Wer kennt Mauretanien? Was weiß man darüber? Kaum etwas ist den Meisten bekannt über dieses geheimnisvolle Wüstenland in der westlichen Sahara.
Wir planen, zwei Monate durch die Wüsten dieser Region zu ziehen. Mehrheitlich auf abenteuerlichen und sehr einsamen Spuren. Lediglich ein paar Nomaden, ab und zu eine abgelegene Siedlung, wohl kaum andere Reisende – kaum jemand wird uns begegnen. Internetempfang werden wir selten genießen können, und wir werden meist auf uns alleine gestellt sein.
Es wird eine Sahara-Expedition ganz nach unserem Geschmack …
Dumpfes Grollen schwebt über den Dünen, eine schwarze Dieselwolke wabert am Horizont. Noch ist nichts zu erkennen, doch nach und nach schält sich ein Schatten aus dem hellen Sand. Die Umrisse von Lokomotiven erscheinen, eine unendliche Reihe an Waggons hinter sich herziehend.
700 Kilometer, von Zouerat inmitten der Sahara bis zum Atlantikhafen Nouadhibou, führt dieser Schienenstrang. Täglich mehrere dieser bis zu zweieinhalb Kilometer langen Züge mit bis zu 200 Waggons transportieren 17.000 Tonnen Eisenerz, das wichtigste Exportgut des Landes.
Aber diese Züge gelten auch als die Lebensader für die Menschen dieser Region, denn sie transportieren Lebensmittel, Wasser und alles Mögliche, das gebraucht wird. Und natürlich auch die Menschen selbst.
Für uns ist eine Begegnung mit einem solchen stählernen Ungetüm immer wieder eine willkommene Abwechslung auf dieser mehrheitlich eintönigen Wüstenpiste. Und anscheinend auch für die Lokführer, denn sie begrüßen uns jedes Mal mit ihrem lauten Signalhorn und winken uns lange zu.
Urplötzlich tauchen die Umrisse von Bergen aus der diesigen Luft vor uns auf. Wir kommen näher und erkennen gewaltige Granitmonolithen, die sich aus dem Wüstenboden erheben. 633 Meter hoch ist der zweitgrößte Monolith der Welt, der Ben Amira, glatt und abweisend seine steilen Flanken. Französische Alpinisten bohrten vor einigen Jahren Kletterhaken in den Granit, und diese nutzen wir, um diesem beeindruckenden Koloss aufs Haupt zu steigen. Nach sechs steilen Seillängen stehen wir am Gipfel.
Was für ein Panorama! Der Ben Amira II, auch Aisha genannt, erhebt sich ein paar Kilometer nördlich von uns aus der Dünenlandschaft, mehrere kleinere Monolithen verteilen sich dazwischen. Auf der anderen Seite erkennen wir immer wieder einen der gewaltigen Erzbahnzüge, die sich schwerfällig ihren Weg bahnen, dahinter ein endloses Dünenmeer.
Es ist ein mystischer Ort, ein Zusammenspiel natürlicher Elemente, diese einmalige Präsenz lässt uns demütig verweilen. Und wir erkennen, wie klein wir sind in den Dimensionen der Wüste …
Was ist denn das? Nie gehört? Stromatolithe sind laminierte, meist kalkige Strukturen, welche von mikrobiellen Gemeinschaften, vorwiegend durch Cyanobakterien, erzeugt werden. Alles klar? Und keine Fossilgruppe ist älter als Stromatolithe, sie existieren bereits seit 3,5 Milliarden Jahren! Sie sind von außerordentlicher Bedeutung für das Verständnis der Entwicklung der Atmosphäre und des Lebens auf der Erde.
Die hier in Mauretanien in der Nähe von Atar zu findenden Gesteinsplatten und die dort eingeschlossenen Stromatolithe sind etwa 900 Millionen Jahre alt. Fasziniert stehen wir vor dieser erdgeschichtlich so bedeutsamen Entdeckung. Immer schönere Formen finden wir, können uns kaum losreißen von diesem Wunder der Natur.
Als die Franzosen ihre koloniale Präsenz in der Sahara sichern wollten, errichteten sie zahlreiche Forts als Stützpunkte für ihre Fremdenlegionäre. Diese wurden meist in unwirtlicher Umgebung fernab jeglicher Zivilisation erbaut, wichtigster Bestandteil natürlich ein Brunnen, um das Überleben zu sichern.
Eines der eindrücklichsten Anlagen sind die Reste des Forts von El Ghallaouiya, am östlichen Rand des Adrar-Gebirges versteckt. Es war einer der wichtigsten Außenposten, um die Handelswege zwischen dem Adrar und dem Erg Ouadane zu kontrollieren.
Als die Franzosen schließlich abzogen, übernahm die mauretanische Armee die Anlage. Erst 2007, als aus dem Osten einfallende Terroristen mehrere Soldaten töteten, wurde das Fort endgültig aufgegeben.
Wir erreichen diese historische Militärfestung auf einsamsten und abenteuerlichen Spuren und als wir zwischen den Resten des Gemäuers nächtigen, wird uns die entbehrungsreiche Lage der damaligen Soldaten erst so richtig bewusst. Aber dies war den Machthabern in Paris sicherlich ziemlich gleichgültig.
Viele der beeindruckendsten Zeugnisse neolithischer Kultur findet man in der mauretanischen Sahara. Verteilt auf unzählige Fundorte begeistern die Darstellungen von Jagdszenen, Rindern und Antilopen, Straußen und sogar Elefanten. Sie sind nicht leicht zu finden, und die Anfahrt ist oft abenteuerlich.
Besonders eindrucksvoll erweisen sich die Gravuren im Trig Choauil, einem Canyon im östlichen Adrar-Gebirge. Immer mehr dieser toll erhaltenen Darstellungen entdecken wir bei unseren Erkundungen, und sie belegen, dass hier von rund 6.000 Jahren viele Menschen gelebt haben, als die Sahara viel grüner und wasserreicher gewesen ist.
Nur aus dem Weltall ist diese 45 Kilometer messende Ringstruktur in ihrer gesamten Dimension zu erfassen. Sieben Ringwälle, aus nur wenigen Metern hohem Sedimentgestein, markieren eine gigantische Struktur, den fast kreisrunden Guelb er Richat.
Die genaue Entstehung ist bis heute nicht restlos und zweifelsfrei geklärt. Neueste Forschungen vermuten, dass durch die Erosion einer sogenannten Domstruktur, aufgewölbt durch magmatische Intrusionen, dieses kraterähnliche Gebilde entstanden ist.
Dank klarer Sicht ist es uns trotzdem möglich, die unterschiedlichen Verwerfungen zu erkennen. Wir durchqueren alle Ringe, dringen bis ins Zentrum vor, erfassen dabei die gigantischen Ausmaße. Unglaublich, welche Kräfte gewirkt haben müssen, um so etwas entstehen zu lassen
Ouadane: Im 12. Jahrhundert gegründet, entwickelte sich die Siedlung rasch zu einem wichtigen Handelsposten, an dem Gold, Datteln und Salz getauscht wurden. Ab dem 16. Jahrhundert verlor die Handelsniederlassung jedoch allmählich an Bedeutung, da sich die Karawanenwege veränderten. Dazu kamen später immer wieder Überfälle verschiedenster Stämme. Und dann legte sich langsam der Sand über die Ruinen …
Chinguetti: Seit Jahrunderten ist sie eine der bedeutendsten Städte des Islam, war Sammelplatz für Mekka-Pilger und wurde zur heiligen Stadt für diejenigen, die sich die Pilgerfahrt nach Mekka nicht leisten konnten. Sie war Zentrum der islamischen, religiösen und wissenschaftlichen Gelehrsamkeit, und bis heute werden einige Bibliotheken mit Schriften aus diesen Jahrhunderten in Ehren gehalten. Weitgehend verfallen und vom Sand der Wüste bedroht, dümpelt die Stadt heute bedeutungslos vor sich hin …
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Liebe Grüße an Euch alle,
Conny & Tommy