Asien - Saudi Arabien / V.A. Emirate / Oman – 1.Teil

16. Februar 2019 – 16. März 2019

Durch Saudi Arabien, in die Golfstaaten und den Oman

Auch diesmal bekommen wir nur ein dreitägiges Transitvisum, um den riesigen Wüstenstaat möglichst rasch zu durchqueren. Von wegen Öffnung für mehr Tourismus, da ist noch ein langer Weg zu beschreiten. Nach einem ersten, kurzen Aufenthalt in den Emiraten freuen wir uns jetzt auf den Oman, das perfekte Land, um viereinhalb Jahre Afrika mal sacken zu lassen…

 

Im Transit durch Saudi Arabien

Die Millionenstadt Jeddah, das Tor Saudi Arabiens zur übrigen Welt, empfängt uns mit wuseligem Verkehr, mit einer gigantischen Ikea-Möbelhalle für die arabische „Billy“-Variante, mit McDonalds- und Starbucks-Filialen für die gesündere Ernährung und den ersten autofahrenden Frauen, die trotz massiv eingeengtem Gesichtsfeld dank verhüllenden Hajib sicher durchs Verkehrsgewühl cruisen. Auch in den Restaurants und Cafés sehen wir Frauen alleine oder in einer Gruppe quatschend und Shisha rauchend, das Kopftuch ist dabei bei mancher schon ganz schön weit nach hinten gewandert.

An der Tankstelle erleben wir eine Überraschung: der Dieselpreis hat sich in den letzten sechs Jahren verdoppelt! Der Liter kostet inzwischen unglaubliche zwölf Eurocent, für die verwöhnten saudischen Autofahrer eine schwer zu schluckende Pille. Aber selbst dieser Preisanstieg ist natürlich lächerlich, und so hat wohl jeder Saudi ein Auto, das er so ziemlich rücksichtslos im täglichen Kampf um die „Pole Position“ einzusetzen weiß.

In Riyad bauen sie gerade eine ultramoderne Hochbahn, die diesen Verkehrsirrsinn in Zukunft entlasten soll. Hier sind, wie in jeder größeren Stadt des Landes, gigantische Einkaufszentren entstanden, die denen in Dubai um nichts nachstehen. Völlig überfordert irren wir durch einen Supermarkt in der Größenordnung eines deutschen Megacenters. Nach den eher dürftigen Darbietungen afrikanischer Märkte müssen wir uns erst wieder daran gewöhnen, dass man viele Dinge plötzlich nur deswegen kauft, weil sie angeboten werden und nicht, weil man sie einfach nur braucht.

Fast alle Männer, mit denen wir Kontakt haben, unterhalten sich völlig unverkrampft mit Conny, ein vor Jahren noch undenkbares Verhalten. Und ein jeder würde sich sehr darüber freuen, wenn das Land sich endlich dem internationalen Tourismus öffnen würde. Aber dazu müssen erst noch die erzkonservativen wahabitischen Tugendwächter überzeugt werden…

 

Abu Dhabi…

…ist eine echte Boomtown. Das Emirat ist Herr über die gesamten Ölvorkommen der Scheichtümer am Golf, und dementsprechend herausgeputzt präsentiert sich die Metropole. Was für ein Kontrast zu den Hauptstädten in Afrika! Farbenfrohe, interessante Stadtarchitektur schafft eine stimmige Skyline, fleißige Asiaten sorgen für ein blitzsauberes Image. Die Geschäfte laufen, die kluge Politik der Herrscherfamilie sorgt für Wohlstand. So haben die jungen Emiratis genügend Zeit und Muse, mit ihren Boliden gelangweilt herum zu cruisen, denn zu tun haben sie ja nichts weiter, als das Geld der Väter auf den Kopf zu hauen. Gigantische Megamalls erfüllen jeden Konsumwunsch, Traumstrände locken zum Entspannen. Tut mal ganz gut, so eine Wohlfühlatmosphäre…

 

Oman – 1.Teil                                                                                                              Im Jebel Akhdar Gebirge

Der Gebirgszug des Hajar-Gebirges trennt die fruchtbare Küstenebene Batinah vom trockenen Wüstenland, zerschneidet den Oman buchstäblich in zwei ganz unterschiedliche Teile. Bis zu 3.000 Meter hoch ist vor allem der zentrale Bereich; das Jebel Akhdar Gebirge stellt eine markante Wetterscheide dar. Das Kalkgestein speichert das Wasser der Niederschläge und ermöglicht es den wenigen Bewohnern der abgeschiedenen Täler und Hochplateaus zu überleben. In den mühevoll angelegten Obstgärten und auf exponierten Terrassenfeldern gedeihen unzählige Früchte und reichhaltiges Gemüse.

Lange Zeit waren die winzigen Weiler inmitten unwirtlicher Hochgebirgsszenerien völlig isoliert, konnten nur über Maultierpfade erreicht werden. Erst vor wenigen Jahren wurden abenteuerliche Pisten in die kargen Berghänge gefräst, banden so die Menschen an die Neuzeit an. Schulen und Krankenstationen wurden gebaut, die ersten Besucher fanden den beschwerlichen Weg hinein in die Wadis.

Auch heute läuft das Leben hier kaum anders ab als noch vor einigen Jahrzehnten. Englisch spricht hier kaum jemand, die Landwirtschaft wird wie schon immer per Hand betrieben. Gastfreundschaft ist groß geschrieben, Einladungen zu Kaffee und Datteln sind an der Tagesordnung.

Doch seit unserem letzten Besuch hier vor nur sechs Jahren hat sich so manches verändert: Der Ausbau des Tourismus, Steckenpferd der omanischen Regierung, hinterlässt erste sichtbare Spuren. Täglich begegnen uns jetzt mehr Touristen als damals in vier Wochen. Geführte Offroad-Touren ziehen lange Staubfahnen hinter sich her, Wandergruppen bevölkern jeden noch so einsamen Bergpfad, Fotografen lichten alles ab, was ihnen vor die Linse kommt. Noch sind wir überall herzlich willkommen, winken uns Vorbeikommende freundlich zu, bringen uns Dorfbewohner Datteln und Früchte zur Begrüßung, wenn wir in der Nähe ihres Dorfes nächtigen. Aber wie lange noch…?

Tourismus ist wichtig, er öffnet Horizonte auf beiden Seiten. Doch er verändert auch nachhaltig, vielerorts hat er auch zerstörende Wirkung. Hoffen wir, dass sich der Oman und seine herzlichen Menschen davor bewahren können…

 

 

durch die Berge bei At Taif in Saudi Arabien
jeden Tag: fahren, fahren, fahren...
Skyline von Abu Dhabi
große Auswahl auf dem Fischmarkt
Kamelmarkt in Al Ain
Entspannung am Strand in Ras al Sawadi
Travellertreffen im Wadi Al Abyadh
Fahrt durch das Wadi Al Abyadh
herrliche Bergwelt und tolle Pisten im Al Akhdar Gebirge
Oase Balad Zeyt - wie im Bilderbuch
Blick in die Berge mit den Oasendörfern
Piste durch das enge Wadi Nakhar
unser Traumplatz mit Privatpool im Wadi Nakhar
Jebel Shams View Point - unser wohlbekannter Übernachtungsplatz an der Panoramakante
unter uns das Wadi Nakhar
der Regen zaubert einen herrlichen Regenbogen

Asien - Oman – 2.Teil / V.A. Emirate

16. März – 21. April 2019

Durch den Oman nach Dubai

Eines vorweg – der Oman hat sich seit unserem letzten Besuch vor sechs Jahren gewaltig verändert: Neue Straßen zerpflügen das Land, die Anzahl der Häuser hat sich vervielfacht, Tribut an die exorbitanten Kinderscharen der omanischen Familien. Und der bewusst geförderte Tourismus fängt an, Traditionelles zur Show verkommen zu lassen. Der Oman ist dabei, seinen sympathischen Charme zu verspielen…

 

Hilfsbereitschaft öffnet interessante Türen…

„Help! Need help!“ Mit wehender Dishdasha stolpert Yousuf auf uns zu. Safiya, seine ganz in traditioneller, schwarzer Abaya gewandte Frau, folgt ihm gemessenen Schrittes. Wir sitzen im länger gewordenen Schatten von „Mannis“ Breitseite, er gibt fünfzig Meter vollbestückter Wäscheleine notwendigen Halt. „Schnell, schnell, mein Auto! Festgefahren im Wadi! Es versinkt im Wasser!“ Ganz aufgelöst ob anscheinend fahrtechnischer Unzulänglichkeiten wedelt er vor uns aufgeregt mit seinen langen Armen. Wir sehen uns an, erinnern uns an nicht mal knietiefe Furten. „Wo hast du dich denn festgefahren? In einer Furt? Die sind doch nicht wirklich tief.“ Ungläubig runzle ich die Stirn. „Nein, nein, neben der Piste…“

Okay, schau ich mir das Ganze mal an, ist ja nur ums Eck, wie er beteuert. Und wahrhaftig, von seinem Toyota ist nicht mehr viel zu sehen, der ganze Vorderwagen ist abgetaucht. Kopfüber steckt der Geländewagen im tiefen Wasser. „Warum bist Du denn da reingefahren?“ Ich verkneife mir die auf der Zunge liegenden Kommentare. „Hab ich ihn auch schon gefragt!“ Safiya legt ihre Zurückhaltung langsam ab. Zerknirscht sackt der schlaksige Yousuf ob der berechtigten, öffentlichen Kritik seiner jungen Frau fast zusammen. „Kriegen wir schon“, muntere ich ihn auf, „wir müssen „Manni“ eben nur startklar machen.“ „Ja, aber schnell“, wimmert er, „sonst ist alles kaputt.“ Das ist es auch jetzt schon, murmle ich in meinen Bart.

„Mannis“ Rettungsaktion ist letztlich Sekundensache, und schon steht der versehentlich zum Unterseeboot mutierte Toyota wieder auf dem Trockenen, während aus den vorderen Türen sturzbachartig das Wasser herausläuft. Motortechnisch ist er natürlich buchstäblich längst abgesoffen…

Ein paar Tage später, die Beiden hatten uns nach der erfolgreichen Bergung zu sich nach Haus in Muscat eingeladen, werden wir liebevoll verköstigt und erfahren viele spannende Details aus der omanischen Familiengeschichte, als der Urgroßvater hier in einem Lehmfort residierte, das heute, professionell renoviert, das Viertel ziert. Yousuf überrascht uns: „Meine Mutter, sie liebt Bayern über alles, ist jedes Jahr dort zum medizinischen Check. Und wir sind auch so gerne dort.“ München, Starnberg, Garmisch, selbst Bad Tölz ist ihnen wohlbekannt, Fotos von Eibsee, Partnachklamm und Walchensee machen die Runde. Ein Stück Heimat in einer omanischen Oase, wer hätte das gedacht!

 

Wie geht`s weiter bei uns? - Überraschende Neuigkeiten bei „mantoco“!

Jetzt seid Ihr bestimmt schon neugierig darauf zu erfahren, wohin uns unsere Lebensreise nach fast fünf Jahren Afrika nun führen wird. Nun, erst mal werden wir zwei Monate im Iran verbringen, Freunde besuchen und Neues entdecken. Und dann geht es weiter hinauf gen Norden, in die zentralasiatischen Staaten und über Russland und den Kaukasus nach Georgien und in die Türkei. Im April 2020 planen wir dann, mal wieder in Bayern aufzuschlagen, bevor wir uns einer ganz neuen Idee widmen werden:

Immer wieder wurden wir in den vergangenen Jahren gefragt, ob wir unsere Erfahrungen mit Reisen in Afrika nicht mal an Interessierte weitergeben wollen. Also machten wir uns da so unsere Gedanken…

Diese reiften zu einer Idee. Und letztlich zu einem Konzept. Jetzt freuen wir uns, Euch unser Konzept von einer von uns begleiteten „Trans-Afrika-Reise“ vorstellen zu dürfen!

 

Hier präsentieren wir Euch unser Angebot: click hier

 

 

unser Übernachtungsplatz im Wadi
Pistenfahrt entlang des Jebel Bani Jabir
unsere private Bucht am White Beach
Bergeaktion im Wadi Arbiyyin
von Weitem genießen wir entspannt die Skyline von Dubai
Lichtermeer Dubai
Dubai Marina mit Sarah

Asien - Iran / 1. Teil

22. April – 30. Mai 2019

Frühling in Iran – bunte Blumenwiesen zwischen schneebedeckten Viertausendern und grandiosen Wüstenlandschaften

Wir sind gespannt, was sich alles verändert hat in Iran seit unseren Besuchen hier vor sechs und sieben Jahren, wie sich die wirtschaftlichen Sanktionen auf das Alltägliche auswirken, und ob die Menschen freier und mutiger geworden sind. Und wir wollen uns diesmal mehr in der Natur bewegen, denn die kulturellen Highlights hatten wir seinerzeit ja schon mehrheitlich bewundert.

 

Einreisechaos und versuchte Abzocke im Hafen von Bandar Abbas

„Ihr braucht unbedingt die Hilfe eines „Fixers“, ohne ihn schafft ihr es nicht, den ganzen Behördenkram abzuwickeln!“ Wir sind etwas erstaunt über den Vorschlag anderer Reisender, die Dienste eines Schleppers für das Einreiseprozedere im Hafen von Bandar Abbas in Anspruch zu nehmen. Haben wir dies als zwar langwierig, jedoch durchaus letztlich problemlos in Erinnerung. „Das ist jetzt ganz anders als damals, die Behörden arbeiten mit den Schleppern zusammen, ohne einen solchen bearbeiten sie deine Papiere nicht!“ Mal sehen…

„Ich bin Siroos, ich helfe Euch für nur fünfzig US-Dollar über alle Hürden. Und mit meiner Hilfe geht das viel schneller!“ Wir lehnen dankend ab, unsere Reisefreunde dagegen nehmen seine angebotene Unterstützung in Anspruch. Vier Stunden später, nach unzähligen Schaltern, noch mehr Stempeln und Unterschriften auf Bergen von Papier haben wir es geschafft. Nur unwesentlich langsamer als der völlig überteuerte, mit einem iranischen Wochenlohn bedachte „Fixer“. Und dieser brummte unseren Freunden noch jede Menge erfundener Gebühren auf, insgesamt zusätzliche dreißig US-Dollar, während wir lediglich drei US-Dollar Hafengebühr zu berappen hatten!

Stinksauer ob dieser betrügerischen Handhabe verlassen wir gemeinsam das Hafengelände mit dem Tipp an zukünftige Reisende: Ihr braucht keinen „Fixer“! Ihr schafft das sehr gut alleine! Unterstützt nicht solch betrügerische Handhabe!

 

Dasht-e Lut – eine der faszinierendsten Wüsten der Welt

Tief im Südosten des Iran, scharf abgegrenzt von schroffen Bergen, da breitet sich in einer unendlich erscheinenden Senke die im Sommer heißeste Wüste der Erde aus. Unglaubliche siebzig Grad heiß kann es hier werden! Jetzt, Ende April, ist es noch sehr erträglich, und wir bereiten uns auf eine mehrtägige Durchquerung dieses menschenleeren Gebiets vor. Doch leider haben die außergewöhnlich heftigen Unwetter vor einigen Wochen die Anfahrt ins Zentrum der Dasht-e Lut unmöglich gemacht, die Straße ist auf einer Länge von fünfundzwanzig Kilometern buchstäblich weggerissen und eine Umfahrung über die immer noch stellenweise feuchte Salzpfanne äußerst risikoreich und mit schweren Lastern nicht machbar. Schweren Herzens müssen wir diesmal auf eine abenteuerliche Fahrt zu den über 300 Meter hohen Sanddünen, die es so nur noch in der Zentralsahara gibt, verzichten.

Doch die eigentlichen Anziehungspunkte sind die Kalut genannten Felsformationen, die sich sehr leicht und gefahrlos erreichen lassen. In Jahrmillionen haben Wind und Wasser tausende bizarre Felsinseln entstehen lassen. Interessanterweise sind sie alle in ein und dieselbe Richtung aufgereiht, dazwischen immer wieder grellweiße Salzpfannen oder Sanddünen. Spuren führen in diese Zauberwelt hinein, viele Plateaus sind so gefahrlos zu erreichen und als phantastische Base-camps geradezu prädestiniert. Stundenlang wandern wir herum, hinter jeder Felseninsel eröffnen sich neue, von der Natur modellierte Einblicke.

Jahrtausende lang war dieser Wüstengürtel, gemeinsam mit der sich im Norden anschließenden Dasht-e Kavir ein natürlicher Schutzwall gen Osten, nur schwer konnte er von den Karawanen überwunden werden. Und auch heute noch verstecken sich hier die Rauschgiftschmuggler aus Afghanistan vor den Suchtrupps des iranischen Militärs. Doch davon bekommen wir nichts mit, gänzlich unbehelligt dürfen wir die Faszination der Dasht-e Lut tagelang genießen…

 

Isfahan – Lieblingsstadt

„Esfahan – nesf-e jahan“ (Isfahan – das ist die halbe Welt), sagen die Einwohner zu ihrer so berühmten Stadt. Die Lebensader bildet seit jeher der Zayand-e Rud (der lebensspendende Fluss), der westlich der Stadt im schroffen Zagros-Massiv entspringt und sich später in der Dasht-e Kavir in einer Salzpfanne verliert. Jetzt, im Frühjahr, fließt er träge unter den unzähligen Brückenbögen safavidischer Baukunst hindurch, verleiht der Stadt dadurch seine ganz besondere Atmosphäre, wenn sich allabendlich die Bewohner der Metropole rund um die alten Brücken an seinen Ufern zum Promenieren treffen.

Der im 17. Jh. angelegte, zentrale Platz Meydan-e Naqsh e Jahan (das Ebenbild der Welt) macht Isfahan bis heute zu einem der attraktivsten Städte der Welt. Die prachtvollen Bauwerke auf drei Seiten des gigantischen Platzes, die Wasserspiele in den weitläufigen Becken, die doppelstöckigen Arkaden rund um den Platz, angefüllt mit Geschäften jeglichen Angebots, machen das Gesamtensemble einzigartig.

Es ist unser dritter Besuch. Tagelang bummeln wir wieder umher zwischen den weltbekannten historischen Baukünsten, herrlich belebt durch die Isfahanis und ihr alltägliches Treiben. Wir lassen uns treiben, treffen alte Freunde und Bekannte, es gibt so viel zu erzählen. Und wie immer sind wir gerührt von der aufrichtigen Gastfreundschaft, trotz spürbarem Tourismus und Geschäftssinn.

Schwer nur trennen wir uns nach ausgefüllten Tagen von unserer Lieblingsstadt hier in Iran. Doch wir werden wieder kommen, immer wieder…

 

Bergsteigen im Zagros-Gebirge

Quer durch den Iran, vom kurdischen Westen nahe der Türkei bis hinunter in die Nomadengebiete um Shiraz, erstreckt sich das Zagros-Massiv. Viele Gipfel überschreiten die Viertausendergrenze, sind ganzjährig mit Schnee bedeckt. Nur wenige Straßen und Wege erschließen diese Gebirgskette, meist sind sie bis weit ins Jahr hinein unpassierbar, die Hochtäler von meterhohen Lawinenstrichen abgeschnitten.

Natürlich reizt es uns sehr, in dieses so unbekannte Gebirge ein wenig vorzudringen, doch selbst jetzt im Mai ist kaum einer der hohen Gipfel erreichbar, zu hoch blockieren Schnee und Lawinenabgänge Steige und Kare. Trotzdem wagen wir uns hoch hinauf, überschreiten mehrmals die Viertausenderlinie, erstürmen so manchen der einsamen Gipfel. Die Wege sind weit und beschwerlich, meistens begegnen uns lediglich Nomaden mit ihren Schafen und Ziegen.

Die Eindrücke, in einem solch einsamen Bergmassiv unterwegs zu sein, sind unglaublich schön. Wer die überlaufenen Alpen kennt, kann sich kaum vorstellen, dass es Bergsteigen dieser Art noch gibt. Wie viele dieser rund um uns aufragenden Gipfel mögen noch nie bestiegen worden sein! Klar, meist geht es weglos durch das Gelände, Verständnis und Gefühl für die Gefahren der Berge sind unbedingte Voraussetzung. Und gutes Orientierungsvermögen…

 

Kleine Schritte der Veränderung…

„Ha, neunzig Prozent der Frauen würden das aufgezwungene Kopftuch sofort fallen lassen!“ Optimistisch-trotzig geben sich viele Frauen, wagen es immer mehr, mit nur noch angedeuteter Kopfbedeckung in der Öffentlichkeit aufzutreten. Und blickt man in fahrende Autos, so fehlt die keusche Haarbedeckung immer öfter zur Gänze.

„Bleib mir bloß vom Hof mit dem ganzen Religionsquatsch!“ Strenge Koranauslegung in der Islamischen Republik? Nie sehen wir betende Männer, die sich ehrfürchtig gen Mekka verneigen, so wie wir es aus der übrigen islamischen Welt kennen, Männer, die zum Gebet einer der zahlreichen Moscheen zustreben, wenn der Muezzin dazu auffordert.

„Ramadan? Ist doch ungesund, den ganzen Tag nichts essen und vor allem nichts trinken! Und nicht rauchen. Und kein Sex…“ Lachend feixt die Runde, die Teekanne kreist, Gebäck wird herumgereicht. Wohlgemerkt tagsüber, die Sonne lacht vom wolkenlosen Himmel, eigentlich ist dies alles erst nach dem Sonnenuntergang erlaubt.

Es ist Wochenende, Picknickzeit. Tausende strömen hinaus in die Natur, in die Stadtparks. Decken werden ausgebreitet, der Gaskocher erwärmt Töpfe voller feiner Speisen, trotz Ramadan. Offen wird über die Sturheit der Mullah-Regierung gelästert, aber auch über die ungerechte Sanktionspolitik der Vereinigten Staaten geschimpft: „Die Zeiten sind schlecht für uns, unser Geld ist nichts mehr wert. Doch vor einem Regierungswechsel haben wir Angst, die Unsicherheit, was dann kommt, lähmt uns. Die chaotischen Entwicklungen in unseren Nachbarstaaten sind uns eine Warnung…“

Die Vereinigten Staaten fahren schweres Geschütz im Persischen Golf auf. Kriegsangst? Ach wo, keinen kümmert es, was Herr Trump da postiert. Das Leben geht seinen normalen Gang. „Was soll das? Glaubt er, uns damit beeindrucken zu können? Uns gegen unsere Regierung aufzuwiegeln, damit wir sie zum Teufel jagen? Damit erreicht er eher das Gegenteil, wir rücken näher zusammen, auch wenn wir sie am liebsten dort hätten…“

Wir stellen kleine Veränderungen fest, die Menschen wirken offener, mutiger. Doch zu einer wirklichen Veränderung ist es noch ein weiter Weg. Und der muss von innen kommen. Nicht durch Repressalien von außen gesteuert. Denn damit wird nichts erreicht…

 

 

Naturwunder Dasht-e Lut
die heißeste Wüste der Welt...
tolle Rundfahrten um die Kaluts
außergewöhnliche Stimmungen in der Wüste Lut
Amir Charhmaq Moschee in Yazd
Frühlingsstimmung am Shir Kuh, 4055 Meter
400 Jahre alte Karawanserei an der Seidenstrasse
Isfahan - Meydan-e Imam
die schönste der alten Safaviden-Brücken Pol-e Khadjou
33 Bögen der Si-o Se Pol überspannen den Fluss
abendliche Promenade am Ufer des Zayand-e Rud
Blumenmeer am Kuh-e Kalar
Abstieg über steile Schneezungen am Kuh-e Kalar
Nomaden im Sommerlager am Zard Kuh
Zufahrt ins Herz des Zard Kuh
Nomaden auf dem Weg in ihr Sommerlager
Nomaden treiben ihre Tiere über winterliche Pässe
winterliche Anfahrt im Zard Kuh
grandiose Berglandschaften im Zard Kuh
Aufstieg über schneebedeckte Hänge
wir genießen die Berge
tolle Hochtouren im verscchneiten Zard Kuh
nach erfolgreicher Besteigung des Oshtoran Kuh
spontane Einladung nach der Bergtour

Asien - Iran / 2. Teil

31. Mai – 29. Juni 2019

Alltag in Iran…

…auch für uns immer wieder verbunden mit spannenden und überraschenden Erlebnissen. Wir lernen wieder viele nette Menschen kennen, hören interessante Geschichten und diskutieren die verschiedensten Meinungen zu den aktuellen, politischen Ereignissen. Die Menschen sind darüber mehrheitlich verärgert und frustriert, doch ihre Gastfreundschaft uns gegenüber ist ungebrochen.

Werkstattbesuch bei MAN in Teheran

Der deutschsprachige Service-Manager verspricht uns: „Wir werden alles zu eurer Zufriedenheit erledigen.“ Der Werkstattbetreiber beruhigt uns: „Wir haben alle Teile auf Lager“. Die Jungs in der Werkstatt halten uns bei Laune: „Kein Problem, wir können alles reparieren!“

Soweit die Theorie…

In der Praxis sieht das dann so aus: Ölwechsel? Zuviel Öl reingekippt, wir müssen über einen Liter ablassen. Zwei Dieselfilter? Doch nicht auf Lager, müssen irgendwo auf dem Basar in der Stadt besorgt werden. Neue Windschutzscheibe? Völlig verdreckt aus dem Lager hervorgekramt. Vor dem Einbau putzen und auf Schadstellen kontrollieren? Fehlanzeige! Nach der Montage stellen wir Beschädigungen in Augenhöhe fest. Also wieder raus. Im Basar nach neuer Scheibe suchen, kommt auch mit Beschädigungen. Erst die dritte Lieferung passt. Gummipuffer zwischen Rahmen und Federpaket wechseln? Klappt nur mit unserer fachmännischen Anleitung, selbst haben die Jungs nicht wirklich einen Plan. Defektes Türschloss und Hebevorrichtung der Scheibe austauschen? Nun, doch keine Teile auf Lager, die geduldig ausgeführte Reparatur dauert zwei volle Tage.

Aber wir meckern nicht. Gegen afrikanische Werkstätten ist das hier richtig gut! Letztlich klappt tatsächlich alles zu unserer Zufriedenheit, und das zu einem unschlagbaren Preis! Nach drei Tagen versammelt sich fast die gesamte Belegschaft zum finalen Gruppenfoto und wir verlassen den Hof  unter fröhlichem Winken aller.

 

Und noch eine grandiose Bergtour!

„Ich habe einen Freund, der ist Bergsteiger, und der freut sich, wenn er mit Euch einen Berg besteigen darf.“ Alis Vorschlag wird sowohl von uns als auch von Javad gerne angenommen. Wir wählen die Überschreitung von Borj und Kholeno, beide nahezu mächtige 4.400 Meter hoch. Über 2.000 Höhenmeter gilt es zu überwinden, und die zurückzulegende Entfernung ist mit mehr als zehn Kilometern für die einfache Strecke auch sehr ordentlich. Javad schlägt vor, auf knapp halber Strecke zu zelten, um die anvisierte Runde dann an einem Tag zu schaffen. Dazu haben wir allerdings keine Lust, wir schaffen das auch so, geben wir ihm zu verstehen.

Als Javad nach Laloon, unserem Startpunkt, kommt, hat er überraschenderweise noch drei Freunde im Schlepptau. Etwas skeptisch betrachten wir die Truppe, schaffen sie die geplante Tour? Um vier Uhr morgens quält uns der Wecker, pünktlich um halb sechs starten wir. Schnell bestätigen sich unsere Bedenken, ob unsere iranischen Bergsteigerfreunde unser Tempo überhaupt mitgehen können; bald schon sind wir alleine unterwegs. Nach sieben straff durchgezogenen Stunden stehen wir auf dem höchsten Punkt! Das Panorama ist umwerfend, das gesamte, zentrale Alborz-Gebirge breitet sich um uns herum aus, der Horizont wird beherrscht vom weithin sichtbaren Riesenvulkan Damavand.

Kalter Wind lässt uns rasch den Rückweg antreten, unterwegs sichten wir immer wieder mal unsere Truppe, die sich immerhin bis auf den Borj quält; den Kholeno schaffen sie nicht mehr. Nach insgesamt zwölf Stunden laufen wir wieder bei „Manni“ ein, müde zwar, aber nie am Limit gewesen. Javad und seine Freunde trudeln dreieinhalb Stunden später ein, völlig überfordert und erschöpft von der selbstgestellten Aufgabe. Mit großem Respekt würdigen sie unseren doppelten Gipfelerfolg, selbst Javad gesteht ein, dass er unserem Tempo auch alleine nicht hätte folgen können…

PS: Unseren Plan, mit der inzwischen erworbenen Akklimatisation und beruhigenden Fitness in den nächsten Tagen auch noch den König des Iran, den 5.671 Meter hohen Damavand zu besteigen, müssen wir leider wieder auf ein andermal verschieben, da jetzt im Juni gewaltige Höhenstürme eine Besteigung mehr als unangenehm bis unmöglich machen. Aber wir werden ihn schon noch packen!

 

„Ohne Worte“ – Gastfreundschaft in Teheran

Wir parken in der Nähe der Turkmenischen Botschaft in einer Anliegersackgasse, direkt vor einer noblen Stadtvilla, gegenüber dem schmiedeeisernen Garagentor. Schön ruhig ist es hier, der Hausherr ist nicht zuhause. Doch der kommt wenig später, muss wegen unseres gewählten Übernachtungsparkplatzes zweimal rangieren, um in seine Garageneinfahrt zu kommen. Auweia…

Eine halbe Stunde später klopft es an unserer Tür, der Hausherr steht davor. Jetzt gibt es wohl einen Anschiss. Doch weit gefehlt – er überrascht uns mit eiskalten Wassermelonenstücken: „Die tun euch jetzt gut bei der abendlichen Wärme, herzlich willkommen!“ Wenig später ist er wieder zurück, mit frischem Brot, Käse, Walnüssen und Erdbeeren. „Lasst es Euch schmecken! Und wenn Ihr irgendetwas braucht, bitte bei der zweiten Klingel läuten…“

Unglaublich! Wir fassen es nicht! Wenig später ist er wieder da. „Internet-Hotspot? Ich schick mal eben meinen Sohn zu Euch, der erledigt das. Und nachher kommt Ihr zum Essen zu uns!“ Bedauerlicherweise müssen wir ablehnen, denn wir erwarten unsere Freunde Ali und Tannaz. Aber drei Tage später, als wir seine Einfahrt noch einmal blockieren, kommen wir der Einladung gerne nach…

Wir stellen uns gerade vor, wir würden z.B. in München-Bogenhausen in einer Anliegersackgasse, vor einer noblen Stadtvilla, gegenüber dem schmiedeeisernen Garagentor…

 

Badab-e Surt 

Als sich die Sonne über den gegenüberliegenden Bergkamm schiebt, scheinen die vor uns schillernden, wassergefüllten Terrassen im Farbenrausch förmlich zu explodieren. Braun, Gelb und Rot wechselt sich ab, je nachdem, welche Quelle das Becken füllt. Aus den verschiedensten Löchern und Spalten sprudelt eisenhaltiges, kupferdurchsetztes oder schwefelhaltiges Wasser, jeweils in einer anderen Temperatur, unterschiedlich in Geschmack und Geruch, aus dem karstigen Boden. Die morgendlichen Sonnenstrahlen bringen das Naturschauspiel zum Leuchten, die Farbenpracht ist umwerfend schön.

300 Jahre braucht es, um ca. einen Zentimeter Sedimentablagerung zu schaffen. Filigran wirken die unzähligen, winzigen Abstufungen, die im Ganzen viele wassergefüllte Becken gestalten. Einige dieser Becken liegen trocken, das Wasser sucht sich neue Wege, gestaltet den gesamten Hang immer wieder um. Stundenlang erfreuen wir uns an diesem zerbrechlichen Wunderwerk der Natur.

Der Schutz dieses Areals ist leider sehr nachlässig. Besucher trampeln rücksichtslos über die unzureichenden Absperrungen, Müll schwimmt im zentralen Quellteich. Feuerstellen zeugen von Picknickaktivitäten, selbst mit dem Moped wird um die empfindlichen Becken gekurvt! Niemand passt auf, weist zurecht, erklärt. So wird wohl wieder einmal in nur wenigen Jahren von uns Menschen zerstört, was die Natur in Jahrmillionen geschaffen hat…

 

Mashhad

Zentrum von Mashhad ist der „Haram“, der für Nicht-Muslime “verbotene Ort“. Hier befindet sich das Mausoleum von Imam Reza, das nach Qom zweitwichtigste Heiligtum der Schiiten. Nur wenige Bereiche des riesigen Komplexes, der jährlich von rund 30 Millionen Pilgern besucht wird, dürfen wir in Begleitung eines Führers betreten. Doch dies genügt, um einen interessanten Einblick zu bekommen.

Doppelstöckige, reich verzierte Arkaden rahmen die Innenhöfe ein, der zentrale Grabbau mit der vergoldeten Kuppel leuchtet weithin sichtbar in der grellen Mittagssonne. Den architektonischen Höhepunkt stellt allerdings die Gowhar-Shad-Moschee aus dem frühen 15. Jahrhundert dar. Zum mittäglichen Gebet versammeln sich hier unzählige Gläubige, bevor sie sich dem eigentlichen Grab Rezas nähern.

Für uns bleibt nur der Eindruck von außen, als Ungläubige dürfen wir nur als Zaungäste teilnehmen. Doch es genügt, um einen Eindruck von der religiösen Hingabe der Pilger und Besucher zu bekommen. Von der Atmosphäre eingefangen werden wir allerdings nicht. Vor den Toren des heiligen Bezirks warten unsere Gastgeber auf uns, sie gehören zur Mehrzahl der Iraner, die diesen islamischen Traditionen nicht viel abgewinnen können…

 

Fazit Iran

Unser dritter, ausgiebiger Besuch in diesem spannenden Land bestätigt uns, der Iran ist und bleibt zweifellos eines unserer Lieblingsreiseländer! Trotz politisch brisanter Situation, trotz wirtschaftlich prekärem Alltag der Iraner, trotz nächtlicher Kontrollen polizeilicher Organe, wir genießen jeden Tag hier!

Wir spüren die unterschiedlichsten Stimmungen; diese schwanken zwischen der Hoffnung, dass die verhängten Sanktionen noch enger werden und das Regime endlich die Segel streicht bis hin zum Verteufeln amerikanischer Interessenspolitik. Die Menschen fühlen sich gegängelt, überwacht und schikaniert von ihren Machthabern. Aber sie wissen auch, dass es zurzeit keine Alternative gibt. Weder haben sie genug Mut, über Demonstrationen das Regime herauszufordern, noch gibt es eine funktionierende Opposition, die eine Gefahr für die Mullahs darstellt. Und so verlassen mehr und mehr intelligente und gut ausgebildete junge Menschen dieses Land, um ihr Glück in der freien Welt zu suchen.

Unabhängig von diesen Erfahrungen ist die Gastfreundschaft uns gegenüber ungebrochen sensationell. Würden wir alle ernstzunehmenden Einladungen annehmen, dann würden wir uns kaum von der Stelle bewegen können. Doch auch so ist es unglaublich, mit welcher Liebenswürdigkeit uns die Menschen hier begegnen. Und das, obwohl die wirtschaftliche Situation für die meisten immer prekärer wird. Durch die internationalen Sanktionen leidet das Land unter einer enormen Inflation, die den Menschen das Leben sehr schwer macht.

Für uns dagegen ist das Leben hier dadurch extrem billig geworden. Diesel gibt es zwischen zwei und acht Eurocent den Liter, Einkaufen auf den Märkten und am Straßenrand ist ein wahres Vergnügen, der Apotheker füllt die Tüte für wenige Cent und ein paar Laufschuhe wirklich guter, iranischer Qualität gibt es für unter zwanzig Euro. Die Arbeitsstunde in der Werkstatt ist mit drei Euro abgegolten und Ersatzteile kosten einen Bruchteil europäischer Preislisten.

Es ist klar, wir kommen schon bald wieder…

 

 

Bergtour auf den Yakhchal im Alvand-Gebirge
Frühlingsstimmung in den Tälern des Alvand-Gebirges
MAN Werkstatt-Team in Teheran
wunderschöne, lange Bergtour auf Borj und Kholeno
kalter Wind auf dem Gipfel in 4400 Meter Höhe
rascher Abstieg über ausgedehnte Schneefelder
leuchtend rote Mohnblumen in der Damavand-Region
umwölkter Damavand - König des Iran
grandiose Lichtspiele an den Badab-e Surt
Badab-e Surt - Wunderwerk der Natur
eisnhaltiges Quellwasser sprudelt direkt aus dem Fels
herrlicher Übernachtungsplatz bei der Badab-e Surt
Mashad - im heiligen Bezirk
Gowhar-Shah-Moschee im heiligen Bezirk
iranisches Wochenende an den Akhlamad-Wasserfällen
historisches Bergdorf Kang bei Mashad

Asien - Transit Turkmenistan, Usbekistan, Tadjikistan /1. Teil

30. Juni – 23. Juli 2019

Die zentralasiatischen Staaten – Zentrum der historischen Seidenstraße

Wer kennt sie nicht zumindest vom Hörensagen. Seit den Tagen von Marco Polo ist die geheimnisvolle Seidenstraße Ziel unzähliger Expeditionen geworden. Heutzutage ist eine Reise durch diese Region eine interessante Begegnung mit den historischen Handelsplätzen der damaligen Zeit.

 

Buchara, Shahrisabz, Samarkand – Glanzvolle Städte einst mächtiger Reiche

Das in einer großen Oase der Kisilkum-Wüste gelegene Buchara war einst ein bedeutender Knotenpunkt der Seidenstraße. In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten wurde Buchara reich und bedeutend, weil die Seidenstraße die Stadt mit China, Indien und Rom verband. Die Stadt erlebte so zwei Blütezeiten: im 9. Und 10. Jahrhundert unter den Samanidenherrschern, sowie im 16. Jahrhundert, als die heute noch zu bewundernden Moscheen und Medresen, darunter vor allem die Mir-i-Arab-Medrese, und auch die charakteristischen Marktkuppelbauten entstanden. Das Wahrzeichen Bucharas, das 46 Meter hohe Kalan-Minarett und das Mausoleum des Ismael Samani überstanden als einzige historische Gebäude den Mongolensturm unter Dschingis Khan von 1220.

Der turkomongolische Herrscher Timur Leng, bekannt unter dem Namen Tamerlan, machte Shahrizabz, eine der ältesten Städte Zentralasiens, neben Samarkand zu seiner Residenz. Er wurde hier 1336 geboren, und bis zum Niedergang des Timuridenreiches im späten 15. Jahrhundert blieb sie ein Zentrum der Macht. Eine vier Kilometer lange Mauer sicherte die axial angelegte Stadt. Ihren persischen Namen erhielt die Stadt aufgrund ihrer ausgedehnten Gärten, in denen noch heute die Reste des alten Palastes Ak-Sarai, die renovierte Kok-Gumbaz-Moschee sowie mehrere Mausoleen zu bewundern sind.

Samarkand schließlich, der mit bis zu einer halben Million Menschen weitaus bevölkerungsreichsten Stadt der damaligen Zeit, glänzt auch heute noch durch Meisterwerke islamischer Kunst und Kultur. Schon als Alexander der Große 329 v.Chr. hier vor den Toren stand, war die Stadt von überregionaler Bedeutung. Ab dem 1. Jahrhundert, als die Seidenstraße sie zum Handelszentrum machte, wurde sie immer wieder zerstört und wieder aufgebaut, bis ihr schließlich Dschingis Khan im Jahre 1220 den Rest gab. Erst als Timur Leng 1369 Samarkand zu seiner Hauptstadt machte, erhob sie sich zur Metropole der damaligen Epoche. Er beauftragte die besten Künstler, Baumeister und Wissenschaftler seiner Zeit, und im Laufe der folgenden beiden Jahrhunderte entstand unter ihm und seinen Nachfolgern die prächtigste Stadt Zentralasiens, in dessen Zentrum die Medresen Ulugh Beg, Tilla-Kari und Sher-Dor den Registan-Platz zum berühmtesten Ensemble islamischer Baukunst gestalten. Aber auch weitere, großartigen Bauwerke wie die Bibi-Khanum-Moschee und das Gur-e-Amir-Mausoleum, in dem Timur Lengs Sarkophag steht und seine Söhne und Enkel sowie sein wichtigster Lehrer und einige Minister bestattet sind, prägen das historische Stadtbild.

 

Timur Leng…

…genannt Tamerlan, der Lahme, lebte von 1336 bis 1405. Er stammte aus einer turkomongolischen Dynastie und eiferte seinem großen Vorbild Dschingis Khan nach. Mit seinen grausamen Reiterkriegern unterwarf er schließlich alles zwischen dem Ganges in Indien und dem östlichen Mittelmeer. Dieses gewaltige Reich versuchte er mit roher Gewalt zu beherrschen, allerdings fehlte ihm dabei die politische Klugheit seines großen Vorbilds. Seine Nachfolger konnten das Großreich deswegen nicht lange beherrschen und so zerfiel es schon bald nach seinem gewaltsamen Tode in viele Einzelteile und wurde letztlich eine leichte Beute nachfolgender Dynastien.

 

Turkmenistan und Usbekistan

Als vor dreißig Jahren mit dem Zerfall der Sowjetunion die zentralasiatischen Staaten wieder unabhängig wurden, sicherten sich einflussreiche Familien die Macht und gaben sie bis heute nicht mehr aus den Händen. So entstanden Diktaturen, deren Führer dank reichhaltiger Öl- und Gasvorkommen unermesslich reich wurden. Am Volk und an der Infrastruktur dagegen fließt der Geldstrom jedoch nahezu unbemerkt vorbei. Marode Straßen, völlig unzureichendes Gesundheitswesen, hohe Arbeitslosigkeit, bröckelnde Bausubstanz – die Staaten zerfallen, während sich die Herrscherfamilien bereichern.

Die Menschen sind eingeschüchtert, nie haben sie demokratische Verhältnisse kennen gelernt. Jeglicher Ansatz eines Gespräches über die Situation in den Ländern wird sofort abgeblockt, man spürt die Angst vor der Staatsmacht. Kritik zu üben ist gefährlich, Tausende sind irgendwo in den Katakomben der Machthaber verschwunden und nie wieder aufgetaucht. So fügen sich die Menschen ihrem Schicksal, halten den Mund und ducken sich weg, so wir sie es unter den mittelalterlichen Herrschern, unter den russischen Zaren und den sowjetischen Kommunisten gewohnt waren. Für sie hat sich also nicht wirklich viel verändert…

 

Wandern in den Fann Mountains

Im nordwestlichen Tajikistan, eingezwängt zwischen Usbekistan und Kirgisistan, prägen die schroffen Gebirgszüge der Zeravashan Range das Landschaftsbild. Man wähnt sich in den Dolomiten, so gleicht sich das Bild der bis zu fast 5.500 Meter aufragenden Spitzen über den lieblichen Tälern, in denen Gletscherseen und grüne Matten paradiesisch schöne Flecken schaffen. In den Fann Mountains, in drei dieser wundervollen, von der Natur geschaffenen Täler, gehen wir ausgiebig wandern.

Seven Lakes: Gespeist von den Viertausendern der Umgebung, füllen sich sieben in tiefe Täler eingebettete Seen unaufhörlich mit Wasser. In sieben Stufen hat eine urzeitliche Gletscherzunge malerische Becken geschaffen, die heute dieses lange Tal gestalten. Drei bei Überflutung des oft abenteuerlich angelegten Fahrweges von der Welt abgeschnittene Dörfer zwängen sich zwischen Wasser und Berghänge. Wir wandern entlang der fünf oberen Seen hinauf bis zum von bunten Blumenwiesen umgebenen, siebten See. Romantischer geht es kaum noch, so schön ist es hier oben!

Kulikalon Lakes: Eine spannend angelegte Piste bringt uns hoch zum Basecamp, dem Artuch Alplager. Von hier aus starten wir zu einer Rundtour. Über einen Steig entlang dem munter rauschenden Urech erreichen wir binnen zwei Stunden ein wahres Paradies! Ein fast kreisrundes Plateau, bestückt mit einem Dutzend Seen, die alle miteinander durch plätschernde Bäche verbunden sind. Türkis und dunkelbau schimmern sie in der gleisenden Sonne, umgeben von kräftig grünem Buschwerk und weichen Wiesen. Hoch über dem Ganzen hängen grellweiß blendende Gletscherabbrüche auf glattem Fels, drohen jeden Moment donnernd in die Tiefe zu stürzen. Die bizarren Gipfel sind noch schneebedeckt, der stahlblaue Himmel wölbt sich über uns, kein Wölkchen trübt das Farbenspiel der Natur.

Iskander Kul: Ein milchig grüner Gletschersee inmitten steil aufragender Flanken füllt das gesamte Tal. Mächtige Felswände zeugen von urgewaltiger Veränderung, noch deutlich ist die einstmalig viel höher liegende Wassergrenze zu erkennen. Wie ein Sporn ragt eine markante Halbinsel in die Wasserfläche hinein, wir sitzen auf deren Spitze, 360° Panorama, nichts versperrt den Blick. Zu unseren Füßen die Wochenendvilla des Präsidenten, doch wir dürfen ungestört genießen, undenkbar in den meisten Ländern. Wanderungen in die anschließenden Täler ergeben immer wieder neue Einsichten, die Besteigung der Berge hier ist nicht wirklich erstrebenswert, bröckeliges Gestein erhöht das Unfallrisiko.

 

 

Chor Bakr - der alte Muezzin füttert seine Tauben
historisches Buchara mit dem bekannten Minarett
Minarett und Kalon Moschee in Buchara
Blick auf die Medrese Mir Arab
das Denkmal für Timur Leng vor den Resten des Ak-Sarai Palastes
Eingang zum Mausoleum des Timur Leng in Samarkand
am weltberühmten Registon Platz in Samarkand
endlich in die Berge nach Tadjikistan: idyllischer Platz am See
Wanderung entlang der sieben Seen
wunderbare Landschaftseindrücke im Tal der sieben Seen
Wandern durchs Paradies...
...an den Kulikalon Seen
glasklares Wasser läd ein zum kühlen Bad
strahlend weiße Gletscherabbrüche im gleißenden Sonnenlicht
Idylle im Blumenmeer vor schroffen Gipfeln
traumhaft gelegener Czukurak Lake

Asien - Tadjikistan /2. Teil

24. Juli bis 24. August 2019

Der Pamir – grandiose Hochebene zwischen eisigen Riesen

Vier Wochen lang bewegen wir uns meist auf über viertausend Meter Höhe, wandern viel und staunen über die eisgepanzerten Bergriesen um uns. Es ist eine karge Region, die den hier lebenden Menschen alles abverlangt. Doch die grandiose Natur entschädigt für kalte Sturmböen und schlechte Versorgungsmöglichkeiten.

 

Der Pamir Highway

Was für eine Straße! Einst von den sowjetischen Besatzern als militärische Versorgungsachse geschaffen, speditieren auf ihr nun schwere Lastzüge chinesischen Ramsch von Kaschgar nach Dushanbe und lockt sie heute tausende von Touristen in der kurzen Sommersaison.  Schwer bepackte Radfahrer quälen sich irgendwo zwischen Enthusiasmus und Masochismus über die Viertausenderpässe, eingestaubte Motoradfahrer reiten ihre Bikes wie Cowboys durch die Schlaglöcher, aufgemotzte Geländewagen, mit „Pamir-Expedition“ Aufklebern bestückt, knallen wie blöde über Wellblechpisten, meist junge Teilnehmer einer „Mongolia-Rallye“ rütteln ihre vor der Verschrottung geretteten Kleinwagen in den Semesterferien über die steinigen Bergpisten und selbst Traveller zollen ihren zu ambitionierten Reiseplänen meist Tribut. Denn bis auf die Radfahrer haben sie eines gemein – alle haben sie keine Zeit! Und so versäumen sie meist die grandiosen Landschaften neben diesem „Highway“, der diesen Namen eigentlich wirklich nicht verdient hat, bewusst aufzunehmen. Schade drum…

 

Das Wakhan Valley

Schon immer zogen die Karawanen mit ihren wertvollen Waren durch das Wakhan Valley, ein schmaler Korridor, flankiert von den Siebentausendern des Hindukusch. Auch Marco Polo nahm diesen Weg auf seiner historischen Reise nach China, in seinen Aufzeichnungen finden wir die Bezeichnung Vocam für das Tal, das die unwirtlichen Höhen des Pamir umgeht.

Im 19. Jh. schufen die Indien und Pakistan beherrschenden Engländer und das zaristische Russland einen politischen Korridor als Puffer, der fortan als Wurmfortsatz von Afghanistan die Landkarten zierte, um nicht direkt in einen geopolitischen Interessenskonflikt zu geraten. 1979 versuchte dann die Sowjetunion mit ihrer militärischen Intervention in Afghanistan, diesen Fakt aufzuheben, was in einem Fiasko für die kommunistischen Machthaber endete und letztlich mit dazu beitrug, dass die Sowjetunion ins Reich der Geschichte einging.

Heute nun ist es im unabhängigen Tadjikistan als auch im dort friedlichen Afghanistan wieder möglich, das Wakhan Valley zu bereisen. Wir beschränkten uns auf die tadjikische Seite, denn sie ist mit einer durchgehend befahrbaren Straße erschlossen und eröffnet auch die wesentlich interessanteren Blicke auf die Eisriesen des Hindukusch.

Von der Hochebene um Langar, wo der Pamir River in den Wakhan River fließt und damit zum Panj River wird, bis hinunter nach Khorog, schmiegen sich viele kleine Dörfer an die steilen Hänge der bedrohlich aufragenden Berge. Verbunden von einer im Winter meist unpassierbaren Straße sind sie weit abgeschieden vom zentralen Tadjikistan. In den kurzen Sommern sorgen überraschend hohe Temperaturen und Unmengen von Wasser für partiell grüne Wiesen und ertragreiche Felder. Auch eine bescheidene Viehwirtschaft hilft den Menschen hier zu überleben, doch das Leben bleibt karg und hart.

Für uns Reisende ist das Tal wie einst ein Weg durch die unwirtlichen Gebirge des Pamir und Hindukusch. Wir staunen über grandiose Eisriesen, die unnahbar hoch über uns in der grellen Sonne glitzern, bewundern reißende Flüsse, die ihre Wassermassen ununterbrochen zu Tale donnern lassen, quälen uns über grottenschlechte Straßen, die mühsam die Ansiedlungen verbinden und blicken immer wieder hinüber ins so unnahbar erscheinende Afghanistan. Sechs Tage lassen wir uns Zeit, dieses wundervolle Tal zu bereisen, viel länger hat wahrscheinlich auch Marco Polo seinerzeit nicht gebraucht…

 

Bulunkul und Yaschilkul – zwei traumhaft schön gelegene Seen

Selten gelingt es Künstlern, die von der Natur geschaffenen Kombinationen aus Farben und Bildern zu übertreffen. Ein solches Beispiel perfekter Gestaltung finden wir im zentralen Pamir. Die beiden Seen fügen sich dermaßen stimmig in die Landschaft ein, dass der Betrachter sich in einem Atelier wähnt. Die Symphonie der Farben macht sprachlos, die Stille ehrfürchtig. Kaum jemand findet den Weg hierher, obwohl nur eine knappe Stunde vom Pamir Highway entfernt. Gut, dass es so ist…

 

Durch das Zorkul Nature Reserve

Abgelegener geht kaum. Ein See wie ein Spiegel, darin gedoppelt der afghanische Hindukusch, Eisriesen fern jeglicher Erreichbarkeit. Wenige Halbnomaden trotzen mit ihren wenigen Yaks und Schafen dem immerwährenden Sturm und der Einsamkeit der über viertausend Meter hohen Hochflächen. Herden scheuer Marco-Polo-Schafe ziehen über die kargen Berge, meist erinnert lediglich ihr imposantes Gehörn, am Pistenrand drapiert, an ihr Dasein. Auf afghanischer Seite ein paar Kamele, ab und zu ein Reiter. Mehr nicht.

Im Winter unpassierbar, wenn die Schneestürme heulen und die grottenschlechte Piste unter Schneeverwehungen verschwindet. Und die Winter sind lang und hart hier oben. Doch in der kurzen Sommerzeit begeistert die Natur mit wunderbaren Landschaften. Tiefblaue Seen vor weiß glitzernden Gletschern, grüner Flaum winziger Pflanzen verdrängt für kurze Zeit das eintönige Braun auf den trockenen Bergflanken. Hunderte scheuer Murmeltiere huschen über die Steine, verschwinden blitzartig in ihren Wohnhöhlen, wenn sie Gefahr vermuten.

Für den modernen Reisenden eine Herausforderung. Furten eiskalter Gebirgsbäche unterbrechen die steinige Piste oft, Schlamm und Morast stoppt den Vortrieb vermeintlich technischer Überlegenheit rascher als man vermutet. Weggerissene und unterspülte Abschnitte können zur Umkehr zwingen, die Höhenlage fordert Motoren und Energie heraus. Doch die Anstrengung lohnt, das Zorkul Nature Reserve ist einmalig schön…

 

Leben auf über viertausend Meter Höhe

Die Winter sind lang und eisig kalt, nur drei Monate Sommerwärme macht das Leben für die Menschen hier erträglich. Die Luft ist dünn, für unsereins sehr gewöhnungsbedürftig.

Über zwei Wochen bewegen wir uns in diesen Höhen. Anfangs schlafen wir noch unruhig, wir meinen, nicht genug Luft zum Atmen zu bekommen. Doch rasch sind wir akklimatisiert, Laufen ohne Leistungsverlust viele hundert Höhenmeter die Berge rauf und runter, essen wie die Scheunendrescher und schlafen wie die Murmeltiere. „Manni“ dagegen hat immer zu kämpfen. Geringerer Sauerstoffgehalt und kalte Nächte lassen ihn nur widerwillig seinen täglichen Dienst antreten, der Dieselkonsum ist deutlich höher als in tieferen Regionen. Immerhin muss er ein knappes Dutzend Pässe bis auf über 4.600 Meter Höhe meistern, mit schwarzen Rußwolken protestiert er dann öfter mal gegen die ihm aufgelastete Schinderei.

Als wir nach so langer Verweildauer diese unwirtlichen Höhen wieder verlassen, sind wir doch froh. Es ist vor allem der fast ununterbrochen stürmisch wehende, kalte Wind, der uns so langsam auslaugt. Und da die Dieselheizung im Laster in diesen Höhen zum Verrußen neigt, verzichten wir auf ihren Einsatz. Dank der perfekten Isolation überstehen wir zwar die Nächte um den Gefrierpunkt ohne Probleme, nie fällt die Innentemperatur unter zwölf Grad. Aber klar, das ist keine Wohlfühlwohntemperatur. Und so freuen wir uns dann doch wieder mal auf „normale“ Lebensbedingungen…

 

Fazit Tadjikistan

Diese kleine Land, eingezwängt zwischen Afghanistan und China, hat uns unglaublich gut gefallen. Klar, 97% der Fläche sind Berge, wer uns kennt weiß, das ist genau unser Ding. So waren wir letztlich sechs Wochen im Land, sind sehr langsam von einem Tal ins nächste getingelt, konnten uns bei der Vielzahl toller Übernachtungsplätze oft nur schwer entscheiden, nach nur wenigen gefahrenen Kilometern weiter zu fahren oder zu bleiben.

Das mit dem Fahren ist auch so eine Sache. Die Straßen und Pisten sind überwiegend in einem erbärmlichen Zustand, so dass zügiges Fortkommen unweigerlich Materialschäden am Fahrzeug bedeutet. Schon allein diesem Problem war es geschuldet, dass wir pro Tag meist kaum mehr als fünfzig Kilometer weit gekommen sind. Da blieb viel Zeit zum Staunen und Genießen…

Für individuelles Reisen und freies Campen ist Tadjikistan perfekt. Niemals wird man belästigt, kein Betteln nervt, die Kinder sind wohlerzogen und zurückhaltend. Fast scheu blicken einen die Erwachsenen an, winkt man ihnen zu, wird fast enthusiastisch zurück gewinkt, strahlende Gesichter und ehrliches Lachen ist einem gewiss. Überall darf man sein Zelt aufstellen oder seinen Camper parken, die Menschen freuen sich, wenn man sich in ihrer Nähe wohl fühlt. Und nie kommt einer und verlangt Geld dafür.

Wir sind gespannt, wie lange dies noch so bleiben wird. Inzwischen gilt es als schick, den Pamir Highway „gemacht“ zu haben, sei es mit dem Fahrrad oder Motorrad, sei es als aufgemotzte Pamir-Expedition oder als geführte Touristengruppe. In allen Dörfern schießen „Homestays“ aus dem Boden, traditionelle Jurten buhlen um die Touristen, die sich jedoch meist kaum zwei Wochen Zeit nehmen, um durch dieses wundervolle Land zu rasen und nichts als eine Staubfahne zurück zu lassen.

Tadjikistan ist arm. Industrie und Bodenschätze sind nicht der Rede wert, die Infrastruktur vernachlässigt. Die Arbeitslosigkeit ist exorbitant hoch, Löhne und Gehälter lächerlich niedrig. Zwei Drittel aller Tadjiken leben und arbeiten im Ausland, ihre monatlichen Überweisungen machen den größten Posten im Staatshaushalt aus. Doch natürlich gibt es auch extrem reiche Menschen hier, allen voran der Familienclan des Präsidenten, der das Land systematisch aussaugt. Doch Wiederrede gibt es kaum, Tadjikistan ist eine strenge Diktatur, wer opportuniert läuft Gefahr, über Nacht auf nimmer wiedersehen verschwunden zu sein…

Das Land ist zweigeteilt. Das tadjikische Kernland um Duschanbe und der Anteil am Fergana-Tal ist extrem fruchtbar, hier wächst und gedeiht so ziemlich alles, was die Scholle hergibt. Dazu die Fann-Mountains, ein Gebirge mit alpinem Charakter, erste Infrastrukturen für Wanderer und Kletterer werden gerade ausgebaut. Und dann die autonome Bergregion des Pamir. Erst in einem harten Bürgerkrieg nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion gelang es, das Land zu vereinen. Die Menschen in dieser Region führen ein entbehrungsreiches Leben, kalt und windig ist es hier in den meist über 4.000 Meter hohen Bergtälern.

Tadjikistan ist eines unserer Lieblingsreiseländer geworden, schaffte es mühelos in die Top Ten. Wünschen wir den Menschen hier, dass es ihnen gelingt, vom Touristenansturm mehr zu profitieren, damit sie ihre Lebensbedingungen verbessern können.

 

herrlicher Platz am sprudelnden klaren Fluss
Bergpiste Pamir Highway
immer entlang der afghanischen Grenze
Ausblicke nach Afghanistan im teilweise engen Flusstal
entlang des Panj-Flusses
Übernachtungsplatz mit Blick nach Afghanistan
toller Übernachtungsplatz direkt am Panj
im Wakhan Tal an der Grenze zu Afghanistan
der Wakhan Korridor bei Langar
salziger Bergsee unterhalb des Khargush Passes
Farbenspiele der Natur am Lake Bulunkul
wir genießen die Stimmung am Lake Bulunkul
surreale Welt am Lake Yaschikul
was für tolle Farbenspiele!
heißes Wasser aus dem inneren der Erde...
wir fühlen uns einfach gut!
einsame Fahrt in das Zorkul Nature Reserve
immer wieder erschweren Furten das Fortkommen
der Hindukusch in Afghanistan vor unserer Tür
Übernachtungsplatz im Zorkul Nature Reserve am Pamir River
Traumkulisse am Lake Kuli Kukjigit
der Vollmond geht am Hindukusch unter
Blick zum Quellgebirge des Pamir River
phantastische Felsformationen
Landschaften, die an Namibia erinnern...
steile Passabfahrten eröffnen Weitblicke
überraschend grünes Tal um Murgab
Akbaytal-Pass, mit 4655 Metern der höchste Straßenpass in Tadjikistan
Blick über den Lake Karakul zum Peak Lenin
der ganze Lake Karakul mit seiner Inselwelt liegt uns zu Füßen

Asien - Kirgisistan / 1. Teil

25. August – 23. September 2019

Kirgisistan – Land der Pferde und grünen Berge.

Nach den meist schroffen und trockenen Regionen Tadjikistans wirkt Kirgisistan fast lieblich. Das so typische Grün der kahlen Hänge geht schon langsam in herbstliches Gelb über und die Gipfel über den glasklaren Bergseen leuchten im strahlenden Weiß frisch gefallenen Schnees. Und wohin wir auch kommen, überall Unmengen von Pferden. Klar, wanderten doch die Kirgisen einst im Schlepp der Mongolen hier ein…

 

Der Süden

Es ist der Kyzyl-Suu, der dem trockenen Alay-Tal Leben einhaucht. Ein weites Tal, das sich fast 200 Kilometer längs der tadjikischen Grenze erstreckt und an der Grenze zu China endet; hier verlief im Mittelalter die geografisch leichteste Achse der Seidenstraße um den Pamir herum. Im Norden staffeln sich die zerklüfteten Gipfel des Alay-Gebirges, grenzen den wüstenhaften Süden vom fruchtbaren Fergana-Tal ab. Doch es ist vor allem der Trans-Alay mit seinen vergletscherten Bergriesen, der begeistert. Inmitten all den Sechstausendern dominiert der 7.134 Meter hohe Pik Lenin mit seiner den Horizont füllenden Nordwand. Hier endet auch die Hochfläche des Pamir, das Landschaftsbild wechselt. Trotz Trockenheit ist es überraschend grün, unzählige Bäche mäandern über die sanft abfallenden Ausläufer der gigantischen Gletscher, fließen dem Kyzyl-Suu zu. Wie weiße Knöpfe auf einem bunten Gewand verteilen sich kreisrunde Jurten, die traditionelle Behausung der Kirgisen, über die Felder. Dazwischen Pferde. Tausende. Und Rinder. Und natürlich Schafe. Die Hirten sitzen stolz auf ihren Pferden und überwachen den Zug ihrer Tiere.

Es ist ein ungemein friedliches Bild. Stundenlang sitzen wir oft nur da und lassen das gemächliche Geschehen um uns herum wirken.

 

Die Region um Osh

„Osh ist älter als Rom!“ Mächtig stolz sind sie hier auf diese historische Tatsache. Und auch so manch weitere Ansiedlung kann sich auf eine über 2.000 Jahre alte Geschichte berufen. Grund dafür ist sicher die strategisch günstige und vor allem extrem fruchtbare Lage. Die Märkte quellen über vor Früchten und Gemüsen, Einkaufen ist ein herrliches Vergnügen. Landwirtschaft und Viehzucht prägen die Region, aber auch die andauernden Zwistigkeiten zwischen Kirgisen und Usbeken, die hier durch willkürliche Grenzziehungen ethnisch durcheinandergewürfelt wurden. Immer wieder kommt es zu Handgreiflichkeiten, die nicht selten Todesopfer zu beklagen haben.

Zwischen Osh und der nahen Grenze zu Usbekistan bildet einer der größten Chinesenmärkte Zentralasiens eine eigene, kleine Stadt. In hunderten riesigen Containern stapelt sich alles, was im Reich der Mitte an Ramsch produziert wird. Hier werden die Güter in unendlichen Lastwagenkolonnen angeliefert und im ganzen Süden und nach Usbekistan weiterverkauft. Auch deswegen ist die Region wohlhabender als die anderen.

 

Das zentrale Hochland

Die vergletscherten Hochgebirgszüge des Tian Schan umschließen zahlreiche Hochplateaus, alle über 2.000 Meter hoch, eingebettet zwischen meist schroffen und abweisenden Felswänden. Unzählige eiskalte Bergseen glitzern wie Edelsteine in grünen Weidelandschaften, über die Wind und Wetter trotzende Hirten ihre Tiere treiben. Zottelige Yaks und dickfellige Kamele sind dabei, natürlich Pferde über Pferde, auch Rinder und Schafe. Nur im Sommer bevölkern sie die windigen Hochebenen, sonst ist es zu kalt hier oben, minus 40 Grad sind keine Seltenheit.

Auf abenteuerlichen Pässen queren wir so manchen Gebirgszug, gleiten hinüber ins nächste Tal. Die  Eindrücke sind grandios, Erosionen schaffen skurrile Mondlandschaften, Wassermassen graben tiefe Canyons und die Menschen ringen unter härtesten Bedingungen der rauen Natur grüne Inseln ab. Keine andere Region begeistert mit so viel Abwechslung.

 

Rund um den Ysyk-Köl

Es ist der größte See Zentralasiens und der zweitgrößte Gebirgssee weltweit. Seine Ausmaße erreichen fast 200 Kilometer in der Länge und rund 60 Kilometer in der Breite. „Heißer See“ ist die Übersetzung des kirgisischen Namens, denn er friert im Winter trotz extremer Lufttemperaturen nie zu. Eingebettet zwischen dem Künggöy Ala-Too Gebirge mit der Grenze zu Kasachstan im Norden und dem über 5.000 Meter hohen Terskey Ala-Too Gebirge im Süden ist seine Lage sensationell schön. Vor allem, wenn sich die unzähligen schneebedeckten Gipfel in der gleißenden Sonne im tiefblauen Wasser spiegeln.

Jetzt, in der Nachsaison, ist es an seinen Ufern herrlich ruhig. Jeden Strandabschnitt haben wir für uns alleine, das Wasser verwöhnt immer noch mit brauchbaren Badetemperaturen, und so verbringen wir so manchen Tag mit entspanntem Nichtstun…

 

So tingeln wir langsam von Region zu Region und genießen die herrliche Natur mit ihren ungestörten Campingmöglichkeiten. Hoffen wir, dass der Winter, der sich schon einmal kurz zu Wort meldete, uns noch eine kleine Frist lässt, auch den Rest dieses so entspannt zu bereisenden Landes kennen zu lernen.

 

 

unser erster Übernachtungsplatz in Kirgisistan, natürlich mit Panoramablick...
die Hirten beginnen, ihre Yurten abzubauen
Seenlandschaft am Pik Lenin mit gigantischer Aussicht
vierzig Seen sind liegen eingebettet zwischen sanften Hügeln
Berglandschaft in Kirgisistan
Blick auf den Pass ins Naryn-Tal
freundliche kirgisische Kinder
leichter Neuschnee und glasklare Fernsicht vom Bötülü Ashuu Pass ins Naryn-Tal
Berge vom Wasser und Wind geformt...
Neuschnee in den Bergen, die Straßen sind zum Glück weitgehend schneefrei
am At Bashi-River
typisch kirgisischer Friedhof mit aufwändigen Grabbauten
Bergwelt am Song Köl mit den für Kirgisistan so typischen Pferden
...und manchmal sieht man sogar Kamele!
herbstliche Stimmung am Ysyk Köl
Sonnenuntergang über dem großen See Ysyk Köl

Asien - Kirgisistan / 2. Teil - Usbekistan / 2. Teil - Turkmenistan / 2. Transit

23. September – 09. November 2019

Farbenfroher Herbst in den Bergen Kirgisistans

Was für ein Fest für die Augen! Das Spiel der noch wärmenden Sonne lässt die Natur sich ein letztes Mal aufbäumen. Die Farben scheinen zu explodieren, wie in einem Rausch wandern wir durch die verfärbten Wälder, erklimmen schroffe Flanken im blitzend weißen Schnee, geblendet von einem tiefblauen Firmament über uns. Kirgisistan zeigt sich uns nochmal von seiner schönsten Seite. In Usbekistan bewundern wir ein weiteres Mal die historischen Zentren der Seidenstraße und in Turkmenistan den Größenwahn zeitgenössischer Diktatur.

 

Abenteuerliche Pässe und einsame Täler

Immer wieder verlassen wir die asphaltierten Hauptstraßen und wagen uns hinein in die grandiose Bergwelt zwischen Tien Shan und Pamir. Wir folgen abenteuerlich angelegten Pisten, die uns bis auf knapp 4.000 Meter Höhe bringen, um von einem ins nächste einsame Tal zu gelangen. Nur wenige Hirten mit ihren Schafen und Ziegen begegnen uns noch hier oben, ab und zu steht eine Jurte einsam auf den nun gelbbraun verdorrten Almen. Das Leben ist hart hier oben, die Sommer kurz, die Winter schneereich. Jetzt im Herbst ziehen sie mit ihren Tieren hinunter in die Täler, in die Dörfer zu ihren Familien.

Auf langen Wanderungen erklimmen wir schneebedeckte Gipfel, um dahinter noch höhere und mächtigere Berggiganten zu entdecken. Meist sind wir völlig alleine unterwegs, Wanderwege sind Mangelware, oft genug quälen wir uns über unwegsames Gelände nach oben. Das Bergerlebnis wird dadurch noch intensiver, authentischer. Und oft stoßen wir dabei auf große Herden sibirischer Steinböcke, jedes Mal ein ganz besonderes Erlebnis!

Nur wenige Straßen und Pisten überwinden die hohen Pässe, und schneit es, sind sie auch sofort dicht. Dann  geht erst mal gar nichts mehr, bis die Sonne den Schnee wieder weggeleckt hat. Und das kann im Winter sehr lange dauern…

 

Fazit Kirgisistan

Kein anderes Land erinnerte uns in all den Jahren in seiner Natur so sehr an unsere alpine Heimat. Wahrscheinlich ist dies auch ein Grund, warum wir uns hier so wohl fühlten. Die Bergwelt lädt ein zu tollen Wanderungen, gerade jetzt im Herbst begeistern die Kontraste und Farbenspiele.

Sonnendurchflutete, bunte Herbstwälder, noch grüne Almwiesen unter mit erstem Schnee bedeckten Flanken, sprudelnde Bäche, gespeist von vergletscherten Eisriesen. Glasklare Seen in grandioser Umgebung locken nach anstrengenden Bergtouren zum Bad.

Die Menschen dagegen, eindeutig geprägt von mongolisch-chinesischer Physiognomie, wirken eher verschlossen, wortkarg. Es dauert lange, bis ihnen ein Lachen entkommt, sie bleiben eher auf Distanz. Doch sie sind immer freundlich, nie aufdringlich, und sie versuchen nie, uns beim Einkauf zu übervorteilen. Leider haben sie, ebenso wie ihre Nachbarn, es nicht verstanden, dass es der falsche Weg ist, die eigene, so wunderschöne Natur großflächig in eine Müllhalde zu verwandeln.

Kirgisistan als staatliche Einheit ist ja erst von den Sowjets geschaffen worden, daher ist die Gesellschaft noch sehr dem Clandenken verhaftet. Doch im Gegensatz zu den Diktaturen der Nachbarschaft gedeiht hier ein zartes Pflänzchen der Demokratie, von den Nachbarn argwöhnisch beobachtet, damit ja kein Funke freiheitlichen Denkens auf die mit harter Hand geführten Diktaturen überspringt. Da die von den Russen festgelegten Grenzen beim Zerfall der Sowjetunion einfach beibehalten wurden, sind so sehr viele, meist unsinnige Grenzverläufe und Enklaven entstanden, die auch heute noch immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Kirgisen, Usbeken und Tadschiken führen.

Für uns waren die fast zwei Monate in Kirgisistan eine tolle Zeit, freies Campen ist überall völlig gefahrlos und unbehelligt möglich gewesen. Ein Land zum Genießen also…

 

Seide – ein Wunderwerk der Natur

Selten hat ein Stoff die Wirtschaft vieler Länder über die Jahrhunderte so beeinflusst wie Seide. Aus China über die Seidenstraße in den Westen transportiert, wurde sie schon bald zum begehrtesten Handelsprodukt und sogar zur Währung.

Irgendwann brachten Chinesen das Wissen um die Seidenproduktion ins Fergana-Tal. Und schon bald entstand bei Margilon eine Fabrikation, die nun seit rund 1.000 Jahren nahezu unverändert weitergeführt wird.

Bevor die Seidenraupe ihrem Kokon entwächst und als Schmetterling entfleucht, wird sie samt ihrer gesponnenen Hülle in einen Bottich mit kochendem Wasser geworfen. Dabei löst sich der bis zu 900 Meter lange Seidenfaden, aus dem der Kokon gesponnen wurde. Dieser wird nun aufgenommen und versponnen, während die eigentliche Raupe schon längst verendet ist.

Aufgewickelt und mit Naturfarben eingefärbt entsteht so die Basis für gewebte Seidenstoffe und geknüpfte Teppiche. Die Herstellung ist nach wir vor Handarbeit und vor allem die extrem fein geknüpften Teppiche nehmen viel Aufwand und Geduld in Anspruch. So werden noch heute Milliarden extra gezüchteter Seidenraupen für die Herstellung feinster Seide lebendig in kochendes Wasser geworfen…

 

Khiva – ein lebendiges Freilichtmuseum

Im Gegensatz zu Samarkand und Buchara präsentiert sich Khiva in einem homogenen Altstadtensemble. Die mächtige Stadtmauer ist fast vollständig erhalten, auch die Tore sind intakt und begrenzen so das historische Zentrum der einstigen Hauptstadt des Khanats Chiwa. Natürlich sind alle Gebäude und Türme restauriert, aber da innerhalb der Mauern auch heute noch Menschen leben und nicht nur Touristen durchschlendern, hat Khiva Charme.

In ihrer wechselvollen Geschichte wurde Khiva immer wieder eingenommen. Von Dschingis Khan und Amir Timur bis hin zum persischen Eroberer Nadir Schah, ein jeder hinterließ eine zerstörte Stadt. Und immer stand sie wieder auf… 

Auch wenn die Stadt zu allen Zeiten im Schatten der berühmten Seidenstraßenmetropolen stand, zeigt sie sich heute ebenbürtig in ihrer historischen Bedeutung. Die schmalen Gassen lassen uns auf den Spuren ehemaliger Herrscher wandeln und machen es uns leicht, eine Vorstellung vom damaligen Leben zu bekommen. Uralte, fast 1.000 Jahre alte, mit geschnitzten Ornamenten verzierte Säulen stützen noch heute die Jamil-Moschee, das unvollendete, mit bunten Kacheln geschmückte Minarett,  Wahrzeichen der Stadt, ist ein toller Blickfang, und die berühmten Medresen erstrahlen wieder in damaliger Pracht. Stundenlang lassen wir uns einfangen von der Atmosphäre greifbarer Geschichte.

 

Fazit Usbekistan

Es sind ganz klar die überragenden Zeugnisse historischer Zeiten, die einen Besuch Usbekistans rechtfertigen. Samarkand und Buchara, die beiden Rivalinnen im Zentrum der alten Seidenstraße, Khiva und Shahrezabs, alte Residenzen grausamer Despoten und Kriegsherren, locken mit verschwenderischer Pracht. Sassaniden und Mongolen, Perser und Usbeken verewigten sich in beeindruckender Architektur, immer wieder zerstört, erneut aufgebaut und heute detailgenau restauriert.

Landschaftlich zeigt sich Usbekistan eher belanglos, vor allem gegenüber seinen hochalpinen Nachbarn. Unendlich scheinende Wüsten und Steppen,  viele Monokulturen, wie Baumwolle und Getreide, schaffen wenig Attraktives.

Die Usbeken selbst wirken weitaus selbstbewusster als ihre Nachbarn, sind eindeutig einen Schritt weiter in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht. Die Märkte sind farbenprächtiger und meistens besser bestückt, die angebotenen Waren spottbillig. Die Kontrolle der Gesellschaft ist jedoch allgegenwärtig, niemand hat den Mut, sich kritisch über die Verschwendungssucht der Mächtigen auszulassen, denn Im Grunde geht es ihnen nicht schlecht. Und das mit der Meinungsfreiheit und den Menschenrechten ist ja auch nicht wirklich Teil ihrer Tradition, so dass sie mit den Restriktionen gut leben können.

So beschränkt sich das Reisen in Usbekistan überwiegend auf die historischen Zentren, in denen wir immer unbehelligt im Schatten der Geschichte parken und übernachten durften. Das Fahren über Land dagegen ist meist ziemlich Nerv tötend, denn das Straßennetz ist in einem grottenschlechten Zustand und fordert Mensch und Material aufs Äußerste. Womit sich wieder die Frage aufdrängt, wohin denn die ganzen Öl- und Gasmilliarden entschwunden sind…

 

Ashgabat – ein (Alp)traum ganz in Weiß…?

Diktatoren neigen ja schon immer dazu, sich bereits zu Lebzeiten ein Denkmal zu setzen, auf dass sie bei ihrem sie zum Lieben verdonnerten Volk nie in Vergessenheit geraten. Der turkmenische Alleinherrscher stampfte zu diesem Zweck eben mal eine komplette Stadt aus dem Wüstensand. Im Schatten der angrenzenden Berge entstand so eine wirklich skurrile City mit mondänen, goldbekuppelten Palästen, olympiareifen Sportarenen, lobpreisenden Stelen und überbreiten Prachtboulevards. Das gesamte Ensemble ist in strahlendes Weiß getaucht, auch Parkbänke, Laternenmasten und Abfallkübel, ja sogar die in der Hauptstadt registrierten Autos und Busse wurden nicht verschont. Einfach alles…

Was fehlt in diesem Theater, das sind die Menschen. Wir laufen stundenlang durch völlig verwaiste Stadtviertel, einzig Polizisten und Putzgeschwader sind zu sehen. Das Volk scheint ausgesperrt. Wir finden es schließlich in den alten Wohnvierteln, die nach und nach abgerissen werden. Die Menschen sollen in den neu entstandenen Siedlungsgürtel in der Peripherie untergebracht werden, in tausende seelenlose, optisch gleichaussehende Häuser ohne wirkliches Leben. Unheimlich…

Jede Ecke, jede Fußgängerunterführung, jeder Hauseingang ist videoüberwacht. Der Kontrollwahn artet hier zu einer Phobie aus. Und zu allem lächelt der gütige, intelligente und allwissende Präsident, wohlwollend winkend, von unzähligen Plakaten…

 

Fazit Turkmenistan

Es ist nicht leicht, nach zweimal fünf Transittagen, ein Fazit zu ziehen. Zu wenig Einblick lassen kein wirkliches Urteil zu. Was auffällt ist, dass die Hauptstadt Ashgabat vom übrigen Land Welten trennen. Wie eine außerirdische Raumstation schwebt die weiße Metropole über allem. Ansonsten rottet alles so vor sich hin – Straßen, Bausubstanz, Industrieanlagen. Das öl- und gasreiche Land steckt fast die gesamten, frei verfügbaren Einnahmen in die Vorzeigestadt.

Die wenigen Berührungspunkte mit den Menschen, denen übrigens Kontakt mit Ausländern strikt verboten ist, waren allesamt ausgesprochen positiv. Freundlich, hilfsbereit und herzlich; es ist ein Jammer, dass die Staatsmacht aus Turkmenistan einen riesigen Hochsicherheitstrakt gemacht hat…

 

 

wir erfreuen uns an den herrlichen Farben des Herbstes
unten Herbst, oben Schnee...
Wanderung im Djeti Oguz Tal
herrlicher Platz am rauschenden Bergbach
leuchtende Herbstfarben
steile, steinige Auffahrt zum Tosor Pass
Manni neben dem Gletscher auf dem Tosor Pass
abenteuerlicher Tosor Pass
wunderbares Jil-Suu Tal nach dem Tosor Pass
schmale Schlucht im Kichi Naryn Tal
wunderschöne Fahrt duch das Kichi Naryn Tal
große Wanderung bis in den Schnee im Al Archa Naturreservat
süße Eichhörnchen am Wegesrand
Abendstimmung im Al Archa Tal
es ist Herbst in Kirgisistan
Kekemeren River bei Aral
bunter Markt in Margilon
usbekisches Brot, stolze Tradition
Seidengewinnung vom Kokon der Seidenraupe
Seidenweberei
Teppichknüpferei
freundliche, höfliche Kinder in Usbekistan
Medrese Tilla Qori auf dem Registon Platz in Samarkand
Medrese Sherdor am Registon Platz in Samarkand
Khiva - das Westtor mit dem unfertigen, bunten Minarett, Wahrzeichen der Stadt
buntes Kalta Minor Minarett und Aminxon Medrese
Holzsäulen in der Juma Moschee in Khiva
wunderbare Altstadt von Khiva
die weiße Stadt Ashgabat
Palast in Ashgabat

Asien - Iran / 3. Teil

10. November 2019 – 08. Januar 2020

Iran? Iran!

Reifenbarrikaden qualmen, Tränengasschwaden wabern durch die Straßen der Städte, Menschen flüchten vor wahllos auf sie einprügelnden Polizisten, Schüsse peitschen auf.

 

Wir sitzen bei Freunden in Mashhad, sind in Sicherheit, betrachten das erschreckende Szenario in der Nachrichtensendung eines Exilsenders, der verbotenerweise über alle Bildschirme flimmert. Auslöser waren diesmal keine organisierten Proteste des Mittelstandes, sondern spontane Wutausbrüche der unteren, ärmeren Schichten der Bevölkerung, die gegen die unbotmäßigen Benzinpreiserhöhungen protestierten.

Wenige Tage später ist der Spuk auch schon wieder vorbei, die Staatsmacht hat alles unter Kontrolle, auch mit Hilfe einer zehntägigen, totalen Internet-Blockade. Bilanz: über 300 Tote und fast 10.000 Verhaftete, die sich nun Folter und unvorstellbaren Haftbedingungen gegenüber sehen…

 

Die meisten Menschen in Iran kämpfen mehr denn je mit den Einschränkungen, die aufgrund der internationalen Wirtschaftssanktionen das Land knebeln. Interessanterweise befürworten viele Iraner diese Sanktionen, denn sie erkennen natürlich die Versuche des Regimes, nukleare Waffensysteme zu schaffen. Und sie sehen darin die einzige Möglichkeit, das Regime zu Änderungen zu zwingen. Andererseits gibt es genügend Menschen im Land, die darunter leiden, denn es grassiert eine immer weiter steigende Arbeits- und Hoffnungslosigkeit.

Dabei sind sich die Iraner sehr uneins, was ihre politische Zukunft angeht:

„Die Mullahs müssen weg, sie saugen uns aus, drangsalieren uns, sind unfähig, das Land zu regieren!“ Wir hinterfragen kritisch, wie es denn mit Alternativen aussehen würde, ob es Konzepte gäbe für die Zeit danach. Betretenes Schweigen…

„Wir wollen den Schah zurück, sein Sohn hat schon signalisiert, dass er bereit wäre, zurückzukommen, um uns zu führen!“ Wir klären auf, dass rückwärtsgerichtete Politik nicht dazu taugt, den Iran in eine bessere Zukunft zu führen, dass das Pahlevi-Regime keinen Deut besser wäre als die jetzigen Machthaber. Erinnern an die Grausamkeiten der Geheimpolizei Savak, an die räuberische Unterschlagung der Ressourcen.

„Wir brauchen eine demokratische Verfassung, wie ihr sie bei Euch in Deutschland habt!“ Wir bremsen die Euphorie, denn das iranische Volk ist so sehr in die verschiedensten ethnischen Gruppierungen aufgesplittert, dass der Weg zu einer demokratischen Staatsführung ein sehr langwieriger und wahrscheinlich auch blutiger wäre. Demokratie will gelernt sein, braucht Zeit und eine aufgeklärte, moderne Gesellschaft. Und davon ist der Iran noch viele Generationen entfernt…

Die Iraner sind stolz: auf ihr Land, auf ihre Geschichte, auf ihre Traditionen. Doch sie sind dabei auch sehr nach innen ausgerichtet. Die Abschottung während der letzten Jahrhunderte, die grausamen Diktatoren der Vergangenheit und Gegenwart, die festgefahrenen Traditionen der Gesellschaft verhindern ein echtes Verändern. Und die iranische Gesellschaft ist bequem geworden. Ein Mittelstand hat sich herausgebildet, eine breite Schicht der Bevölkerung genießt ein nicht so schlechtes Leben. Die Angst vor dem Regime ist greifbar, also ziehen sie sich in ihre Familienverbände zurück, Egoismus und Rücksichtslosigkeit gegenüber ihren Mitmenschen breitet sich immer mehr aus.

„Wir müssten auf die Straße gehen, zum Demonstrieren. Aber das ist gefährlich. Ich habe Familie, habe Kinder. Ich habe einen Job zu verlieren. Das kann ich nicht riskieren. Das müssen die anderen machen…“ Klar, ist verständlich. Wir geben allerdings zu bedenken, dass Veränderung ohne persönlichen Einsatz nicht funktioniert.

Frust und Hoffnungslosigkeit lässt immer mehr junge, gut ausgebildete Menschen das Land verlassen. Sie wissen, dass sie in der Welt willkommen sind, denn sie wollen arbeiten, wollen etwas schaffen. Dem Iran hilft dies jedoch nicht…

 

Für ausländische Betrachter ist es schwer vorstellbar, dass all diese in Tschador verhüllten oder Kopftuch tragenden Frauen nicht unterdrückt sein sollen. „Wenn das Regime dies nicht mehr vorschreiben würde, dann würden über 90 Prozent aller Frauen sich sofort davon befreien!“ Was für ein Irrglaube! Das Kleiden in Tschador und das Bedecken der Haare mit einem Kopftuch hat eine sehr lange Tradition in Iran. Das hat grundsätzlich nichts mit dem Mullah-Regime zu tun. Einzig das strikte Muss ist besonders den jungen Frauen ein Dorn im Auge. Doch persönlich nachgefragt, würde so gut wie keine in der Öffentlichkeit ohne diese schützenden Kleidungsstücke auftreten. Denn die Männerwelt ist nicht daran gewöhnt, Frauen ohne bedeckte Haare oder gar mit entblößten Armen zu sehen. Die Belästigungen wären letztlich ein viel größeres Übel.

 

Der Iran besticht durch eine unglaubliche Vielfältigkeit seiner Natur: Eine grandiose Bergwelt mit dutzenden Viertausendern und einem Damavand, der mit 5.671 Metern in mächtige Höhen vorstößt, endlose Wüsten mit riesigen Sandfeldern und skurrilen Felsformationen, urwalddichte Wälder an den Abhängen des Kaspischen Meeres, weite Sandstrände und Klippen an den Gestaden des Persischen Golfes. Doch leider erkennt der Iraner nicht den Wert seiner Umwelt. Die Verschmutzung derselben ist erschreckend, Strände, Wälder, Picknickplätze Allerortens sind dermaßen vermüllt, dass es oft schwerfällt, einen sauberen Quadratmeter zu finden.

 

Jeder jüngere Iraner hängt den ganzen Tag am Smartphone. Das unterscheidet ihn nun nicht wirklich von den Altersgenossen überall auf der Welt. Erstaunlich ist allerdings, dass sein Wissen über die Welt da draußen erschreckend mangelhaft ist, obwohl er, permanent online, sich jederzeit alle relevanten Informationen holen könnte. Doch selbst bei diesen Generationen zeigt es sich, dass sie sich gerne als den Mittelpunkt der Welt wähnen, und Selbstkritik ist ihnen völlig fremd. Diese Selbstüberschätzung verhindert, dass sie sich bewusst öffnen können. So bleibt oft ein durchaus naives Erscheinungsbild übrig…

 

„Herzlich willkommen in Iran! Kommt mit zu uns nach Hause! Wir freuen uns, Euch als unsere Gäste bei uns zu haben!“ Mashhad, Kerman, Shiraz, Bushehr, Isfahan, Teheran, Tabriz. Wir tingeln durchs Land, und täglich erleben wir eine Gastfreundschaft, die ihresgleichen sucht. Die Herzlichkeit uns ausländischen Gästen gegenüber ist oft erdrückend, ja anstrengend. Vor allem, wenn eine Konversation mangels Sprachkenntnissen nicht möglich ist. Passt dies jedoch, ist es unglaublich schön!

Wir lieben diese Iraner. Wir lieben dieses Land. Wir fühlen uns hier tatsächlich inzwischen ein wenig zuhause. Wir sind schon zum vierten Mal für längere Zeit hier im Land. Aber dies alles blendet uns nicht, verstellt nicht unseren Blick auf die Realitäten, die der Iraner selbst meist nicht gerne sehen möchte. Doch wenn es der Gesellschaft nicht gelingt, sich zu öffnen, dann wird sie auch keine Veränderung schaffen können. Mit unseren Gesprächen und Diskussionen versuchen wir, neue Gedanken zu ermöglichen, andere Wege zu erkennen. Doch letztlich liegt es auf ihrem Tisch, ihre Probleme anzugehen…

 

 

farbenprächtige Stimmung in Mashhads Heiligem Bezirk
überraschende Einladung bei Amir und seiner Familie
traumhafter Übernachtungsplatz im Schatten der Oase Nayband
traditionelle Herstellung von Dattelsirup
Nayband, die sicherlich schönste Oase in Iran
alte Karawanserei in malerischer Umgebung
Blick vom Dach der alten Karawanserei
im Basar von Shiraz
prächtige Inszenierung islamischer Kultur
eine bunte Gewürzmischung...
Gedenken an die Märtyrer des Iran/Irak Krieges
Felsrelief von Bishapur
Häuserzeile im alten Zentrum von Tabriz

Asien/Europa - Türkei/Griechenland

09. Januar – 17. Februar 2020

Der Kreis schließt sich!

Gut 2.000 Tage sind vergangen, seit wir im Sommer 2014 mit „Manni“ Europa verlassen haben. Was für unglaubliche 2.000 Tage! Vierzig spannende Länder, mehr als 145.000 Kilometer auf oftmals abenteuerlichen Wegen, tausender interessanter Gespräche mit Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen und fremdartigen traditionellen Verhältnissen. Nun sind wir wieder zurück, geprägt von den zahllosen emotionalen Eindrücken, erlebt in Afrika und Zentralasien. Doch unser Aufenthalt hier im durchorganisierten Europa wird nur wenige Wochen dauern, dann zieht es uns wieder hinaus in die Welt, die wir lieben…  

 

Seit wir den von Unruhe gebeutelten Iran verlassen haben, seit wir uns in der trügerischen Normalität der Türkei auf Europa zubewegen, gleicht unser Reisen ein wenig einer Fahrt nach Hause. Plötzlich sind wir von Terminen bestimmt, freuen sich liebe Menschen auf uns, harren spannende Aufgaben der Erledigung. 

 

So gleiten wir fast ein wenig ruhelos durch die strahlende Winterlandschaft im Osten der Türkei, umrunden den frisch eingeschneiten Van-See, kurven hinunter in die anatolische Tiefebene zwischen Euphrat und Tigris, die hier eigentlich ganz anders heißen. Die allgegenwärtige, materialistische Präsenz der „Jandarma“, ängstlich versteckt hinter Barrieren von Sandsäcken und gepanzerten Fahrzeugen, erinnert uns daran, dass die Autonomiebestrebungen der Kurden die Staatsmacht in Ankara nach wie vor in Atem hält. Auch der unselige Bürgerkrieg in Syrien ist nicht weit, auch hier ist die Türkei inzwischen mehr denn je involviert.

 

Erst am beruhigend vor sich hin dümpelten Mittelmeer entspannt sich die Lage, hat der Tourismus wieder alles unter seiner okkupierenden Kontrolle, trotz Winterschlaf. Schöner ist es deswegen hier nicht: Nahezu jeder Quadratmeter Boden ist inzwischen dem Bauwahnsinn zum Opfer gefallen, hässliche Betonwürfel bestimmen die einst so liebliche Küstenlinie. Nur selten siegten Vernunft und Ästhetik, selbst Historisches ist dazwischen zur Nebensächlichkeit verkommen, verliert sich fast zwischen Cafés und Hotels.

 

Wir bekommen Besuch, unser Freund Bukki wird uns eine Woche begleiten. Er ist übrigens erst der vierte Besucher in all den Jahren, der mit uns in unser Leben ein wenig eintaucht. Schade eigentlich, wir hätten uns wirklich gefreut, mehr Familie und Freunde da draußen in der Welt begrüßen zu dürfen. Keine Zeit, kein Interesse, keine Lust? Wir wissen es nicht…

 

Im Industriegürtel von Istanbul bekommt „Manni“ endlich seine neuen, passenden und qualitativ hochwertigen Blattfederpakete eingebaut. Alles klappt wie am Schnürchen: schnell, kompetent, fehlerlos - die kleine Werkstatt ist auch Europa. Was für ein Unterschied zu Afrika, selbst zu Asien! Hoffen wir mal, dass damit unser Blattfedertrauma, das uns seit fast einem Jahr immer wieder einholt, endgültig gebannt ist. Mit einem sehr guten Gefühl sind wir wieder zurück auf der Straße…

 

Sternenkranz auf blauem Grund - die Grenze zu Griechenland. Zur EU. Wir hatten schon fast vergessen, dass ein Grenzübertritt auch ohne sinnfreies Warten, unlogischem Papierkram und nervigen Stempelorgien möglich ist. Wenn man den richtigen Pass hat…

 

Und dann hat uns das europäische Leben wieder! Verkehrsregeln, die peinlich genau eingehalten werden, Dieselpreise, die uns schwindlig werden lassen, deutsche Lebensmittel-Discounter, in deren Regalen wir Altbekanntes und Bewährtes auf Anhieb finden. Die Strände scheinen sauberer, die Menschen mürrischer, das Organisierte wirkt vertraut. Ob wir uns da wohlfühlen? Wissen wir noch nicht…

 

Morgen geht unser Flieger von Saloniki ab, nach gut zwei Stunden werden wir im Voralpenland landen. Zum langsam Herantasten haben wir keine Zeit, der Terminplaner quillt über! Doch wir freuen uns – auf unsere lieben Familien, auf unsere wertvollen Freunde. „Manni“ wird einstweilen gut geparkt auf uns warten, er hat Urlaub…

 

Anfang April geht es dann wieder los. Spannendes, Neues wartet dann auf uns. Nach so vielen Jahren individuellem Reisen dürfen wir an der realen Welt interessierten Menschen selbige näherbringen. Wir werden mit einer kleinen Truppe Gleichgesinnter mehrere Monate durch die Türkei, den Iran, sowie Armenien und Georgien reisen, werden ihnen zeigen, wie das Lasterleben so läuft. Auch wir betreten hierbei Neuland. Doch wir freuen uns so richtig darauf!

 

So wird unsere Lebensreise nie eintönig, bietet sie uns immer wieder neue Facetten. Unsere Begeisterung für das, was wir tun, wie wir leben, ist ungebrochen. Jeden Tag aufs Neue uns den Herausforderungen stellen, die wir am Vortag noch gar nicht kennen, das ist es, was uns gefällt. Jeden Tag Neues erleben und interessante Menschen kennen lernen. Aber, und vor allem, jeden Tag immer wieder aufs Neue unsere Partnerschaft intensiv zu leben, unsere Liebe zueinander zu genießen, Zeit zu haben, für uns, für unser gemeinsames Leben!

 

Wir sind dankbar, dies alles so leben zu dürfen, leben zu können. Und glücklich…

 

 

Wintermärchen am Vansee
der aufgestaute Euphrat verändert das Landschaftsbild
entspannte Atmosphäre in Side ohne Touristenrummel
malerisches Kas an der zerklüfteten Südküste
auf der Fähre zurück nach Europa
einsame Strände in Griechenland
tolle Bucht an der thrakischen Küste
wunderschöne Küstenlandschaft auf der Chalkidiki Halbinsel
Traumbucht für uns allein...

Europa - Deutschland/Griechenland

17. Februar – 10. April 2020

Ausgebremst!

Damit konnte niemand rechnen! Was als lokale, chinesische Infektion startet, stellt schon bald die gesamte Weltordnung auf den Kopf! Natürlich hat diese nicht vorhersehbare Entwicklung auch elementare Veränderungen unserer Pläne für 2020 hervorgerufen…

 

Niemand wollte anfangs wahrhaben, was da schleichend über uns kam – ein Virus, der heimtückisch und unberechenbar uns alle lahm legte. Unser so virtuos gestarteter Deutschlandaufenthalt – Familien und Freunde, die uns herzlich in die Arme schlossen, abendfüllende Erzählungen unserer spannenden Erlebnisse, Ausflüge in unsere pulverschneebedeckten Berge – all das wurde immer mehr zur Nebensächlichkeit.

Auch unsere akribisch vorbereitete, von uns geführte Reise für dieses Jahr ist plötzlich Makulatur, der persönliche und auch finanzielle Verlust trifft uns hart. Selbst unser Teamtreffen mit unseren „Trans-Afrika“-Teilnehmern für 2021 müssen wir kurzfristig absagen, unsere Teilnehmer aus der Schweiz und Österreich dürfen plötzlich nicht mehr nach Deutschland einreisen!

 

Dann überschlagen sich die Ereignisse: die Reisebeschränkungen werden enger, Ausgangssperren drohen, es werden keine internationalen Flüge mehr durchgeführt, unser gebuchter Rückflug nach Saloniki in Griechenland Anfang April wird abgesagt! Was tun? „Manni“ steht in Saloniki, unser Zuhause plötzlich auf unbestimmte Zeit nicht mehr erreichbar? Monatelanges Absitzen in Gästezimmern bei Freunden, eingesperrt wie Hamster?

Wir entscheiden spontan, neue Flüge zu buchen, brechen unseren Deutschlandaufenthalt sofort ab. Aber es bleibt spannend, niemand weiß, ob der Flug überhaupt durchgeführt wird. Am 19. März sind wir am Flughafen in München, es ist gespenstig ruhig, hier will und darf fast niemand mehr abfliegen, nur Rückholer aus dem Ausland landen noch. Wir gehen den umgekehrten Weg, wollen flüchten, bevor alles dicht gemacht wird.

 

Und es klappt! Die Maschine der Aegean Lines hebt planmäßig ab, zwei Stunden später landen wir in Saloniki. Doch dürfen wir überhaupt nach Griechenland rein? Eine fünfzehntägige Quarantäne ist seit ein paar Tagen von der griechischen Behörde vorgeschrieben, kommt man wie wir aus dem belasteten Ausland. Herzklopfen und leicht schweißnasse Hände beeinträchtigen unsere betont lässige Haltung nicht sichtbar, als wir durch die Ankunftshalle schlendern. Doch niemand interessiert sich für uns, völlig unbehelligt passieren wir alle Türen, stehen nach wenigen Sekunden vor dem Terminal, springen ins nächste Taxi. Bloß weg hier, bevor noch jemand auf die Idee kommt, uns blöde Fragen zu stellen…

Zehn Minuten später stehen wir vor „Manni“! Wir sind wieder zuhause! Seine Starterbatterie ist zwar mausetot, aber das kennen sie hier schon, kurze Starthilfe, und los geht’s! Erst mal zum deutschen Discounter, die Luft aus dem Kühlschrank lassen. Vor dem Eingang eine lange Schlange, ein jeder auf Abstand zum Vordermann, es dürfen nur wenige Kunden gleichzeitig im Laden sein. Alles läuft diszipliniert ab, keiner meckert. Dann zu den Brüdern Zampetas, Wasser auffüllen, Mails abrufen und schicken - und ab zum Strand! Unser Basecamp für die nächsten zehn Tage, von der Polizei abgenickt, von den Anwohnern freundlich toleriert, ist der zwar verschmutzte, aber sehr ruhige Strand von Perea, gleich ums Eck.

 

Die nächsten Tage schleppen sich etwas, denn das Wetter ist meist grauslich schlecht, es regnet viel und ist schweinskalt. So stört uns die inzwischen ausgerufene Ausganssperre eigentlich nicht wirklich, wir halten uns jeden Tag fit mit wiederholten Läufen, ratschen mit den Anwohnern, die uns ihre Hilfe anbieten und nehmen kopfschüttelnd die Nachrichten aus aller Welt zur Kenntnis. Und Connys Geburtstag sowie unser achtjähriges Jubiläum „Lasterleben“ dürfen wir standesgemäß im „Manni“ feiern!

Wir treffen deutsche Reisende. Zwei Mädels, die noch versuchen wollen, nach Hause zu fliegen. Sie sind mit ihrem VW-Bus völlig unbehelligt über die Halbinsel Chalkidiki nach Saloniki gefahren, trotz Ausgangssperre. Die griechischen Behörden, so erzählen sie uns, akzeptieren das Campen nahezu überall und auch das Fahren, sie berichten uns von mehreren Reisenden, die in den Buchten so herumstehen. Und wir treffen einen Traveller, den wir vor einigen Monaten in der Nähe des Yssyk-Köy in Kirgisistan getroffen hatten, was für ein Zufall!

Die Berichte der Anderen ermutigen uns endgültig, unseren bisherigen Standort zu verlassen und uns langsam und unauffällig durch Griechenland zu bewegen. Mal sehen…

 

 

Pulverschnee vom Feinsten! Skitour in Österreich
Wir sind wieder zuhause!
Stimmung am Potamos Beach
Sonnenaufgang über dem Götterberg Olymp
Endlich wieder Sonne!
gut bewacht von unserer Strandmeute
alle Wege sind nach tagelangem Regen überschwemmt

Europa - Griechenland / 3.Teil

11. April – 25. Mai 2020

Wir reisen wieder!

Zwar etwas eingeschränkt, da die internationalen Grenzen nach wir vor dicht sind, aber es gibt wohl Schlimmeres, als durch das frühlingshafte Griechenland zu tingeln. Und so erkunden wir ganz gemächlich das Land, in dem seinerzeit die Demokratie erfunden wurde…

Die „Chalkidiki“

Drei schlanke Finger recken sich vorwitzig in die tiefblauen Gewässer der nördlichen Ägäis, ziehen schon seit Jahrtausenden die Menschen an, sich an ihren Gestaden niederzulassen. Geschützt von undurchdringlichen Wäldern, die sich an die schroffen Berghänge klammern, entstehen winzige Ansiedlungen in von Wind und Wetter weitgehend geschützten Buchten. Mangels passierbaren Wegen bleibt die Besiedelung jedoch überschaubar.

Erst Anfang des 4. Jh. v. Chr. ist diese abgelegene Region so bedeutsam geworden, dass sie im sogenannten Chalkidischen Bund politisch, wirtschaftlich und infolgedessen natürlich auch militärisch zu einer regionalen Macht aufsteigt. Auf dem Gipfel ihrer Stärke maßen sich die Chalkidäer nun sogar an, die makedonische Hauptstadt Pella, westlich des heutigen Thessaloniki gelegen, zu überfallen, was sie allerdings so schwächt, dass die Spartaner vorübergehend die Herrschaft über die Chalkidiki übernehmen können.

Die Karten werden neu gemischt, als im Jahre 359 v. Chr. der ehrgeizige Philipp der Zweite den makedonischen Thron besteigt. Sein politisches Ziel ist es, ganz Griechenland zu beherrschen. Er entwickelt eine neuartige Militärstrategie mit überlegener Reiterei und dem Phalanx genannten Fußheer mit langen Spießen, und gegen die Schlagkraft dieser Kampftruppen ist schließich kein Kraut gewachsen.

Der Chalkidische Bund, anfangs noch sicher mittels einem Zweckbündnis mit Philipp, entscheidet sich 348 v. Chr. jedoch, mit den Athenern zu paktieren. Dass diese Aktion direkt vor seiner Haustüre dem aufstrebenden Philipp nicht gefallen kann ist schnell klar, und in einer grausamen Racheaktion macht er alles Urbane auf der Chalkidiki dem Erdboden gleich. Damit wird die Halbinsel dem makedonischen Reich eingegliedert.

Als wenige Jahre später sein Sohn Alexander auszieht, eine neue Weltordnung zu schaffen und in die internationale Geschichte als „der Große“ eingehen wird, ist die Halbinsel nur noch eine unbedeutende Region des makedonischen Reiches. Und als die erstarkten Römer ihre Legionen um das Mittelmeer treiben, versinkt neben dem nun aufgeteilten Reich der Makedonier auch die Chalkidiki endgültig im Nebel der Geschichte. Nur in wenigen, winzigen Fischerdörfern siedeln Menschen rund um die drei Finger, und erst in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts kommt frischer Wind in die vergessene Region, als sich im Rahmen des großen Bevölkerungsaustauschs mit der Türkei viele aus Kleinasien vertriebene Griechen auf den jahrhundertelang fast menschenleeren Halbinseln niederlassen.

Vor etwa fünfzig Jahren beginnt dann ein neues Zeitalter für die Region: der internationale Tourismus entdeckt die lieblichen Buchten, das türkisblaue Meer, die grünen Hänge der karstigen Berge. Aus Fischerkaten werden Pensionen und auf Karrenwegen entstehen Asphaltstraßen. Leicht bekleidete, weißbauchige, aber finanzstarke Urlauber okkupieren in den Sommermonaten die Halbinseln Kassandra und Sithonia und hauchen ihnen neues Leben ein.

Sithonia

Der mittlere der drei Finger ist zweifellos der attraktivste Teil der Chalkidiki. Kassandra im Westen ist vom Tourismus nahezu zur Unkenntlichkeit zugepflastert, und auf dem östlichen Finger hat sich die theokratische Mönchsrepublik Athos festgebissen, die jedes weibliche Lebewesen aus ihrer griechisch-orthodoxen Hemisphäre ausschließt. Die Entscheidung für Sithonia ist damit schnell gefallen.

Das waldreiche Innere steigt bis auf über 800 Meter an und bietet dem Wanderer weite Blicke über die gesamte Chalkidiki. Nur wenige, größere Orte ducken sich an die steilen Hänge, auch touristische Einrichtungen sind sehr unauffällig verteilt. Die buchtenreiche Westküste ist so bis heute ein kleines Paradies geblieben. Hier locken unzählige, feinsandige Traumstrände, meist jedoch schwer erreichbar, dafür einsam.

An Sithonias südlicher Ostküste wechseln sich spärlich bewachsene Bergflanken ab mit den knallig bunten Farben von Ginster, Mohn, Goldregen oder Königsdisteln. Weiter oben im Norden reichen die dichten Bergwälder bis hinunter an die feinsandigen Strände, die sich in winzigen Buchten verstecken. Und bei klarer Sicht erhebt sich die charakteristische Pyramide des Athos-Massivs über 2.000 Meter hoch aus dem tiefblauen Meer.

Drei Wochen tingeln wir durch diese zurzeit herrlich einsame, kleine Welt, haben fast jeden Strand für uns alleine, campen ungehindert, wo wir wollen und erfreuen uns an der touristenlosen Ruhe…

 

 

Sonnenuntergangsstimmung...
Conny bäckt leckeres Osterbrot
Paralia Lagomadra - weißer Sand, türkisfarbenes Meer...
...das ist Sommer in Griechenland!!!
...das ist Sommer in Griechenland!!!
unsere Haustiere wechseln in jeder Bucht...
traumhafte Lagunenlandschaft bei Vourvourou

Europa - Griechenland / 4.Teil

25. Mai – 12. Juli 2020

Frühling in Mittelgriechenland

Es ist sicher die schönste Zeit, um durch Griechenland zu reisen. Bunte Wiesenblumen zaubern ein farbenfrohes Bild auf die sattgrünen Hänge der Bergflanken, die Luft ist klar dank leichter Regenfälle, die den Staub von den Feldern spülen; von der drückenden Sommerhitze ist noch nichts zu spüren. Und so chillen wir an einsamen Stränden, bezwingen schroffe Berggipfel, bestaunen antike Reste; erleben das Land in einer herrlichen Ruhe…

 

Kirschenernte am Straßenrand…

…wohl dem, der einen Laster hat! Es ist Kirschenzeit in Griechenland, die Äste biegen sich unter der süßen Last. Nicht nur auf privaten Grundstücken hängen die Bäume voll mit den leckeren Früchten, auch am Straßenrand locken oftmals dunkelrote Kirschen, gepflückt zu werden. Doch sie hängen hoch, die begehrten Früchtchen, zu hoch, um eben mal abgezupft zu werden.

Aber unser Team funktioniert hierbei prächtig: Manni wird blitzschnell so positioniert, dass die prall behängten Äste praktisch zum Seitenfenster hereindrängen, und Conny muss nun lediglich mit beiden Händen die von mir gehaltene Tüte füllen, bevor der hinter uns aufgelaufene Verkehr ungeduldig hupt. Perfekte Vitaminbeschaffung.

Funktioniert übrigens auch bei der Feigenernte…

 

Integration oder was?

Griechenland stöhnt über den Ansturm von Migranten aus dem Nahen und Mittleren Osten, die illegal über die Grenze eindringen, dann aufgegriffen und in entsprechende Lager verfrachtet werden. Der Staat gibt sich wirklich Mühe, um zu helfen, doch die Mittel sind begrenzt.

Dankbarkeit ob der geleisteten Unterstützung erfahren die Behörden und die Bevölkerung allerdings nicht. Besonders in Rage brachte die Menschen hier die Initiative einer Abordnung der Migranten, die sich bei der Regierungsstelle in Larisa über das ungehörige Verhalten griechischer Mädchen und Frauen beschweren:

„Es ist für unser Schamgefühl unerträglich, dass die griechischen Frauen halb nackt durch die Straßen laufen und sich knapp bekleidet an den Stränden aufhalten. Davon werden unsere Männer provoziert. Wir halten die griechische Regierung an, dies zu ändern, um unsere Sitten und Gebräuche zu respektieren“

Der Sturm der Entrüstung in der griechischen Presse hallte noch tagelang nach...

 

Delphi

„Mittelpunkt der Welt“ wurde es genannt, das Heiligtum an den gewaltigen Abhängen des Parnassos, rund 200 Meter über einer steil abfallenden Schlucht in die karstigen Hänge gebaut. Schon in der Antike machte diese wildromantische Lage auf die damaligen Besucher großen Eindruck, wie man immer wieder den alten Berichten entnehmen kann.

Kaum zu glauben, welch enorme politische Bedeutung das Orakel von Delphi seinerzeit hatte. Über 800 lange Jahre, bis zur Zeitenwende, als die Römer dem Heiligtum seine Mystik nahmen, funktionierte das wegweisende Orakel, denn alle griechischen Stadtstaaten spendeten großzügig wertvolle Weihegaben, um von Pythia, der jeweilig aktuellen Orakelpriesterin, unverständlich Gestammeltes entgegen zu nehmen, das dann von den Priestern „übersetzt“ wurde.

Vier heilige Kriege zerstörten und plünderten das Heiligtum, bevor die Römer dem Kult um Delphi den Rest gaben. Der Apollon-Kult verlor sich so langsam, das aufkommende Christentum verbreitete sich rasch. Schon lange hatte es keine politische Bedeutung mehr, als es unter Theodosius um 381 endgültig aufgegeben wurde und verfiel. Erdbeben und Felsstürze schütteten das Vergessen über die einst so mächtige Stätte…

 

Naziterror in Griechenland

1941 hatten die Truppen der deutschen Wehrmacht Griechenland überfallen und besetzt. Im Zuge dieser Okkupation kommt es immer wieder zu unfassbaren Gräueltaten an der einheimischen Bevölkerung, meist als Vergeltungsschläge gegen die Überfälle von Partisanen verübt.

Distomo, 10.Juni 1944. Wieder einmal macht die deutsche Wehrmacht Jagd auf Partisanen. In dem abgelegenen Dorf vermutet der Verantwortliche Unterstützung selbiger, die Dorfbewohner sollen einige von ihnen versteckt halten. Kurzerhand wird der Befehl erteilt, die gesamte Dorfbevölkerung zu töten.

Mit unvorstellbarer Grausamkeit werden alle 268 hier lebenden Menschen regelrecht abgeschlachtet. Und die deutschen Soldaten machen keinen Unterschied, haben kein Pardon mit den Bauern und ihren Familien. Gleichgültig, ob Frauen oder Kinder, sogar Säuglinge werden erschlagen. Unerheblich wie alt, Menschen um die achtzig werden ebenso gemetzelt.

Fassungslos ob solch unmenschlicher Taten stehen wir heute vor dem der Opfer zum Gedenken errichteten Mausoleum. Kaum zu glauben, dass wir Deutschen heute so freundlich in diesem Land willkommen geheißen werden…

 

Kloster Hosios Lukas

Vor über 1.000 Jahren suchte der Eremit Lukas einen sicheren Platz vor den Serben und Sarazenen, um seine Religion ungehindert ausüben zu können. Auf einem Hügel über dem Tal von Elikon ließ er sich in einer Einsiedelei nieder und begann mit dem Bau einer ersten Kirche. Nach seinem Tod, als sich seine prophetischen Gaben herumgesprochen hatten, kamen die ersten Pilger und das Kloster wurde mit finanzieller Unterstützung von Byzanz weiter ausgebaut.

Das Zentrum bilden zwei miteinander verbundene Kirchen, das Katholikon und die Panagia-Kirche. Das Katolikon stellt einen damals neuen Kirchentypus dar, eine Kreuzkuppelkirche, grob gestaltet in der äußeren Erscheinung, innen jedoch mit einer bemerkenswerten Ausstattung. Die Mosaiken aus dem 11. Jahrhundert und die mit Fresken ausgestattete, riesige Kuppel sind in ihrer Gesamterhaltung einzigartig in Griechenland.

Einmalig ist aber auch die Lage an sich. Inmitten üppig gedeihender Natur grüßen schon von weitem der letzte, verbliebene Glockenturm und die große Kuppel der Hauptkirche. Speisesaal, Refektorium und die Wohntrakte der Mönche komplettieren das Ensemble, das wir, unter schattigen Platanen rastend, auf uns wirken lassen und dabei die absolute Ruhe und Einsamkeit genießen, wo sich sonst Menschenmassen tummeln.

 

Euböa – Insel der Gegensätze

Kaum beachtet von internationalen Besuchern fristet die zweitgrößte Insel Griechenlands ein etwas stiefmütterliches Dasein. Sehr zu Unrecht, denn kaum ein Landstrich in der Ägäis präsentiert sich abwechslungsreicher.

Einst durch ein gewaltiges Erdbeben vom Festland getrennt und mittels der schmalsten Meerenge der Welt zur Insel geworden, schon seit dem Altertum jedoch dank einer Brücke mit diesem verbunden, präsentiert sich Euböa ungemein gebirgig und schluchtenreich. Rund um die höchste Erhebung, den 1.745 Meter hohen Dirfis, sorgt nie versiegender Wasserreichtum für fruchtbare Obstplantagen und Gemüseanbau, wuchern undurchdringliche Wälder die steilen Bergflanken empor. Schmale Straßen winden sich in ständigem Auf und Ab von Dorf zu Dorf, finden verschlungene Wege hinunter zu traumhaft schönen, einsamen Buchten.

Weite Teile der Insel wirken wie ein botanischer Garten: Zitronen- und Orangenbäume, Nadel- und Laubwälder, Oleander, Granatäpfel und Myrten duften um die Wette. Andere Regionen dagegen erinnern eher an nordafrikanische Steinwüsten, so karg und menschenfeindlich glühen hier die Steine in der heißen Mittagssonne.

Eretria gehörte in der Antike wegen seiner erfolgreichen Handelsflotte zu den mächtigsten Stadtstaaten Griechenlands, war damals das wirtschaftliche und geistige Zentrum Euböas. Erst die Römer  besiegelten den langsamen Untergang, als sie die Stadt mehrmals zerstörten, doch auch die zunehmende Verlandung des Hafens setzte der Zukunft ein Ende. Und so dümpelte die Insel fast unbemerkt bis heute in der Ägäis vor sich hin...

 

Afghanische Zukunftsträume…

Wir steuern eine Tankstelle an, die günstigen LKW-Diesel offeriert. Auch eine Schraubergrube gibt es, ideal, um Manni mal wieder abzuschmieren und durchzuchecken.

Ein junger Mann macht sich über unsere Scheiben her, er ist eindeutig kein Grieche. Ich frage ihn, woher er denn kommt: „Aus Kabul, Afghanistan! Bin den ganzen Weg bis hierher gelaufen.“ Conny packt ihre Farsi-Kenntnisse aus, spricht ihn in seiner Muttersprache an. Er kriegt sich kaum mehr ein, freut sich wie ein Schnitzel und grinst über das ganze Gesicht.

„Gefällt es dir hier in Griechenland?“ Sein Blick gleitet in die Ferne, er spielt mit seinem Handy: „Ja, schon. Ist ganz gut hier. Aber ich will noch weiter, dahin, wo es noch besser für mich ist.“ Stirnrunzelnd frage ich ihn, wohin er denn noch möchte, obwohl ich die Antwort eigentlich schon kenne.

„Nach Deutschland…!“

 

 

tolle Stauseen im mazedonischen Hinterland
aussichtsreiche Bergtour auf den Kissavos
wunderbare Küstenlandschaften auf dem Pilion
Traumstrand Mylopotamos
Abenstimmung am Paralia Melanie
Athene am Tholos in Delphi?
althellenistische Steinmetz-Kunst in Delphi
Mausoleum für die Naziopfer in Distomo
Sonnenaufgang über der Ägäis mit dem Berg Athos
Kloster Hosios Lukas
der Glockenturm im Kloster Hosios Lukas
Überschreitung des Korakas, 2495 m
Küstenstädtchen Galaxidi
die Bucht von Kalamos
einsame Strände an der Ostküste Euböas
Sonnenuntergang an der Ostküste Euböas

Europa - Griechenland / 5.Teil

13. Juli – 03. September 2020

Vielfältiger Peloponnes

Seit vielen Jahrtausenden schon zog es die Menschen auf den Peloponnes, auf diese von schroffen Gebirgen geprägte Halbinsel, in die von schneidenden Stürmen geschützten Täler, an die zwischen kargen Felsen versteckten Buchten. Mykene, Olympia, Sparta, Korinthos, Ephidaurus – die Liste der historisch bedeutenden Stätten ist lang…

 

Der Kanal von Korinth - oder wie der Peloponnes doch noch zu einer Insel wurde…

Schon in der hellenistischen Blütezeit vor ca. 2.600 Jahren befassten sich die damaligen Herrscher mit der Möglichkeit, die gefährliche und langwierige Schiffsreise um das stürmische Kap Malea, wie der Peloponnes damals hieß, mittels eines Kanals zwischen Attika und dem Korinthischen Golf entscheidend zu verkürzen. Doch es blieb beim Wunschdenken, und es wurde stattdessen ein Schiffskarrenweg planiert, auf dem mit Hilfe von Baumstämmen die Galeeren von Sklaven über die gut sechs Kilometer gezogen wurden.

Erst der römische Kaiser Nero, sein Hang zum Größenwahn ist historisch Interessierten ja durchaus bekannt, ließ im Jahre 67 anfangen zu schaufeln. Als er jedoch drei Monate später verstarb, versank der ambitionierte Plan wieder im Dunkel der Geschichte…

Selbst die Venezianer, die für den Ausbau ihrer Handelswege die antike Idee wieder aufgriffen, scheiterten 1.500 Jahre später an den Felsmassen, die sich erst bewegen ließen, als im 19. Jh. das Dynamit erfunden war und Dampfmaschinen die schaufelnden Arbeiter entlasten konnten.

1893 war es endlich soweit, als unter der Oberaufsicht ungarischer Ingenieure der Durchstich gelang. 6.343 Meter lang und bis zu 84 Meter durch die Felsen nach unten gegraben, wurde eine Wassertiefe von acht Metern erreicht. Etwa 25 Meter breit, bietet er heute jedoch nur noch kleineren Schiffen die Möglichkeit, die Fahrt um den Peloponnes abzukürzen.

Auch die Zerstörungswut der deutschen Wehrmacht 1944, die alle Brücken zum Einsturz brachte, an mehreren Stellen die Steilwand sprengte und zusätzlich zur Blockade Lokomotiven samt Wagons in den Kanal warf und diesen zusätzlich verminte, war nur von kurzer Dauer. Schon vier Jahre später war der Kanal wieder nutzbar…

 

Emotionaler Ausflug in die Jugendzeit

Tolo 1975: Ein gemütliches Dorf schmiegt sich in die sichelförmige Bucht, geschützt von zwei kleinen Inseln, unzählige Fischerboote dümpeln vor dem schmalen Sandstand, auf den viele der urig-gemütlichen Tavernen ihre so typisch griechische Bestuhlung platziert haben. Die Familie ist sofort begeistert, und wir Kinder finden schnell Anschluss mit gleichaltrigen Einheimischen und weiterem Urlaubernachwuchs.

Über viele Jahre besuchen wir die Familie Bikakis immer wieder, der Kontakt bricht lange nicht ab. Doch die letzten dreißig Jahre hören wir nichts mehr voneinander…

Tolo 2020: Ein aus allen Nähten platzendes Urlaubszentrum hat inzwischen die gesamte Bucht und den steilen Hang dahinter okkupiert. Es wuselt, trotz durch Corona bedingten Einschränkungen, von Gemütlichkeit ist keine Spur mehr zu entdecken. Wir treffen uns mit den Kindern von damals, inzwischen sind wir alle so um die Sechzig, die Emotionen schlagen hohe Wellen, die Erinnerungen brechen auf – wunderschön….

Wir versprechen uns, den Kontakt nicht noch einmal abreißen zu lassen, immerhin kennen wir uns seit unglaublichen fünfundvierzig Jahren…

 

Monemvasia, die letzte Bastion des oströmischen Reiches

Als im Jahre 583 die erste Ansiedlung auf der Halbinsel mit dem markanten Felsen errichtet wurde, um die Menschen vor den Übergriffen der Slawen und Awaren zu schützen, konnte noch niemand ahnen, dass dieser hartnäckig verteidigte Hügel einst das wirklich letzte übriggebliebene Territorium des glanzvollen oströmischen Reiches sein wird, nachdem sich Piraten jeglichen Coleurs, Araber und Normannen jahrhundertelang ihre verfaulten Zähne an den dicken Mauern ausgebissen hatten. Erst den Franken gelang es, lange nach der Eroberung Konstantinopels, nach dreijähriger Belagerung, 1249 die Unabhängigkeit der letzten byzantinischen Stadt mit ihren unzähligen Kirchen und Kapellen zu beenden.

Bald darauf gaben sich Venezianer und Osmanen im ständigen Wechsel als Besatzer die Klinke in die Hand. Der Zerfall jedoch war nun nicht mehr aufzuhalten, und von den bis zu 25.000 Bewohnern zu Glanzzeiten der byzantinischen Epoche blieben Ende 1971 ganze 32 Ausharrende übrig.

Heute lockt Monemvasia Besucherscharen aus der ganzen Welt an, um in den Jahrhunderte alten Gassen zwischen den detailliert renovierten Gebäuden die Annehmlichkeiten stilvoller Gästehäuser und gemütlicher Tavernen zu genießen…

 

Die Wehrdörfer der Mani

Die raue und zerklüftete Halbinsel Mani, südlicher Ausläufer des schroffen Taygetos-Gebirges, war  immer schon ein Rückzugsgebiet vieler Menschen auf der Flucht vor Eroberern und Piraten. Die Unwegsamkeit machte die Halbinsel fast frei von äußeren Einflüssen und entwickelte so einen sehr eigenen Menschenschlag, verschlossen, stur und an alten Traditionen festhaltend.

Frei, wild und unberechenbar, aber untereinander hoffnungslos zerstritten und der Blutrache zugetan, verschanzten sie sich in ihren Wohn- und Wehrtürmen, um sich oft über Generationen hin zu bekämpfen. Nur bei Gefahr von außen hielten sie eisern zusammen.

Durch den fortscheitenden Bevölkerungsexodus verlieren sich die alten Traditionen jedoch immer mehr, die urigen Dörfer verfallen. Nur in den Sommermonaten belebt sich die außergewöhnlich beeindruckende Landschaft, wenn tausende Touristen sich auf die Suche nach der Vergangenheit machen…

 

Mystras

Als fränkische Heere im Rahmen der Kreuzzüge zu Beginn des 13. Jh. die Region eroberten, gründeten sie eine Burg auf dem markanten Hügel bei Sparta. Viele Bewohner Spartas siedelten sich daraufhin am Fuß der Festung an, und Mystras avancierte zum kulturellen Zentrum Lakoniens. Als Byzanz die Franken schließlich vertrieb, übernahmen byzantinische Prinzen die Stadt, bauten sie mit vielen Sakralbauten und Palästen aus und verhalfen ihr somit, die wohl bedeutendste Stadt nach Konstantinopel zu werden.

Selbst als die Osmanen die Stadt Mitte des 15. Jh. eroberten und erste Minarette zwischen den Kirchen und Klöstern auftauchten, behielt sie ihre wichtige Stellung. Auch das kurze Zwischenspiel venezianischer Herrschaft überstand sie schadlos. Erst gegen Ende des 18. Jh. begann der Glanz zu verblassen. Während des griechischen Freiheitskampfes schließlich wurde die Stadt so stark zerstört, dass man auf einen erneuten Wiederaufbau verzichtete und dafür das vor Jahrhunderten verlassene Sparta wieder belebte.

Viele der kulturell so bedeutenden Klöster, Kirchen und Basiliken sind noch gut erkennbar erhalten und laden heute zu umfangreichen Spaziergängen in historischer Umgebung ein.

 

Die Schlacht von Navarino

Anhaltende Zerstörungsfeldzüge der Osmanen nach der griechischen Unabhängigkeitserklärung und die damit einhergehende, grausame Behandlung der ansässigen Bevölkerung veranlassten die alliierten Mächte  Großbritannien, Frankreich und Russland im Sommer 1827, den Londoner Vertrag zu unterzeichnen, um gemeinsam gegen das Osmanische Reich Stärke zu zeigen. Die Türken beeindruckte dies jedoch nicht wirklich und sie zogen eine gewaltige Flotte in der Bucht von Navarino bei Pylos zusammen.

In der Nacht auf den 20. Oktober 1827 kam es dann zur entscheidenden Seeschlacht, übrigens die letzte in der Geschichte, die ausschließlich mit Segelschiffen ausgetragen wurde. 22 Schiffe der Alliierten trafen hierbei auf 78 Schiffe der Osmanen, von denen letztlich 60, samt rund 4.000 Mann Besatzung, im Lauf der Kämpfe versenkt werden konnten, während die Alliierten kein einziges Schiff verloren und lediglich 182 Gefallene zu beklagen hatten.

Diese vernichtende Niederlage markierte den Anfang vom Ende des Osmanischen Reiches, das nun international immer mehr in Bedrängnis geriet und schließlich an innerpolitischen Querelen zerbrach.

 

Das Massaker von Kalavrita

Mitte Oktober 1943 nahmen griechische Partisanen rund 80 deutsche Soldaten fest, die sie zwei Monate später erschossen, als sich die Wehrmacht in Bewegung setzte, um diese zu befreien und die Partisanen zu vernichten.

Daraufhin erging der Befehl zur schärften Form der Sühnemaßnahmen, im Rahmen dessen Kalavrita, 25 umliegende Dörfer und das nationale Heiligtum Kloster Agia Lavra völlig zerstört wurden. Nach der Zerstörung wurden alle Frauen und Kinder in der Schule eingesperrt, diese dann in Brand gesteckt. Alle Männer zwischen 15 und 65 Jahren wurden oberhalb des Ortes mit Maschinengewehrfeuer hingerichtet. Insgesamt wurden als Vergeltungsmaßnehme fast 700 unschuldige Menschen bestialisch ermordet…

Heute bemüht sich die Bevölkerung von Kalavrita, gemeinsam mit deutschen Besuchern, von denen sie gerne mehr begrüßen würden, die damaligen Geschehnisse gemeinsam aufzuarbeiten, damit solche Grausamkeiten für immer der Vergangenheit angehören mögen.

 

 

der schmale Kanal von Korinth
auf der Wanderung oberhalb des Lake Doksa
Vorbereitung zum selbstgesammelten Pilzgericht
Bergparadies Lake Doksa
herzliches Wiedersehen mit Kostas
emotionales Treffen mit Ritsa und Yannis
die Festungsstadt Monemvasia
mittelalterliches Ambiente in Monemvasia
malerisches Fischerdorf Skoutari, wie vor 30 Jahren...
historisches Mani-Dorf Vatia
traditionelle Wehr- und Wohntürme auf der Mani
altes Steinkirchlein
das ehemalige Piratennest Porto Kagio
Wanderung zum Kap Tenaro, dem (zweit-)südlichsten Punkt des europäischen Festlandes
Mystras, Schloss Villehardouin
Mystras, Palast der Despoten
manche Traumstrandzufahrt braucht Allrad...
historischer Leuchtturm von Methoni
bizarre Lousios-Schlucht mit versteckten Klöstern
malerisches Dorf Dimitsana

Europa - Griechenland / 6.Teil

04. September  – 17. Oktober 2020

Reisen ist anders geworden…

Der Sommer ist rum, soviel gebadet wie noch nie. Griechenland intensiv. Den Refrain der österreichischen Band S.T.S. „Irgendwann bleib i dann dort…“ aus einer Hommage an Griechenland im Kopf, nebulöse Bilder längst verflogener Jugendzeiten. Wir mühen uns manchmal, reisen ist bei uns eigentlich anders. Aber wir machen das Beste daraus…

 

Lefkas – und der Sommer geht…

Gibt es schönere Strand-Locations als die an der Westküste der Insel Lefkas, um einen tollen Sommer standesgemäß zu verabschieden? Endlos erscheinende, feinste Sandstrände, kitschig-türkisfarbenes Meer, soweit das Auge es erfassen kann, exponierte Standplätze ohne Touristenanstürme.

Wir frischen unsere hüllenlose Bräune ein letztes Mal auf, treffen nette Menschen ohne Corona-Einschränkungen, grillen leckeren Fisch und sehen jeden Abend einer den Horizont beherrschenden Sonne zu, wie sie sich gemächlich im Wasser abkühlt und verschwindet…

Ältere Semester erinnern sich vielleicht noch an die österreichische Band S.T.S. und ihre achtziger Jahre Hommage an Griechenland: „Irgendwann bleib i dann dort“. Hört mal wieder rein, und ihr könnt es fühlen…

 

Meteora einst und heute…

„Kommt man von den kühlen Höhen der umliegenden Gebirge hinunter in die thessalische Ebene, dann tauchen sie auf wie eine Fata Morgana – die Felsnadeln von Meteora. Selten ist Natur und Mensch ein stimmigerer Einklang gelungen, eine Symbiose, die einen staunen lässt und ehrfürchtig verharren. Wie Storchennester krönen die Kirchen und Klöster der sich hier vor hunderten von Jahren zurückgezogenen Mönche die senkrechten Felsen, unnahbar und unbezwingbar erscheinend...“

So hatten wir den Beginn unseres letzten Besuches im Jahre 2012 in unserem Buch beschrieben. Wir könnten es auch heute nicht besser erklären.

Und doch fällt es uns dieses Mal schwerer, Zugang zu dieser mystischen Landschaft zu finden. Es liegt an den unzähligen Besuchern. Doch die gab es hier ja immer schon, auch damals, vor acht Jahren. Was ist also anders? Sind wir empfindlicher geworden? Ungeduldiger gegenüber Oberflächlichkeiten? Unverständiger gegenüber verloren gegangenem Respekt?

Kaum einer der vielen Touristen findet wirklichen Zugang zu einer solch eindrucksvollen Mischung aus Natur und Kultur. Nur wenige nehmen sich die Zeit, ausgiebig herum zu wandern, in Ruhe auf einem Felsen zu verweilen, um die gesamte Szenerie aufzunehmen und zu begreifen.

Nein, das Wichtigste ist das Selfie geworden, in jeder erdenklichen Pose, die Schokoladenseiten affektiert in den Vordergrund geschoben. Die historischen Einzigartigkeiten verschwimmen unscharf irgendwo im Hintergrund, sind ja nicht wirklich wichtig. Pausenloses Geschnatter, Gejohle und Gelächter lies die sakrale Ruhe schon längst gen Himmel aufsteigen, Fragen wie: „Sag mal, was sind denn das hier alles für Gebäude?“, lassen uns an der Sinnhaftigkeit der Reise zweifeln. „Wie lange brauchen wir denn, um alles hier anzusehen, wir müssen heute nämlich noch weiter nach Athen…“ Zeit ist Mangelware…

Bedenklich auch der verloren gegangene Respekt vor den kirchlichen Bräuchen: „Die haben sich ja ganz schön affig hier, die lassen einen nicht mit kurzen Hosen rein. Das darf man inzwischen ja sogar im Kölner Dom!“ Und anstatt dem früher so stimmungsvollen zirpen der Zikaden und summen der Insekten zu lauschen, surren uns heute an jedem Panoramaplatz Drohnen um die Ohren, um jede noch so private Vertrautheit aus allen Perspektiven zu filmen. Gnadenlos werden die Klöster überflogen, das Verbot schert keinen der rücksichtlosen Flieger.

So schade…

 

Bergsteigen in Epirus

Pindos-Gebirge, Zagoria-Dörfer, Vikos-Schlucht, Smolikas, Tymfi-Massiv – die Liste attraktiver Wanderziele in dieser Region könnte noch lange so weitergehen! Unendlich scheinen die Möglichkeiten, auf Schusters Rappen diese wunderschönen Kultur- und Naturlandschaften zu entdecken.

Hier sind wir zuhause! Einsame Berge füllen den Horizont, abweisende Schluchten zerreißen die Landschaft, ausgestorben scheinen viele der halb verfallenden Dörfer, die sich unauffällige Nischen in den Wäldern suchen. Vorbei die aufkommende Eintönigkeit traumhafter Strände, die ermüdende Wiederholung langer Sommertage, die sich in fahlen Sonnenuntergängen verlieren.

Das zerklüftete Pindos-Gebirge teilt den Norden Griechenlands in zwei Hälften, die bis in unsere Zeiten hinein nur sehr beschwerlich zueinander finden konnten. Zu unüberwindlich waren die Flanken der abweisenden Schrunde, zu reißend die tosenden Wasser der anschwellenden Flüsse. Erst die Baukunst findiger Ingenieure ließ filigrane Bogenbrücken entstehen, die den Naturgewalten meist trotzen konnten, die entlegenen Provinzen erreichbar machten. Noch heute finden wir hunderte solch wegbereitende steinerne Zeugen längst vergangener Zeiten, oft im Schatten modernen Straßenbaus.

Sie schafften Zugang zu den Dörfern der Zagoria, einer Region, die lange in Vergessenheit geraten war. Doch die Menschen kapitulierten vor der Hoffnungslosigkeit des Überlebens, verließen ihre Höfe und Häuser, auf der Suche nach einem Auskommen. Nur die Alten blieben, bis sie starben. Das Schicksal hieß Zerfall. Heute sind die Menschen zurück, die Dörfer in traditionellem Stil wiederbelebt, dem Gast ein Augenschmaus. Heute verbinden Wanderwege die alten Siedlungen, überwinden auf historischen Bogenbrücken die tiefen Täler in den dichten Wäldern, erklimmen stürmische Pässe in lebensfeindlichen Höhen.

Fast tausend Meter unter uns verliert sich der Vikos, versickert im steinernen Boden, taucht unversehens wieder auf. Die von ihm geschaffene Schlucht ist die tiefste der Welt, der Blick über die zerrissene Natur atemberaubend. Weitere tausendfünfhundert Meter weiter oben recken sich die felsigen Gipfel des Tymfi-Massivs in den blauen Himmel, schroff und abweisend auf der einen, sanft und grasbewachsen auf der anderen Seite.

Über all dem thront der Smolikas, ein eher sanfter Kegel denn ein abweisender Berg. Sein angebotenes Gipfelpanorama umfasst den gesamten Norden Griechenlands bis weit hinein nach Albanien. Der stolze Gruß reicht hinüber zum Olymp, der neidisch herüberblickt in die von ihm nie erreichte Vielfältigkeit…

 

Feuersalamander

„Schau mal, hier, direkt vor uns, ein Feuersalamander! Und hier drüben, noch einer!“ Connys entzückte Ausrufe hallen durch den dichten Blätterwald, dessen satte Feuchtigkeit den hübsch gezeichneten Echsen ideale Lebensbedingungen beschert. Nur wenige Schritte später bücken wir uns erneut dem nassen Pfad zu: „Unglaublich, schon wieder einer!“ Langsam mühen sie sich durch das Halbdunkel, hilflose, kleine Kreaturen, die uns mit glupschigen Augen apathisch mustern. Der heftige Regen der vergangenen Nacht treibt die nachtaktiven Tierchen aus ihren Verstecken. Letztlich entdecken wir ein Dutzend dieser urzeitlichen Echsen, auch wenn sie in ihrem Tarnkleid nur sehr schwer zwischen den herbstlich verfärbten Blättern auszumachen sind…

 

Gedanken über das Reisen in diesen Zeiten…

Reisen, das war für uns immer das erstrebenswerteste, spannendste Erlebnis in den vergangenen Jahren, ja Jahrzehnten. Die tief in uns verwurzelte Neugier trieb uns hinaus, dabei unseren Horizont immer weiter nach hinten zu verschieben.

Aber jetzt, nach einem halben Jahr limitierter Freiheit, sorgloses Reisen noch im Kopf, in der Erinnerung – was ist geblieben vom Privileg, dieses Leben spüren zu dürfen?

Die ganze Welt hetzt einher zwischen Panikmache und Planlosigkeit, kein Tag vergeht ohne Gedanken an die Unwägbarkeiten der Zukunft: Was wird sein? Wie geht es weiter?

Reisten wir bisher für die Ereignisse der spontanen Augenblicke, so starren wir nun auf die uns täglich erreichenden Schreckensmeldungen der infektiösen Flutwelle, die unsere Freiheiten fortzuspülen droht. Jeder Versuch, den Quarantänewächtern zu entkommen scheitert kläglich am hilflosen Aktionismus Überforderter.

Die ganze Welt bebt; wir treideln verstört im Jetzt, wanken einer nebulösen Reisezukunft entgegen…

Reisen – was wird?

 

Porto Katsiki, eines der schönsten Buchten auf Lefkas
Meteora - Klöster wie Adlerhorste auf den Felsnadeln
Agia Triada, Kulisse für James Bond
Nonnenkloster Rousanou, filigran zwischen den mächtigen Felsen
wir genießen die Ausblicke aus den unterschiedlichen Perspektiven
Bergwandern im Pindos-Gebirge
alte und neue Verkehrswege erschließen das Pindos Gebirge
Zagoria-Dorf Papingo, die alte Dorfkirche
verwunschene Gassen in Micro Papingo
gigantische Vikos-Schlucht
Begegnung mit dem Feuersalamander
Aufstieg auf den Smolikas, 2.637 m
Blick hinüber auf das beeindruckende Tymfi-Massiv
Gämsen, die perfekten Kletterer
erster Schnee bei der Wanderung durchs Tymfi-Massiv
Blick zurück zum frisch verschneiten Smolikas

Europa - Griechenland / 7.Teil

18. Oktober bis 29. November 2020

Von den Höhen des Olymps geradewegs zum nächsten Lockdown…

Waren wir anfangs noch guter Dinge, den Rest des Jahres auch weiterhin aktiv genießen zu dürfen, macht uns die zweite Corona-Welle schon bald einen gehörigen Strich durch die Rechnung! Ein strikter Lockdown beamt uns zurück ins Frühjahr, in dem wir wochenlang uns praktisch nicht von der Stelle rühren durften. Doch diesmal umgehen wir die strengen Auflagen, wir sind vorbereitet…

 

Wieder mal auf den Olymp…

…mal sehen, was die alten griechischen Götter so treiben…

 

Über acht Jahre ist es inzwischen her, als wir bei unserem Start zu unserer Lebensreise auf dem Götterberg waren. Und wie damals, wollen wir natürlich alle vier Gipfel besteigen, insgesamt rund 2.000 Höhenmeter – und das Ganze natürlich als Tagestour. Macht sonst eigentlich niemand…

4:30 Uhr – Der Wecker trällert leise vor sich hin, aber wir sind schon wach. Motiviert schälen wir uns aus den Kissen, anziehen, packen, frühstücken - flutscht nur so…

5:50 Uhr – Die Bergstiefel sind geschnürt, die Rucksäcke geschultert. Unsere Stirnlampen brennen helle Löcher in den stockfinsteren Wald. Es geht los! Und wie es gleich losgeht, steil, sehr steil zieht sich der Pfad den Hang hinauf. Stoisch machen wir Höhenmeter, sehen können wir eh nix…

7:15 Uhr – Die Morgensonne zaubert ein orangefarbenes Band entlang dem Horizont über dem Meer, der Berg Athos steigt aus dem Dunst, was für ein Bild! Wenig später eine glutrote Sonne, die einen Traumtag ankündigt…

8:55 Uhr – Nach einem aussichtsreichen Gradaufstieg eine kurze Klettersteigeinlage – harmlos. Plötzlich vier Gämsen direkt vor uns, zwei Muttertiere mit jeweils einem Jungen! Und gar nicht scheu, lassen uns auf fünfzig Meter heran. Dann, nach dem Gipfel des Kalagia, das grasige Muses Plateau, darüber in der Morgensonne die mächtige, senkrecht aufragende Wand des Stefani. Wir sind schon fast ganz oben…

10:15 Uhr – Riesig erhebt sich die Gipfelwand des Stefani über uns, doch wir kennen den Weg durch die schroffige Rinne. Kurz vor dem Gipfel noch eine luftige Klettereinlage mit schwindelerregendem Tiefblick. Conny passt vernünftigerweise, ich klettere hoch, alles ganz easy. Der erste Gipfel auf 2.909 Metern ist erreicht…

12:00 Uhr – Der direkte Übergang vom Stefani zu Hauptgipfel Mytikas auf 2.917 Metern ist eine spannende, freie Kletterei im teilweise dritten Grad. Normalerweise nicht wirklich ein Problem, heute jedoch etwas knifflig. Schnee liegt auf den schmalen Trittkanten, es ist schnell rutschig, loses Gestein schwer als solches zu erkennen. Die Finger sind starr vor Kälte, hier kommt die Sonne nicht hin um diese Jahreszeit. Klettern ohne Ausrüstung kann schnell grenzwertig werden, auch wenn man die Route kennt. Oben ist alles vergessen…

13:45 Uhr – Nach der Mittagsrast auf dem Mytikas steigen wir auf felsigem Weg hinüber zum Skala, dann weiter zum Skolio, mit 2.911 Metern der zweithöchste der Vier – und der Aussichtsreichste! Die ganze Wucht der Gipfelwände vor uns, was für ein eindrucksvolles Bild! Und unter uns die halbe Welt…

14:10 Uhr – Der lange Abstieg ins Tal vor uns, 1.800 Meter runter, nach bereits acht Stunden Tour und vier Gipfeln in den Knochen. Doch wir sind noch fast beängstigend lebendig, keine Ermüdungserscheinungen. Und doch zieht es sich am Ende gewaltig…

17:30 Uhr – Manni in Sicht! Wir sind zurück. Elfeinhalb Stunden für die ganze Olymprunde samt aller vier Gipfel – stark! Keinen getroffen, der das gemacht hat. Von den alten Göttern haben wir auch niemanden gesehen, doch sie waren uns wohlgesonnen…

 

Die Griechen und ihre Umwelt…

Kopfschüttelnd stehen wir mal wieder vor einem Berg Müll, achtlos am Strand liegen gelassen. Wie zum Hohn bittet ein nett gemachtes Hinweisschild darum, keinen Müll liegen zu lassen…

Umweltschutz ist in diesem wunderschönen Land bedauerlicherweise noch lange nicht angekommen: kokelnder Plastikmüll, zusammengeknüllte Erfrischungstücher, weggeworfene Getränkedosen, zerbrochene Glasflaschen, tonnenweise Bauschutt und Gartenabfälle. Auf Schritt und Tritt stolpert man über die Hinterlassenschaften gedankenloser Zeitgenossen, niemand scheint sich daran zu stören. Straßenränder gleichen Abfallrinnen, Strände werden zu Deponien. Wilde Müllkippen zwischen Bioweinanbau und Trinkwasserspeichern. Überquellende Mülltonnen, achtlos abgestellter Elektronikschrott.

Nur sehr zögerlich erkennen einige Griechen, was sie ihrem Land antun. Vereinzelt sieht man vor allem jüngere Menschen, die versuchen, den entstandenen Schaden zu begrenzen. Doch vor allem die älteren Generationen denken überhaupt nicht darüber nach, was sie tun, wenn sie ihren Müll einfach irgendwo entsorgen.

So traurig…

 

Halali…

Die Morgendämmerung zieht so langsam über die angrenzenden Bergspitzen, der Vollmond leuchtet noch kräftig am Horizont, erste Vogelstimmen künden vom neuen Tag.

Plötzlich hallen Schüsse durch das friedliche Tal unter uns, ganze Salven, direkt neben uns, über uns, unter uns abgefeuert, lassen uns verstört aus den Kissen auffahren! Im Dämmerlicht schlendern Gestalten in Tarnanzügen, das Gewehr lässig in der Armbeuge, um Manni herum.

Ist Krieg ausgebrochen? Hat sich der östliche Nachbar dazu entschlossen, einzumarschieren? Ein vorsichtiger Blick über die Bettkante, hinaus auf das unheimliche Treiben, löst das Rätsel: ein halbes Dutzend Sonntagsjäger halten ihre Stellungen auf mitgebrachten Klappstühlchen, die Blicke starr in den Himmel gerichtet. Sobald irgendetwas flatternd aus dem Gebüsch emporschießt, wird fanatisch losgeballert. Die Chancen für den Vogel tendieren gegen Null, die geballten Schrotladungen lassen keine Ausweichmanöver zu. Im hilflos flatternden Sturzflug verendet das zerfetzte Tier…

Jagdsaison in Griechenland: sinnfreies, legalisiertes Abschlachten tausender Sing- und Hühnervögel, nur so zum Spaß, ist eine der beliebtesten Freizeitvergnügen ganzer Heerscharen von Möchtegern-Stadtguerillas. Wir müssen uns beherrschen, unseren Zorn nicht an den stolz die Beute einsammelnden Freizeitpartisanen auszulassen...

 

Lockdown zum Zweiten…

Am 7. November war es soweit, die griechische Regierung hat einen erneuten, dreiwöchigen strikten Lockdown beschlossen. Mit aufgefüllten Vorräten und einer Großpackung Klopapier verkrümeln wir uns in die nahen Berge…

Tag 1: Zumindest die Sonne kommt wie jeden Tag ungehindert über den Horizont, sie muss sich nicht per SMS rechtfertigen, warum sie aufgeht…

Tag 2: Wir cruisen entspannt durch die Agrafa-Berge, genießen phantastische Ausblicke, die herbstliche Farben zaubern, die wenigen Menschen unterwegs winken freundlich, schenken uns heiße Maroni und geröstete Walnüsse. Mundschutz trägt hier niemand…

Tag 3: Vor uns der Tymfristos, unser nächstes Gipfelziel. Wir fahren zum Ausgangspunkt der Wanderung, doch es ist uns zu wolkig, wir verschieben die Tour auf morgen…

Tag 4 und 5: Bauer, Förster und Schäfer grüßen uns, doch statt besser, ist das Wetter schlechter geworden, Nebenschwaden wabern um uns, vom Berg nix mehr zu sehen, also warten. Haben ja Zeit, ist ja Lockdown…

Tag 6: Wetter passt wieder, der Berg ist rasch bezwungen, natürlich alleine auf weiter Flur. Aber das wären wir sicher auch ohne Lockdown, bei der Bergbegeisterung der Griechen…

Tag 7: Einkaufsfahrt nach Karpenisi, Polizeikontrolle am Stadteingang. Alles bestens, wir sind ja vorbereitet mit dem notwendigen Formular, sie lassen uns ziehen…

Tag 8: Wieder unbehelligt auf Bergtour, keinen Menschen interessiert es, dass wir hier rumlaufen, trotz Lockdown…

Tag 9 und 10: Nach einem Ruhetag mit großer Wäsche noch eine Bergtour, wir treffen sogar griechische Wanderer, auf der Flucht vor dem ganzen Irrsinn…

Tag 11 und 12: Ruhetag. Einsetzender Regen. Im Internet lesen wir von zunehmender häuslicher Gewalt, können wir bestätigen…

Tag 13: Einkaufsfahrt nach Karpenisi. Weiterfahrt durch das Prousou-Tal zum Kloster. Alles ohne Probleme…

Tag 14: Über den Berg in eine andere Provinz, eigentlich verboten, aber natürlich keine Kontrolle hier oben. Und eine abenteuerliche Bergtour zum Abschluss…

Tag 15: Raus aus den Bergen, der Schnee kommt. Und die Kälte. Also runter an den Trichonida-See. Deutlich wärmer hier. Sehr freundlicher Empfang von allen Seiten. Mundschutz? Abstandsregeln? Abwinken…

Tag 16 - 21: Wir bekommen tonnenweise Früchte geschenkt, Orangen, Mandarinen, Zitronen, Kakis, Granatäpfel… Vom Nachbarn gibt`s Stromanschluss, von der Taverne ums Eck Wifi, wir werden zum Grillen eingeladen. Hier bleiben wir, besser können wir es nicht treffen für die leidige Lockdown-Zeit… Diese wird jetzt nochmals um eine Woche verlängert, hat bisher noch keine befriedigenden Ergebnisse gebracht. Macht nix, hat uns bisher ja nicht weiter eingeschränkt…

Tag 22 - 23: Einkaufsfahrt nach Agrinio, Kühlschrank füllen und Gasflasche tauschen, alles ohne Probleme, keine Kontrollen. Weiterfahrt nach Etoliko, nur einen Streifenwagen mit lustloser Besatzung gesichtet, also Reisen wie immer…

 

Fortsetzung folgt…

 

 

Aufstieg zu den Gipfeln des Olymp
Gämsen fast auf Tuchfühlung
Alle vier Olympgipfel geschafft!
Umweltfrevel in Griechenland
Agia Paraskevi, geschmückt von buntem Herbstlaub
auf dem Weg zu unserem Gipfelziel, dem Avgo
herrliche Rundumsicht vom Gipfel des Avgo
historische Steinbogenbrücke von Paleokarya
Bogenbrücke Kamara bei Pyli
byzantinisches Kloster Porta Panagia
verwunschener Klostergarten
Herbstfarben in den Agrafa Bergen
häusliche Gewalt im Lockdown: Ellbogen trifft Auge...
Eisgras - Zauber der Natur
Kirchlein im Prousou-Tal
traumhafter Herbstwald im Prousou-Tal
exponiert gelegenes Kloster Prousou
Früchteparadies am Trichonida-See

Europa - Griechenland / 8.Teil

30. November 2020 – 14. Januar 2021

Überwintern auf dem Peloponnes

Das hätten wir uns auch nicht träumen lassen, dass wir eines Tages zu den Überwinterern in Europas Süden gehören! Reisen fand bei uns eigentlich immer anders statt. Doch die gegebenen Umstände bringen so manches durcheinander…

Gestrandete Weltenbummler

„Eigentlich waren wir auf dem Weg nach Marokko!“

„Unser Ziel war eine große Runde durch Zentralasien…“

„Wir hatten den Frachter nach Südamerika schon gebucht, jetzt sitzen wir hier am Strand in Griechenland!“

„Unser Ziel war eigentlich Überwintern im Oman, nicht hier…“

Unsere illustre Runde drückt sich näher an die wärmende Feuertonne, die flackernden Flammen werfen ein gespenstisches Licht über die verkrüppelten Pinien hinter uns. Seit Monaten harren wir also in bester Gesellschaft im Südosten Europas aus, immer bereit, bei der ersten Grenzöffnung die Laster anzuwerfen und vom Dauercamper wieder zum Reisenden zu mutieren.

Doch die Aussichten sind eher düster. „Vor Mitte des Jahres geht da eh nix!“ Optimismus? „Erst müssen wir uns alle impfen lassen, vorher lassen sie uns nicht über die Grenzen.“ Hoffnung?

Erfreulicherweise schränkt uns der seit Wochen herrschende, eigentlich strikte Lockdown nicht wirklich ein. Wir können uns nahezu unbehelligt im Land bewegen, wir haben das Gefühl, die Polizei drückt bei ausländischen Campern inzwischen beide Augen zu. Wo wir auch stehen, sowohl die Ordnungshüter als auch die Anwohner sind ausgesprochen freundlich zu uns. Das Wetter meint es meist gut mit uns, nur selten zwingen uns Regentage das Indoorleben auf. Badefreuden an Weihnachten, Morgensport in kurzen Hosen, Sonnenplätzchen am Strand – und das alles im Dezember und Januar!

Seien wir doch mal ehrlich: es gibt wirklich schlimmere Plätze, um eine ausgebremste Weltreise ertragen zu müssen!

Wieviel Laster braucht der (reisende) Mensch…?

In den letzten Jahren trafen wir auf die unterschiedlichsten Reisekonzepte und Reisefahrzeuge. Interessant war dabei für uns immer, auf wieviel mobilen Quadratmetern tummeln sich wie viele Menschen. Und wann ist die Wohlfühlgrenze spürbar unterschritten…

Da ist zum Beispiel die fünfköpfige Familie, die sich in einen ausgebauten Kastenwagen zwängt und die kuschelige Nähe nicht als störend empfindet. Oder das wohlsituierte Paar, das komfortabel im Dreiachser logiert, aber gerne auch die Großzügigkeit einer Hotelsuite genießt. Wir stellen fest, Wohn- und Nutzfläche kann und wird sehr subjektiv wahrgenommen.

Wir begegnen Travellern, die schwören auf Beweglichkeit; jede Gasse, jede Düne muss mit dem Gefährt zu bewältigen sein, Komfort und Stauraum gerät zur Nebensächlichkeit. Und wir lernen Alleinreisende kennen, denen vier Achsen gerade ausreichen, den zum Leben notwendig empfundenen Raum zu bewegen, sich dabei aber durchaus bewusst sind, dass das Reisen an sich nur noch auf Hauptstraßen stattfindet und die Umgebung dann mittels mitgeführtem Quad erkundet wird.

Historisches Alteisen, das ohne Lenkkraftunterstützung von ölverkrusteten Schrauberhänden schweißtreibend um Hindernisse gekurbelt wird und dessen Fahrerhauslärmbelastung einem startenden Flugzeug nahekommt, sichten wir ebenso wie computergesteuerte High-Tech-Boliden, die sich hochglanzpoliert auf die ersten Dornenbüsche am Pistenrand freuen und deren Piloten dabei fast einen Nervenzusammenbruch erleiden.

Und wir sind auf Besuch in liebevoll umgebauten Bundeswehrscheltern, deren Stehhöhe meist am Schulterblatt mitteleuropäischer Durchschnittsmenschen endet, aber wir bewundern auch hydraulisch ausfahrbare erste Etagen, die einem das vertraute Wohngefühl geräumiger Doppelhaushälften vermitteln.

Nun, es ist vollkommen gleichgültig, für welchen Weg sich der Reisende letztlich entscheidet. Hauptsache ist es, unterwegs zu sein! Viele dieser Reisenden könnt Ihr auf unserer homepage unter „begegnungen“ kennenlernen…

 

 

romantische Atmosphäre in Kryoneri
Stellplatz unter der Kletterwand in Kryoneri
Weihnachtsschwimmen
Wie viel Laster braucht der Mensch?
Kastro Chlemoutsi bei Kyllini
schneebedeckte Gipfel im Taygetos Gebirge
Frühlingserwachen?

Europa - Griechenland / 9.Teil

15. Januar – 25. Februar 2021

Ein erster Hauch von Sommer …

Der Winter meint es dieses Jahr wirklich gnädig mit uns. Nur an wenigen Tagen blies uns kalter Wind um die Ohren, auch die Niederschläge waren eher übersichtlich. Und Schnee gab`s nur weit oben in den Bergen. Nun erfreuen uns bereits bunte Blumenteppiche, saftig grüne Wiesen und viele spießende Knospen!

 

Seit Anfang November befindet sich ganz Griechenland im strikten Lockdown. Also bereits vier unfassbare Monate lang! Während wir uns, als durch das Land reisende Gäste, an der grenzenlosen Toleranz von Behörden und Einwohnern erfreuen, haben die Griechen selbst die Lockdown-Faxen langsam dick:

„Sie verbieten uns sogar das Fischen!“ Der Ärger der Betroffenen ist riesig, fischen ist hier  Lebensphilosophie. „Denken die in Athen, dass die Fische auch Corona haben oder was?“ Kopfschütteln und Unverständnis allerorten…

„Wir hatten bisher noch nicht einen Fall von Corona bei uns im Dorf! Warum darf ich meinen Laden nicht aufmachen?“ Die Akzeptanz der Regeln bröckelt. „Ist mir doch egal, was die in Athen beschließen!“

„Sieh Dir das an, sogar die Spielplätze haben sie verriegelt!“ Eifrig heben Eltern ihre Sprösslinge über den Zaun und das abgesperrte Tor. „Soll doch einer kommen und unseren Kindern das Spielen verbieten!“

„Ich lasse jetzt mein Geschäft offen, komme was wolle! Wenn ich nichts verkaufen darf, dann habe ich kein Einkommen. Wovon soll denn meine Familie leben?“ Die Boutiquebesitzerin verschränkt trotzig ihre Arme vor der Brust. „Die sollen wagen, mich zu betrafen!“

„Natürlich lassen wir unsere Kinder zusammenkommen. Die verkümmern doch sonst und uns gehen sie tierisch auf die Nerven.“ Überall finden sich kleine Gruppen von Teenagern zusammen, um gemeinsam die Abende bis zur Ausgangssperre zu verbringen. „In der Schule sind sie doch jetzt auch wieder zusammen!“

„Kalimera! Kommt her! Das Grillgut ist gerade fertig! Wollt ihr einen Becher Wein dazu?“ Die Geburtstagsrunde in der Dorfschreinerei, gleich hinter der Polizeistation, lädt uns spontan ein. „Keine Angst, sind alle gesund hier …“

 

Klar, die Menschen sind es leid. Griechenland ist verhältnismäßig moderat von der Pandemie betroffen. Und 80 % aller registrierten Fälle betreffen die Ballungszentren um Athen, Thessaloniki und Patras. Kein Wunder, dass in den Dörfern, in den dünn besiedelten Regionen und in den Bergen der Unmut wächst. Hier sehen wir auch kaum Mundschutz auf den Straßen, und wenn, dann eher lässig um das Kinn drapiert, um schnell reagieren zu können, wenn die Ordnungsmacht sich blicken lässt. Denn vor denen haben sie schon Respekt. Doch auch so mancher Polizist schert sich nicht weiter um solche Vorschriften. Und wenn dann auch noch der Herr Ministerpräsident beim Mittagessen mit dreißig Gästen ohne Einhaltung der von seiner Regierung aufgestellten Regeln heimlich gefilmt wird, dann sind die Hellenen mit ihrer Geduld so ziemlich am Ende.

Für die notleidenden Kleinunternehmer gibt es staatliche Finanzhilfe. Die ist an das letztjährige, zum Versteuern angegebene Einkommen gebunden. Und hier beginnen nun die Probleme: „Warum bekomme ich nur so wenig Unterstützung? Ich habe doch viel mehr Umsatz im letzten Jahr gemacht!“ Der zuständige Beamte zückt mit den Schultern. „Nun, Dimitri, du hast nicht mehr angegeben, damit du nicht so viele Steuern bezahlen musst.“ Dimitri bockt ein wenig, scharrt ungeduldig mit den Füßen. „Aber das machen wir doch alle so …“ Der Beamte lächelt etwas verschmitzt. „Nun, diesmal ging der Schuss für euch eben mal nach hinten los …“

 

Uns gegenüber sind die Griechen nach wie vor unglaublich freundlich. „Kalimera“, klopft es wieder einmal an unsere Türe. „Hier, ich habe Fisch gegrillt, der ist für euch. Und in der Flasche ist Selbstgebrannter! Lasst es euch schmecken.“

„Bitte nehmt, soviel ihr wollt. Die Früchte verfaulen sonst sowieso.“ Die Nachbarin lädt uns ein, das Fallobst einzusammeln. „Und wenn es nicht reicht, dann pflückt euch noch mehr!“

Selbst mit der Polizei hatten wir noch nie Ärger. Denn eigentlich sind wir ja unerlaubt im Land unterwegs, wechseln ständig verbotenerweise zwischen den Amtsbezirken hin und her, campen wild an den schönsten Plätzen, und fahren  mit dem fürs Einkaufen notwendigen, ausgefüllten Formular umher, auch wenn wir gerade garantiert keinen Supermarkt anlaufen. Die Beamten sind ausnehmend zurückhaltend, wenn sie uns sehen, grüßen oder winken sogar zurück, wenn wir sie bemerken.

Doch wir wissen, dass es nicht allen Reisenden und Campern immer so entspannt ergangen ist. So manch einer bekam schon eine kostenpflichtige Verwarnung verpasst, wenn er zu offensichtlich die einzuhaltenden Regeln ignorierte. Und was Wunder, rotten sich doch immer wieder, natürlich unter Missachtung der einschlägigen Regeln, ganze Van-Life-Gruppen zusammen und wundern sich dann, wenn Bevölkerung und Ordnungsmacht einschreiten.

 

Nach einem Jahr freiem und unkompliziertem Reisen in Griechenland ist es für uns an der Zeit, einmal Danke zu sagen. Für die Gastfreundschaft, für das Verständnis, für die Toleranz. Es ist beileibe nicht selbstverständlich, wie wir hier aufgenommen werden und uns frei bewegen dürfen, während die Griechen selbst streng kontrolliert und gegängelt werden. Dies wissen wir sehr zu schätzen!

So, und jetzt hoffen wir, gemeinsam mit unseren netten Gastgebern überall im Land, dass der ganze Irrsinn bald ein Ende findet und sich das Leben wieder in normaleren Bahnen einpendelt…

Alte Kirche von Kardamyli vor dem Taygetos Gebirge
Historisches Kardamyli
Perfektes Bühnenbild mit frisch verschneitem Profitis Ilias
Ausblicke von der Wanderung hoch über Kardamyli
Herrliche Küstenabschnitte auf der Halbinsel Mani
Traumplatz mit Aussicht
Dörfer kleben wie Adlerhorste auf steil abfallenden Felsen
Gestrandeter Frachter in der Bucht von Gythion
Kloster Agios Nikolaos Sintza in exponierter Lage
Morgenstimmung im Naturpark Moustrou
Herrliche Mandelblüte
Bucht von Ermioni

Europa - Griechenland / 10.Teil

26. Februar – 5. April 2021

Ein Jahr in Griechenland!

Als wir im Februar 2020 von der Türkei kommend in Griechenland einreisten, ahnten wir noch nicht, dass sich die Welt vollkommen verändern wird. Von Restriktionen ausgebremst und damit unserer Reisefreiheit beraubt, fügten wir uns den gegebenen Umständen und machten das Beste daraus. Doch so langsam brauchen wir Tapetenwechsel …

 

Sie sind wieder da!

Vor genau 2.500 Jahren beschloss Perserkönig Xerxes der Erste, die griechischen Stadtstaaten in die Schranken zu weisen. Mit bis zu 50.000 Soldaten und Söldnern aus allen Ländern des damaligen persischen Einflussgebietes machte er sich auf den langen Fußmarsch durch Kleinasien und Mazedonien, eine Schneise der Zerstörung und Plünderung hinter sich lassend.

Südlich der heutigen Stadt Lamia, als die große Meeresbucht noch bis an die bewaldeten und unbezwingbaren Bergflanken des Kallidromos-Gebirges heranreichte, stoppte ein natürlicher Engpass, die Thermophylen mit ihren warmen Schwefelquellen, ihren Vorwärtsdrang. Den hier teilweise nur acht Meter breiten Durchlass sicherte König Leonidas mit seinen Spartanern und deren Verbündeten aus Athen und Theben. Erst als den Persern eine Umgehungsmöglichkeit durch die Berge verraten wurde, gelang es ihnen, Leonidas und seine Mannen zu vernichten, und sie konnten weiter in Richtung Athen marschieren.

In der Seeschlacht von Salamis gelang es den vereinten Kräften des attischen Bundes jedoch, die Angreifer letztlich zu vernichten, und so das europäische Abendland vor einer orientalischen Invasion zu bewahren.

Nun, 2.500 Jahre später sind sie wieder da! Direkt an den warmen Schwefelquellen der Thermophylen gibt es nach jahrhundertelanger Versandung der Meeresbucht zwar keine natürliche Engstelle mehr, Autobahn und Bahnlinie schneiden sich hier inzwischen durch das Schwemmland. Aber aus den ehemaligen Gemäuern thermaler Hotellerie ist ein Auffanglager für Asylsuchende geworden. Und hier tummeln sich nun mehrere hundert Menschen aus genau jenen Regionen, aus denen vor 2.500 Jahren ihre Vorfahren eingefallen sind. Friedlich sind sie, und geduldig warten sie auf ihre Weiterreisemöglichkeit. Doch nicht nach Athen, wie ihre Ahnen, wollen sie, wie wir in Gesprächen mit ihnen erfahren. Nein, ihr Ziel ist Germanien … 

 

Manni wird fitgemacht

Seit nunmehr neun Jahren leben wir im Laster, 200.000 Kilometer haben wir seither unter die Räder genommen. Das hinterlässt Spuren.

Wer bremst, verliert! Mit dieser (nicht ganz ernst zu nehmenden) Maxime hielten unsere Bremsbeläge 230.000 Kilometer durch. Neu besohlt, bremst Manni nun wieder wie er soll.

Der Winter hat es uns aufgezeigt - bei schräg stehender Sonne und mehrheitlich bedecktem Himmel ist unsere Solarkapazität nicht ausreichend. Also rüsten wir auf, von 430 W auf nunmehr 720 W.

Steinschläge und salzige Gischt bedeckten so manche Stelle am Unterboden und Rahmen mit einem ersten Anflug von Rost. Unter dem Motto „wehret den Anfängen“ rückten wir diesen zu Leibe und verpassten Manni eine schützende Schicht auf die betroffenen Teile.

Die Gummidichtungen der Eingangstür und der Stauklappen lösen sich so langsam in einzelne Bestandteile auf. Wir ersetzen sie komplett.

Die Mückenschutzgitter der Fenster fingen an zu reißen, sie sind spröde geworden im Lauf der vielen Jahre. Nach und nach wechseln wir sie nun.

Unsere Tiefkühltruhe ist nach über zehn Jahren Dauerbetrieb undicht, wir bestellen eine Neue, diesmal bei Kissmann in München. Dort steht sie nun und wartet auf einen sich anbietenden Transport zu uns. Aber den neuen, extrem leisen Lüfter bauen wir schon mal ein.

Die Mischbatterie der Außendusche hat sich aufgelöst. Auch hier gibt es Ersatz, alles wieder dicht.

So, jetzt strahlt er wieder! Und wir hoffen, bald wieder richtig reisen zu dürfen …

 

 

Romantischer Sonnenaufgang in Epidauros
Idyllische Atmosphäre in Livadia
Vom Kurhotel zum Asylantenheim
Blumenteppiche lassen den Winter vergessen
Verschlafenes Achillio
Die Störche sind zurückgekehrt!
Voller Einsatz zu Mannis Bestem

Europa - Griechenland / 11.Teil

07. April  - 06. Mai 2021

Die letzten Tage in Griechenland …

Am Ende wurden es rund 400 Tage! Doch jetzt ist es gut, wir wechseln das Land. Bulgarien ist unser nächstes Ziel, wenn auch nur für kurze Zeit, denn eigentlich wollen wir nach Rumänien. Dort waren wir noch nie, und wir haben Lust auf Neues!

 

Unser Afrika-Buch nimmt Form an!

Drei lange Wochen sitzen wir buchstäblich auf Kohlen! Unsere Buchdruckerei hatte die Digitalproofs, also die ersten Andrucke, auf den Postweg gebracht, damit wir entscheiden können, ob die Wiedergabe der Bildqualität dem entspricht, was wir uns vorstellen. Leider haben wir nicht bedacht, dass die griechische Post auch im 21. Jahrhundert die Zustellung anscheinend per Postkutsche abwickelt …

Wir verbringen die Tage des ungeduldigen Wartens an unterschiedlichen Plätzen südlich von Thessaloniki, treffen immer wieder mal andere Reisende und harren der Postzustellung …

Als wir die Digitalproofs dann endlich in unseren Händen halten, fallen natürlich noch ein paar Nachbesserungen an. Auch die letzten Lektorats-Korrekturen sind inzwischen abgearbeitet, letzte Layout-Verbesserungen optimiert.

Und dann ist er da, der große Tag der Entscheidung: In der Druckerei Zschiesche in Zwickau liegt der erste originale Offset-Druckbogen zur finalen Prüfung auf dem Tisch! Connys Vater und Bruder Markus haben nun die verantwortungsschwere Entscheidung zu treffen, ob es passt. Wir sind zugeschaltet, und erfahren es aus erster Hand – nur noch ein klein wenig mehr Farbsättigung hier, ein wenig weicher dort – und es passt!

Der Startschuss fällt in zirka zwei Wochen, dann spuckt die Druckmaschine 1.600 Exemplare unseres Buches „Sehnsucht Afrika“ aus! Zwei Kilogramm spannendes und buntes Afrika, im Hardcover gebunden, 540 tolle Farbaufnahmen auf 432 Seiten. Freut Euch darauf!

 

Der kleine Shooting-Star

Wir stehen an einem für eine Großstadt typischen Strandabschnitt. Eingerahmt von hässlichen Gewerbehallen und internationalem Flughafen, garniert mit buntem Plastikmüll und benutzten, verrottungsresistenten Feuchttüchern, bietet uns die Frühlingswiese am grünlich-algigen Meeressaum ein überraschend ruhiges Umfeld.

Doch heute ist irgendetwas buchstäblich im Busch! Ein halbes Dutzend Fotografen schieben sich mit mächtigen Objektiven immer näher an ein stacheliges Gestrüpp heran, die Serienbilderauslösungen rattern ununterbrochen. „Ich geh mal gucken, was es da so Aufregendes zu sehen gibt!“ Conny schnappt sich ihre dagegen antiquierte Ausrüstung, um sich der Gruppenpirsch anzuschießen.

Überrascht und auch etwas belustigt findet sie einen kleinen, völlig unscheinbaren, sandfarbenen Vogel vor, der auf Futtersuche rastlos hin und her hüpft. Das ist der Grund für die schier ausflippenden Ornithologen?

Begeistert klären sie uns auf: Es ist ein Singvögelchen, die Wüstengrasmücke, auch Sylvia Nana genannt. Und es ist die erste Sichtung dieses Vogels in Griechenland! Normalerweise lebt er in den trockenen Halbwüsten Nordafrikas oder in den Steppen Zentralasiens nördlich des Kaspischen Meeres. Und nun hüpft er hier zwischen den Pfützen der nächtlichen Regenschauer umher. Was ihn wohl hierher getrieben hat?

 

Naturparadies

Am Lake Kerkini überraschen uns hunderte Pelikane, die in großen Verbänden majestätisch über der Wasserfläche kreisen, sich von der Thermik weit nach oben schrauben lassen, oder gelangweilt im See vor sich hin dümpeln. Kormorane und Reiher, Störche und viele weitere Wasservögel tummeln sich entlang der grasigen Ufer.

Wir finden einen tollen Platz zum Beobachten der Tierwelt, während unaufhörlich bimmelnde Kühe um uns herum die Weideflächen abarbeiten und immer wieder große Herden von Pferden zum Wasser galoppieren.

Am Horizont glitzern bereits die schneebedeckten Gipfel des Pirin-Gebirges zu uns herüber und locken uns nach Bulgarien, unserem nächsten Reiseziel …

 

 

Connys Vater beurteilt mit Herrn Leistner die Druckbögen in der Druckerei
Ein Fleck Natur am Rande der Großstadt
Sonnenuntergang mit Gewitterstimmung
Sylvia Nanna - der Shooting Star Griechenlands
Pferde am Lake Kerkini, im Hintergrund die verschneiten Berge Bulgariens
Viele Pelikane und andere Wasservögel tummeln sich am See
... Saubere Wasserlandung!
Idyllischer Platz am Lake Kerkini

Europa - Bulgarien

07. Mai – 31. Mai 2021

Wir reisen wieder …

Endlich wieder eine Grenze, ein neues Land vor uns. Bulgarien. Unsere letzten Besuche hier waren noch in der kommunistischen Zeit, in den achtziger Jahren. Inzwischen ist Bulgarien Familienmitglied der Europäischen Union. Mal sehen, was uns jetzt hier erwartet …

 

Freiheit!

Die bulgarischen Beamten genießen gerade eine Tüte Eiscreme, als wir unsere Dokumente anreichen. Äußerst freundlich werden wir empfangen und mit besten Wünschen für einen schönen Aufenthalt weitergewinkt.

Gleich nach der Grenze verlassen wir die mautpflichtige Schnellstraße und machen uns auf den Weg durch die liebliche Hügellandschaft hinauf nach Melnik. Schon im ersten Dorf hat uns die postkommunistische Wirklichkeit eingeholt: verfallene Häuser und schlaglochgesäumte Straßen.

Melnik dagegen ist fein herausgeputzt, ist es doch das Zentrum bulgarischen Weinanbaus. Und wir sind überrascht, wie viele Menschen sich hier zwischen den schön renovierten Häusern tummeln, in den Terrassenlokalen der Weinlokale Speis und Trank genießen. Und wir blicken wieder in lachende Gesichter, nicht in misstrauische Augen über bazillengetränkten Gesichtsmasken! Wie gut tut die Normalität auf den Straßen!

Alle Läden haben geöffnet, die Hotels sind gut besucht, überall wird zur Weinverkostung in alten Steingewölben zwischen Holzfässern aufgefordert. Das Ambiente ist großartig, nur der gekelterte Landwein kann letztlich nicht halten, was die Plakate versprechen …

Nicht weit von Melnik wacht das ehrwürdige Kloster Rozhen seit mehr als 1.000 Jahren über das Land. Es ist ein Ort der Ruhe und Andacht, filigran in seinen Details und historisch wertvoll mit vielen Originalfresken aus dem 15. Jh. 

Der Blick schweift weit hinein ins Land, entdeckt die skurrilen Sandsteinformationen in üppig grünen Wäldern und Wiesen. Eine nette Wanderung lässt immer neue, vom Wasser ausgewaschene Pyramiden und Steilwände auftauchen, auch das uralte Kloster lohnt einen Besuch.

Schon nach einem Tag in Bulgarien sind wir von einer schon länger nicht mehr gekannten Wohlfühlatmosphäre gefangen: keine Maskenpflicht, keine einschränkenden Restriktionen, keine Kontrollen, keine Passierdokumente, kein Campingverbot.

Freiheit eben …

 

Museumsstadt Melnik

Ausgewaschene Erdpyramiden und skurrile Sandsteinpfeiler prägen das Umland von Melnik. Weithin sichtbar heben sich die sandfarbenen Gebilde von den dunkelgrünen Hängen ab. Wind und Wetter formen sie ständig um, verändern das Gesamtensemble dieser bühnenreifen Inszenierung.

Melnik ist eine der geschichtsträchtigsten Städte Bulgariens. Die Historie reicht weit zurück, Thraker, Römer, Slawen, Bulgaren, Byzantiner, Osmanen und Griechen prägten das urbane Leben über viele Jahrtausende. Mehrfach durch Erdbeben und feindliche Übergriffe zerstört, doch immer wieder aufgebaut, wohnten um 1880 rund 22.000 Menschen in Melnik, damals einer der größten Städte Bulgariens. Die Verlagerung der Handelswege beschleunigte den Niedergang, und als die Griechen nach dem Balkankrieg und der daraus resultierenden territorialen Neusortierung 1913 abwandern mussten, verfielen Häuser und Kirchen.

Heute ist Melnik eine kleine Museumsstadt, schön restauriert und als Zentrum bulgarischer Weinkultur ein gerne besuchter Ort. Nur noch etwa 160 Menschen leben heute hier, und sie leben gut vom Tourismus …

 

Die Rhodopen

Nebel wabern über die sanften Hänge, Regentropfen glitzern in den sich einen Weg bahnenden Sonnenstrahlen. Ein Dudelsack formt fremde Töne, die Melodie schwingt durch die klare Luft, die Melancholie passt zur Stimmung. Unsere Blicke schweifen über eine nahezu unbekannte Region, hier am Rand Europas.

Dicht bewaldet, dünn besiedelt, die Natur ungebändigt und wild, so prägen die bis zu 2.200 Meter hohen Rhodopen das Grenzgebiet zwischen Griechenland und Bulgarien.

Üppig grüne Wiesen umschließen die wenigen Dörfer, schroffe Felsklippen ragen zwischen den dunklen Nadelwäldern empor. Versteckte Seen warten auf Besucher, tiefe Schluchten und geheimnisvolle Höhlen locken zum Entdecken. Fast 2.000 verschiedene Pflanzen und rund 300 Vogelarten bereichern Flora und Fauna.

Zwei Wochen lang wandern wir durch diese so ursprünglich gebliebene Region, entdecken immer wieder tolle Plätze zum Verweilen, stoßen auf historische Relikte und authentische Dörfer. Das Leben hier geht seinen Gang scheinbar unverändert langsam, die Hektik des Alltags bleibt außen vor.

Pomaken heißen die muslimischen Bewohner im westlichen Teil, der Osten ist mehrheitlich türkisch. Minarette prägen das dörfliche Bild, der Ruf des Muezzins schallt zu den Gebetsstunden durch die Täler. Friedlich leben hier die verschiedenen Ethnien und Religionsgemeinschaften zusammen, sie wundern sich, warum dies anderswo nicht ebenso funktioniert.

 

Die Felsenkirchen entlang des Rusenski Lom

Liebliche Hügellandschaften, üppige Felder, Sonnenblumen. Nichts weist darauf hin, dass sich hier das Flüsschen Lom wild mäandernd tief in die fruchtbare Erde gegraben hat. Dabei wurden viele Kilometer Felswände freigespült, in die Mönche vor eintausend Jahren begannen, einfache Felsenkirchen, Höhlenklöster und spartanische Einsiedeleien in den weichen Kalkstein zu schlagen. Die Wände und Decken schmückten sie mit bunten Wandmalereien, die als herausragende Meisterwerke mittelalterlicher bulgarischer Kunst gelten. Nach der Eroberung des Zweiten Bulgarischen Reiches durch die Osmanen Ende des 14. Jh. verfielen die Anlagen und gerieten in Vergessenheit.

Nur in den Höhlenkirchen von Ivanovo und Basarbovo sind diese uralten Fresken erhalten geblieben und inzwischen so konserviert, dass sie der Nachwelt erhalten bleiben. Heute gehören die verlassenen Klöster zur Mönchsgemeinschaft von Athos in Griechenland und sind zu einem beliebten Ausflugsziel frommer und historisch interessierter Besucher geworden.

 

 

Traditionelle Fachwerkhäuser in Melnik
Sandsteinformationen im Tal von Melnik
Im Kloster Rozhen
Alte Wandmalereien im Kloster Rozhen
Geile Bergtour auf den Khambartash im Pirin Gebirge
Die Krokusse haben beschlossen: Es ist Frühling!
Verfallendes Dorf Pirin, hier leben tatsächlich noch Leute drin!
Fahrt durch ein herrliches Tal der Rhodopen nach Yagodina
Romantische Morgenstimmung in den Rhodopen
Die Teufelsbrücke bei Ardino
Schlafplatz mit Rosenduft
Felsmalereien im Felsenkloster Basarbovo

Europa - Rumänien / 1. Teil

01.– 20. Juni 2021

Auf nach Rumänien!

Es gibt sie tatsächlich noch, Länder in Europa, die wir noch nicht bereist haben. Wir sind gespannt, wie sich das ehemalige Armenhaus Europas in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat …

Rumänien, dieser ehemalige Vielvölkerstaat, über die Jahrhunderte geprägt von ungarischen Fürsten, deutschen Siedlern, umherziehenden Roma und osmanischen Eroberern, hat erst im letzten Jahrhundert zu einer nationalen Einheit gefunden. Und erst, als die Schreckensherrschaft des kommunistischen Despoten Ceausescu ein gewaltsames Ende gefunden hatte, war der Weg frei zu einer freien Gesellschaft im Rahmen der europäischen Familie.

Dabei reichen die europäischen Wurzeln zurück bis in die Blütezeit römischer Macht, als verdiente Soldaten und Bürger des römischen Reiches hier Siedlungsraum bekamen und so ihre Kultur und vor allem ihre romanische Sprache etablierten. So ist Rumänisch heute eng verwandt mit Italienisch und Französisch.

 

Graf Dracula

Sagt man Rumänien, denkt man sofort an Transsylvanien und den sagenumwobenen Graf Dracula. Die Verklärung durch Roman und Film schuf ein völlig falsches Bild von einem blutrünstigen Vampir. Doch was ist tatsächlich Historie, was nur Phantasie?

Nun, das Fürstengeschlecht der Draculea gab es wirklich. Die Legenden berufen sich maßgeblich auf Fürst Vlad III. Draculae, der im 15. Jh. nach seiner Gefangenschaft in Konstantinopel und seiner Flucht zurück in die Walachei in Targoviste residierte. Seine grausam brutalen Vergeltungsmaßnahmen gegen einfallende osmanische Truppen, als er Gefangene bei lebendigem Leib zur Abschreckung pfählen lies und ihm seinen Beinamen „Der Pfähler“ gaben, legten den Grundstein zur Vampirgeschichte.

Die Fantasie verlegte die ganze Historie mal eben nach Transsylvanien in die Karpaten, da sich hier vor allem die Törzburg bei Bran hervorragend dazu eignete, den Mythos Dracula professionell auszuschlachten. Und so lebt heute eine ganze Souvenirindustrie von den blutigen Machenschaften des Fürsten. Dies ist dermaßen einträglich, dass es inzwischen auch an weiteren Plätzen im Land Dracula-Schauplätze gibt, die das Original jedoch nie gesehen haben …

 

Das Burzenland

Wenn man von Bukarest kommend die monotone Tiefebene der Walachei endlich hinter sich gelassen hat und sich die bewaldeten Flanken der Karpaten allmählich aus dem Dunst schälen, dann erreicht man eine Region, die als Transsylvanien bekannt ist. Und wenn sich das düstere Tal von Sinaia endlich weitet, dann ist man überrascht von der Lieblichkeit des Burzenlandes, wie die Siebenbürger Sachsen ihre Heimat nannten.

Um das einst als Corona gegründete Kronstadt entwickelte sich ein Landstrich, der seit dem 12. Jh. über viele hundert Jahre von deutschen Siedlern, die von ungarischen Fürsten als Wehrbauern angesiedelt wurden, nachhaltig geprägt wurde, und selbst heute, nach Umsiedlung und Vertreibung, auf Schritt und Tritt an diese Zeit erinnert. Jedes Dorf führt seinen deutschen Namen neben der rumänischen Bezeichnung weiter, die deutsche Sprache ist vielerorts, vor allem bei älteren Menschen, durchaus geläufig.

Gepflegte Vorgärten, saubere Straßen, neue Autos – der Schein lässt Mentalitätsübereinstimmungen durchaus zu. Auch wenn heute natürlich das Rumänische überwiegt. Vor allem rund um die mächtigen Kirchenburgen lässt sich die deutsche Geschichte sehr lebendig nachvollziehen und wird auch entsprechend vermarktet.

 

Schloss Peles

Als Prinz Karl von Hohenzollern-Sigmaringen als König Carol I. im Jahre 1875 den Grundstein zu diesem Märchenschloss legte, begann in Sinaia eine neue Zeitrechnung. Das Gesamtensemble mit der königlichen Wache, der Villa Pelisor für die Ritter des Ordens „Michael des Tapferen“ und dem Jagdschloss Foisor samt ergänzender Gebäude besticht auch heute noch durch seine detaillierte, an Baden-Württemberg erinnernde Architektur.

Es war das modernste Schloss seiner Zeit. Stein- und Fachwerkbau erinnern an deutsche Romantik, die Außenanlagen zeigen den Stil italienischer Neorenaissance. Im Inneren jedoch sorgte eine Zentralheizung für wohlige Wärme während der eiskalten Wintermonate, das eigene kleine Elektrizitätswerk am Fluss Peles lieferte Strom. Aufzüge für die älteren Herrschaften, Telefon, und ein sich automatisch öffnendes Glasdach über der Ruhmeshalle fühlten sich damals sehr zukunftsorientiert an. Selbst ein Kinosaal befand sich unter den 170 Räumen.

Eine eigene Konzerthalle, ein Theatersaal und eine umfangreiche Bibliothek vervollständigten das königliche Domizil. Alle maßgeblichen Stilrichtungen der damaligen Zeit fanden Berücksichtigung bei der Gestaltung, und an den Wänden sammelten sich Gemälde fast aller weltbekannten Künstler der Vergangenheit.

Mit seiner verspielt wirkenden Architektur und er grandiosen Lage inmitten der Karpatenwälder ist Schloss Peles auch heute noch ein Blickfang erster Güte. Kein anderes Schloss in Rumänien präsentiert sich in solcher Pracht und spiegelt damit eindrucksvoll die Zeit der Herrschenden um die vorletzte Jahrhundertwende wider.

 

Die Pracht der Moldauklöster

Die Moldauer Fürsten Stephan III. und seine Nachfolger, vor allem Petru Rares, stifteten zwischen dem 15. und 16. Jh. rund vierzig Klöster. Mit dem Kloster Humor begann man 1530, die Außenfassaden der Klosterkirchen bis unter die weit ausladenden hölzernen Schindeldächer zu bemalen. Damit wollte man den einfachen Gläubigen die Bibelgeschichte visuell verständlich machen, da sie das offizielle Kirchenslawisch nicht verstehen, geschweige denn lesen konnten. Dabei wurden oftmals auch politische Ereignisse, wie etwa die Belagerung Konstantinopels durch die „Ungläubigen“ dargestellt.

Wir beschränken unsere Besuche auf die dem Weltkulturerbe zugeschriebenen Klöster von Voronet, Humor, Sucevita und Moldovita, sicherlich die eindrucksvollsten Zeugen der damaligen Zeiten.

Die wohl berühmteste der Moldaukirchen ist diejenige von Voronet, die ohne weitere Klostergebäude, nur von einer Mauer umgeben, mitten im Dorf steht. Es ist vor allem die unglaubliche Leuchtkraft des „Voroneter Blaus“, die die Außenfresken auch nach Jahrhunderten in fast schon unnatürlichem Glanz erstrahlen lässt. Aber auch die Motive der Fresken sind außergewöhnlich attraktiv und bestens zu erkennen und zu deuten. Diese als „Sixtinische Kapelle des Ostens“ betitelte Kirche zeigt an einer ihrer Außenseiten in fünf eindrücklichen Motivbahnen die Vorstellungen der Menschen vom letzten Tag der Menschheit.

Die Einzigartigkeit des Klosters Humor manifestiert im mittelalterlichen Ensemble mit Wehr- und Glockenturm sowie einer das Gelände umgebenen Mauer. Es war das kulturelle Zentrum der Schriftgelehrten, die hier im 15. Jh. u.a. das bekannte Evangeliarium geschaffen hatten. Zu besonderer Berühmtheit brachte es das Außengemälde, der in vierundzwanzig Bildstrophen dargestellte Marienhymnus.

Am besten gefallen hat uns jedoch die Auferstehungskirche in Sucevita. Mächtige Mauern umgeben das Klostergelände und lassen es dadurch ein wenig wie eine Festung wirken. Doch liebevoll arrangierte Details im Innenhof lassen uns mühelos in die Ruhe ausstrahlende Atmosphäre eintauchen und wir lassen uns ehrfurchtvoll von der Pracht gefangen nehmen. Es ist das einzige der Moldauklöster, dessen Innen- und Außenfresken vollständig und in bester Qualität erhalten geblieben sind. Die Fülle der erzählenden Malerei erschlägt uns fast, wir sind kaum in der Lage, die ungeheure Vielfalt zu erfassen.

Das Kloster Moldovita schließlich besticht durch sein Gesamtbild der klösterlichen Gebäude und der im Mittelpunkt thronenden, vollständig mit Außenfresken bemalten Kirche. Hier unterscheidet sich vor allem die Innengestaltung von den anderen Kirchen, fünf Innenräume mit jeweils eigenem Gewölbesystem unterteilen das historische Gebäude. Einzigartig ist auch der Altar aus Ebenholz. Im Kloster-Museum sind zusätzlich einige Handschriften aus dem 15. Jh. zu bestaunen, die von Kopisten und Miniaturisten in mühevoller Kleinarbeit geschaffen wurden.

 

 

Omu, 2507 Meter, unser erster Berggipfel in Rumänien
Herrliche Landschaften in den Karpaten
Die Törzburg, das fantastische Draculaschloss
Anspruchsvolles Bergsteigen am Königstein
Wehrkirche ivon Honigberg in Siebenbürgen
Schloss Peles, das schönste Schloss Rumäniens
Wandmalereien im Innenhof des Schlosses
Prächtige Villa Pelisor
Moldaukloster Voronet, Das Jüngste Gericht
Die Kirchenmalereien erstrahlen im Voroneter Blau
Historische Klosteranlage von Humor
Imposante Klosterkirche von Sucevita
Szenen aus der biblischen Geschichte
Klosterkirche Moldovita
Die Belagerung von Konstantinopel
Aufruf zum Gebet

Europa - Rumänien / 2.Teil – Ungarn – Österreich

21. Juni bis 22. Juli 2021

Natur- und Kulturlandschaften im Karpatenbogen

Erlebnisreich präsentiert sich Rumänien in seiner Mitte. Historische Stabkirchen, ganz aus Holz gefertigt, bärenreiche Wälder, die kaum erschlossene Naturareale bedecken, mittelalterliche Städte und Wehrkirchen, die deutsche Geschichte lebendig werden lassen, hochalpine Szenarien in den zentralen Karpaten. Und immer wieder herrliche Plätze zum Verweilen …

 

Der Maramures

Lange Zeit war es die wohl ursprünglichste Region Rumäniens geblieben, abgeschieden vom Rest des Landes, an der Grenze zur Ukraine, eingeschlossen von hohen Bergen. Uralte bäuerliche Traditionen, überlieferte Handwerkskunst und tiefe Religiosität prägten diesen waldreichen Landstrich.

Doch auch hier hat die Moderne inzwischen Einzug gehalten: Tourismus und die Gelder vieler im Ausland arbeitenden Menschen verändern so langsam die Strukturen. Trotzdem bleibt uns der Maramures  als eine der attraktivsten und interessantesten Regionen im Gedächtnis.

Vor allem die aus unterschiedlichen Stilepochen stammenden Holzkirchen sind zu einem Erkennungszeichen geworden. Da die ungarische Krone verbot, in Transsylvanien Kirchen aus Stein zu errichten, nutzte die Bevölkerung die reichhaltigen Holzbestände zu dieser Bauweise. Charakteristisch für alle Kirchenbauten sind die schmalen Kirchenschiffe mit ihren teils doppelten Schindeldächern und den darauf stehenden schlanken Glockentürmen. Vor allem in der Anfangszeit wurden viele dieser Holzkirchen völlig ohne Nägel errichten, nur Nut und Feder hielten die Bauwerke zusammen.

Im Inneren waren sie, der orthodoxen Kirchentradition entsprechend, mit leuchtenden Farben direkt auf die Holzwände und Decken ausgemalt. Einige der Kirchen konnten ihre Bemalung bis in die heutige Zeit retten und geben so Zeugnis alttestamentarischer Bibelgeschichten.

Herausragend ist hier die Holzkirche von Surdesti zu nennen, sie ist mit 56 Metern Turmhöhe der höchste Eichenholzbau der Welt. Sehr beeindruckend ist auch die uralte, aus Tannenholz gebaute Hügelkirchhe von Jeud aus dem Jahr 1364 mit ihren wundervollen Malereien aus dem 18. Jh.

 

Die Kirchenburgen in Transylvanien

Ab dem 12. Jh. holten die ungarischen Könige moselfränkische und rheinische Siedler als freie Wehrbauern ins Land.  Die später Sachsen genannten Bauern sollten die Südostflanke des ungarischen Königreiches gegen die Türkeneinfälle sichern helfen. Aber auch der deutsche Ritterorden baute zu diesem Zweck überall im Land Burgen, um den Türken die Stirn bieten zu können.

Im 15. Jh. nahmen die Überfälle der Türken immer mehr zu, und die Sachsen mussten deshalb ihre Wehrkirchen immer weiter ausbauen, um der Bevölkerung besseren Schutz bieten zu können. So entstanden rund 200 die Landschaft prägenden Wehrkirchen, mit unüberwindbarem Burgfried und Verteidigungseinrichtungen. Brunnen und Vorratskammern ermöglichten es der Bevölkerung, auch wochenlangen Belagerungen Stand zu halten.

Besonders authentisch sticht  hier die Wehrkirche und das Dorfensemble von Biertan ins Auge. Fast wähnt man sich zurückversetzt in die mittelalterliche Zeit, bummelt man gemächlich durch die Reihen der uralten Häuser und betrachtet die Wehrkirche, die schon fast einer Burg das Wasser reichen kann.

 

Schäßburg/Sighisoara

Die Altstadt der „Perle Siebenbürgens“ besticht in ihrer historischen Komplexität. Rund 150 sehr gut erhaltene Bürgerhäuser ducken sich um die Bergkirche und den mächtigen Stundturm aus dem 14. Jh., dem Wahrzeichen der ehemaligen Sachsen-Siedlung. Er ist Teil der gewaltigen Stadtbefestigung, von der mehrere Türme samt Stadttoren sowie die gesamte Stadtmauer erhalten sind.

Ein Bummel durch die groben Kopfsteinpflastergassen, vorbei an den Fassaden der liebevoll restaurierten Stadthäuser, lässt uns eintauchen in längst vergangene Zeiten, als hier ein blühendes Gewerbe- und Handelszentrum der aus deutschen Landen eingewanderten Siedler entstand. Wie auch in vielen weiteren Städten und Dörfern ist bis heute die deutsche Geschichte Siebenbürgens sichtbar und man bekennt sich inzwischen auch gerne wieder dazu, auch wenn kaum noch Menschen mit deutschen Wurzeln hier geblieben sind …

 

Fazit Rumänien

Es ist nicht zu übersehen – Rumänien ist mit Riesenschritten unterwegs in Richtung Europa! Perfekte Straßen, auch abseits der Hauptrouten, modernste Infrastruktur, riesige Verbrauchermärkte, öffentliches Wlan-Netz in fast allen urbanen Ansiedlungen. Rege Bautätigkeit, neuwertige Autos, modisch gekleidete Menschen.

Aber oft genug trügt hier auch der Schein. In abseits gelegenen Regionen, in kleinen Straßendörfern, die so typisch sind für das Land, begegnen wir noch den alten Zeiten: Pferdefuhrwerke, bröckelnde Fassaden, Straßenverkauf eigener Erzeugnisse, um die unfassbar niedrige Rente zu ergänzen.

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, Hotels und Pensionen, fein herausgeputzt, warten auf den Urlauber, Wanderwege sind bestens in Schuss, Restaurants und Cafés buhlen um den Gast. Die historischen Burgen und Schlösser, Klöster und Kirchen erfreuen sich größtem Interesse, der Besucherandrang in der Urlaubssaison ist enorm.

Die Natur ist vielfältig, manchmal aber auch etwas gleichförmig. Das größte zusammenhängende Waldgebiet Europas bedeckt das Land so intensiv, dass es fast schon zu einschränkend wirkt. Die vielen Stauseen locken, sind jedoch meist nicht wirklich gut erreichbar. Und dass der Müll eigentlich in der Natur nichts zu suchen hat, muss den meisten Menschen hier erst noch bewusst werden, denn vielerorts erinnert der Picknickplatz oder der Strandabschnitt eher an eine Mülldeponie denn an ein Erholungsgebiet …

Die Menschen wirken oft verschlossen, kaum einmal ein Lächeln ist ihnen zu entlocken. Wirklicher Kontakt zu ihnen fällt schwer, selbst Connys offenes Lachen wirkt hier selten. So bleibt eine gewisse Distanz zum Land.

Das Reisen an sich ist wunderbar entspannt, wir konnten uns überall und jederzeit zum Übernachten oder Campen niederlassen, niemand fühlte sich belästigt oder schickte uns gar weiter. Hier ist ein ganz großer Gegensatz zu den meisten anderen Regionen in Europa feststellbar.

Sieben Wochen kreuz und quer durch Rumänien ließen uns das Land ganz gut kennenlernen, heimisch sind wir hier jedoch nicht geworden ...

 

Heimatbesuch

So nahe waren wir mit Manni seit fast acht Jahren nicht mehr an Deutschland! Also haben wir beschlossen, die Hochsommerferienzeit nicht im Süden, sondern in der alten Heimat zu verbringen, um mal wieder Familie und Freunde zu besuchen. Nach ein paar entspannten Reisetagen im landschaftlich eher belanglosen Ungarn und einem coronabedingten Transit durch Österreich sind wir nun wieder im Raum München und Zwickau unterwegs!

 

 

Wunderschöner Bergsee in den Muntii Rodnei
Alte Bauernhäuser in Jeud
Alles aus Holz!
Eine der ältesten Stabkirchen Rumäniens in Jeud
Uralte Holzmalereien verzieren die Kirchen
Die alte Holzkirche in Barsana
Buch aus dem Jahr 1561 im Klostermuseum
In den Bergen blühen die Azaleen und Buschröschen
Altstadt von Schäßburg
Stadtmauer in Schäßburg
Mächtige Wehrkirche in Biertan
Pferdegespanne sind in Rumänen neben Luxuskarossen normales Straßenbild
Typische Häuserzeile in Siebenbürgen
Wir sehen an einem Tag gleich drei Bären
Basilika Curtea de Arges

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