preisen mit frischem Obst und Gemüse ein. Und nach intensivem Durchfragen finden wir außerhalb der Stadt doch tatsächlich eine Station, an der wir unsere drei inzwischen leeren Gasflaschen auffüllen können. Die Jungs dort freuen sich dermaßen über unseren Besuch, dass sie partout kein Geld von uns für die Füllungen nehmen wollen. Wir können ihnen lediglich eine frische Wassermelone als Dank aufdrängen.

Gleich hinter der Stadt geht es hoch in die Berge und zur Grenzstation. Bei den Turkmenen ist es überraschenderweise nur eine Sache weniger Minuten, und schon sind wir aus dem Hochsicherheitstrakt Turkmenistan entlassen. Die Iraner brauchen etwas länger, doch der bevorstehende Feierabend macht ihnen letztlich Beine und plötzlich geht alles sehr rasch und wir sind durch. Gemeinsam mit Rebekka und Sebastian und ihren drei Kindern, die wir bereits jeden Tag während des Transits immer wieder getroffen hatten, quartieren wir uns schließlich direkt an einem Gebirgsbach ein.

Wir entscheiden, noch einen Tag hier zu bleiben, um uns von der Transitfahrerei zu erholen. Außerdem muss mal wieder ein Berg Wäsche abgearbeitet werden und der saubere Fluss bietet sich an, unsere nahezu leeren Wassertanks aufzufüllen.

Ashgabat – Grenze TR/IR  -  Dar Badam  -  140 km  -  1981 Tage / 142935 km

unsere aktuelle Reiseroute

Nach oben